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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-07-20 · 29 (20.7.1894) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
29 (20.7.1894)
Date
1894-07-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 564 Vrstrrretchlptzr Wochenschrift Nr. 29 mit Beschimpfungen überhäuft. Ich erlaube mir demnach, im eigenen und im Namen meiner zahlreichen Freunde und Glaubensgenossen Sie höflichst zu bitten, das Abonnement dieses Blattes auszugeben und bis zum Ablauf desselben den „Kikeriki" nicht mehr aufliegen zu lassen. Sollte, was ich bezweifeln will, dieses höfliche Ansuchen unberücksichtigt bleiben, werde ich und meine zahlreichen Glaubensgenossen Ihre Badeanstalt nicht mehr besuchen. Um Ihre gütige postirende Antwort bittet S. H".. Bürger der Stadt Wien, Mitglied des Örtsschulrathes des I. Bezirkes. Antwor:: Wien, 15. Juli 1894. Wohlgcboren Herrn S. H..., hier. In höflicher Beantwortung Ihrer werthen Zuschrift beehrt sich die gefertigte Directiou, Ihnen bekannt zu geben, daß sie bereit ist, Ihrem Wunsche sofort zu entsprechen und hofft, Sie auch in Zukunft zu den Besuchern ihrer Anstalt zählen zu dürfen. Hochachtungsvoll Dianabad-Actien-Uuternehmung E. H a m s o h n. Professor Bamberg er. Es hat mich überrascht, aus der letzten Nummer dieses geschätzten Blattes zu erfahren, daß mein unvergeßlicher Lehrer. Professor Bamberger, in seinen letzten Lebensjahren zum Antisemitismus hingeneigt hätte; ich erinnere mich nämlich ganz deutlich, daß der berühmte Kliniker im Sommersemester 1883 gelegentlich eines Vortrages über das Impfen beiläufig Folgendes sagte: „Die Bekämpfung des Jmpfens ist ebenso unsinnig und ungerechtfertigt, wie der Antisemitismus." Diese ganz unerwartete Zusammenstellung hatte alle Hörer überrascht und wurde als gegen die damals in Entwicklung begriffene anttsemitische Strömung an der Universität gerichtet angesehen. Univ. Med. Dr. Fischer. Barcstelep, 15. Juli 1894. Antisemitismus und Anarchismus. Der unrühmlichst bekannte französische Anarchist und Antisemit Drumont hat sich freiwillig nach Brüssel in's Exil begeben, da er alle Ursache hat, die bevorstehenden polizeilichen Untersuchungen zu scheuen. Jeder Tag bringt neue Beweise für die von den Wiener Antisemiten hartnäckig abgeleugneten engen Beziehungen zwischen Antisemitismus und Anarchismus, auf welche wir, gestützt auf ein reiches Materiale, bereits wiederholt hingewiesen haben. Zum Saatenmarkt. Die bedeutendsten Getreidefirmen und Kleiegroßhändler Breslaus beschlossen, dem Wiener Saatenmarkt fernzubleiben. Auch die Berliner Firmen haben in gleicher Richtung Beschluß gefaßt. Schopenhauer als Judenfeind. Wir lesen in dem neusten Werke von Kuno Fischer über Arthur Schopenhauer nachfolgenden bemerkenswerthen Passus: „Schopenhauer nimmt die strengste, asketische Gesinnung und Lebensart für das echte Christenthum im ausdrücklichen Gegensätze zum Judenthum und Judenchristenthum in Anspruch; aber diese Richtung kennzeichnet den Ebionitismus, die extremste, judenchristliche Glaubenspartei, welche ganz antipaulinisch gesinnt war. Die evangelischen Zeugnisse wohlgeprüft und erwogen, gewinnen wir von der Person und dem Charakter Jesu ein Bild, auf welches die Züge jener strengen, vom Glauben an die Werkgerechtigkeit erfüllten judenchristlichen Askese keineswegs passen." Das also, was Schopenhauer als specifisch christlich bezeichnet, war — specifisch jüdisch. Sein Haß war blind. Richard Wagner — als Jude. Im Junihefte der „Deutschen Rundschau" setzt Eduard Hanslick seine „.Lebenserinnerungen" fort und kommt gelegentlich der Erstaufführung des Parsifal auf Wagner's Stellung zu dem Judenthum zu nachstehenden Aeußerungen: . . . „Der Antisemitismus, seit Wagner's „Judenthum in der Musik" eines der zehn Gebote für seine Anhänger, verbreitete sich nach dem Parsifal natürlich noch heftiger und allgemeiner. Einige Wagnerianer fanden es unbegreiflich, wie der Meister sein christliches Weihespiel von einem Juden, Herrn Levi, konnte dirigiren lassen. Daß dieser ein unübertrefflicher Dirigent ist, war ihnen ganz Nebensache." Ein jüdischer Mayor aus einer christlichen Kanzel — was werden die Antisemiten zu diesem schauderhaften Ereigniß sagen? Die „Llauebester Eveuing News" vom 26. Juni enthält, wie die „Franks. Ztg." berichtet, die Mittheilung, daß der Mayor von Leicester, Herr Alderman Hart, ein Jude, der zum vierten Mat zum Oberhaupt der Bürgerschaft gewählt wurde, am vergangenen Sonntag einem Wohlthätigkeits-Gottesdienst in der Wycliffe Congregational Chapel anwohnte und bei dieser Gelegenheit veranlaßt wurde, von der Kanzel herab zu sprechen. Er hatte einige Capitel des alten Testaments ausgewählt, die auf den schönen Zweck des Festes bezogen werden konnten, und leitete seine Vorlesung ein, indem er die Versammlung daran erinnerte, daß es für einen Angehörigen des alten Glaubens ein bedeutsamer Schritt sei, in einer christlichen Kirche das Wort zu nehmen. Aber in seiner Eigenschaft als Mayor halte er es erlaubt und für eine Ausnahme. „Vielleicht", so schloß er, „wird mein Vortrag vor einer strengen Kritik nicht bestehen; aber die Heiligkeit der Veranlassung muß ihn und mich entschuldigen." Der Gottesdienst erregte großes Interesse und fand die volle Aufmerksamkeit der Mitglieder und Beamten der Corporation. Gegen das demagogische Treiben der Antisemiten in Sachsen wendet sich neuerdings ein Landpastor in einem Artikel der „Leipziger Zeitung". Es sei ein Jammer, so führt derselbe aus, daß unreife Hetzapostel der in der Hauptsache conservativen Landbevölkerung die Köpfe verdrehen und sie tatsächlich in's socialdemokratische Fahrwasser hineinlenken, so daß schon bei der nächsten Wahl die Mehrzahl der ländlichen Wähler socialdemokratisch wählen werde. Beklagenswerth sei es auch, daß man es von conservativer Seite immer noch unterlasse, in Volksversammlungen, die von den Antisemiten einberufen werden, den wahren Werth dieser Secte und namentlich ihrer Parteiführer klarzustellen. — Der Herr Pastor scheint gar nicht wissen, daß es vornehmlich seine Gesinnungsgenossen sind, welche die antisemitische Bewegung großgezogen haben, auch scheint ihm unbekannt zu sein, daß viele seiner Berufsgenossen sich nach wie vor in hervorragender Weise an dem demagogischen Treiben der Antisemiten betheiligen. Die Geister, die man rief, wird man nicht wieder los. Die Antisemiten gegen Bismarck. Professor P. Förster schreibt anläßlich der Benn.igsen- Feier in seinem Blatte über den ..Altreichskanzler": Einen „Staatsmann", der mit Lasker, Bamberger, Bleichröder, Falk, Camphausen, Delbrück rc. von einem Jrrthum in den andern tappt und hinterher die Schuld auf seine „unfähigen" (von ihm gewählten) Mitarbeiter wälzt, den. lasffn sich gutgläubige Zeitgenossen als „groß" gefallen, die Geschichte nicht. Wie die Antisemiten über Bismarck denken, mögen folgende Proben beweisen: Eine Zuschrift von Dr. Ottomar Schuchardt an den „Antis. Generalanzeiger" schließt: „Er (der Antisemitismus) müßte im Sumpfe des Parteigezänkes untergehen, wenn er sich einbildete, mit dem mit Bleichröderthum verquickten Bismarckthum zum Siege gelangen zu können." Die Hanptautorität des Antisemitismns. Eugen Dühr ing bricht in einem neueren Aufsatze mit folgenden Worten den Stab über die jetzt herrschenden Richtungen des Antisemitismus: „Während ein Jeder, der das Volkswohl wirklich vertritt, ein unbedingter Gegner des agrarischen Feudalismus sein muß, sehen wir den officiellen Parteiantisemitismus, der doch auch eine Volkspartei vorstellen will, Arm und Arm mit diesem Todfeind des Volkes für Anerbenrecht, Getreidemonopol, Doppelwährung, Getreidezölle, für reactionäre Volksschulgesetze und ähnliche Ausgeburten der feudalistischen Unverfrorenheit und Begehrlichkeit kämpfen. Hiermit hat dieser Parteiantisemitismus einfür allemal den Stab über sich gebrochen und sich in Bezug auf vorgebliche Volksanwaltschaften für immer blosgestellt." Ein Priester wegen Doppelmordes zum Tode verurtheilt. Das „Neue Wiener Journal" vom 14. Juli theilt mit: Vordem Schwurgerichte in Laval (Mayenne) spielte sich in diesen Tagen ein Proceß ab, der in den Annalen der Gerichtshöfe wenig gleiche haben dürfte. Vor den Geschwornen hatte sich ein Priester wegen zweier Morde, mehrfacher Diebstähle und zahlreicher Betrügereien zu verant wrten. Am 3. Jänner d. I. wurde der Pfarrer des nahe bei Laval gelegenen Ortes- En trammes, M. Friquot, ermordet aukgesunden. Sein Leichnam lag in dem

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