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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-07-20 · 29 (20.7.1894) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
29 (20.7.1894)
Date
1894-07-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 29 Vrflrrrrichtphr WochrnfchrM Sette 563 edlen Partei ein baldiges Ende und keine fröhliche Auferstehung von Herzen wünschen. Sie kann getrost nach Friedrichsruhe „drahtgrüßen": Ave Bismark, morituri te salutant! P-s. Vom Jahrmarkt des Lebens. Eine Militäreapelleim Dienste jüdischer Wohlthätigkeit. Der „Ostdeutschen Rundschau" beliebt es in ihrer Nummer vom 15. d. M. Herrn Emil Storch, den Ehef der bekannten Firma, in hämischer Weise anzufallen, weil derselbe vor seinem Locale eine automatische Figur, einen Savoyardenknaben spielen läßt und den Erlös dieser kleinen Concerte dem Armenvater des „Extrablatt" zuwendet. Es sind schon einige Hundert Gulden auf diese Weise wohlthätigen Zwecken zugeführt worden und haben zumeist verarmte Wiener Arier Gelegenheit gefunden, Herrn Emil Storch ihre tiefgefühlte Dankbarkeit mündlich und schriftlich zum Ausdruck zu bringen. In dem Allem sieht jedoch die „Ostdeutsche" nur eine jüdische Reclame, um „Bofelwaare" abzusetzen. Sehr mißbilligt sie es, daß die Regimentscapelle Erzherzog Karl Nr. 3 beim Stahlehner das „Storchenlied" spielte, ein ganz harmloses Musikstück, das in schlichter Weise auffordert, des Savoyardenknaben nicht zu vergessen. Das Lied wurde dreimal zur Wiederholung begehrt, und der vertheilte Text von den gewiß nur aus sehr wenig Inden bestehenden Publicum gerne mitgesungen. Die brave „Ostdeutsche" erbost sich darüber gewaltig; wenn es nach ihr ginge, wären die armen, verunglückten Wiener Familien auf das gute Herz und die milden Gaben der deutschnationalen Antisemiten angewiesen. Da ist ihnen dennoch der Savoyardenknabe, der Herr Storch und der Armenvater des „Extrablatt" lieber! Der ,.koschere Caserio" im ,,Deutschen Volksblatt". Das „Deutsche Volksblatt" ist, vermuthlich in Folge der großen Hitze, complet blödsinnig geworden und hat den bescheidenen Rest von Verstand, über den cs verfügte, nunmehr j gänzlich eingebüßt. In der Zeit, da die saure Gurke am üppigsten I gedeiht, die Seeschlange sich in breiten Ringen durch die Spalten der Blätter schiebt und die Zeitungsenten flügge werden, beschäftigen sich die Hemdärmeligen von der linken Bahngasse damit, den Präsidentenmörder ein wenig zu beschneiden, Santo mit Zadok-Kahn in Verbindung zu bringen, seinen Vater einen bäuerlichen Polentafresser zum Schofarbläser, seinen Bruder zum Vorsteher der Chewra-Kadischa zu machen — und allen Ernstes Caserio von-koscher abzuleiten! Daß nebenbei allerlei kleinere Schurkereien — wie z. B. vom Cremieux, der einen Geldpreis auf die Ermordung Wilhelm I. ausgeschrieben haben soll — mit unterlaufen, versteht sich von selbst. (Wir haben diese Cremieux Angelegenheit schon vor Jahren (Oesterr. Wochenschrift" 30. Jänner 1888 und 18. Jänner 1889 unter „literarische Bübereien" widerlegt und genüge dieser Hinweis.) Den Herren kommen eben unsere Enthüllungen über antisemitisch-anarchistische Complotte, welche in die gesammte Presse des In- und Auslandes übergegangen sind, verwünscht ungelegen. Ueber das Meritorische der Sache verlieren sie, wie das schon in ihrer Methode liegt, kein Sterbenswörtchen, es wäre auch schwer zu desavouiren, sie begnügen sich damit, in ein wüstes Geschimpfe auszubrechen und den Herrn Caserio zu kaschern, zu welch lustiger Beschäftigung wir den erfindungsreichen Männern weiter viel Vergnügen wünschen. Wie zur vollständigen Information der Leser beigefügt werden muß, hat die „Libre Parole", das Blatt Drum ont's, die würdige Quelle des „Deutschen Volksblatt", als ihre Mittheilungen in der französischen Preffe bezweifelt worden waren, triumphirend einen Brief von Don Lelio G o l d o n i, Domdechanten der Kirche Santa Frotolla in Mailand, veröffentlicht, in welchem der Briefsteller alle seine früheren Behauptungen aufrecht hielt. Die „Libre Parole" hatte keine Ahnung davon, daß „Don Lelio" eine Person des Lustspiels „Der Lügner" von G o l d o n i ist und daß „Frotolla" nichts weiter bedeutet als „Ulk". Das Drum o nt'sche Organ war einem Spaßvogel aufgesessen, der die scrupellose Fälschungssucht des antisemitischen Blattes richtig geschätzt hatte, und das hiesige Antisemitenorgan ist gestern ebenso kräftig aufgesessen. Oder sollte es gar die seither erfolgte Aufklärung der netten Mhstification schon gekannt haben? Nochmals das antisemitische Hendel. Dieser merkwürdige Vogel hat schon wieder einen Leitartikel gelegt, womöglich noch dümmer als der erste und ist erschrecklich böse auf uns, weil wir es gewagt haben, ihm seinen Futterkasten wegzurücken. Von einem Boycott ist doch keine Rede, freßlustiges Federvieh. Fällt uns nicht ein, unseren Herren Feinden eine unterhaltlichere oder gediegenere Lectüre zu gönnen, als den ekelhaften Wlsch mitsammt seinen grauslichen Bildern. Was wir mit allen erlaubten Mitteln anstreben und woraus wir unsere Glaubensgenossen aufmerksam machen, ist, Gegner nicht noch zu unterstützen! Das ist selbstverständlich. Wir wollen keine Case's, wo der „Kikeriki" aufliegt, besuchen. Das kann uns Niemand wehren und steht uns frei. Leider ist es noch nicht genug bekannt, wie perfid und niedrig die Angriffe sind, denen wir in diesem abscheulichen Hetzorgan ausgesetzt sind. Hier einige kleine Stichproben aus der letzten Nummer, aber lange nicht Alles, was sie an Gemeinheit leistet. Wir denken, es genügt vorläufig: Nach Ihrer Ansich t. — Nü, was meinste, Sarah, was soll mer werd u lassen uns vit Isaak, zum Handel hat er ka Genie! Lass' ihm we'd'n an Friseur! — Wie haißt ä Friseur! — Moritz, fei mer nicht so begrifssstützig, kann er eppes da nicht bei helllichtem Tag die Leut' — „auschmieren"? Triftige Frage. Rosa: Mammelebeu, wann wird denn das Wellnrrrad schon feitig V — M ania: Warum frägste mich, lieber Schatz? Rosa: Weil der Tateleben gesagt hat, daß mer werden bald hinaussliegen! Ein gefährlicher Biß. Es biß ein Hund den Binkeles — Jüngst in sein Klapperbein — „Das Viech ist wüthend, jach bin todt!" — Hört man ihn kläglich schrei'n. — lind wirklich ging an jenem Biß — Der eine draus zu Grund; — Doch war das nicht der Binkeles, — Wer drauf ging, war — der Hund! Aerztliche Nachricht. Hofrath Nothnagel und Dr. Gratzinger haben sich zu gemeinsamen Thun verbunden und dürfte die Verbindung dieser zwei hervorragenden Diagnostiker der leidenden Menschheit nur zum Wohle gereichen. Im P o st m u s e u m w-elches eine Sammlung von Briefen vom XIV. au§- gehend bis auf die jüngsten Tage ausweist, sollen unter Anderem auch folgende Briefe ausgestellt sein: Mahnbriefe eines Hebräer an seinen Schuldner, ihm doch endlich einmal für die 70 fl., die er ihm geliehen, die ausbedunaenen Interessen von 500 fl. zu senden. V e r s ch i e d e n e A u s w e i s e. Au die Schüler werden jetzt die Ausweise vertheilt, wie schön wäre es, wenn auch die Juden Ausweise bekämen, aber solche — nach Palästina. Daß sich im Annoncentheil Anzeigen jüdischer Firmen befinden, ist uns räthselhast und unfaßbar. Das Blatt erklärt aus der einen Seite der Jud „schmiert an" und aus der anderen rühmt es seine Maare?! „Der Hund krepirte am Biß, ausgewiesen sollen wir werden, für 70 Gulden nehmen wir 500 Interessen" — da finden sich Juden, die einem solchen Schmier- Blatt ihr Geld hintragen. Besinnt Euch, damit wir uns nicht für Euch zu schämen haben. At.dere Glaubensgenossen wirken thatkräftigst für die gute Sache und ihr unterstützt die schlechte. Die beiden hier folgenden Briese wurden uns zur Veröffentlichung übergeben und bringen wir selbe mit Vergnügen zum Abdrucke. Wenn alle Juden so vorgingen, namentlich in den von ihnen besuchten Kaffeehäusern, das „Deutsche Bolksblatt" und ähnliche Schimpfblätter könnten ihre Abonnenten dann mit Laternen suchen. Wien, am 14. Juli 1894. Löbliche Direction der Dianabad-Actien-Unternehmung! Ich bin seit dem Bestände des Dianabades, ich glaube seit mehr als 36 Jahren Ihr ständiger Badegast und in dieser Eigenschaft erlaube ich mir, folgende Beschwerde an die löbliche Direction zu richten. Soweit meine Erfahrung reicht, bestehen Ihre Badegäste zumeist aus Juden und sollten Sie schon in Ihrem eigenen Interesse diesen rücksichtsvoll entgegenkommen. Es zeigt jedoch Ihrerseits vom Gegentheile, wenn Sie Ihren Gästen das antisemitische Witzblatt „Kikeriki" auf Ihrem Lesetische vorlegen. Es sollte mich wundern, daß es Ihnen fremd geblieben ist, daß der „Kikeriki" in jeder Nummer die Juden zur Zielscheibe seiner schlechten Witze macht und dieselben

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