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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-08-03 · 31 (3.8.1894) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
31 (3.8.1894)
Date
1894-08-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 31 Veflerreichtptzr Ivochrnfttzrifl Seite 597 fährt der Biedermann fort: „Wer mich aber einen Antisemiten nennt, spricht aus Unkenntniß, oder in der Absicht, mich zu verleumden. Gerade unter Juden habe ich seit Jahren meine besten Freunde. Auch die Wucherer, die mich ruinirt haben, sind nur zum kleinsten Theil Juden. Wohl kenne ich unter jüdischen Leuten große Hallunken ebenso wie unter christlichen, und über Beide habe ich mich gelegentlich wohl scharf genug ausgelassen, aber mich zum Antisemiten stempeln zu wollen, kann nur Dummheit oder Bosheit wollen." Zuletzt gibt Ahlwardt sein Ehrenwort, er werde jede religiöse Intoleranz bis zum letzten Athemzuge bekämpfen. Bon Ahlwardt kann man dessen gewärtig sein, daß er in'einer seiner nächsten Versammlungen diesen Brief mit „momentaner Sinnesverwirrung" entschuldigen werde. — Sein Busenfreund, der Kaufmann Johannes Walter in Arnswalde, welcher die antisemitische Agitation in diesem Kreise längere Zeit geleitet hat, ist der „heiligen Sache" untreu geworden, denn er hat sich mit einer — Jüdin, einem sechzehnjährigen Fräulein Hermannsohn, verlobt. Merkwürdigerweise besitzt die Dame kein Vermögen, während die Antisemiten- Jünglinge sonst ihre Hände nur nach solchen Jüdinnen ausstrecken. die in. der Wahl ihrer Eltern vorsichtig gewesen sind. Es soll uns nicht wundern, wenn nun in der antisemitischen Presse behauptet wird, ihr bisheriger Arnswalder Parteiführer sei von den Juden „gekauft" worden. Bon anderer Seite erhalten wir hierüber folgende Bemerkung: Als „Verblendung der Leidenschaft" bezeichnet es der Ahlwardt-Monitenr, daß d r Führer der antisemitischen Partei in Ahlwardt's Wahlkreise, Johannes Walter in Arnswalde, sich vor Kurzem mit dem 16jährigen jüdischen Fräulein Hermannsohn verlobt hat. Es ist, wie uns noch in frischer Erinnerung ist, kaum ein halbes Jahr her, da brachte dieselbe Zeitung die Mittheilung in einem Versammlungsbericht aus Arnswalde: „Große Begeisterung erregte es in der Versammlung, daß unser wackerer Johannes Walter sich mit der Tochter unseres edlen Vorkämpfers Ahlwardt verlobt hat." Damals war natürlich von keiner „Verblendung der Leidenschaft" die Rede. Ob die Verlobung mit Ahlwardt's Tochter überhaupt nicht officiell stattgesunden hat oder wieder rückgängig gemacht wurde, entzieht sich unserer Kenntniß. Der Abgeordnete Ahlwardt bestreitet in seinem Organ, dem „Bundschuh", die Richtigkeit einer durch die Blätter gehenden Meldung, wonach er, um der ihm durch das Berliner Landgericht zuerkannten dreimonatlichen Gefängnißstrafe zu entgehen, ein Gnadengesuch an den Kaiser eingereicht haben soll. Er wird vielmehr die Strafe antreten, sobald eine dahingehende Aufforderung an ihn herantritt. Herr Schweinhagen, der verhaftet werden sollte, um die im Processe gegen Plack und Genossen (Beleidigung des Staatsministers Dr. Mjiquel) über ihn verhängte Strafe abzubüßen, ist, wie ein Antisemitenblatt hört, n i ch t a u f z uf i n d e n. Er soll ins Ausland gegangen sein. Judenhetze in Köln. Der dortige antisemitische Verein veranstaltete in den letzten Tagen durch große Placate an den Straßenecken eine wilde Judenhetze, weil ein angeblicher Jude Spier die dortige Georgskirche verunreinigt hatte. Jetzt stellt sich heraus, daß jener Uebelthäter ein Katholik war, der bereits zweiundzwanzigmal vorbestraft ist. In den weitesten Kreisen der Bürgerschaft wird die zügellose Hetze der Antisemiten entschieden verurtheilt. Man verlangt, daß diesem Treiben Einhalt geboten werde. Zur Hygiene der Semiten. Die folgende Stelle aus einem aus dem diesjährigen XI. internationalen medicinischen Congreß in Rom vom bekannten Bukarester Bakteriologen Pros. Babes gehaltenen Vortrage dürfte von Interesse sein, da sie zeigt, wie man in streng wissenschastlichen Kreisen über die die Hygiene berührenden, religiösen Satzungen unsersr, „inferioren Raffe" denkt: „Aber selbst in unsere Zeit hinein wirken diese Maßregeln (iä hygienische Satzungen der mosaischen Lehre) zur Beschämung der modernen Gesetzgebung. Die Gesetze Moses' waren füglich Religionssatzungen, aber eben die Religion hatte von jeher das Privilegium, tief in das Familienleben der Völker einzudringen. Die hohe Weisheit der mosaischen Gesetzgebung bestand nicht nur in den Principien der Verordnungen, sondern in der Art, die Gesetze zu popularisiren und tief in das Familienleben einzuprägen. Wie wirksam noch heute diese rituellen Gesetze sind, sahen wir nicht nur an der besonderen Vitalität des jüdischen Volkes, sondern daraus, daß die Israeliten mit ihren rituellen Gewohnheiten derart überhand nehmen, daß ihnen gegenüber Ausnahmsregeln angewendet werden, während die einheimische Bevölkerung oft im Elend verkommt und namentlich durch Kindersterblichkeit und Jnfectionskraukheiten decimirt wird." Dr. 8. Erzbischof Kohn. Das „Vaterland" vom 26. Juli 1894 meldet: Die in Troppau jeden Mittwoch und Samstag erscheinende „Deutsche Wehr" bringt in Nr. 57 vom 18. Juli folgende Notiz: Spende. Der Fürsterzbischof Dr. Kohn hat zur Anschaffung der Kreuze für Schulzimmer der Lehrer- und Lehrerinnen-Bildungsanstalt in Troppau 95 fl. gespendet. Die arme Staatsverwaltung hat dieses Geschenk natürlich angenommen. Ob die religiöse Erbauung unserer deutschen Lehramtszöglinge durch die Erinnerung an den czechisch-jüdischen Spender besonders gefördert werden wird, lassen wir dahingestellt sein. „Man traut seinen Augen kaum, wenn man dies liest. Abgesehen von der ganz unqualificirbaren Verunglimpfung des eigenen Oberhirten, der gelegentlich seiner zweimaligen Anwesenheit in Troppau der deutschnationalen Gemeindevertretung Hunderte von Gulden für die Armen der Stadt zur Verfügung gestellt und andere namhafte Spenden für Schulzwecke rc. gewidmet hat, fällt ganz besonders schmerzlich die indirecte Aufforderung zur Nichtachtung des Kreuzes auf. — Wohin soll dies führen? Der angeblich blos wirthschaftliche Antisemitismus der „Deutschen Wehr" fängt an, sonderbare Früchte zu zeigen." Ein Leser des „Vaterland". Antisemitenhetze in Weidlingau. Bei Rouland in Weidlingau kam es gelegentlich des Annafestes zu einem Auftritte, bei dem es blutige Schrammen, Rippenstöße und blaue Augen setzte. Man schreibt uns: Gleich beim Eintritt sah man, daß eine Partei es darauf anlegte, die hier zahlreich verkehrenden Juden zu provociren. Die Worte: „Saujud, Judenbub" wurden den Passanten zumeist von den hier gerade anwesenden antisemitischen Radfahrer- Bereinigungen zugerufen. Die Fleischhauer von Oberweidlingau secundirten. Man vergriff sich an den Frauen und Kindern der Männer, die dieser antisemitischen Hetze Einhalt gebieten wollten, beleidigte und schlug sie. Sogar ein alter Mann, Privatier, der seit Jahren in Weidlingau lebt und wohl gekannt ist, wurde von einem Kellner Roulan d's bei beiden Ohren ergriffen und wie ein Schulbub gebeutelt. Das war das Signal zum allgemeinen Tumult. Einzeln stehende Gruppen von Juden wurden von Antisemiten angefahren und geprügelt, ohne daß der Wirth intervenirte; von Gendarmerie und Polizei keine Spur, obwohl das Annafeft polizeilich gemeldet war; das Raufen der Antisemiten dauerte wohl eine halbe Stunde; mehrere jüdische Aerzte verbanden die Mißhandelten; dem wüsten Johlen der Antisemiten war selbst, als Frauen und Kinder sich zur Abwehr aufstellten, kein Einhalt zu gebieten. Es ist zu bewundern, daß in einem Local, das von Tausenden hier weilender jüdischer Familien den Sommer hindurch besucht wird, antisemitische Radfahrer-Bereinigungen ihr Absteigquatier zum Aergerniß aller Stammgäste halten dürfen, noch unverständlicher aber ist, daß die Gendarmerie, die hier jeden Bettler arretirt, bei solchen Gelegenheiten nicht einschreitet. B. Antisemiten auf der Reise. Wir erhalten diese Zuschrift: „Löbliche Redaction! Ein Opfer antisemitischer Brutalität richtet an Sie diese Zeilen. Ich bin ein Kaufmann mittleren Alters, einer allgemein geachteten hiesigen Familie entsprossen, welche seit Jahrhunderten hier ansässig; der Attentäter, ein zugewanderter Commis, der sich vor 2 Jahren etablirt hat und den Namen Hulicius führt. Ich stand in keinem, wie immer gearteten gesellschaftlichen oder

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