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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-07-27 · 30 (27.7.1894) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
30 (27.7.1894)
Date
1894-07-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Sk. 30 Veörrrektztlche WochrnfchrM Sette 577 fressen wollen, — versteht sich — folglich muß es relegirt werden aus dem Thierreich aus zwei Semester mindestens. So lautet die alte Fabel im neuesten Gewände. Nothnagel, der ist auch stark mitschuldig und hätte gleichfalls ernste Rüge und strenge Strafe verdient. Es ist bewiesen, daß er durch seinen Vortrag die Demonstrationen gestört hat. Jetzt ist es auch herausgekommen, was für ein unwissender Mensch er ist. Er hat keine Ahnung von dem arischen Herzen. Keiner von uns wird jemals wieder seine Vorlesungen besuchen. Wir haben es auf das deutsche Schwert, das jungczechische Knchelmesser und den ruthenischen Bratspieß geschworen. Ich bin sogar noch weiter gegangen und habe einen fürchterlichen Eid geleistet überhaupt keine Vorlesung mehr an dieser verjudeten Hochschule zu besuchen, wo ein Nothnagel ungestraft Humanitätshetze betreiben und die Menschen zur gegenseitigen Liebe, Verträglichkeit, Nachsicht und Duldung ausstacheln darf. Daß der hohe Senat den N o t h n a g e l ja und die Ueberreicher des Memorandumms nicht freigesprochen hat, ist nicht in Ordnung inseinersonstso prächtigen Entscheidung. Der in derHaula geohrfeigte jüdische Studiosus hat wenigstens außer seinem Patsch noch eine Rüge wegbekommen. Was hat er denn die akademischen Behörden zu behelligen mit solchen Aeußerlichkeiten. „Reden Sie nicht so geschwollen!" rief man ihm zu. Man hat ihm etwas zu heftig die Backe gestreichelt, woraus der Ohrfeigling prompt in's Gesicht antwortete — und der Rummel war fertig. Natürlich relegirt. Wer?? Der Jude! das ist doch selbstverständlich. Der hat ja angefangen gehaut zu werden. Mat Justitia, pereat Mundy! Den Wilczek hätten sie Dir auch gar zu gern gerügt und relegirt, aber der kam ihnen nicht. Eigentlich ist er ja an der ganzen Geschichte Schuld. Hätte er vor zehn Jahren nicht die Rettungsgesellschaft gegründet, wäre der Vra gassy noch heute in P i st y a n antisemitischer Badearzt und gezwungen, von jüdischem Gelde zu leben. Er hätte seine Forschungen auf dem Gebiete der religiösen Anatomie nicht vorgenommen — zwar ein Verlust für die Wissenschaft — aber wir hätten dann Nothnagel nicht angeblasen. Wilczek ist der Hauptschuldige. Nach ihm kommen gleich der Benedikt und der S ch ö n. Warum sind sie ausgetreten? Sie hatten es doch so gut. Vragassy interessirte sich lebhaft für sie. Und diejenigen Doctoranden, welche sich so nannten, das sind auch Hauptsünder. Das ist arg, Pumpo, sehr arg. Man sollte es nicht glauben, daß ein Mensch so tief sinken kann. Ich lasse mich nie Doctorand heißen, verbiete mir's immer, weil ich weiß, daß ich diesen Titel nicht zu führe» berechtigt bin. Mich heißen sie alle „Herr Doctor". Die Mila mitsammt dem Johannes, obwohl das ungefähr das Gleiche ist. wie wenn der Lueger sich Herr Bürgermeister heißen würde. Meine Visitkarten „Dr. Teutobold" habe ich übrigens schon seit acht Jahren. Der Lueger hat sicher seine auch schon parat: vr. CARL LUEGER Bürgermeister der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien. Ich benütze die meinigen längst — Doctorand habe ich mich aber Gott sei Dank noch nie geheißen. Es ist ihnen ganz recht geschehen, den Doctoranden, dieser Unfug durfte nicht ungestraft bleiben. Ob im nächsten Semester die Vorlesungen bei Noth - nageln wieder nur gegen Vorweisung des Index offenstehen werden? Wer weiß? Ich glaube schon. Man könnte ja die Jndices von Ernst Schneider auf gesetzlichem Wege stampigliren lassen. Vom Eid spricht mich im Nothfalle Canonicus Rohling los, er nimmt ihn auf sich — mein Eid ist sein Eid, sein Eid mein Eid. Das geht ganz gut... Der Herr Oberstampiglienrath hat jüngst eine Wählerversammlung einberufen, um seinen Rechenschaftsbericht vorzulügen. Sein Antrag, das Schußgeld auf Juden betreffend, sei in dieser Session leider — er wurde falsch, als er dies sagte — noch nicht in Gesetzeskraft erwachsen, doch könne dies, wenn es so fortgehe, nicht mehr lange dauern. Durch diese Lex Schneider würde sich den breiteren Volksschichten eine neue, einträgliche Erwerbsquelle erschließen, die Juden- und die sociale Frage in einem Handstreich gelöst werden und das Jagdvergnügen hätte man gratis obendrauf. Warum er gerade für die breiteren Volksschichten wirken will, ist mir unerklärlich. Die schmäleren hätten dies viel nothwendiger, meine ich. Vom bevorstehenden Gewerbetage im Lemberg war auch viel die Rede. Alle, welche das Fälschen und Zeugenverleiten als Gewerbe betreiben, werden sich dem Großmeister und Oberst-Fälschmarschall bei seinem Ausfluge nach Galizien gerne anschließen. Schließlich wurde dem tresfllichen Manne das unbedingte Vertrauen seiner Wählerschaft votirt. Zweifelst Du daran, Pumpo? Drei falsche Zeugen sind gegen kleine Vergütung bereit, es Dir zu bemeineiden. Der Bund zwischen dem würdigen Vertreter im Reichsrath und denen, die ihn dahin entsendet, erscheint somit auf's Neue — natürlich mit einem falschen Siegel — besiegelt. Was sagst Du, Pumpo, zu Koscherio, dem Präsidentenmörder? Der Vergant hat es glücklich heraus gekitzelt, daß er ein Jude ist, und eigentlich Zadok Koscherio heißt. Sein Vater war Schulklopper, Schammes, Bodek, Schoichet, Cantor, Religionslehrer und in seiner freien Zeit Cultusgemeindesecretär, bezog ganze 150 Gulden jährlich Gehalt, außerdem übliche Nebenemolumente in ungefährer Höhe von fl. 3°75. Die Reisespesen wurden nur dem Acceptirten nach dem Probeschächten vergütet. Da müssen die Kinder Anarchisten werden. Sein Bruder ist Vorsteher der „Chewra-Kadischa" und Schofar-Virtuose. Eine durch und durch verjudete Familie, welche, — nach Berg ani — mit Cremieux nahe verwandt ist. Wieso der das so genau herausgebracht hat? Mir scheint, mir scheint, die Familie K o sch er io stammt auch aus S o l l e n z. Sie werden oem verruchten Menschen — ich meine den Kascherio — bald das Köpserl heruntergehackt haben. Das geht rasch und ist im Grunde genommen eine leichte Strafe für seine ungeheuerliche Missethat. Wenn er sich aber hätte einsallen lassen, sich noch dazu Doctorand zu nennen, dann wäre er von unten herauf geviertheilt und außerdem aus zwei Semester relegirt worden. Das darf nicht geduldet werden, unter keiner Bedingung. Pumpo! Höre, staune, entsetze Dich, bekreuzige Dich — aber verachte mich darum nicht — ich studiere, studiere nach Leibeskräften, was in meinen alten, von Cognacdünsten ganz erfüllten Schädel nur hineingehen mag. Acht riesige Groß-Folios habe ich im Kaffeehaus in der alten, früher so gemüthlichen Stammecke aufgestapelt und ochse und pauke darauf los, was das Zeug hält. Jeder Band hat die Dimensionen eines völlig ausgewachsenen Corpus juris. Was id) büffle? Talmud, Talmud, Talmud! Wenn mir eine Stelle dunkel ist, so schlage ich in den noch nicht erschienenen Büchern des Dr. Deckert nach. 15.000 Kronen kriegt man für vier Zeilen, 3750 Kronen für eine Zeile sind zu verdienen; das ist ein Zeilenhonorar! Und der Talmud hat viele Zeilen, eine ganze Menge Zeilen. Zwölf Ringstraßenhäuser kann sich da einer spielend per Woche verdienen, wenn er für den Dr. Bloch übersetzt. Ich hasse diesen Mann natürlich — aber nobel ist er, das muß man ihm laffen. Er zahlt gut! Der Deckert studirt auch schon, ist aber noch nicht so weit, wie ich. Aleph, Beth, Gimmel kann ich schon, — aber weiter, wie vis zum Dalles bin ich noch nicht gekommen. „Demokritos" habe ich schon ganz durchgelesen; sehr wichtig. Ich habe ihn auch der Mila geliehen und ihr gesagt: „Mila, da ist goldene Wahrheit drinnen, reines Talmudgold." Sie blickte hinein, las ein paar Zeilen — muß gerade was Besonderes gewesen sein. — „Sie abscheulicher Mensch," fährt sie mich an, „wie können Sie einer arischen Sitzcassierin, auch Jungfrau, so ein Buch in die Hände geben. Schämen Sie sich. Zur Strafe bekommen Sie es gar nicht mehr zurück, es wird confiscirt." Fortwährend liest sie es seitdem, es scheint, sie will auch Talmud forschen, der Johannes gleichfalls. Ich kann inzwischen Aleph, Beth, Gimmel, Dalles leiern. Aber wenn ich die ersten 15.000 Kronen von, Dr. Bloch eincassirt habe, — die Quittung ist schon geschrieben, ich trage sie bei mir in meiner Brieftasche, wo die anderen Leute ihr Geld aufzubewahren pflegen, — dann trete ich vor Mila als ernstlicher Werber hin: „Mila, sieh, ich bin reicb, arische Tugendmaid und Wonnebringerin ich begehre Dich zur Führerin des gemeinschaftlichen Haushaltes, zweifle nicht an der Ernsthaftigkeit meiner Absichten." Dann veranstalte ich ein Festfressen, wo

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