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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-07-27 · 30 (27.7.1894) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
30 (27.7.1894)
Date
1894-07-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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. . o' 1*23 Nr. 30 VestrrrrkhifchL Wochenschrift Seite 585 Malachow' von C. Walzel und Osten wurde von den Autoren neu bearbeitet. Der Componist Julius Stern, welcher schon im Theater an der Wien sich die ersten Lorbeern erworben, hat eine reizende, flotte Musik dazu geschrieben, unter Anderem eine Solonummer für Frau Kopacsi, welche eine Glanznummer des Stückes werden dürfte.". Frißt das „Deutsche Volksblatt" aus der Pauschalienrrippe oder ist chm ein Kukuksei in's Nest gelegt worden? U. A. w. g. E. B. Wien. (Der Titel Doctorand.) Nach der Suche zu einer Handhabe, den dreißig Medicinern, welche das bekannte Memorandum an die Leitung der Rettungsgesellschaft unterfertigten, eine Strafe zuzuerkennen, ist der hohe akademische Senat der Wiener Universität auf den Einsall (von einfältig) gekommen, diese wegen Führung des Titels „Doctorand" mit einer Rüge zu bestrafen. Daß der Gebrauch usuell ist, beweist der Umstand, daß die Professoren nicht nur in Ansprachen, sondern auch im schriftlichen Verkehr diejenigen Studirenden, welche ein oder mehrere Rigorosen hinter sich haben, mit „Doctorand" tituliren und daß schriftliche Eingaben, in welchen sich Prüfungscandidaten mit „Doctorand" zeichnen, von den akademischen Behörden noch niemals beanständet worden sind. Es darf daher der angernfenen Entscheidung des Unterrichtsministeriums mit aller Ruhe entgegengesehen werden, zumal ein Dolus nicht vorhanden. Wien. (Ein verunglückter Lebensretter.) Der Kaufmann Adolf Brich, VH., Zieglergasse 29 wohnhaft, starb gestern an innerlichen Verletzungen, welche er sich zwei Tage vorher bei der mit aufopferungsvoller Hingebung durchgeführten Rettung zweier junger Bursche durch das Einathmen giftiger Gase zugezogen hatte. Sonntag hatte nämlich der bei dem Goldarbeiter Grau bedienstete Lehrling Karl Trauner aus einem großen, zehn Liter Scheidewasser enthaltenden Thongefäße ein wenig in ein kleineres Gefäß zu übergießen. Durch Unvorsichtigkeit ließ er den Topf fallen. Das Scheidewasser verletzte ihn und den zufällig im Zimmer anwesenden Schulknaben Risch a in nicht unbedenklicher Weise. Auf die gellenden Hilferufe der beiden Knaben eilte Herr Brich, dessen Wohnung an die des Göldarbeiters Grau stoßt, herbei und suchte zunächst durch Aufgießen kalten Wassers die ätzende Wirkung des Scheidewassers auf die Fleischtheile der verwundeten Knaben zu lindern. Er scheint sich bei der Rettungsarbeit zu lange in dem gaserfüllten Raume aufgehalten zu haben, denn es stellten sich sofort heftige Schmerzen in den Athmungsorganen ein, denen der Unglückliche gestern erlag. Der 47jährige Mann hinterläßt eine Frau und vier Kinder in drückender Nothlage. Wien. (Vom niederö st erreich ischenLandes- Sanitätsrathe.) In der Sitzung vom 16. d. wurde das Projekt des im Anschluß an das Elisabethspital im 14. Wiener Gemeindebezirke zu erbauenden Stiftungspavillons für kranke Frauen, dessen Errichtung durch eine hochherzige Spende des Albert Freiherrn v. Rothschild an den Wiener Krankenanstaltenfonds ermöglicht wurde, der Begutachtung unterzogen und wurden unter dem Ausdruck der vollsten Anerkennung und des wärmsten Dankes für diese einem dringenden Bedürfnisse entsprechende humanitäre Schöpfung die vorliegenden Pläne in unveränderter Form zur Durchführung empfohlen. Selbstverständlich werden an diesem Spitale jüdische Aerzte keine Anstellung erlangen dürfen. Das „Vaterland" unterschlägt bereits in dem Berichte den Namen des Spenders. Teplitz. (Der Handelsminister in Teplitz.) Aus Teplitz wird uns berichtet: Handelsminister Graf Wurmbrand, welcher am 14. Juli Nachmittags von Aussig hier ankam, besichtigte eine Reihe hervorragender industrieller Etablissements, und zwar die chromolithographische Anstalt von Willner u. Pick, die Wirkwaarenfabrik der Firma Ruß u. Co., eine der bedeutendsten dieser Branche in Oesterreich, das großartige Etablissement der Gummiwaarenfabrik von A. M. Birnbaum, die Porzellanfabrik von Ernst W a h l i ß (vormals A. Stellmacher) und die Bijouterie- und Bronzewaarenfabrik von Balduin H e l l e r 's Söhne. Der Minister zeigte sich von seinen Wahrnehmungen ungemein befriedigt. Er gab bei dem Diner, welches Abends stattfand, seiner Bewunderung über die bedeutsame Industrie von Teplitz Ausdruck und äußerte, daß er überrascht war, eine solche Entwicklung hier vorzufinden. Im Aufträge des Ministers besichtigte Hofrath Wurmb das Teplitzer Walzwerk, die Rudolphs-Hütte und die Schaufelfabrik. Hofrath Wurmb zeigte sich äußerst befriedigt und bedauerte, daß es dem Handelsminister nicht vergönnt gewesen sei, die großartigen Anlagen dieser Werke zu sehen. Ung.-Brod. Der Statthalter von Mähren war Freitag und Samstag in unserer Stadt und beehrte mit feinem hohen Besuche auch unseren Tempel. Ich, mit der Thora in der Hand, und der Vorsteher gingen ihm entgegen und nachdem derselbe ihn an der Tempelthüre begrüßt und mich, als Rabbiner der hiesigen Gemeinde vorgestellt hatte, richtete ich folgende Worte an den hohen Gast: „Euer Excellenz! Es ist uns aufrichtiges Herzensbedürfniß. Euer Excellenz unsere tiefgefühlte Huldigung darzubringen. Wir Juden bewahrten stets unseren Gönnern und Freunden ein warmes und treues Herz und es erfüllt uns mit stolzerFreude und dankbarem Gefühle auf Euer Excellenz als weithin leuchtendes Musterbild Hinweisen zu können, da Euer Excellenz dem Judenthume und den Anhängern desselben stets Gerechtigkeit widerfahren lassen, denn Gerechtigkeit und sonst nichts ist's, was wir verlangen. Indem ich unsere Gemeinde der Huld Eurer Excellenz empfehle, schließe ich mit dem aus der Tiefe meines Herzens sich emporringenden Gebete: „Möge der allgütige Vater aller Menschen Eure Excellenz zum Wohle unseres Vaterlandes lange, lange, leben lassen." Der Statthalter reichte mir hierauf die Hand und sprach folgende Worte: „Ich danke Ihnen für die Gefühle der Loyalität und des Patriotismus, welchen Sie soeben Ausdruck gegeben; nehmen Sie die Versicherung hin, daß ich mich auch in meinem künftigen Wirken stets von Gerechtigkeit und Wohlwollen gegen Jedermann werde leiten lassen." Hierauf erkundigte sich der Statthalter nach dem Alter der Gemeinde u. s. w. Beim Verlassen des Tempels fragte er mich, ob ich irgend ein Anliegen hätte. Als ich das noch nicht genehmigte Gemeindestatut berührte, sagte der Statthalter: „Das Statut von 5 Gemeinden wäre genehmigt, die der übrigen Gemeinden werden sodann zum Ministerium geschickt und werden alle jene Gemeinden, deren Statut den bereits genehmigten Statuten nicht entsprechen, behufs Umarbeitung hievon verständigt." Der Statthalter erkundigte sich auch über das hiesige Realgymnasium, und als ich ihm erzählte, daß die Resultate der Prüfung diesmal sehr günstige waren, indem von sämmtlichen Schülern nur 2 auf ein Jahr reprobirt wurden, während die übrigen in die 2. Classe aufstiegen, so meinte er, dies wäre in der That recht günstig. R a b b. Dr. Jung. Strakonitz, am 17. Juli 1894. Die „Aaroäni Listy“ bringen in ihrer Nummer 195 vom 17. Juli 1894 folgendes Original-Telegramm aus Strakonitz: Die Brüder Joseph, Max und Arthur Stern, Söhne eines Fabrikanten aus Neu-S tr a k o n i tz, überfielen mit gemietheten Taglöhnern heute Nachniittag öffentlich auf dem Ringplatze den Redacteur der hiesigen Zeitschrift. I. Dvorak, schlugen ihn mit Stöcken, und dann rief einer von ihnen lachend, indem er auf das Gerichtsgebäude zeigte: „Jetzt holen Sie sich Satisfaction beim Gerichte." Die strafgerichtliche Untersuchung ist im Zuge." Dieser vollständig unwahren Darstellung gegenüber stellen wir den Sachverhalt in nachstehender Weise richtig: Der Redacteur der Strakonitzer extrem antisemitischen Wochenschrift „Straz na Sumave“ griff in der letzten Nummer seines Blattes den Sohn des Fabrikanten Stein in nnqualificirbarer Weise an, indem er ihn beschuldigte, öffentlich unsittliche Handlungen begangen zu haben. Wegen dieser Verleumdung stellte ihn Herr Josef Stein, auf den dieser Angriff gemünzt war, auf dem Ringplatze von Strakonitz energisch zur Rede. Dvorak antwortete mit Jnvectiven und einer Ohrfeige, die Herr Stein in allerdings kräftiger Weise erwiderte. Die Brüder des Herrn Stein verhielten sich bei dieser Affaire als inactive Zuschauer. Die Gegenklage contra Dvorak wurde natürlich sofort überreicht. Hoffen wir, daß die Lection, die dem genannten Revolverjournalisten ertheilt wurde, ihn belehren wird, daß die Praktik des „calumniare audacter" manchmal auch andere Folgen haben kann, als er gewünscht hat. Drasow. In dem Forsthause „P o d h a i" in der Nähe des Schlosses Eichhorn hat Herr Baron Hirsch einen ergebenen Beamten namens M i c a t als Förster angestellt. Die Ergebenheit desselben zeigte sich in einer Aeußerung, die er bei Gelegenheit der Schätzung von Feldfchaden vor allen versammelten Grundbesitzern machte. Er sagte nämlich ganz frei und offen: „Mir ist es eine Schande, einem Juden zu dienen." jf $ T 11r§ V' ri*!1 'W . i (Hi r fi!

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