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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-07-27 · 30 (27.7.1894) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
30 (27.7.1894)
Date
1894-07-27
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Vrsterretchlptzr Wochrnsttzrtfl Nr. 30 Seite^588 Nyiregyhaza. Das Präsidium derNyiregyhazaer israelitischen Status guo-Gemeinde hatte an den gewesenen Cultus- und Unterrichtsminister Grafen Albin Csaky ein Abschiedsschreiben und an seinen Amtsnachfolger Baron Roland Eötv ö s eine Begrüßungsadresse gerichtet. Beide Staatsmänner haben herzliche Dankschreiben an das Gemeindepräsidium gerichtet. Stratzburg (Elsaß). Herr Fr. Landauer, Privatdocent an der hiesigen k. k. Universität und Bibliothekar der hiesigen Universiläts- und Landesbibliothek ist wegen seiner außerordentlichen wissenschaftlichen Verdienste um die arabischjüdische Literatur auf Vorschlag des Professors Dr. N o e l d e ck e zum Honorar-Professor an der hiesigen k. k. Universität ernannt worden. Herr Dr. Landauer rst ein geborener Oesterreicher. Fürth in Bayern, 17. Juli. Die Absolutorial-Prüfung der israelitischen Bürgerschule ging heute zu Ende. Sämmtliche Schüler der Oberclasse erlangten das Berechtigungszeugniß zum Einjährig-Freiwilligen-Dienste. Feuilleton. Im stillen Städtchen. Ein russisches Sittenbild von N. Navmow. — Frei übersetzt von Louise Fokfchancr. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) „Reb Chaim Beer, lassen wir das" — sagte ich heiter. „Sagen Sie, wie gehen die Geschäfte? Wie leben Sie?" „Wie die Geschäfte sind, so lebt man — man fürchtet, weiß, daß man Einem mehr als dem Andern die „Haut hinunterzieht" und haben — hat man am wenigsten von Allen." „Was heißt das?" „So!" „Das ist keine Antwort!" „Ja! das ist eine Antwort! Einen Paß hat man nöthig, nicht wahr? Das ist e i n e s; für das Recht, Handel zu treiben, muß man zahlen — das ist zwei; für die Synagoge muß man geben? ... drei; nu, und dem Schächter muß man wahrscheinlich nach Ihrer Meinung nichts geben . . . , unserer Ansicht nach, muß man ... da haben Sie schon vier. Warten Sie — für die Armen in die Büchse muß man geben; zu Ostern der Sammlung für die Nothleidenden beisteuern, den Kranken und den Bettlern, die von Thür zu Thür gehen, und für die Schulen muß man auch geben, ha? Sie sagen, es ist nicht nöthig? Also, wer wird ihnen helfen? Nu, zählen Sie 'mal zusammen! Wird das Alles einem Armen leicht? Bei uns geben Alle! Aber geht Einer und versucht, etwas zu verdienen — in kaltem Schweiß wird man gebadet . . ärger als ein Hund . . . und was hat man davon? Gar nichts. Es ist eine alte Geschichte . . . Aber in diesen Dingen verstehen Sie ebensoviel, wie der Hahn von Bnei-Odem (ein Gebet am Vortag des Bersöhnungsfestes)." „Kennen Sie Reb Schloime genau?" fragte ich. Er schwieg. „Kennen Sie Schloime gut?" „Was ist da weiter?" „Wie gefällt er Ihnen?" Abermals Schweigen. . . „Ich möchte Ihre Meinung hören." Keine Erwiderung. „Sie wollen mir nicht antworten?" „Ist nicht der Mühe werth; Sie werden es ohnehin nicht verstehen, lieber Hühner spricht er nicht, schenkt dem keine Aufmerksamkeit, ob das Pferd den Schweif schon erhoben hat oder nicht — ist ihm wirklich — einerlei. Denken Sie sich nur, für ihn gibt es ernstere Dinge! Können sie sich das vorstellen? Ihnen erscheint das lächerlich?" Ich antwortete nicht . . . das Gespräch stockte. „Ich habe geschäftlich zu thun" — sagte' ich, drückte ihm die Hand, begab mich zum Polizeiinspector. Lawrenti Ardalionowitsch ging in seinem Zimmer herum und stampfte zornig mit den Füßen. Keiner von den Polizisten wagte es, ihm mein Erscheinen zu melden. Ich öffnete die Thür seines Zimmers und wartete, bis er mich bemerken werde. Er ging noch immer mit aufgeknöpftem Rock umher und strich sich mit der Hand über den Kopf, wie man es zu thun pflegt, um sich zu beruhigen und seine Gedanken zu sammeln; als er mich erblickte, wies er mir mit der Hand schweigend einen Stuhl an und setzte seinen Spaziergang fort. Er ging dann zum offenen Fenster, steckte die Hände in die Hosentaschen, sah theilnahmslos auf die Gosse hinaus und pfiff. Es wurde für die Dauer unerträglich ... er pfiff fort., „Lawrenti Ardalionowitsch, was haben Sie?" Statt jeder Antwort bewegte er den Fuß, wie im Tact hin und her. Beim Fenster vorbei gingen Bauern, grüßten ihn ehrerbietig, er aber bemerkte nichts. Der Schlosser Packon, ziemlich stark angeheitert, ging vorüber und sang: „Erinnere dich, Barbar, was du geschworen hast, du Schuft, du wurdest mir untreu!" Doch selbst diese Frechheit, diese Mißachtung ihm, dem Jnspector, gegenüber seinem Hause, in seiner Straße, passirte jetzt ungestraft. Meine Frage blieb noch immer unbeantwortet. „Ja, Freund," begann er endlich, „da haben Sie es, was man erlebt! Ach Lawrenti Ardalionowitsch! der Schnurrbart ist Dir Gott sei Dank ergraut! Im Dienste kein Knabe mehr und hier befiehlt Dir jedes Nichts!" Er fetzte sich an. den Schreibtisch, rieb zornig ein Zündhölzchen an und rauchte. „Was ist los?" fragte ich. „Was los ist? . . . Glauben Sie, daß ich lesen und schreiben kann?" „Es scheint so." „Wirklich? Ich danke Ihnen. Das ist auch Alles." „Ich verstehe nichts von all dem!" „Ich verstehe auch nichts!" „Lawrenti Ardalionowitsch!" Er schlug mit der Faust auf den Tisch. „Was sagen Sie da, Lawrenti Ardalionowitsch? schrie er. Ja w o h l! ich bin Lawrenti Ardalionowitsch, das weiß ich ohne Sie; aber nicht für jede eklige, schmutzige, abscheuliche Jüdin, die ich nicht einmal bei meinem Ausguß sehen möchte! Bin ich eine Zielscheibe des Spottes? Ich möchte ihr die Zähne herausschlagen, möchte ihr auf die Schnauze schlagen nach Soldatenart, wenn ich könnte! Da kommt sie Ihnen, die Canaille und kriecht direct in die Kanzlei und beginnt: „Wo ist das Documeut, haben Sie geschrieben?" „Mist!" „Also, das heißt ich kann gehen?" fragte ich, mich erhebend. „Aha! Ihr Blut spricht auch! die „Unsrigen"! was? Schau, schau, wie wichtig! Das Rudelgefühl wird bei Ihnen rege, nicht etwa?" „Hm, Sie sind heute in Stimmung, merke ich ..." „Jawohl in Stimmung! Sagen Sie besser, daß ich beleidigt bin. Das rührt Sie nicht — wenn ich es aber gewagt habe, Ihre hochgeschätzte Chaika, Ihre Glaubensgenossin, nicht mit der gebührenden Achtung zu behandeln, das verdient nach Ihrer Ansicht — den Galgen. Welcher Teufel — der Teufel hole die Chaika — bläht Sie auf? .... Bleiben Sie doch, wenn Sie schon einmal hier sind.... Was, darf ich auch vor Ihnen nicht mehr offen reden?" „Lawrenti Ardalionowitsch, Sie werden mich nicht irreführen, ich kenne Sie nicht seit heute; es kann nicht sein, daß Sie sich um so Vieles verändert haben. . . . Um was handelt es sich denn? Sagen Sie Alles. Ich wollte nicht deshalb fortgehen, weil ich mich beleidigt fühle, sondern weil ich Sie aufgeregt finde. Was gibt es denn außer der Jüdin? Sie haben noch etwas Anderes ..." Er rieb sich die Hände und sagte wehmüthig: „Ich werde meine Demission geben müssen!" „Wegen der Jüdin?" „Jawohl, wegen der Jüdin!" „Nun, was thun," erwiderte ich, indem ich that, als ob ich seine Worte buchstäblich nehmen würde. „Rathen Sie mir nicht als Freund, sie vielleicht um Verzeihung zu bitten?" fragte er gallig. „Weshalb nicht, wenn Sie sie beleidigt haben, oder wenn Sie sich überhaupt schuldig fühlen; warum nicht Vorgehen, wie ein wahrer Christ Vorgehen muß?" „Das wär' doch zu viel! . . . haben Sie mein Gewehr gesehen? Zweiläufig und kostet bei 200 Rubel." „Nun?" „Der Kreisrichter hat einen Sohn. . . ." „Nun?"

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