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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-07-20 · 29 (20.7.1894) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
29 (20.7.1894)
Date
1894-07-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 570 Oestrrreichifche Wochen schritt Nr. 39 Erziehung angedeihen ließ. Eine Schwester der nun Verstorbenen ist die schon seit vielen Jahren verwitwete Baronin T o d e s c o; von ihren drei Brüdern ist der eine der Philosoph Hofrath Professor Dr. Theodor Gomperz, ein zweiter der Großindustrielle Max N. von G o m p e r z. der dritte Julius Gomperz, Herrenhausmitgiied. Jolefine entwickelte schon frühzeitig die mannigfaltigste geistige Äegabung; sie hatte ausgeprägten Sinn und Verständnis; für die Literatur wie für Malerei und Musik. Hiezu gesellte sich ihre bewunderrswerthe Schönheit, die auch von Dichtern gepriesen worden ist. Es ist keine Uebertreibung — alte Wiener werden sich der Thatsache erinnern — daß ihre Erscheinung in Wien, nachdem sie sich hier mit Herrn Leopold Edlen v. W erth e i m st e i n vermalt hatte, überall Aufsehen erregte. Ihr Gemal Leopold v. Werlheim st ein war Beamter im Hause Rothschild, dann in hervorragender Stellung bei der Creditanstalt und der Nordbahn und fungirte eine zeitlang als baierischer Consul. Das Ehepaar Wertheim st ein hielt offenes Haus und zog allmälig die bekanntesten Persönlichkeiten aus allen Gebieten des öffentlichen Lebens in seine Salons, wie beispielsweise den Dichter Bauernfeld. Maler Schwind, den bedeutenden Künstler, der die Hofoper mit Bildern ausgeschmückt hat, den Compouistm Josef Dessauer, den Minister Alexander B a ch, Dr. Josef U n g e r, R u b i n st e i n und Liszt, den Staatsmann L y t 1 v n, L e n b a ch, die Dichter Hans Hopfen, Wilbrandt, Ferdinand von Saar u. v. A. Dort wurden nun alle actuellen Tagesangelegenheiten, politische wie künstlerische jeder Art, besprochen, Dichter lasen ihre neuen Dramen vor, Musiker spielten ihre neuesten Compositionen, Politiker sprachen von ihren Kämpfen und Plänen. Einer der schwersten Schicksalsschläge, den Josefine v. W e r t h e i m st e i n niemals vollständig überwand, war es, als sie im Jahre 1866 ihren einzigen Sohn, ein vielversprechendes bildhauerisches Talent, von dem auch eine in der Hosoper aufgestellte Büste D o n i z e t t i's stammt, 18 Jahre alt, gleichsam über Nacht verlor. Im Jahre 1883 starb ihr Gatte und sie blieb mit ihrer Tochter Franziska allein zurück. Man kennt die intime Freundschaft, die sie namentlich mit Bauernfeld verband, der in ihrer Villa in Oberdöbl'ng sein Leben beschloß und dem sie dort eine Erinnerungstafel gewidmet hat. Im September vorigen Jahres gab sie aus Anlaß des 60. Geburtstages Ferdinand v. Saar's ein Diner; zwei Monate später, im November, mußte sie sich zu Bette begeben und sie hat seit jener Zeit ihre Billa nur selten verlassen. Ihr Leiden, pernicivse Anämie, war kein schmerzliches, ihr Geist bis wenige Stunden vor ihrem Tode ein ungetrübter. Wien. (Verlobung) Herr Leopold Kohn, in Firma Ganslu. Co., verlobte sich mit Fcl. Gisela Berger, Tochter des Herrn Bernhard Berger aus Wien. Wien. Frau Katharina N e u m a n n, eine allgemein geachtete und verehrte Dame, ist im 74. Lebensjahre am 10. Juli in Baden bei Wien verschieden. Das Leichenbegängniß fand unter allgemeiner Betheiligung am 12. Juli auf dem Centralfriedhofe statt. Wer die vortreffliche Frau kannte, wird ihr ein gutes Andenken bewahren. Wien. Freitag den 6. d. M. fand im k. k. Garnisonsspital Nr. 1 das Leichenbegängniß des Dr. M. Sobotka, k. u. k. Oberstabsarzt, unter sehr zahlreicher Betheiligung hoher Militär- und Civilpersönlichkeiten statt. Punkt 2 Uhr wurde vom Cantor Schiller unter Assistenz des Stidt-Männerchores ein Trauerpsalm executirt, der auf alle Anwesenden einen ergreifenden Eindruck machte. Herr Oberrabbiner Güdemann hielt eine gediegene, tiefergreifende Rede, in welcher er die großen Verdienste des Hingeschiedenen schilderte. Prag. Fräulein Ottilie Bendiener, eine Tochter des Advocaten Dr. Ludwig Bendiener in Prag, hat sich mit Herrn Georges Goldenbaum aus Berlin verlobt. E B. Karlsbad. (Handels minister Graf Wurmbrand) hat gelegentlich seiner Anwesenheit hier auch die neue Glasfabrik von Ludwig Moser u. Söhne in Meierhöfen besichtigt und sich in befriedigendster Weise über die großartige, mit den neuesten technischen Behelfen ausgestattete Anlage dieses Etablissements ausgesprochen. Brüx, 16. Juli. Der diesjährige Jahresbericht des hiesigen k. k. Staats'Obergymnasiums enthält eine Abhandlung ': „Wie soll der israelitische Religionsunterricht an Gymnasien ertheilt werden." Bon Phil. Dr. Adolf Biach, Rabbiner und Religionslehrer der hiesigen Cultusgemeinde. Schon die Thatsache. daß ein solches Thema in dem Jahresberichte eines Gymnasiums Aufnahme fand,ist ein Ereigniß in unserer von confessionellem Hader erfüllten Zeit. Sie stellt der Direction des k. k. Staatsgymnasiums ein Zeugniß aus, das derselben zur hohen Ehre gereicht, liefert aber auch den Beweis, daß unser Seelsorger es verstanden hat, sich die Werthschätzung und Hochachtung, sowie die Anerkennung seines tiefen Wissens seitens der Direction und des Lehrkörpers zu erwerben. Eine Kritik über die Arbeit zu geben, ist hier nicht am Platze und werden wohl berufenere Männer sich damit befassen, aber selbst der Laie muß Vergnügen finden an den vielen Citaten und Beweisen für die angeführten Grundsätze des Religionsunterrichtes an Gymnasien, die in folgenden Punkten zusammengefaßt werden: Der Unterricht werde den Schülern nicht schwer gemacht, er befriedige Verstand und Gemüth, stehe im Connexe mit den anderen Diseiplinen, während Glaubens¬ und Sittenlehre im Anschlüsse an die Lectüre gelehrt wird und die jüdische Geschichte und Literatur kein chronologisches oder biographisches Skelett zu bilden haben. Der Verfasser Herr Dr. Biach ist zu seiner Arbeit zu beglückwünschen und wird diese wohl in competenten Fachkreisen Beachtung und Würdigung finden. Gr.-Kanizsa. Am 11. Juli haben wir in Ofen den einzigen Sohn des von mehreren Souveränen ausgezeichneten Ober-Jnspectors, des Herrn David Weiß, zu Grabe getragen. Ein hartnäckiges Lungenleiden bemächtigte sich seit März d. I. dieses eminent befähigten J.U.Drd., dem er auch zum tiefsten Kummer feiner schwergeprüften Eltern erlag. Am Leichenbegängnisse, das unter imposanter Betheiligung des Beamtenvorstandes der Südbahn, sowie der Vorstände und Vertretungen verschiedener AnstaltenderLandeshauptstadt Budapest stattfand, erschien auch in Begleitung der vollzähligen Chewra-Kadischa und des Gemeinde-Vorstandes der Obetrabbiner und Obercantor. der Cullusgemeinde Ofen zur Vollziehung des üblichen Ceremoniells. Oberrabbiner Dr. R. Goldberger hielt eine Herz und,Seele durchglühende Rede, die kein Auge trocken ließ. Tarnow. (Jahresprüfung in der Baron Hirsch- Schule zu Tarnow.) Es wird allgemein von den der Stiftung feindlichen Journalen hervorgehoben, daß die gegründeten Schulen die Mission übernommen haben, die Jugend zu germanisiren. Schon von mancher Seite wurde diese Behauptung widerlegt und auf die tendenziöfe Entstellung des wahren Charakters der Stiftungs Anstalten hingewiesen. Wie unstichhältig diese Anwürfe sind, liefert neuerdings einen Beweis die in der Baron H irstch-Schule zu Tarnow am 10. Juli l. I. unter dem Vorsitze des von der Bezirksschulbehörde delegirten k. k. Gymnasialprofessors Herrn Schnitzel und im Beisein des um die Schule hochverdienten Cultuspräses Herrn H. Merz, der Comitemitglieder H. H. Dr. Ringelheim und Silb i g er, wie zahlreicher Gäste stattgefundene Jahresprüsung. Die Schüler wurden in sämmtlichen Unterrichtsgegenständen geprüft. Seiner Befriedigung gab der Vorsitzende wiederholt Ausdruck. Trebitsch. Am 16. Juli feierte der achtzigjährige Herr K. G o l dm an n, Gutspächter in S adek bei Treb itsch, mit feiner neunzigjährigen Gattin das Fest der goldenen Hochzeit in vollster Frische und Rüstigkeit. Der einzige Sohn des Jubelpaares Herr Jacob Goldmann, Gutspächter in Pulitz, übte mehrere Wohlthätigkeitsacte aus und veranstaltete eine solenne Feier nebst Bankett, wobei mehr als 150 Gäste anwesend waren. Der hiesige Rabbiner Herr Dr. Pollak hob in einer passenden Ansprache die Bedeutung des Festes hervor, pries die Einfachheit, Gottesfurcht und den Wohlthätigkeitssinn des Jubelpaares, welches durch Arbeitsamkeit und Sparsamkeit sich zu ansehnlicher Stellung emporgeschwungen. Mit besonderer Genugthuung muß in der gegenwärtigen Zeit der leider wieder herrschenden Unduldsamkeit erwähnt werden, daß sich auch viele angesehene Personen katholischer Religion, namentlich drei hochwürdige Pfarrer, an dem Feste betheiligten und einer der letzteren einen herzlichen Trinkspruch ausbrachte. _ Feuilleton. Im stillen Städtchen. Ein russisches Sittenbild von N. Naninotv. — Frei übersetzt von Louise Fokschaner. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) „Ich danke Ihnen", erwiderte ich — „ich habe die Feinheiten der Erzählung verstanden.-Tlnd nun sagen Sie mir Reb Schloime, woher sind Sie? Wo haben Sie gelebt, womit haben Sie sich beschäftigt, haben Sie viel erduldet?"

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