Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 30 (27.7.1894)
- Date
- 1894-07-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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. Z^XkßJLXJOEL** . Nr. 30 Vesterretchiptze WochrnphrM Seite 581 zweig und Palme umgeben, eingefügt ist, während auf dem Sockel die Loreley, die volksthümlichste seiner poetischen Gestaltungen, sich erhebt. Aus dem Biunnenbecken tauchen zwei Nixen empor, deren eine — eine zarte Mädchengestalt, die dem Dichter huldigend eine Blume darreicht — das Liebeslied versinnbildlicht, während die andere — eine in kecker Haltung dasitzende, stachelschwänzige, von allerlei unheimlichem Seegethier umgebene Meerfrau — die satyrische Kritik darstellt. Auf den anderen Seiten des Brunnens ist der Humor in einem auf einem Schwan reitenden, zur Leier singenden Amor mit einer Schellenkappe verkörpert, während des Dichters Neigung zur Romantik durch eine Psyche angedeutet ist, die, an eine Sphinx geschmiegt, den Räthseln derselben lauscht. „Das ist," sagt der Ausruf, „ein gemeißeltes Gedicht, bei dem uns allerlei Märchen ans alten Zeiten, der ruhig dahinfließende Rhein, die im Abendsonnenscheine funkelnden Gipfel seiner Berge, der Schiffer im kleinen Kahne und tausend andere Gestalten seiner Muse lebendig vor Augen treten, die der Dichter gebildet und die der Künstler ihm nachgedichtet mit seinem Verständnisse, mit poetischem Empfinden und mit mächtiger Gestaltungskraft." „Jeder gebildete Deutsch-Amerikaner," heißt es ferner in dem New-Porker Aufrufe, „faßt die Erwerbung des viblumstrittenen Loreley-Brunnens als eine selbstverständliche Würdigung der Verdienste Heine's um die deutsche Dichtung auf." Man geht drüben in gewohnter Weise gleich frisch ans Werk. Wenn also das diesseitige Volk der Denker sich noch ein bischen mehr Zeit nimmt, als es schon gethan hat, so wird der Ruhm, einem unserer größten neueren Dichter zuerst ein Denkmal errichtet zu haben, den aus dem Vaterlande über den Ocean Ausgewanderten, zum Theile dahin Vertriebenen verbleiben. Da ist es wohl schwer, keine Satyre über das Zopfwesen zu schreiben. Die stachelschwänzige Nixe am Loreley-Brunnen wird ihr Tintenfaß auf dem Kopfe nun doppelt stolz tragen. Karl Blind. Vom Jahrmarkt des Lebens. Deutschenhaß und Judenhaß. Die Antisemiten glauben, den Juden etwas ganz besonders Schlimmes nachzusagen, wenn sie dieselben als das bestgehaßte Volk hinstellen. Nun die Juden theilen dieses Los mit den Deutschen. In einem Artikel des klerikalen Wiener „Vaterland" vom 18. August 1893 heißt es: „So beliebt die Deutschen in der Fremde ehemals waren, so unbeliebt sind sie jetzt. Das hängt zum Theile mit ihrem massenhaften Auftreten zusammen, wodurch sie überall einen Druck auf Arbeitslohn und Gehalt ausüben. Man macht ihnen, namentlich in England und Amerika, nicht mit Unrecht, den Vorwurf, daß sie ihre Arbeit von vornherein zu billig anbieten und auch sonst auf die Rentabilität eines Geschäftszweiges drücken, weil der deutsche Standard of life im Allgemeinen niedriger ist, als der ausländische. Letzterer hat sich allerdings in den letzten zwanzig Jahren bedeutend geändert — der Standard of life ist in Hamburg, Frankfurt a. M. und Berlirr eberrso hoch wie in London, Paris und Newyork — aber auch die Wirkung dieser Wendung ist den Deutschen im Auslande nicht gerade förderlich. Während die mittellosen Deutschen den Lohn und den Gewinn schmälern, sind die reichen deutschen Handelshäuser den einheimischen eine gefährliche Concurrenz. .Die Deutschen sind nirgends beliebt. Eher kann man das Gegentheil behaupten. Zunächst wegen ihrer guten Eigenschaften; wegen ihrer Ausdauer bei der Arbeit, ihrer Willigkeit und Genügsamkeit. Sodann aber auch, namentlich in neuerer Zeit, wegen ihres festen nationalen Zusammenhaltens, ihrer Zurücksetzung und Bescheidenheit im öffentlichen Leben. Das läßt sich namentlich in den Vereinigten Staaten beobachten. Stanley, der viele Völker gesehen und beobachtet hat, nannte die Deutschen einmal „die Chinesen Europas". Darin liegt viel Entstellung und viel Wahrheit. Wie die Chinesen, so überschwemmen die Deutschen jedes Land, wo sie einmal Fuß gefaßt haben, die Expansionsfähigkeit der Nation ist ganz außerordentlich." Paul de Lagarde sagt in seinen „Deutschen Schriften" (Güttingen 1892, S. 238): Die Deutschen sind die am lebhaftesten gehaßte Nation Europas; sie stehen mit Juden und Jesuiten auf einer Stufe der Werthschätzung. Der beste Mann Deutschlands, der Feldmarschall Moltke, hat die Thatsache, daß uns Niemand in Europa liebt, von der Rednertribüne des Reichstags zugegeben." Daß eine antisemitische Autorität wie Paul de Lagarde so die Deutschen mit den Juden in eine Linie stellt, ist eine bittere Pille für die Antisemiten. Die Juden und die körperliche Arbeit. Wie die „Jüdische Volksztg." aus Kiew vom 20. Juni berichtet, wurde am vorhergegangenen Sonnabend im Nachbarorte Smila in sämmtlichen Synagogen durch Placate bekannt gemacht, daß die Verwaltung der Zuckerfabrik des Grafen Bobrinsky bereit sei, jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen anzunehmen und ihnen einen Tagelohn von 45. beziehungsweise 30 Kopeken zu zahlen. Diese Nachricht rief unter der arbeitsamen und genügsamen jüdischen Bevölkerung dieses Ortes Jubel hervor. Obgleich der Termin für die Anmeldung auf Dienstag festgesetzt war, strömten bereits am Sonntag Vormittags Hunderte von Männern» Frauen und Mädchen nach der genannten Fabrik und belagerten das Verwaltungsgebäude. Sie batten die Genugthuung, noch am selben Tage in die Arbeiterliste eingetragen zu werden, während die säumigeren, welche am Montag oder gar am Dienstag — dem ursprünglich angesetzten Termin — erschienen, keine Berücksichtigung mehr finden konnten. Die Verwaltung vertröstete sie jedoch auf die nächste Woche, wo eine russische Arbeitergenossenschaft(Artell) nach abgelaufenem Contracte wieder in die Heimat zieht und mehrere hundert Arbeitsstellen frei werden. Die Dankbarkeit gegen die liberale Verwaltung ist eine ganz allgemeine. Das ist auch ein Beitrag zu der antisemitischen Behauptung, daß die Juden körperliche Arbeit nirgends leisten. „Ein Cridatari er." Die „Wochenschrift des Creditorenvereines" vom 21. d. M. bringt nachfolgende Notiz, welche wir Allen Jenen, die es gar so scharf auf die „Tarnopol-Moral" haben, ins Stammbuch widmen: „lieber den in unserer letzten Nummer besprochenen Cvncurssall des Aug. Haide in Saue r b r u n n werden uns Vorkommnisse berichtet, welche — wenn sie sich auch nur Theil bewahrheiten — diesen Fall als einen planmäßig angelegten Rarrbzug stigmatisiren. Der Eridntar ließ nämlich, so schreibt uns eine vollkommen vertranenswertbe Persönlichkeit, bei allen Kirchen der Umgebung verlautbaren, daß er Ausverkauf habe, in Folge dessen die Landleute in Schaaren ins Geschäft strömten, da er die Waareu nicht blos tief unter dem Selbste kostenpreise, sondern auch bis 50 Pcrcent unter dem Einkaufspreise verschleuderte. Nach 3—4 Tagen, nachdem er das ganze große Lager bis aus einen Rest uncouranter Artikel ausverkanft halte, meldete er Eonenrs an. Der Mann hat. obwohl er die Waareu zur Hälfte verschenkte, in diesen vier Tagen fl. 5 -0000 gelöst und dürfte nur ein kleiner Betrag in die Masse geflossen sein. Der Schuldner ist bereits in Haft genommen: da jedoch wahrscheinlich die Frau, welche sich an dem Ansnerkanfe mitbetheiligte, über den Berbleib der Losungen Näheres wissen dürste, wäre es unseres Erachtens angezeigt, die Untersuchung auch ans sie auszudehnen. Zum Wiener Saatenmarkt. Eine zahlreich besuchte Versammlung der vereinigten Getreidehändler und Müller von München und Augsburg fand heute im Börsenlocale der Vereinigung statt. Auf der Tagesordnung stand: Stellungnahme zum Besuche des Wiener Saatenmarktes. Das Bureau wird gebildet aus Herrn Joh. N. Mayr, Firma Pfister Mayr u. Co., als Vorsitzender und Herrn Theodor Stützel als Schriftführer. Der Vorsitzende beleuchtete in ausführlicher Weise die Vorgeschichte des Wiener Saatenmarktes, sowie die gegenwärtig bestehende Bewegung gegen denselben. Sein Antrag geht dahin, daß die Getreidehändler, Müller und Malzfabrikanten der Münchner Bereinigung dem diesjährigen Wiener Saatenmarkt fern bleiben sollen, worüber alsdann die Discussion eröffnet wird. Zunächst ergreift Herr Stützet das Wort, um in warmer Befürwortung den Antrag zu unterstützen, derselbe berührt zunächst in unparteiischer Weife die tendenziöse Seite der Frage, sowie den rein wirthschaftlichen und geschäftlichen Standpunkt. Nach einaehender Klarlegung der Verhältnisse einigten sich die in der Debatte betheiliqten Redner, nämlich die Herren Bauer (Augsburg). Rosenfelder, Lang u. s. w. (München) mit den betheiligten Antragstellern zu folgender vom Bureau verfaßten und vorgeschlagenen Resolution: „Die im Niederösterreichifchen Landtag vorgekommenen Schmähungen gegen sämmtliche Mitglieder und Besucher des Wiener Saatenmarktes erklären sie einstimmig für verabscheuungswürdig. Aus Gründen dieser Vorkommnisse, namentlich aber auch aus Mo-