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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-07-27 · 30 (27.7.1894) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
30 (27.7.1894)
Date
1894-07-27
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 30 Sestrrrrichiptzr Wochenschrift Seite 589 „Der ist ein leidenschaftlicher Jäger. Bor drei Monaten war er hier und ihm gefiel mein Gewehr. „Verkaufen, verkaufen!" Aber ich wußte, was das heißt, ihm verkaufen und sagte ihm. ich selbst hänge so sehr an dem Zwelläufer, daß ich mich um gar kein Geld von demselben trennen möchte! Was glauben Sie, darf ich mein Gewehr liebhaben?" „Nein!" Er lächelte. „Hier wohnt eine zudringliche Jüdin, welche dem Militärvorstand deshalb Keckheiten sagte, weil ihr einziger Sohn zum Militär genommen wurde! Das ist die Chaika! Was meinen Sie, hat sie angestellt? Sie reichte bei dem Gouvernements- Militärgericht eine Klage über das Kreis-Militärgericht ein und als ersteres ihre Eingabe nicht berücksichtigt hatte, wollte sie noch weiter gehen. Wie gefällt Ihnen das? Mein Kreisrichter schrieb mir, ich solle Erkundigungen über ihre angeblich nothdürftige Lage einziehen, sie bat ihn um ein solches Armuthszeugniß. Es war gerade um die Zeit, da der Sohn des Kreisrichters zum Vater fuhr.... Die Chaika ließ mich nicht zu Athem kommen. „Schneller, schneller!" „Mir wurde das endlich überdrüssig, ich setzte mich hin und schrieb dem Kreisrichter, sie habe ein Haus — und das ist auch wahr. Sie erfährt vom Schreiber den Inhalt meiner Antwort, kommt in die Kanzlei gelaufen und schreit frech: „Welches Recht hatten Sie, zu schreiben „Haus^'? Sie wollen ein ehrlicher Mensch sein, warum schreiben Sie nicht, daß mein Haus auf 50 Rubel geschätzt wurde!" „O Du Bestie! und das in der Kanzlei." „Nun hielt ich es aber wirkich nicht mehr aus und schickte sie zum Teufel. . . . Sie konnte doch bitten, statt befehlen. Sie geht zum Kreisrichter mit einer Klage und er — o ich verstehe ihn — schreibt mir unter dem Eindruck der „Geringschätzung", die seinem Sohne widerfahren: „Ich bin der Ansicht und schlage vor" — Alles wegen roher Behandlung des Publicums und ich weiß, wie er selbst das Publicum und gar die Juden behandelt; mich kann man nicht täuschen! . . . Da freuen Sie sich ... und er reichte mir ein Schriftstück hin. „Nun, und haben Sie Ihren Fehler gut gemacht?" „Jawohl! gut gemacht"! rief er unwllig. „Wie hängt das mit der Jüdin zusammen? Sie hatte das Recht, ihre Interessen zu wahren und daß sie barsch ist. . . wie wären Sie an ihrer Stelle gewesen? Aber wählen wir ein anderes Gesprächsthema. Ich habe eine große Bitte an Sie Lawrenti Ardalionowitsch! Um einen Beweis Ihrer Thätigkeit zu liefern, ließen Sie mit Schloime Protokoll aufnehmen, bei dem sympathischesten der hiesigen Lehrer, die, Dank Ihrer Güte ihr Geschäft fortsetzen werden." „Nein! Entschuldigen Sie — das nicht! Protokoll wird ausgenommen!" „Er wird aber nicht haben, wovon sein Leben zu fristen, ... die Kinder, die Frau!" „Was geht's mich an! ich werde auch bald ohne Stelle sein!" „Sprechen Sie jetzt aufrichtig?" „Aufrichtig! Der Teufel hole mich! aufrichtig! Die Schloimkas, Chaikas, sie können gar nicht umkommen und für die muß man leiden: Es ist gut, daß Sie mich daran erinnert haben. . . He, wer ist da?" Kagailow und ein Polizist kamen herein. „Mit Schloimka Protokoll aufnehmen!" sagte der Jnspector rauh. „Sie haben nicht geruht zu sagen, wann. . . ." „Und jetzt geruhe ich — unverzüglich!" „Zu Befehl!" „Sofort! Den Augenblick! Scheert Euch!" „Ich danke Ihnen von ganzem Herzen Lawrenti Ardalionowitsch", sagte ich bissig. „Wohl bekomm's Ihnen!" „Sie haben mir noch niemals eine solche Unannehmlichkeit bereitet. Nu freuen Sie sich jetzt! Kagailow, ich warte auf ein Protokoll, ich liebe es nicht, etwas oft zu wiederholen und rathe es Niemanden, mich aus der Fassung zu bringen. Fertig!" Kagailow eilte hinaus und nach wenigen Minuten ging er beim Fenster vorbei. „Auf Wiedersehen, Lawrenti Ardalionowitsch!" sagte ich und nahm meinen Hut. „Wie es Ihnen beliebt ... ich habe die Ehre!" „Ich gwg geärgert fort — meine „Hilfeleistung" brachte gegen meine Erwartung nur Schaden. Ich fühlte mich dem armen Schloimka gegenüber schuldig. Er ist jetzt, dachte ich bei mir, bei dem Begräbniß mit Betrachtungen über die Herrlichkeit des Paradieses und der Eitelkeit der irdischen Dinge beschäftigt. . . Mir that der Gedanke weh, daß er jetzt des Brotes, das er sich so ehrlich erwarb und worauf ein Jeder sein gutes Recht hat, beraubt wird. . . Und der Winter vor der Thür . . . sechs Kinder, die noch nicht die Entwicklung erreicht haben, um zu begreifen, daß der Sinn des Lebens und seine höchsten Genüsse in der Erforschung der mysteriösen Bedeutung von Buchstaben und Berechnungen bestehen — die wollen essen. Was wird aus Ihnen?" „Ueberbringen Sie Herrn Schloimka und Madame Chaika den Ausdruck meiner höchsten Ehrerbietung", ries mir Lawrenti Ardalionowitsch nach, als er mich bei seinem offenen Fenster Vorbeigehen sah. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. L. K. in Bieez. Soll der 26jnhrige ledige Mann Lehrer oder Schüler sein? Das ist aus Ihrer Anfrage nicht zu entnehmen und nicht ganz unwesentlich. Zkin. Die Cinspännerangelegenheit halten wir für erledigt. R. F. Smyrna. Für Ihre Zusendung dankend, freut es uns, daß unser Blatt auch in so weiter Ferne treue Anhänger besitzt. K., Wien. Mit Ihren ''Ansichten ganz einverstanden. Artikel leider unverwendbar, weil zu flüchtig geschrieben. Es leitartikelt sich nicht so leicht. B. Nt. Sie haben recht: „Der Junge und der Alte, Der „Junge" so sagt Christ und Jud Ja der „Junge", der ist gut. Der „Alte", sagt der Jud und Christ, Ja der „Alte" gehört am — Mist. Das reimt sich. Abonnent Bruck a. d. L. Wenden Sie sich in angefragter Sache an das Bankhaus Hornstein & Weißmann, Wien, I., Wippliugcrstraße 18. Finanzielle ''Auskünfte liegen außerhalb unseres Ressorts. Herr Julius M., München. Derartige Briefe sind uns stets willkommen. Danken für freundliches Interesse. Herrn I. Kollisch, Pnrkersdorf: „Sie schreiben uns, daß sie keine Kosten scheuen, ihre drei Kinder dreimal wöchentlich nach Neulengbach in den Religionsunterricht zu senden und daß der Religionslehr r B r a k l sie Ihnen trotz der Entfernung zurückgeschickt hat, ohne Unterricht ertheilt zu haben, weil Sie ihm fl. 1.50 schulden." Was können wir, die Redaction der „Oest. Wochenschrift" da wachen?? Ratiel. Ihr Gedicht ist entsetzlich! Das hat Nothnagel um das Judenthum nicht verdient. Sie belieben zu dichten: „An Hofrath Nothnagel!" Geschlagen hat er eine Hydra todt (?) Vom antisemil'schen Janhagel, Hat also verstanden in großer Noth Zu treffen am (?) Kopfe den Nagel! Die Hydra lebt leider noch und ist gesund. Bei 35 Grad Neaumur solche Poesie — das ist bös! I. H., Lemberg. Bon vielen Seiten werden wir auf das antisemitische Bad von Josef I w a n i c k i in Lemberg aufmerksam gemacht. Wir beabsichtigen nicht, uns mit demselben eingehender zu beschäftigen und constatiren nur diese reizende Specialität Lembergs. Herrn R. T. in St., P. Nun, würden an der Spitze der gegen uns gerichteten Bewegung wirklich Männer von Geist und w issen und eines lautern, integren Charakters stehen — was jedoch schon im Vorhinein ausgeschlossen ist, als ja solche Charaktere gar nicht Antisemiten sein können! — so wären Ihre Befürchtungen nicht ohne Grund; allein, wie schon so oft, so will wohl der Antisemitismus das Böse, schasst aber damit nur das Gute, indem er eben dem Socialismus, der weder einen Unterschied der Nationalität, noch der Confessiou kennt, den Boden ebnet und damit diesem es erleichtert, auch in jenen Schichten einzudringen, die sonst taube Ohren den Predigten der Socialdemokraten entgegenbringen. Herrn Frz. Bachrach in I. Für die Verwandtschaft des Antisemitismus mit dem Anarchismus gibt einen deutlichen Beweis Drumont's Flucht vor dem Anarchistengeietz. „Ostmarkler" hier. — Auf Ihre, dem Schönerer'schen Blatte entnommene Frage, was wohl ein „vernünftiger" Bauer über das „jüdische" Geschreibsel hinsichtlich des nicht abgebaltemn Saatenmarktes sagen würde, antworten wir Ihnen im Namen eines wirklich „vernünftigen" Bauers: „Gott bewahre uns doch vor den antisemitischen Freunden." „G^rad aus dem Wirthshaus komm' ich heraus!" Ja. Sie haben ganz richtig gelesen. - Derselbe Schönerer, der gleich seinem Patrone Georg die Bekämpfung des jüdiichen „Drachens" ans seine Fahne schrieb, schreibt in seinem Blatte vom 16. d., ans Seite 159, 1. Spalte, wörtlich. Folgendes: D a ß ein solcher Priester damit selb st ein Verbrechen gegen (eine Religion begeht,

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