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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-07-20 · 29 (20.7.1894) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
29 (20.7.1894)
Date
1894-07-20
Page
– (sequence 15)
Language
German
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m r~~ ■ ir i "Tfir-iwgi^ii i"i rniTBitirr»? -«»*.*«* -*?*■-.. Nr. 29 Vesterrrichifrtze WortzrnschrM Seite 573 ihr Grab 200 Rubel zu zahlen — er hängt sich vor Aerger auf. Aber nicht das ist es — setzen Sie sich her, auf die Stufe ... . Die Frauen, die sie beim Sterben umgaben, erzählen, sie sei ruhig gewesen und habe gebetet: „Der einzige Gott mög' ihm vergeben!" Unruhig machte sie blos der Gedanke, ob ihr Sohn an ihrem Grabe das Todtengebet sagen werde. Eine Mutter! .... Sie hinterließ einen unvollendeten Ueberzug für die Thora und ungefähr einen Rubel, den sie irgend einer Waise zu übergeben bat. Jetzt gibt es derartige Frauen nicht! .... Schöne Zeiten!..." „Warten Sie" — sagte er lebhafter — „kommen Sie zu mir, wir können doch im Zimmer sprechen, ich habe ganz vergessen. Sehen Sie mal! Sie sind ja erst kürzlich angelangt. Ich habe Sie lange nicht gesehen, wie Sie sich verändert haben!" Er reichte mir die Hand, zog mich in sein Haus und führte mich in den großen Salon, der recht gut möblirt und von tadelloser Sauberkeit war. Chaim Beer war ein wohlhabender Jude. Er stand im Alter von 45 Jahren, trug einen kurzen Rock und kleidete sich überhaupt gut. Er verhielt sich gegen Alles, was dem Talmud fremd war, voll Verachtung, galt als gelehrter Jude und schöpfte seine Kenntnisse in allen Zweigen der Wissenschaft aus dem Talmud. Er war von der Ueberzeugung durchdrungen, daß alle Wissenschaften aus dem Talmud herrühren; jeden Erfolg eines Andersgläubigen, der sich in der Wissenschaft berühmt gemacht hatte, schrieb er dem Talmud zu und sagte immer: „Der kannte sicherlich den Talmud!" Seine Meinung war für die Andern maßgebend, weil er fromm und Talmudist war und außerdem, wie er sich ausdrückte „von selbst" russisch lesen und schreiben erlernt hatte. Am Sabbath hörte man Chaim Beer mit Vergnügen in der Synagoge, weil er immer von merkwürdigen Dingen zu erzählen wußte. „Nun, setzen Sie sich, plaudern wir ein wenig." Ich setzte mich. „Es ist lange her, seitdem ich Sie nicht gesehen habe". Er setzte sich auch hin und glättete sein Kinn, das mit schwarzmelirtem Barte bedeckt war. „Ich sehe Sie an — und erinnere mich an das Vergangene — es ist so angenehm! Was Alles werden kann! Was? Aus Kleinen werden Große und die Großen sterben. Herrscher des Weltalls! Was Alles geschehen kann! Was läßt sich thun, wenn man es nicht besser kann!" Er breitete die Arme aus, rückte näher zu mir und begann weniger freundschaftlich: „Nun, was haben Sie erreicht?" Er erwartete eine Antwort. „Worin erreicht? Ich verstehe Sie nicht." „Aha!" rief er gallig aus: „das ist den Erfolgen meiner Frau ähnlich — sie sagt auch dasselbe, wenn sie irgend etwas will und es ihr nicht gelingt. Nu, nu, sehr recht, sehr recht, ich freue mich sehr darüber; so ... so . . . wir kennen das .." „Was?" „Sie fragen was? Wer bin ich? Ihr Junge? Sie glauben wirklich, mir müsse man vorkauen und in den Mund legen? Mag so sein ... Eine schöne Welt, eine gute Welt!" „Aber ich versichere Sie, daß ich nicht verstehe, wovon Sie sprechen." „Mir erzählen Sie das!" er schlug bei dem Worte mir mit der Hand auf seine Brust. „So... so! die Gesundheit eingebüßt, schmal und grün geworden — für uns Juden taugt's nicht mehr und von drüben beim Kragen hinausgeworfen! So ist es recht! Ich bin zufrieden! Nu, was wird jetzt mit Ihnen geschehen? Als Commis taugen Sie nicht, als Arbeiter ebenfalls nicht — das Eigene haben Sie vergessen und das Fremde kennen Sie nicht." „Aber erlauben Sie, ich bin gar nicht..." „Nu, nu, Sie wissen, wissen! Ich stelle mir Ihre Weisheit vor, — Iwan liebt die Paraska, Paraska liebt den Stepan, Stepan liebt aber die Aksiuska. . . Jetzt natürlich, muß man sich den Kopf zerbrechen, — und das ist sehr nothwendig! — warum Iwan die Paraska und Paraska den Stepan liebt.. . ... warten Sie, warten Sie nur, unterbrechen Sie mich nicht, ich verstehe, verstehe sehr gut. Sie glauben wirklich, ich sei so dumm? D a s nennt man bei Ihnen „Poesie". Mag es so sein. Aber wissen Sie, was ich Ihnen sagen werde? Für alles das gebe ich Ihnen einen ganzen Heller!.. „Sprechen wir lieber von etwas Anderem . . . was gibt es hier Gutes?" „Gutes? fragte er traurig . . . Gutes! Alles ist gut! Was kann gut sein?" „Wie geben Ihre Geschäfte? — Wie befindet sich Ihr Sohn?" „Mein Sohn! Der ist auch ein Sohn? Ein Charlatan, weiter nichts? Gibt es noch solche Söhne? Nicht hin und nicht her — er liest Ihnen immerwährend ihre Bücher. Liest, liest und liest . . . was er da nicht Alles liest ' . .. Es war einmal — in der Nacht, ich saß und studirte. Ossiß, sage ich, nu, Ossiß, komme her! Er hört nicht. Ich rufe noch einmal: Ossiß! — Kein Sterbenswort — vertieft! Nun, was läßt sich thun — man kann ja nichts thun! Wenn man den Vater nicht hört, ist es doch noch nicht das größte Unglück. Aber ausgebracht hat es mich doch und ich schrie: Du Hund, Ochs, Taugenichts! — Keine Antwort. Dein Vater ruft, wie kannst Du so frech sein, und nicht antworten? Ich beherrsche mich und gehe in sein Zimmer und sehe aus dem Tisch ein Buch; er hatte meine Schritte nicht gehört, so vertieft war er. Scheint ein sehr wichtiges Geschäft, was? Mich hat es schon gejuckt, aber man muß doch schweigen. . . Ich gehe aus ihn zu und rüttle ihn — er glotzt mich an,. . . Ossis! nu, Ossis! . . . ich bitte Dich, lies mir die Stelle vor, die Du soeben gelesen hast und sag' mir, was Du liest. Turgeniew, „Tie Memoiren eines Jägers". Es ist gewiß etwas sehr Gescheidtes. Nu, lies mir vor! I ch bat ihn darum! . . . Bin ich denn so dumm, daß ich es nicht begreifen werde? Etwas Gutes versteht Jeder. Das kann Sie nicht interessiren", sagte er, Aber was verlierst Du dabei, riskirst Du dabei Capital? Endlich habe ich ihn mit großer Notb überredet und er las: „Im Hof scharrten die Küchlein den Dünger, ein alter Hund begann zu bellen, und das Pferd, das vor dem Thore stand, fing an. den Schweif zu bewegen, als es mich sah." „Nu, haben Sie schon je so etwas gehört? Ich frage Sie auf Ehre und Gewissen — wir sind doch unter uns — haben Sie schon je gehört, daß ein Hund bellt und haben Sie je gesehen, daß ein Pser'o den Schweif bewegt? . . Und noch dazu, daß Hühner . . . warten Sie, ich Hab es vergessen — hören Sie nur — daß Hühner Dünger scharren? Das kann nicht Vorkommen! Nein! Niemals! Aber wenn es Ihr Turgeniew sagt, so ist es kein Spaß! Dann heißt es, das ist Wahrheit — sie ist nur so schwer zu erfassen. . . Wie schämt Ihr Euch Alle nur nicht! — fing er ernst und mit Bosheit an — Ihr, meine Philosophen, das sind Eure Kenntnisse! Es ist eine Schmach! Mein Sohn ist ebenso ein Charlatan, wie Alle. . ." Ich lächelte unwillkürlich. „Ist das lächerlich? Nu, lachen Sie, lachen Sie! Man kann platzen, lachen Sie, wahrscheinlich haben d i e Recht" . . . (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. Tr. I. de Pavly.'Berfasser des „C h o s ch e n M i s ch p a t" oder „Civil- und Strafrecht des Judenthums" ist kein anderer als Aron Br im an. Das genügt. Lesen Sie auch Nr. 37 Jahrgang 189.) der „Oesterreichischen Wochenschrift". A. Blumenthal, Floridsdorf. Besten Dank. dl. H. Wien, III. Es freut uns, daß unser Boi gehen gegenüber dem „Witzblatt" ihren Beifall hat. Wenn wir aus alle Dummheiten und Schlechtigkeiten des „D. B." reagireu wollten, müßten wir es vom Titelblatt bis zum „Verantwortlichen" abdrncken. Da; geht nicht. Jg. K., Prag. Bravo! I. Preczep in Podwoloezyska. Nr. 28 Jahrgang l888 vergriffen. L. D. Schön, Ung-Vrod. Wir bedauern aufrichtig, dag n'ii diese Polemik nicht weiter fortsetzen können. K., Wien. Das schamlose Treiben getaufter jüdischer Studenten, wie Vecsej, C i n n e r, Robert Klein, überrascht uns nicht. Das Renegatenthum ist sich in allen Zeiten gleich geblieben. Schließlich werden sie mit einem Fußtritt von Jenen traknrl werben, um deren Gunst zu gewinnen sie Volks- und Stammesgenossenschaft ehrlos verrathen haben. Lazar Eppingcr, Budapest. Durch solche Inserate wollen sich die Gesellschaften bei dem antisemitischen Preßgesindel Ruhe erkaufen. N. E, Wien. Auf Gotteslästerungen aus dem Jahrgange 1888 kann man heute — wir schreiben bekanntlich 1894 — nicht mehr zurückkommen. K. u. L. Nach § 25 des Gesetzes zur Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgesellschast ist der Vorstand

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