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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-07-27 · 30 (27.7.1894) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
30 (27.7.1894)
Date
1894-07-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 586 Vrfterrrichtschr Wochenschrift Nr. 30 Saar nicht Saaz. Unsere Correspondenz in letzter Nummer bezieht sich auf Saar, Jglauer Kreis, Mähren, nicht auf Saaz in Böhmen. Der enragirte Antisemit und Gastwirth Velis ist daselbst Bürgermeister und erfreut sich auch der Clientel zahlreicher israelitischer Reisender. Stanislau. Das Dr oh oby cz -B o rys la w e r LocalcomitL der Baron Hirsch-Stiftung sandte zum Lehrertage der Stiftungsschulen folgende Begrüßung: „Am persönlichen Erscheinen dringend verhindert, bringe ich hiedurch dem heute dort versammelten Lehrertage von der Ferne, jedoch aus nahem Herzen, die wärmsten Grüße und Segenswünsche dar. MögetIhr Alle, die heute zu Stanislau versammelt, mit Stolz, Freude und Genugthuung auf das große einzig dastehende Wohlthätigkeitswerk emporblicken, welches der edle hochherzige Baron Hirsch zum Besten unserer armen Glaubensgenossen in Galizien und Bukowina gestiftet! In seiner erhabenen Dichtung „die Maccabäer" läßt Otto Ludwig auf dem Empfindungsrufe Mathias: „Herr, sende Deinem Volke bald einen Retter!" Juda ausrufen: Herr, sende Deinem Retter bald ein Volk!" Nun, auch an uns ist es, all' unsere besten Kräfte daran zu wenden, um unser Volk, die galizische Judenheit, ihres gottgesandten edlen Retters würdig zu machen! Den wackeren Mitarbeitern an diesem großen Culturwerke ein herzinniges Glückauf! Im Namen des Drohobycz-Boryslawer Local- Comitss der Baron Hirsch-Stiftung Alexander S cho rr." Suezawa. Die Besetzung der hiesigen Rabbinerstellc fand am 8 Juli l. I. statt und wurde, wie bereits kurz gemeldet Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Abraham L ö w y aus Neu-Bidschow von einer großen Majorität der Gemeindemitglieder in ehrenvollster Weise zum hiesigen Bezirksrabbiner gewählt. Die Rabbinerwahl seitens der Gemeindemitglieder dauerte von 10 Uhr Vormittags bis 6 Uhr Abends. Die Wahl erfolgte mittels amtlicher Legitimationskarten und der daran anhaftenden Stimmzettel-Coupons. Von den 4M stimmberechtigten Wahlmännern stellten sich 252 ein. Das Ergebniß war: 190 Stimmen für Herrn Rabbiner Dr. Abraham Löwy aus Neu-Bidschow. Nach Verlautbarung brachten die anwesenden Wähler ein dreimaliges Hoch auf den Bezirkshauptmann aus, die Musikcapelle stimmte die österreichische Volkshymne an. Unzählige Telegramme mit den herzlichsten Gratulationen gingen nach Neu-Bidschow an ven Rabbiner Dr. Löwy ab. Witten, 20. Juli. (Ein würdiger Sprößling der Antisemiten) zierte gestern die Anklagebank des hiesigen Schöffengerichts, nämlich der Veterinär-Schüler Hugo Wegemann aus Berlin, welcher sich zur Zeit bei seinen hier wohnenden Eltern aushält. Der Angeklagte hatte in der Nacht zum 30. April d. I. im Locale des Wtrths R h e k e r ierselbst mit verschiedenen Israeliten Händel angeknüpft und hieselben tödtlich beleidigt. Nachdem er alsdann zum Verlassen des Locales aufgefordert und vom Wirth bis zur Thür hinausdeleitet worden war, hatte er diesem draußen vor der Thür tglötzlich mit einem Spazierstocke, welcher eine Hirschhornkrücke prug, einen wuchtigen Schlag auf den Kopf versetzt, der den Schädel zertrümmerte; infolge dessen ist der Schwerverletzte noch heute nicht hergestellt und wird nach dem Gutachten des Arztes wohl zeitlebens zu leiden haben, da demselben einige Knochensplitter ins Gehirn gedrungen waren. Der Gerichtshof erkannte mit Rücksicht auf die rohe That des Angeklagten, welcher sich doch auf einer „höheren Bildungsstufe" befände, auf eine Gefängnißstrafe von 9 Monaten und eine Geldbuße an den in seinem Berufe schwer geschädigten Wirth von dreitausend Mark. Wegemann war vor längerer Zeit gegen eine Caution von 10.000 Mark auf freiem Fuß belassen worden. London. (Aus derRede, womitLord Roseb e r y) im Oberhause die zweite Lesung der Fremden- B i l l S a l i s b u r y's bekämpfte, ist noch folgendes Thatsächliche zu jenem Theile der Vorlage hervorzuheben, welcher die Emwanderungsfrage behandelt. Der Premier sagte, die Einwanderung sei viel größer gewesen zur Zeit, als Lord Salisbury sich am Ruder befunden habe. Damals regte sich der conservative Premier-Minister nicht. Der damalige Führer des Unterhauses, W. H. S m i t h, erklärte im Parlament, daß die Zahl der Einwanderer für viel größer gehalten werde, als sie thatsächlich sei. Das Asylrecht sei in England stets geachtet worden. Ebenso sprach sich Sir Michael Hicks - Beach 1891 und R i t ch i e 1892 aus. Dem Verbot der Einwanderung von völlig Mittellosen, sagte der Letztere, würden höchstens größere Uebelstände folgen. Niemals sei die Einwanderung geringer gewesen als jetzt. Lord R o s e b e r y fügte hinzu, daß er nicht unter allen möglichen Umständen gegen eine Beschränkung der Einwanderung sei. Die Zeit möge kommen, aber jetzt sei sie nicht da. Die dahin zielenden Gesetze der Vereinigten Staaten hätten im Jahre 1893 den Erfolg'gehabt, daß von 60 000 Einwanderern nur 99 zurückgewiesen worden wären. Man sage, daß die mittellostn Einwanderer, namentlich die sich im Ostende Londons niederließen, der Gemeinde zur Last fielen. Es seien aber hauptsächlich Juden, und da komme dies nicht vor, weil ihre Glaubensgenossen für sie sorgten. Die ganze Sache sei jetzt noch zu geringfügig, um ein gesetzliches Einschreiten dagegen zu erheischen. Ein paar taufend Ausländer könnten am Ende dem britischen Volke wenig Schaden zufügen. Gegenwärtig gäbe es' nur 5°8 Ausländer auf 1000 Briten. Die in Rede stehenden Ausländer seien namentlich in Fabrication billiger Kleider beschäftigt. In den letzten Jahren habe sich die Ausfuhr dieses Artikels um 62 Percent gehoben. Wozu also gesetzlich einschreiten? Die Folge würde nur sein, daß das Ausland Gegenmaßregeln ergreifen würde. Smyrna. Wir entnehmen dem »Courier 'de Smyrne« vom 23. Juni, daß vier wackere Israeliten, die Feuerwehrmänner Jsac Dan on, Samuel S per anza und noch zwei andere nicht namentlich angeführte Glaubensgenossen, sich anläßlich der letzten großen Brände außerordentlich tapfer und todesmuthig benommen und die Rettung von Menschenleben mit eigener Gefahr bewerkstelligt haben. Der Gouverneur Vali berief sie vor die Front, belobte in längerer Ansprache die Wackeren und heftete ihnen die vom Sultan verliehenen Ehrenzeichen an die Brust. _ Wien. Das hochbetagte Ehepaar, Herr Alexander und Frau Anna E ck st e i n , Eltern des Vertreters der Firma S. H e i t, Wien, feiert am 31. Juni das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Wien. Donnerstag den 19. d. M. fand in der Gumpendorfer Kaserne ein Duell zwischen einem jüdischen Einjährig- Freiwilligen, derber jüdischnatioualenVerbindung „Maccabäa" in Prag angehört, und einem arischen Freiwilligen, Mitglied der deutschnationalen Burschenschaft „Olympia", statt. Das Duell wurde vom Oberst anbefohlen. Der jüdische Freiwillige R., dem die akademische Verbindung „Kadimah" Waffenschutz gewährte, blieb unverletzt, während sein Gegner eine schwere Verletzung erhielt und vom Regimentsarzt für kampfunfähig erklärt wurde. Wien. (Ein Plagiat des antisemitischen Hendels.) Geehrter Herr Redacteur! Erlauben Sie mir zum jüngsten Poem des „Kikeriki" „ein gefährlicher Biß" zu bemerken, daß die Idee nicht einmal von dem „geistvollen" Verfasser, sondern von Lessing ist, der sie allerdings in anständigerer Weise zum Besten gibt: „Auf den Fell. (Nr. 83 seiner „Sinngedichte"). Als Fell, der Geiferer, auf dumpfes Heu sich streckte, Stach ihn ein Scorpion. Was meint ihr, daß geschah? Fell stach am Stich?— Ei ja doch, ja! Der Scorpion verreckte." Wien. (L e ichenbe gä ngniß.)Von der Ceremonienhalle der israelitischen Abtheilung des Centralfriedhofes aus fand am 22. d. M. das Leichenbegängniß des am 18. d. M. in Gaslein Plötzlich verstorbenen Bankiers, Börsenrathes Ignaz Weiß unter sehr starker Betheiligung hervorragender Vertreter der Bank- und Finanzkreise Wiens statt. Der mit Kränzen völlig überdeckte Sarg, welcher die Leiche des Verblichenen barg, wurde präcise 11 Uhr in die Ceremonienhalle getragen und auf die Estrade gestellt, zu deren beiden Seiten Diener der Institute, welchen Ignaz Weiß angehört hatte, mit brennenden Windlichtern Aufstellung genommen hatten. Zu Häupten des Sarges postirten sich die Kinder des Verblichenen, dessen Bruder Ritter

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