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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-07-20 · 29 (20.7.1894) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
29 (20.7.1894)
Date
1894-07-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JEE K -L^ Nr. 29 Vesterretchtsche WochrnfchrM Seite 567 329 331 332 333 334 339 342 344 348 356 358 307 371 374 383 384 385 391 399 400 408 410 412 413 417 420 423 425 426 432 437 441 456 459 460 466 469 470 476 479 487 488 491 494 496 521 527 534 538 540 543 546 550 551 552 553 557 558 559 560 569 570 578 579 585 592 600 607 617631 634 635 636 637 638 648 665 672 680 694 695 697 698 715 717 720 728 732 746 747 748 750 751 763 764 765 769 772 773 774 775 780 784 785 786 787 794 800 801 803 806 807 808 809 810 811 818 822 825 827 832 854 865 866 887 897 903 904 906 911 914 927 939 946 956 968 970 971 972 976 980 985 988 991 997 1000 1001 1002 1003 1005 1007 1014 1015 1016 1022 1024 1030 1031 1032 1033 1035 1045 1047 1049 1056 1057 1059 1060 1063 1070 1071 1072 1073 1074 1075 1076 1079 1082 1086 1110 1114 1128 1139 1143 1144 1147 1148 1152 1153 1154 1162 1165 1167 1168 1171 1172 1174 1177 1178 1181 1182 1191 1194 1198 1200 1201 1202 1205 1206 1207 1208 1209 1211 1213 1214 1216 1218 1220 1221 1224 1240 1242 1243 1245 1249 1250 1251 1258 1259 1271 1272 1273 1275 1276 1281 1282 1291 1292 1293 1297 1298 1300 1301 1308 1315 1317 1321 1322 1336 1337 1343 1350 1351 1362 1369 1390 1391 1392 1393 1394 1395 1399 1400 1409 1422 1427 1438 1439 1467 1470 1476 1477 1478 1486 1489 1503 1508 1509. Wien. 14. Juli. Ein officielles Telegramm aus Petersb u r g meldet, daß beim Departement für die geistlichen Angelegenheiten fremder Confessionen eine besondere Commission, bestehend aus einem Präsidenten und vier israelitischen Mitgliedern, eingesetzt werden soll, welche über specifisch jüdische Religionsfragen zu entscheiden haben wird. Mit dieser Commission soll, wie es scheint, ein Ressort wieder ins Leben gerufen werden, das bereits unter Kaiser Nikolaus I. zu dem Zwecke bestand, um die mosaische Confession einer verschärften Polizei-Aufsicht zu unterstellen. Vor Kurzem noch hat in Petersburg eine vom Ministerium des Jnnernein berufene Rabbiner- Commission getagt, welcher eine Reihe rein jüdischer Religionsfragen zur Lösung vorgelegt wurde. Die Commissionsmitglieder bezeichneten jedoch dieselbe als gegen die jüdische Religion gerichtete Maßnahmen und leiteten sie an das Ministerium zurück Mit dem kürzlich erfolgten Tode des aufgeklärten Directors des Departements für die Angelegenheiten fremder Confessionen, Fürsten Kantakuzen-Speranskij, scheint die Rabbiner- Commission ihren einflußreichen Fürsprecher beim Ministerium des Innern verloren zu haben, denn so lange Fürst Kantakuzen-Speranskij am Leben war, wollte er von einer Rückkehr zum bekannten „Jüdischen Comite" aus der Regierungszeit Nikolaus' I. nichts wissen. Nunmehr ist diese Rückkehr bevorstehend, und man muß es bedauern, daß das russische Ministerium des Innern, welches erst kürzlich durch seine Gouverneure die Mohammedaner in Rußland versichert hat, daß die russische Regierung die Freiheit der Religionsübung nikmals antasten werde, gegen die mosaische Confession eine Sonder- Commission ins Leben ruft, die unter dem Einflüsse des Heiligen Synod stehen dürfte. Wien. (Die Kaiserin als Heine-Uebersetzerin.) Ihre Majestät die Kaiserin Elisabeth, deren große Verehrung für Heine's Poesien bekannt ist, beschäftigt sich, wie die „Extrapost" meldet, gegenwärtig mit der Uebersetzung einiger Dichtungen aus dem „Buch der Lieder" ins Griechische. Ihre Majestät hat die Absicht, nach Vollendung mehrerer derartiger Uebersetzungen eine Sammlung herauszugeben. Sämmtliche Manuscripte sind von Ihrer Majestät eigenhändig geschrieben. In der „Reichspost" vom 11. Juli leseu wir Folgendes : „W i r t h s ch a f t l i ch e r Aufschwung eines C u ro r t e s. Aus Mondsee (Oberösterreich) schreibt man uns : Jeder Alpencnrort ist bestrebt, während der Sommersaison einen sehr großen Zufluß fremder, aber anständiger Gäste beherbergen zu können. N o"t h n a g e l's Schützlinge ohne Unarten haben auch unseren Curort wieder dicht besetzt, zumal ja> unser Ort am See gelegen ist und das Baden die Gesundheit und Reinlichkeit befördert. In der hiesigen Badeanstalt verlangte eine Partei mit 9 weiblichen Badebedürftigen eine Cabine. Nun kam auch der alte Jeiteles und verlangte in derselben Cabine auf der Damenabtheilung zu baden, ein Umstand, der von der hiesigen anständigen Bevölkerung viel besprochen wurde und so manchem Freund des Volkes ohne Unarten doch zu arg vorkam. Wenn wir überhaupt so manche Geschäfte betreten, so scheint es, als ob man nur mit diesem Publicum rechnen würde; es liegen nur jüdische Zeitungen ans, keine einzige christliche Wiener Zeitung, da darf man sich dann nicht wundern, wenn die Christen auch solche Orte ganz meiden." Es dürfte selbst einem Blatte niederster Ordnung wie der „Reichspost" schwer fallen, diesen Grad von dummer Niedertracht des Oefteren zu erreichen. Das wagt man Lesern zu bieten — und wären es nur selbst solche der „Reichspost", somit der alleruntersten Bildungsstufe? Unglaublich! An derlei Lügentratsch findet irgend Jemand Gefallen?? Doch muß dem wohl so sein, denn in jeder Nummer des Sudelblattes finden wir derlei aus der Luft gegriffenen Stiefel, welcher lebendiges Zeugniß ablegt für die fortschreitende Verrohung, Bertrottelung und Berpöbelung der Antisemiten. E. B. Weidlingau bei Wien. (An tisemitismus- Export in die Sommers rischen). Wie ich seinerzeit berichtete, habe ich beim Stationsvorstande hier gegen die an der Einfriedung des Weidlingau-Hadersdorfer Bahnhofes unbefugterweise erfolgte Affichirung von Hunderten von Plakaten des antisemitischen Hetzorganes „Deutsches Volksblatt" Einsprache erhoben, welch' letztere jedoch ad acta gelegt wurde. Auf meine Beschwerde an die General-Direction der k. k. Staatsbahnen, erhielt ich unverzüglich den Bescheid, daß meine Eingabe zur competenten Behandlung an die k. k. Eisenbahnbetriebs-Direction in Wien geleitet worden ist. Tatsächlich sind die erwähnten Plakate des „Deutschen Volksblatt" bereits von einer Seite der Bahnhofseinfriedung entfernt worden. Empfehlen tvürde es sich, gegen die antisemitischen Ausschreitungen überall energisch Stellung zu nehmen und würde hiedurch den gröbsten Ausschreitungen sicherlich gesteuert werden. E. B. RoLnau in Mahren. (Erzbischof Kohn) aus Olmütz, welcher gegenwärtig hier die Firmung vornimmt, ist Gegenstand ausgesuchtester Sympathiekundgebungen und Ehrenbezeugungen seitens aller Bevölkerungskreise, welchen sich auch die hier weilenden jüdischen Curgäste freudig anschließen. Letztere haben demselben eine Ovation bereitet, indem sie eine Huldigungsdeputation an den Kirchenfürsten entsendeten, bestehend aus dem beliebten Curarzte Dr. S k reinka, einigen Kurgästen und drei Kindern, welche Blumensträuße brachten. Fräulein Malvine Pollak, Enkelin des verehrten und gelehrten Herrn Joachim Pollak in Proßnitz, hielt eine Ansprache, welche gnädig entgegen genommen wurde. Nachdem der Kirchenfürst einige Fragen an die holde Kleine gerichtet, welche schlagfertig beantwortet wurden, reichte er derselben die Hand zum Kusse. Der Deputation gegenüber brachte der Erzbischof seine besondere Freude über die Begrüßung zum Ausdrucke und zeichnete jeden der Erschienenen durch längere Conversation aus. Saaz. Der Bürgermeister von Sa az, Ottokar B eli s, zugleich Besitzer eines von jüdischen Reisenden stark frequentirten Hotels, versandte jüngst an eine Menge Adressen ein Rundschreiben in Wahlangelegenheiten, welches wir aus dem Czechisch-Antisemitischen in das Deutsch-Antisemitische übersetzten und hiemit der Oeffentlichkeit übergeben. Wir bezweifeln nicht-, daß unsere geehrten Glaubensgenossen, wenn sie die liebliche Hopfenstadt besuchen, die nöthigen Konsequenzen hieraus ziehen und Herrn Velis mit ihrer Gegenwart nicht weiter belästigen werden. Die Wahl fiel im antisemitischen Sinne aus und mußten zwei verdienstvolle Aerzte. die Herren Dr. Want och und Dr. Hahn, nur weil sie Juden waren, das Feld räumen. Das agitatorische Schreiben lautete: Sehr geehrter Herr! Wie Ihnen bereits bekannt, wird Montag, den 19. Februar d. I, die Wahl der Sanitätsreferenten vorgenommeu werden; es findet, weil die vollzogene Wahl der Districtsärzte annullirt wurde, dieselbe nochmals statt. Bei dieser Gelegenheit ist zu entscheide ii, o b z u diesen: Posten ein Christ und Patriot oder, zu unserer Schande sei es gei'aat. ein Jude ernannt werden soll. Bon Ihrer Gesinnung überzeugt, zweifle ich nicht, daß Sie nicht zulassen werden, daß unser Bezirk durch eine Reil e g a t s w a h l c o m p r o m i t t i r t werde, und bitte Sie inständigst, sich ganz bestimmt zu genannter Wahl einzufinden und mit Ihrem Einfluß die Wahl nachstehender Candidaten zu fördern, und zwar fiel unsere Wahl aus den national bewährten katholischen Doctor Friedrich D r o z e, bestbekannter Districtsarzt, und auf den Doctor Josef Junta.' In der sicheren Hoffnung, daß Sie diese nationale Wahl vollkommen billigen, rechnet auf Ihr bestimmtes Erscheinen Saaz, 11. Februar 1894. Ottokar Belis, Bürgermeister in Saaz. Krakau. In unserer guten Stadt ist eine junge Dame wohnhaft, welche geborene Jüdin und zum Christenthum über-

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