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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-07-20 · 29 (20.7.1894) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
29 (20.7.1894)
Date
1894-07-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 29 Veperreichiptzr WochrnptzrM Seite 565 Brunnen des Pfarrgartens, von schweren Holzstücken bedeckt. Die Volksstimme bezeichnet sofort den Vicar des Pfarrers, den Abbe B r u n e au, als den Mörder. Schon als einige Monate vorher dem Pfarrer 600 Frcs. gestohlen worden waren, hatte man den Vicar als den Dieb bezeichnele, und man nahm nun sofort an, daß diese Erkenntniß auch dem Pfarrer gekommen sei, dieser dem Vicar Vorhaltungen gemacht habe, worauf der Vicar, um einer Anzeige zu entgehen, den Pfarrer ermordet habe. Der Verdacht wurde so laut ausgesprochen, daß man zur Verhaftung Brunea u's schritt; daß diese berechtigt war, erwiesen die Blutspuren, die man in seiner Wohnung und an seinen Kleidern fand, und die Aussage der Haushälterin des Pfarrers, die gesehen hatte, daß Brune au am Abend vor der Auffindung der Leiche mit dem Pfarrer in den Garten gegangen war und dann Holzklötze dorthin geschleppt habe. Sofort nach der Verhaftung Bruneau's gelangten andere Verbrechen, die er begangen hat, zur Kenntniß des Gerichtes. Man beschuldigte ihn, daß er zweimal die Pfarrei in Astille, wo er früher beschäftigt war, in Brand zu stecken versuchte, um die Feuerversicherungsgebühr zu erhalten. Einen Bauer in Astille hat Bruneau um 3000 Francs, eine Betschwester in Entrammes um ihre ganzen Ersparnisse beschwindelt. Als Testamentsvollstrecker bat er 16.000 Francs, die eine Dame zu wohlthätigen Zwecken testirt hatte, unterschlagen. Da man nun schon dem Menschen jede Unthat zutrauen konnte, unternahm man es auch noch einmal, einem Raubmord nachzuforschen, der am 15. Juli in L a v a l begangen worden war und den man bisher nicht hatte aufklären können; vielleicht hatte auch bei ihm Brune au die Hand im Spiele. Damals war eine Blumenhändlerin, die Witwe Bourdait, ermordet und beraubt worden. Man ermittelte nun einen Kutscher, der am Abend des Mordes einen ihm verdächtig erscheinenden Mann von Laval nach Entrammes gefahren hatte. Der Kutscher wurde mit Brun eau confrontirt und erklärte auf das Bestimmteste, dieser sei sein nächtlicher Fahrgast gewesen. Als Brune au leugnete, erklärte der Kutscher: „Ich erkenne Sie bestimmt, wenn Sie auch damals einen grauen Anzug trugen." Man suchte nach und fand unter den Kleidern Bruneau's auch ein solches Gewand. Es wurde ferner festgestellt, daß Brune au am 15. Juli mit der ermordeten Bourdait, derer vorher um Geld geschrieben hatte, ein Stelldichein hatte. Die Jndicien waren also auch in dieser Sache für ihn sehr belastend. Das Schwurgericht verurtheilte den Bicar Bruneau, welcher seinen Pfarrer ermordet und sodann in einen Brunnen geworfen — zum Tode! Noch etwas über Sensen. Wir bieten hiemit unseren Lesern die wortgetreue Uebersetzung eines czechisch-antisemitischen Circulares, wie es in unzähligen Exemplaren auf dem Lande verbreitet wird. Styl und Tendenz sind ungemein bezeichnend. „H ü t e 1 Euch v o r B e t r n g . . Ein j ü d i s ch e r Sensenfabrikant in Galizien hat sich heuer besonnen, sogenannte uiagnetisirte Sensen zu verkaufen. Unter diesem Namen verkauft er gewöhnliche, einen Finger schmale Sensen ans Blech (aus weichem Eisen), welche er in der Fabrik um den Preis von zwei Kreuzern nur oberflächlich magnetisirt — Jeder, der nur etwas gelernt hat, weiß, daß weiches Eisen in Berührung mit einem Magneten die Eigenschaften desselben annimmt und dies desto mehr, je weicher das Eisen ist, dagegen nimmt hartes Eisen nur sehr schwer die Eigenschaften eines Magneten an, wenn man daher eine Sense magnetisiren will, muß erst die Härte entfernt werden und dadurch wird die Sense unbrauchbar für's Mähen. Dieses Vorgehen ist eine gemeine jüd ische Durchtrieb enheit, um leichtgläubige Bauern zu betrügen, umsomehr, wenn man behauptet, daß Stahl magnetisirt werden kann und daß das Magnetisiren die Schärfe der Sense erhöht. Wir wenden uns daher an alle Pfarrer, Lehrer und überhaupt an alle gescheidten Leute, die mit unseren Landsleuten in Berührung kommen, mit der Bitte, diese vor einem Betrüge zu schützen und sie zu belehren, daß es gefährlich sei, bei schlechtem Wetter in seinem Hause eine magnetisirte Sense zu halten, denn in Folge der magnetischen Kraft besitzt sie die Eigenschaft die Blitze anznzieben und dadurch kann dem ganzen Dorfe geschadet werden. In anderen Ländern ist der Handel mit magnetisirten Sensen verboten und die Versicherungsanstalten, im Fall daß ein Blitz jenem Hause Schaden bringt, in welchem sich eine magnetisirte Sense befindet, weigern sich, jene Summe zu zahlen, uuf welche das Haus versichert war. WM- Ueberdies sind solche Sensen einen Finger schmal und entsprechen nicht der gewöhnlichen Form. Mit Achtung Winzer und Comp. „Jüdische Feigheit."*) Es war 1784 am 28. Febr., als das Dorf Klüsserath bei Trier (mit damals 160 Häusern, 890 Seelen, darunter 25 Israeliten) durch die Ueberschwemmungen der stark angeschwollenen und reißend gewordenen „Salm", eines Nebenflusses der Mosel, in großes Unglück gerieth. Mit Macht drang das Gewässer in das Dorf. Die erschrockenen Bewohner mußten Alles preisgeben und hatten Mühe, sich selbst und ihr Vieh zu retten. In der Hoffnung, daß das Gewässer bald wieder fallen würde, retteten sich 40 Menschen in ein höher gelegenes Haus. Allein das Wasser stieg von Minute zu Minute höher und der ganze Strom brach sich an den gebrechlichen Wänden, die unmöglich lang Widerstand leisten konnten, und dann begrub das einstürzende alte Haus 40 Menschen in der tobenden Fluth. Auf einer erhöhten Stelle und völlig in Sicherheit, stehen nicht weit davon viele Einwohner und sehen mit wachsendem Entsetzen die steigende Gefahr der Unglücklichen. Unter diesen rathlosen Zuschauern stand einJudeaus Klüsserath, MosesGumperich, der nicht rathlos war. „Sollen wir sie untergehen lassen und hier blos jammern?" rief er aus. „Folgt mir, ihr Männer, und mit Gottes Hilfe retten wir sie!" Das Wort traf Alle wie ein Blitz. Ohne ein Wort weiter zu reden, eilt der brave Mann voran, schreitet fest durch die tobenden Wellen und ergreift, am Hause glücklich angelangt, eine junge Frau und trägt sie auf die sichere Höhe. Ohne zu rasten, eilt er wieder hin; aber ehe er noch das Haus erreicht, sind alle Männer, von seinem edlen Beispiele angefeuert, hinter ihm. Jeder ergreift einen der Bedrohten. Aber das Wasser steigt höher; das Haus kracht immer drohender und die Gefahr für die Rettenden, wie für die Bedrohten wächst. „Vorwärts!" ruft der brave Jude und zum dritten Male schreitet er durch die Fluth und Alle wieder mit ihm. Auch jetzt gelingt der Rettungsgang, aber mit immer größerer Schwierigkeit. Noch sind mehrere zurück. Verzweifelnder wird ihr Hilferuf; aber die Retter zaudern. Sie vermögen kaum mehr durch das reißende Wasser zu schreiten. „Sollen wir unser Werk unvollendet lassen?" ruft Moses G u m p e r i ch aus. „Sollen sie untergehen und ihr Tod auf unserm Gewissen lasten? Auf, Brüder, noch einmal mit Gott, dann sind sie Alle gerettet!" Das Wort schlägt durch. Er ist wieder der erste in der Fluth. Mit unendlicher Anstrengung erreichen sie endlich das Haus und retten auch die letzten; aber kaum haben sie die sichere Höhe erreicht, so bricht das Haus zusammen und die Fluth reißt Dach Wände und Gebälk mit sich fort. Groß war der Dank der Geretteten und der Gemeinde Klüsserath. Moses G u m p e r i ch wurde mit seiner Familie von allen Abgaben befreit, und allgemeine Liebe und Achtung wurde ihm überdies so wohlverdient zu Theil. Noch jetzt leben seine Nachkommen inKlüsserath in allgemeiner Achtung und beziehen als fortdauerndes Anerkenntniß der edlen That ihres Vaters und Großvaters die Gemeinde-Nutzungen um die Hälfte der Taxe, welche alle übrigen Einwohner dafür zahlen müssen. Eine gebildete Frau über den Antisemitismus. Frau Gräfin Victorini Butler-Haimhausen in München hat sich eine so vorurtheilsfreie Gesinnung bewahrt, wie sie bei dem deutschen Adel leider nicht gerade häufig zu finden ist. Sie versendet einen kleinen Artikel, in dem mit logischer Schärfe an der Hand der Thatsachen die von den Antisemiten gegen die Juden gerichteten Vorwürfe entkräftet werden. So wird zum Beispiel gegen die Methode, die Israeliten als Rasse zu bekämpfen, ausgeführt: Als Rasse kann überhaupt bei ihnen ebenso wenig von reinem Semitismus die Rede sein, wie bei den heutigen Deutschen vom reinen Germanenthum. Es haben bedeutende Rassenmischungen stattgefunden, längst ehe dieses Volk in alle Welt zerstreut wurde und erst recht seit dieser Zeit, wie ja z. B. Renan die westeuropäischenJuden zum Theil aus zum Judenthum übergetretenen Galliern entstammen läßt. Daß übrigens der semitische Stamm keine so verächtliche Rolle in der Geschichte spielte, dafür mögen die Thaten der Phönicier von ihrem ersten Auftreten in der Geschichte bis zu Hannib al, so wie die der Araber einen Beweis liefern, wenn wir die der Juden selbst außer Acht lassen wollen. In Wien. ) Aus der „Düsseldorfer Zeitung" vom 4. März 1840.

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