Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 30 (27.7.1894)
- Date
- 1894-07-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 580 Oesterreichifche WochrnfchriN Nr. 30 Trauerversammlung das Lob und den Ruhm der edlen Dahingeschiedenen beredt zu künden. Der Bürgermeister der Reichs- Hauptstadt und was diese an hervorragenden Männern aller Stande, an ersten Größen der Kunst und Wissenschaft besitzt, hatten stch vereint, um dieser seltenen, leuchtenden Erscheinung das letzte Geleite zu geben. Unter den Anwesenden bemerkte man: den Präsidenten des Reichsgerichtes Dr. Josef Unger und Gemalin, Hofrath Ritter v. Hartl, Regierungsrath Angelo Ritter v. Kuh, die Professoren Siegmund Exner, Obersteiner, Oser und Lieben, Stadtrath Dr. Lederer, Maler Beyfus, den Vorstand der Frommen Bruderschaft Heit, Architekten Fleischer, Ritter von Dutschka, die Freiherren Heinrich und Wilhelm Königswarter, die Schriftsteller Ferdinand von Saar, Dr. Gustav Freund und Schönaich, Director Heller vom Blindeninstitute auf der Hohen Warte, Director Fischer von der Kinderbewahranstalt in der Leopoldstadt, den Obmann des Vereines der Kinderfreunde Dr. Körper mit den Ausschußmitgliedern, Zöglinge des Kinder-Asyls in Zillingsdorf unter Führung des Directors Anton Koslik, Clavier-Virtuosen Leschetitzky, Ritter v. G o l d s ch m i d t, viele hervorragende Vertreter der Finanzwelt, sowie die trauernden Familienmitglieder. Josefine von Wertheim stein verdiente vollauf diese großartigen Trauerkundgebungen, denn sie war ihren größten Glaubensschwestern ähnlich in Bestrebung, Anlage und edler "Denkungsweise, und sie verliert wahrlich nichts von ihrem hohen Werthe, wenn man sie den besten und edelsten Frauen ihres Stammes als ebenbürtig an die Seite reiht. Auch sie der leuchtende Mittelpunkt eines schönen Kreises, auch um sie gruppirte sich, was das vor- und erste nachmärzliche Wien an hervorragenden Geistern besaß. Das durch vieles Citiren schon banalistrte „sage mir, mit wem Du umgehst" hat nirgends mehr Berechtigung als hier. Der wortkarge, ernste Grillparzer, der kaustijche Bauernfeld, der muntere Maler Schwind, die Poetennaturen Saar und Wilbrandt fühlten sich in der Nähe dieser merkwürdigen, hochgesinnten Frau heimisch, für die der Reichthum und der Luxus nur als ästhetisches Moment Werth besaßen. Der Anhauch ihres Geistes berührte sie sympathisch, sie suchten das traute Heim immer wieder gerne auf, wo sie sich nicht nur blindlings verehrt, sondern auch wahrhaft verstanden wußten. Bauernfeld war Jahrzehnte hindurch der treueste Freund des Hauses, und er schloß sich nicht so leicht an irgend Jemand an. Er war zu sehr Satyriker und „böses Maul", wie sie in Wien sagen, sein Blick zu geschärft für allerlei Menschlichkeit und Schwächen, als daß es ihn lange irgendwo gefesselt hätte. Aber vor dieser Güte und Hoheit strich sein boshafter Witz die Segel ein, und nur huldigend nahte er sich der stillen, bescheidenen, beschaulichen Größe dieser geistvollen Frau. Als er sich zu sterben legte, schüttelten ihm ihre feinen Hände in der Villa Werth ei inst ein das letzte Kissen zurecht, und sein letzter Dankesblick galt seiner Freundin, die ihn betreute und behütete wie eine Mutter. In jüngeren Jahren war Josef ine von Wertheimstein eine vielgefeierte Schönheit. Ihr cameenhaftes, feingeschnittenes Antlitz hat noch einen Franz von L e nbach, als das Alter schon seine grausamen Furchen unerbittlich hineinzuzeichnen begann, in hellstes malerisches Entzücken versetzt. Der Großmeister des modernen Portraits, ein Seelenergründer und Seelenkünder, wie kein zweiter seines Faches, wurde nicht müde, in allen Techniken, die ihm zu Gebote standen, diese edlen, durchgeistigten Züge festzuhalten. Ob es sogar ihm jemals ganz gelungen ist? Wir dürfen daran zweifeln, denn sonst hätte er es nicht so oft wieder und wieder versucht. Als sie noch im blendenden Glanze der jugendlichen und der reiferen Frauen-Schöne Alle bezauberte, verkehrten auch viele Politiker in dem gastlichen Hause ihres Gatten, welcher Vertreter Rothschilds und baierischer geheimer Commercienrath war. Schmerling, die beiden P l e n e r, Vater und Sohn, der scharfsinnige Jurist Josef Unger, der gelehrte Gehirnanatom Meynert vervollständigten die illustre Tafelrunde. Sie vertrat unumwunden die liberalen Principien auch zu einer Zeit, da dies für gefährlich galt im alten Polizeistaat — in weiblicher Weise anmuthig und tapfer, nie dilettantisch kannegießernd. Ihr Wort, ihr Urtheil hatten Gewicht in diesem erlesensten Kreise, — dasselbe Gewicht/ das ihrem ästhetischen Urtheile von berufenen Künstlern beigemessen wurde. Ihr gerader, unbefangener Geist irrte sowenig in Politicis, als ihr höchstentwickelter Schönheitssinn fehlgriff in Fragen des Geschmacks. Alles Gemeine, alles Niedrige und Häßliche bannte sie weit aus ihrer Nähe hinweg, es erweckte in ihr sein Anblick dasselbe physische Unbehagen, wie dem großem Olympier Goethe, und als der größte Schmerz an sie jäh herantrat, der ein Mutterherz treffen mag, als sie den geliebten, reichbegabten Sohn in seiner Blüthe auf der Bahre sah, da hatte das Leid nicht die Gewalt, sie zu brechen, es reifte sie nur, und ihr Geist strebte nur um so geläuterter nach den reinen Höhen der Menschlichkeit empor. . . Wo ist die Geselligkeit von Anno dazumal hingeschwunden? Wo ist der glänzende Mittelpunkt, wo der leuchtende Kreis? Gedankenleere, glatte Alltäglichkeiten sind eingerissen, ein Austausch von werthlosen Redensarten, mit denen Eins das Andere betrügt; man hat zu 'plaudern verlernt in Wien und die Kunst des Zuhörens vergessen, das öde Tarock droht alle edlere Geselligkeit zu überwuchern und zu ersticken. Die letzte Meisterin einer feineren Lebenskunst ist dahingeschieden, Allen ewig unvergeßlich, die das Glück genossen, sie zu kennen, nicht blos den Armen, welche ihre milde Hand so oft mit heißen Dankesthränen benetzt haben. F. Gin Heine-Denkmal in New-Hork. London im Juli. Düsseldorf und das goldene Mainz mögen sich freuen! Jenseits des „großen Teiches", auf der anderen Seite des atlantischen Ufers, wird für Heinrich Heine das Denkmal erstehen, das von seiner Geburtsstadt zurückgewiesen wurde und über dessen Errichtung man sich in der Nähe des Felsens, auf dem die schönste Jungfrau sitzet, noch immer nicht schlüssig werden kann. In New-Jork hat sich ein Ausschuß von Deutschen gebildet, zu dessen Mitgliedern die im Vaterlande nicht ganz unbekannten Herren Karl Schurz und Hanns Kudlich zählen. „Mehr als die irgend eines andern deutschen Dichters leben Heinrich Hein e's Lieder" — sagt der von dem Ausschüsse erlassene Aufruf — „im Herzen und im Munde des deutschen Volkes. Wo immer die deutsche Zunge klingt, da klingen auch sie in den herrlichsten und mannigfaltigsten Tonweisen; ja, in allen civilisirten Sprachen werden sie gelesen und gesungen. Sie haben sich die Welt erobert. In Heinrich H eine's eigener Vaterstadt hat ein engherziges Vorurtheil seinem Denkmal eine Stätte verweigert. Soll nicht dieses Denkmal, ein Kunstwerk von seltener Schönheit, auf dem freien Boden Amerikas, unserer neuen Heimat, einen Ehrenplatz finden?" Es wird dann mttgetheilt, daß es dem Ausschüsse gelungen ist, mit dem Bildhauer Emil H erter in Berlin einen Vertrag abzuschließen, welcher der Stadt New-Port das Original des ursprünglich für Düsseldorf bestimmten Loreley-Brunnens sichert. Die Gesammtkosten des Ankaufes und der Errichtung werden sich auf 35.000 Dollars belaufen. Das Ausbringen der Summe wird als eine Ehrensache für das gesummte Deutschthum Amerikas betrachtet; „was in den Vereinigten Staaten deutsch denkt und fühlt, soll Antheil nehmen an dem Werk". Es folgt in dem Aufrufe eine Schilderung des Denkmals, in welches das colossale Hochbild Heine's, von Fichten-