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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-07-20 · 29 (20.7.1894) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
29 (20.7.1894)
Date
1894-07-20
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 574 Kesterretrtzifüre Wochenschrift Nr. 29 verpflichtet, vor Allem für einen Gottesdienst nach altem Ritus Sorge zu tragen, bevor er Veränderungen im Cultus vornimmt. Die Altgläubigen sind in d-r Lage, den Vorstand zur Erfüllung seiner Pflicht im Wege des Gerichtes zu zwingen. Frau 3V. N., Wien. Wir nehmen Ihre Beschwerde, daß Ihnen der Commis der Firma Strehler & Peter entrüstet zur Antwort gab : „Wir sind keine I u d e n" hiermir zur Kenutniß. . Einer, der zwischen den Zeilen liest. — Dieser Mann Gottes sagt eben auch mit dem Mohren in Schiller's „Die Verschwörung des Fiesko : „Herr, einen Schurken könnt ihr mich schimpfen, aber den Dumnrkopf verbitt' ich." — Die Blüthe der Nation. Leider ist es so! Daher rührt es auch, daß ähnliche Vorkommnisse seitens staatlicher Functionäre, wie ein solches jüngsthin in ihrer Donnerstag-Nr. unter „Polizei und Presse" das „Wr. Journal" schilderte, sich so häufen. Die Geistesarmut!) hat ja eben keine anderen Waffen als rohe, brutale Worte! Frau Charl. K., hier. Jede Partei spiegelt in ihren Führern ihr eigenes moralisches Sein wieder. Bei einer Partei also, wie der antisemitischen, welche bewußt das Volk seinen eigenen Interessen zu entfremden, die sachliche Erkenntniß der socialen Schäden durch Entfachuug eines Rassenkampses zu trüben sucht und mit echt jesuitischer Spiegelfechterei heute die Leiden des Volkes beklagt, um morgen ihre Dienste zur Unterdrückung des Volkes zu leihen, ist es auch nur zu natürlich, wenn auf ihren Höhen die Lüge in Permanenzgehaltenwird. — Wenn nun auch der ganzen antisemitischen Bewegung ein positives Schaffen schon der widerspruchsvollen Elementen wegen, aus denen sie sich zusammensetzt, ein Ding der Unmöglichkeit ist, so wirkt doch schon ihre Existenz allein, wie derGiftthau auf den Charakter und die Denkkraft der mit ihr in Berührung tretenden Volkskreise. „Mit Verlaub." Daß der Antisemitismus viel gemeingefährlicher als der Socialismus ist und in seinen Endzielen sich schon sehr, aber sehr bedenklich dem Anarchismus nähert, geht schon daraus hervor, als sowohl die Antisemiten, wie auch die Anarchisten im Wege der Gewalt, also durch eine Nevolutiou, ihre Principien zu verwirklichen suchen, während der Socialismus diese im Wege der Evolution, d. h. in succesiver, aber friedlicher Weise, wenn auch in einem beschleunigteren Tempo, durch Hinwegräumung der Hindernisse der Gegenwart, welche sich der Verwirklichung entgegensetzen, sein Ziel zu erreichen sucht. — Appellirt der Antisemitismus und der Anarchismus auf die brutalen Instinkte, so trachtet hingegen der Socialismus die Geister gefangen zu nehmen. Herrn Carl S«, Landstraße. Dies ist leicht zu erklären. Gerade bei den roheren Naturen, wie dies schon aus dem ganzen Wesen des Antisemitismus hervorgeht, führt das leibliche Bedürfniß eine viel lautere Stimme, als das geistige, wozu dann noch kommt, daß in hochcultivirten Zeitaltern eine bewußte Ueberschätzung der materiellen Interessen sich breit macht. Halten Sie nun dagegen, was schon Bacon in seinen Sermones meint: „In jugendlichen Staaten blühen die Waffen, in gereiften die Literatur und in sinkenden Gewerbefleiß und Handel", so werden Sie bei einigem Nachdenken auch ein Berständniß über diese Frage gewinnen. 8»pion1i 8st! Sie glauben im Ernste, daß die „Ostdeutsche Rundschau" gewisie „zaubergewaltige" Erscheinungen treffen wollte, wenn es letzthin schrieb: „Die Lüge ist die moralische Feigheit und die Feigheit ist die physische Lüze, die Verleugnung der Manneskrast, diese beiden zusammen bilden dann ein einziges Laster, das nicht nur Abscheu, sondern auch Verachtung erzeugt"? — Wir nicht; denn die Verstandeskräfte Vergani's reichen nicht so weit, um den Sinn dessen zu fassen, und Herr Wolf kennt seine Pappenheimer zu genau, als um Geistesperlen — wie sagt doch nur das Evangelium Mathh. VII, 6? — Herrn Max D. in Temesvär. Lueger — er denkt sich eben mit Oscar Blumen thal: „Wer nach Erfolg und Einfluß ringt — Zwei Wege gibt's, ihm Bahn zu brechen: Wenn's nicht durch eigene Kraft gelingt, So glückt's vielleicht durch fremde Schwächen." Herrn Lazar Ob. in Preßburg. Daß das . Deutsche Volksblatt" dem bewußten Ehrabschneider in Pest die Stange hält, ist ja sehr begreiflich. Thuen dennVergani, Schneider, Greg orig und Consorten etwas Anderes? Manns rnannm lavat! — Das Gcgentheil wäre — unbegreiflich. -in-Ja, um des Himmelswillen! In welcher Wildniß hausen Sie denn? Nun, wir wollen Ihnen eine kurze Biographie dieses Individuums geben, wie eine solche Carl Hron, ein ehemaliger Schriftleiter des „Deutschen Volksblart", gab; — also eine gewiß unparteiische: „Der Ernst Vergani ist der Sohn eines italienischen Vaters und einer polnischen Mutter; herangewachsen ist er in polnischer Erziehung und in den 70er-Jahren hielt er wiederholt als fanatischer Pole äußerst blutrünstige Reden gegen da's Deutschthum. Daß sein Antisemitismus „waschecht" sei, bezweifle ich, denn es geht die Sage, daß ihm sein Stammbaum nicht das Recht gibt, gegen die Rassenvermischung zu wettern, wie er es thut.^ — An anderer Stelle sagte er noch : „Vergani, dessen niedrige Habsucht dem Begriffe „Ehre" in seinem Herzen keinen Raum läßt.. ." Herrn Fr. N. Bankbeamter. Hinsichtlich des „Deutschen Vvlksblatt" sprach sich vor Jahren ein ehemaliger Schriftleiter dieses Blattes in folgender Weise aus: „Schon die Gründung des Blattes ist mit durchaus unreellen Mitteln erfolgt, denn sie war von Seite Bergani's einfach eine ganz niedrige, schwindelhafte Geldspeculatiou, welche weiter nichts bezweckte, als die Ausnützung der bestandenen politischen Verhältnisse zum eigenen Vortheile. Daß Vergani wegen seiner Boruirtheit diesen Zweck nicht erreichte, kann ihm wohl nicht als Milderungsgrund angerechnet werden, denn in der Politik ist ja die Dummheit immer eine Sünde, also auch ganz besonders dann, wenn sie mit Schlechtigkeit gepaart ist." Herrn Dr. R. K. in Kronstadt. Das leidige Hier-Deutsch, — Das trockene Papier-Deutsch, Die Putzsucht im Schreiben — Ihr mögt sie vertreiben. Das knotige Arier-Deutsch — Verrohtes Vergani-Deutsch Das solltet Ihr lassen — Den Helden der Gassen. Oscar Blumenthal dürfte die Schreibweise der antisemitischen Schriftleiter kennen. Hotel-Adressen. Ueber Ersuchen der Buchhandlung I. Kaufmann in Frankfurt a. M. erklären wir, daß den von uns publicirten Adressen von jüdischen Gasthöfen ein Verzeichniß zu Grunde lag, welches in ihrem anerkannt vortrefflichen Kalender erschien. Dieses Verzeichniß ist Ekgenthum dev genannten Buchhandlung, jeder andere Nachdruck ohne deren besondere Erlaub» niß untersagt. Die Redaction der Oesterr. Wochenschrift. ft ft ft ft ft ft ft ft ft Möbel für Heirats-Ausstattungen D gediegenster Qualität in Barock, Renaissance und Altdeotscli, * Z Orient. Polstermöbel und Decorationsdims und Teppichen etc. Wien’s grösstes bekannt leistungsfähigstes Etablissement auf dem Gebiete der Möbelindustrie. NEU! Praktisch, nach modernem Geschmacke eingerichtete Zimmer (Interieurs) zur freien Besichtigung aufgestellt. Darunter eine complete Wohnungseinrichtung, bestehend aus Schlaf- und Speisezimmer, Vorzimmer u. Küche in Mattnuss für das bürgerliche Haus fl. 460. 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