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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-08-03 · 31 (3.8.1894) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
31 (3.8.1894)
Date
1894-08-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 594 Deverrektzifitzr WochenfchrM Nr. 31 Daß die den „Fremden" betreffenden Vorschriften jedem Nebenmenschen gegenüber strenge einzuhalten sind, ist zweifellos. Der Ehre unseres Gottes geschieht kein Abbruch dadurch, daß Andere Andern dienen; denn der unbewußte Drang zum H ö ch st e n ist die Triebfeder der Verehrung des Hochscheinenden; auch die Heiden sind, wenn edel und gut, der Seligkeit theilhaftig. So darf es für Raffenfeindschaft auch für Glaubenshaß in dem Gemüthe des Israeliten keinen Raum geben. Der glaubenstreue Israelit ist bis zu dem Athemzuge, mit dem er sein Leben aushaucht, ein Zeuge für die Wahrheit: „Gott ist einig einzig." „Ihr seid meine Zeugen", spricht der Einige und „meine Diener, die ich mir erwählt." (Jesaia 43.10). Wir sind als Nachkommen derjenigen, die am Sinai gestanden, und vermöge unserer Abstammung von Märtyrern, die für das Höchste und Heiligste geblutet und alle erdenklichen Qualen erduldet, berufen und verpflichtet, die Wahrheit vom Sein und Walten des einig einzigen Weltenschöpfers durch das wüste Gedränge der Völkergeschichte hindurchzutragen und allen mystischen, speculativen und wissenschaftlichen Verirrungen des Menschengeistes zum Trotz zu erhalten. Diese Zeugenschaft erheischt eine gewissenhafte, verständige, sittenstrenge, von Treue und Wahrheitsliebe durchdrungene Lebensführung. Das beherzigend habe ich in mir Haß, Verachtung, Lüge, Heuchelei,Rohheit, Hochmuth, kurz alle bte bösen Elemente, aus denen der Antisemitismus besteht, numals auskommen lassen, und dadurch, ohne es darauf abzusehen, in meinem engeren Kreise der Hetze den Boden entzogen. Der Umstand, daß sich das Böse außer uns gegen uns kehrt, sollte uns bestimmen, im eigenen Lager damit auszuräumen und Alles, was dem Geiste unserer erhabenen Religion widerspricht, daraus zu verbannen. Jüdische Abwehrvereine würden sicher Ersprießliches leisten, wenn sie vornehmlich darauf bedacht wären, die Widerstandskraft unseres Volkes durch aus den heiligsten Quellen geschöpfte Belehrung zu stärken; dann würden auch die von hochherzigen Christen gegründeten Vereine zur Abwehr des Antisemitismus ungleich einflußreicher und mächtiger werden, als sie jetzt sind. Wer in daS Getriebe der Ursachen und Wirkungen, aus denen sich die Geschichte aufbaut, tiefer hineinblickt, muß zu dem Schluffe gelangen, daß eine Zeit kommt, wo alle Völker, durch die Verhältnisse gezwungen, der Cultur des Gemülhs und Innenlebens die größte Sorgfalt zuwenden werden; dabei wird man a u f die Ethik Israels zurückgreifen müssen, wie es unsere Propheten vor Jahrtausenden verkündet, und der Antisemitismus wird gerichtet sein. Von uns verlangen indeß das Ehrgefühl und der Selbsterhaltungstrieb in voller Uebereinstimmung mit unserer religiösen und geschichtlichen Aufgabe, daß wir schon jetzt den Anfang machen und der Welt zeigen, wie man das Böse bei der Wurzel faßt. ^erija. Die Rothschild-Partei am Hofe des deutschen Kaisers u. der Fall v.Rohe. Ein antisemitischer Hundstagsartikel mit—Glossen. Unter diesem Titel schreibt die „Deutschnationale Zeitung" in Düsseldorf und das „Deutsche Volksblatt" druckt es in seiner grenzenlosen Dummheit nach: „Wir müssen denn doch einmal offen mit der Sprache herauskommen. (Na endlich, höchste Zeit!) Wenn es sich bei dem Strafverfahren gegen den Ceremonienmeister am kaiserlichen Hofe, Herrn v. Kotze, nur um Klatsch- und Hofgeschichten handelte, so würden wir uns darum am allerwenigsten aufregen, hier kommen jedoch andere Interessen in Frage. — (Nämlich, wie man einen Hundstagsartikel daraus zurecht schneidet und die Sache mit dem Judenthum in eine, wenn auch nur halbwegs plausible Verbindung bringt. Die guten Leser nehmen es ja nicht so genau.) Nachdem es der Bleichröder-Disconto-Sippe, also den Berliner Mitgliedern der Rothschild-Gruppe, gelungen war, — (aha! sind schon beim Rothschild, jetzt ist gewonnenes Spiel, der Artikel schreibt sich von selbst weiter) — einen Streitfall zwischen dem Kaiser und dem Fürsten B i smarck zu schaffen und dadurch den Altreichskanzler zu stürzen, arbeitete die Rothschild-Partei planmäßig daran, aus der Umgebung des Kaisers alle diejenigen Personen zu entfernen, die sich nicht bedingungslos in den Dienst der Hochfinanz und ihrer Anhängsel stellen. Vor Allem sucht man diejenigen Kreise zu treffen, die sich noch ein wenig Selbstständigkeitsgefühl gegenüber dem widerlichen Vordrängen eines protzenhaften Geldadels bei Hof bewahrt haben und ihren Rang, ihre Geburt, ihre Familienüberlieferung und ihre altconservativen Anschauungen , nicht ohneweiters mit der Patschuli-Vornehmheit der Börse»'Noblesse in einen Topf werfen lassen wollen. (An Allem ist Rothschild schuld. O dieser Rothschild! Auch den entlassenen Bismarck hat er aus dem Gewissen.) Und dieser Einfluß der bezeichneten Gruppe erstreckt sich nicht nur auf Ernennungen, Auszeichnungen und Ordensverlechungen, sondern er hat ein völliges Absperrungssystem zwischen dem Kaiser und allen deutsch-vaterländischen Bestrebungen und Bewegungen innerhalb des deutschen Volkes geschaffen. Nur hieraus ist die ablehnende Haltung des sonst für nationale Fragen so empfänglichen Kaisers gegenüber dem Kampfe zwischen Deutschthum und Judenthnmzuverstehen. (Der Rothschild hat den Kaiser abgesperrt, deshalb kann er nicht in die Antisemiienhetze einstimmen. — Jetzt wissen wir's! Der Artikil ist von einer erstaunlichen Klarheit und Präcision. Man sieht, der Mann, der ihn geschrieben hat, kennt die Verhältnisse bei Hose. Er ist io eingeweiht, als ob die anonymen Briefe von ihm wären. Der Styl ist derselbe.) Wer sind nun die Persönlichkeiten, die als Vertreter der Rothschild-Partei bei Hofe thätig sind? (Wir fangen selbst an, neugierig zu werden. Jetzt kommt das Interessante, das Denuntiatiöuchen.) Nun, die Zahl ist groß, und die Weiblichkeit spielt hier die Hauptrolle. Noch vor einigen Jahren war es allein die französische Frau Hiutzp eter, die sich in etwas störender Weise bei Hofe bemerklich machte, doch wurde dieser dann der Rang bald strntig gemacht durch Vollblutjüdinnen. Es ist da eine Frau Friedländer aus Breslau zu erwähnen, sodann die bei dem letzten Krönungs- und Ordensfeste mit hohen Orden bedachte „evangelische" Frau Mendelssohn-Barth o ldy, geborene Warschauer und andere Damen ähnlichen Ranges. Allen voran aber eilte Frau von Koscielska, geborene Bloch, die dunkeläugige Führerin des Polen-Clubs im deutschen Reichstage! — Der Vater der Letzteren war Bankier in Warschau und Geschäftsbesorger der Rothschild-Gruppe für Polen; seiner „Nationalität" nach war er Jude, Pole und Russe! Nachdem ihm sein Groß-Bankgeschäft in Warschau etliche Millionen eingebracht hatte, wurde er Jude, Pole und Deutscher. Eine stattliche Mitgift machte sein Töchterchen zur Gattin des bis dahin ziemlich mittellosen Herrn v Koscielski. Dieser wurde dann schnell Abgeordneter, wurde durch den schottisch-deutschen Kali-Grafen Douglas in die Geheimnisse des freiwilligen Admiralsdienstes eingeweiht und konnte bald die großen Marinereden halten, die ihn und seine semitische Gattin zu Mitgliedern der Hofgesellschaft erhoben. — Seit dieser Zeit ist Frau von Koscielska, die Tochter des jüdischen Bankiers und Rothschild'schen Geschäftsfreundes, der Mittelpunkt der Hofgesellschaft und auch die Karfunkel-Operatiou ihres Herrn Gemals ging neulich ganz glatt von Statten, so daß eine nachhaltige Störung dieses Verhältnisses glücklich vermieden wurde. Herr Dr. Miquel junior zeigt demnach sehr viel staatsmännische Begabung, wenn er bet den von Frau von Koscielska und deren Freundinnen veranstalteten Wohlthätigkeitsvorstellungeu willig die Rolle des Hofnarren übernimmt..,. .. (Gut gebrüllt Löwe! Aber wie hängt das mit der Kotz e-Affaire überhaupt zusammen? Der Titel hat doch was von K o tz e verlautbart. Die antisemitischen Leser haben das längst vergessen, eilen wir lieber ohne Kotze zum Schlüsse und sagen wir Von der Alliance israelite ein kräftiges Wörtchen. Also:) Auch uns liegt herzlich wenig an dem geringeren oder höheren Grade der Hoffähigkeit unseres Geburtsadels. Aber eine gewaltige Gefahr, nicht nur für unser Vaterland, sondern besonders auch für das Kaiserthum und die gesammte staatliche Ordnung liegt darin, wenn die Umgebung des obersten deutschen Bundesfürsten ausschließlick aus Personen besteht, die Vertreter oder Untergebene der Hochfinanz, des Rothschildthums oder mit anderem Worte: der Alliance Israelite universelle s in d. — Die Gefahr muß das deutsche Volk endlich erkennen; es muß alsdann dem Kaiser und den übrigen! Bundesfürsten die Gefahr vor Augen halten und sich im

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