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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-07-20 · 29 (20.7.1894) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
29 (20.7.1894)
Date
1894-07-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 568 VesterrettMtze WochenptzrM Nr. 29 getreten ist. Dieselbe verlobte sich jüngst mit einem hervorragenden Musiker jüdischen Bekenntnisses zu Bukarest und beschloß, dem Erkorenen ihres Herzens zu Liebe zur Religion ihrer Väter, dem Judenthum zurückzukehren. Wir geben alle diese Facten in ihrer schlichten Thatsächlichkeit ohne Glosse wieder, da wir es grundsätzlich vermeiden, in Angelegenheiten des Gewissens, die Jeder mit sich selbst auszumachen hat, Kritik zu üben. Das Fräulein meldet in Form eines Gesuches ihren bevorstehenden Austritt aus der katholischen Kirche der competenten Behörde, also in diesem Falle dem Magistrate von Krakau. Dieser ordnet in Folge dessen — d i e Untersuchung des Geisteszustandes der glücklichen Braut an! Die Aerzte erklären denselben sür so normal, als nur möglich. Nun wäre wohl das Ansuchen der Petentin zu bewilligen gewesen. Der Mensch denkt — die hohe Obrigkeit lenkt und beschließt das Gesuch mit der Motivirung abzuweisen: „die Bittstellerin sei hochgradig verliebt, in Folge dessen habe sie das Selbstbestimmungsrecht verloren und werde zweifelsohne den Schritt, den sie thun wolle, bald bereuen." Wer zum Judenthum übertreten will, — der ist nach der Ueberzeugung des Referenten nicht recht bei Sinnen! Allerdings sieht sich die Sache nicht sehr verlockend an, in Anbetracht des Rechtsschutzes, dessen wir uns gegenwärtig zu erfreuen haben — zugegeben. Trotzdem halten wir es für angezeigt, zur Abwechslung gelegentlich den Geisteszustand des betreffenden Herrn Referenten einer kleinen Ueberprüfung zu unterziehen.Berichtetes buchstäblich so geschehen im Jahre des Heils 1894 in der alten Königsstadt Krakau. Gliniany. Zur Begründung des Vorwurfes der Antisemiten, daß Juden die Gefährlichsten aller Völker sind, dient nachstehendes Eceigniß. Am 5. d. M. ritt ein Diener der Herrschaft Bartmanski aus Zurawniki bei Gliniany zur Post. Ein Bauer aus Wyzniany trug dem Diener an, ihn mit einer Cigarette zu tractiren. Als dieser vom Pferde stieg, nahm der Bauer das Pferd, erwürgte den Boten, warf ihn in den Weizen, raubte das Pferd und verschwand ohne Spur. In der Gegend jedoch verbreitete sich das Gerücht unter den Christen, daß diese Mordthat niemand Anderer als ein Jude des schönen Pferdes wegen begangen habe. Es gelang jedoch am 11. d. M. den Raubmörder Ludwig Chmilewski, Bauer aus Baluczyn, als Thäter festzunehmen und ihn an das k. k. Bezirksgericht in Gliniany abzustellen, wo er die That eingestand. Gologory. Unser Ort zählt zu den unscheinbaren Städten. Seit jeher haben unsere Glaubensgenossen inmitten der christlichen Gemeindemitglieder sich behaglich gesunden, haben stets in bester Eintracht zum gemeinsamen Wohle gestrebt. In den letzten Zeiten jedoch wurde eine antisemitische Strömung in Folge Verhetzung fühlbar. Wiewohl unter den hier bestehenden 24 Genzeinderäthen wenigstens die Hälfte jüdische Räthe bilden, wurden den Juden manche Rechte, welche selbe am Communalvermögen unbehelligt genossen, entzogen, ohne daß die jüdischen Räthe dagegen energisch Front gemacht hätten. Es ist hier jetzt kein Arzt, obwohl hier früher und jahrelang die besten Aerzte ordinirten und sich gut standen; bei Erkrankungsfällen muß man erst einen Arzt von der 25 Kilometer entfernt gelegenen Stadt Z loz o w holen, was freilich nur den Besserfituirten möglich ist, ein Armer muß wohl vor der Zeit seine Seele ausbauchen. Und wenn bei einer Sitzung die Frage wegen Jnstallirung eines Arztes aufs Tapet kommt, wird dies Project Hintertrieben. Das Schulwesen ist verwahrlost. Es besteht blos eine dreiclassige Normalschule, wo das Deutsche gar nicht zu den Unterrichtsgegenständen gehört. Es gibt hier an jüdischen schulbesuchenden Kindern allein circa 150, dennoch genießen Letztere weder deutschen noch Religionsunterricht, demzufolge deren Schulbesuch fast ganz zwecklos ist. Die Aufsicht über das hiesige Schulwesen führt ein sogenannter Schulrath, der die Eltern der jüdischen Schüler wegen angeblicher Vernachlässigung von Unterrichtsstunden bestraft und unnachsichtlich zu pfänden verordnet. Die Cultuszustände, von einem Vorstande geleitet, der schon einige Decennien functionirt. sind arg verfahren. Der Rabbiner Se. Ehrwürden Herr Mischel ist ein Mann von Kenntnissen und Beredsamkeit, voll Herz und Sinn für die Interessen seiner Schutzbefohlenen. Er ist nicht nach Gebühr bestallt, dein guten Willen der Schächter und Fleischer überantwortet, welcher Umstand nicht nur hier, sondern in den meisten Kehilos Galiziens eine intensive Reorganisation dringlich erheischt. In vielen Städten Galiziens wurden Unterrichtsschulen derBaronHirsch-Stiftung creirt, während in unserer Stadt, welche 150jüdische, schulbesuchende Kinderzählt und wo in der bestehenden Volksschule weder Deutsch noch Religion zu den Unterrichtsgegenständkn gehört, dieses wohlthätige, humane Institut vermißt wird. Wir haben uns wegen Errichtung einer Baron Hirsch'schen Schule hier bemüht, dessenungeachtet entbehren wir leider den Segen dieses humanen Instituts, was dem gleichgiltigen Gebühren der Cultus-Repräsentanz zuzuschreiben ist. Möge dieser Appell bei den maßgebenden Factoren Gehör und gebührende Beherzigung finden. H. D a v i d s o h u. Tarnopol, 8. Juni. Der Bauer Adam G a w r y d o hat gestern Nachts in einem kleinen bei Z b a r a z gelegenen Dorfe durch eine tragische Verwechslung seinen eigenen Sohn ermordet, indem er ihm mit einem großen Küchenmesser den Hals durchschnitt. In Folge einer eigenthümlichen Verkettung von Umständen ist der Sohn zum Opfer der Geldgier seines Vaters und Derjenige, dem der Todesstoß zugedacht war, zum Entdecker der grauenerregenden That geworden. Vor einigen Wochen hatte der Handelsmann Salomon B a r b oder B a r b e r aus Z b a r a z dem Adam G a w r y d o dessen ganze diesjährige Honigerzeugung abgekauft und ihm als Drangeld 50 fl. gegeben. Als der Lieferungstermin herankam, erklärte der Bauer, daß er den Verkauf nicht einzuhalten im Stande sei, und zeigte sich bereit, als Entschädigung soviel zu zahlen, als der Rabbiner dem Händler zusprechen werde. Gestern begaben sich Beide zum Rabbiner, welcher dem Händler einen Schadenersatz von 10 fl. zuerkannte, die der Bauer auch sofort erlegte. Im besten Einvernehmen verließen die Widersacher den Seelsorger und kehrten in eine auf dem Wege gelegene Schänke ein, wo sie sich bis in den späten Abend aufhielten. Da es zu regnen anfing, stellte der in der Nähe wohnende Bauer dem Händler den Antrag, er möge bei ihm übernachten, was dieser annahm. Zu Hause angelangt, bereitete der Bauer in der Scheune ein Laaer aus Stroh, wünschte dem Händler gute Nacht und verließ ihn, die Thür der Scheune hinter sich sorgfältig schließend. Dies fiel dem Händler auf. eine namenlose Angst beschlich ihn, er stand auf, tapvte im Finstern herum, bis er endlich eine zweite Thür entdeckte, welche nur von innen durch einen Riegel zugeschlossen war. Er öffnete dieselbe, verließ die Scheune und begab sich nochmals ins Wirthshaus. Inzwischen war der Sohn des Bauern in nicht ganz nüchternem Zustande heimgekebrt. Da er die Thür der Scheune offen fand, ging er in dieselbe, legte sich auf das für den Händler bereitete Lager und schlief bald fest ein. Auf dem Wege ins Wirthshaus begegnete dem Händler ein Gendarm und fragte ihn, wohin er so spät gehe. Der Händler erzählte das Vorgefallene; da der Gendarm jedoch dieser Mittheilung keinen Glauben schenkte und Barb sich über seine Person nicht ausweisen konnte, ging der Gendarm mit diesem zum Bauer zurück. Als auf mehrmaliges Klopfen Niemand öffnete, schlug der Gendarm mit dem Kolben des Dienstgewehres die Thür ein und betrat die Wohnstube. Der Bauer wusch sich eben die Hände, die ganz blutig waren. Als der Bauer des Händlers ansichtig wurde, rief er entsetzt aus: „Ich habe Dich ja erschlagen!" Der Gendarm nahm sofort den Bauer fest, durchsuchte das Haus und fand den Sohn des Bauers, der mit durchschnittenem Halse in der Scheune lag. Adam G a w r y d o wurde dem hiesigen Landesgerichte eingeliefert. Berlin. In einem antisemitischen Flugblatt „Die Wahrheit über das Judenthum" werden an der Hand angeblicher Uebersetzungen aus dem Schulchan-Aruch folgende unerhörte Behauptungen aufgestellt: 1. Es ist den Juden erlaubt, den Nichtjuden zu betrügen. 2. Die Juden müssen einander im Betrug der Christen unterstützen. 3. Der Jude darf die Gesetze des Staates, in dem er lebt, nicht anerkennen; für ihn sind nur die Geheimgesetze des Judenthums giltig.

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