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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-07-13 · 28 (13.7.1894) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
28 (13.7.1894)
Date
1894-07-13
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 28 Vestrrreichische Wochrnschrifl Seite 555 sein 50jähriges Staatsdienstjubiläum und erhielt aus diesem Anlasse zahlreiche Glückwünsche. Seine drei Söhne, ein k. k. Polizeicommissär in Wien, ein k. k. Oberlieutenant und ein Schauspieler des Lemberger Landestheaters, kamen hieher, um ihrem Vater persönlich zu gratuliren. Herr Feldmann hat den Feldzug der Jahre 1848—49 mitgemacht. E. B. Groß - Ullersdorf bei Schönberg. (Antisemitisches.) Der Gemeinderath Hawrauek hat in der von ihm in der heurigen Saison angekausten Villa „Marie" hier in auffallender Schrift die Affiche: „Zimmer nur für C h r i st e n zu vermiethen" anbringen lassen. Den jüdischen Curgästen, welche Heuer wie im Vorjahre in dieser Villa Wohnung nehmen wollten, wurden demüthigende Affronte und Conflicte bereitet. Ueber den Vorgang des Herrn Hawranek wurde die Anzeige an die politische Behörde erstattet. E. B. Linz. (Beim Internationalen Radwett f a h r e n) war im Ermunterungsfahren Erster Alfred Adler; beim Militär Radwettfahren blieb Sieger Lieutenant Edmund Spitzer vom Infanterie-Regiment Nr. 78. Pretzburg. (Der Jahresbericht der Bürger¬ und Handelsschule der orth.-israelitischen Cultusgemeinde Preßburg) für das Schuljahr 1893/94 — des achten Jahres seit ihrem Bestände — weist eine Frequenz der vierclassigen Anstalt von 109 Schülern auf, welche von 13 vorzüglichen Lehrkräften unterrichtet wurden. Der Erfolg im Lehrziele war in pädagogischer und didaetischer Richtung sehr befriedigend. Dem Unterstützungsvereine der Schule flössen an Spenden zuzüglich des Cassasaldo 293 Gulden zu. Feuilleton. Die Blonde und Brünette.") Eine wahre Geschichte aus der Sommerfrische. Bon Julius S t e t 1 e n h e i m. Die Brünette ist jung, liebenswürdig, intelligent und trotzdem bescheiden und zurückhaltend. Eine seltene Frau. Ich würde auch sagen, daß sie angebetet wird, wenn sie von dergleichen etwas wissen wollte'. Aber sie will nicht außer dem Hause angebetet sein, und so bleiben ihr die Anbeter fern. Sie wird von vielen Männern, welche keine anderen Götter neben ihren Frauen dulden wollen, wegen dieses Selbstboycotts als Muster aufgestellt. Sie ist auch eine vortreffliche Mutter, die mit ihren Kindern in die Sommerfrische geht, und zwar weniger zu eigener als zur Erholung der Kleinen. Es gibt bekanntlich Mütter, welche wenigstens vier Sommerwochen lang kinderlos sein wollen. Nachdem ich der Wahrheit gemäß so von ihr gesprochen habe, theile ich noch zum allgemeinen Erstaunen der Antisemiten mit, daß sie eine Jüdin ist. Die Sommerfrische, welche sie in diesem Jahre aufgesucht hatte, war so recht eine für die Kinder, auch für die ihrigen, die sie mitgebracht. Der Ort hatte einen eigenen Spielplatz für die Kleinen, die daselbst allerlei Turngeräthe und Sandhaufen in allen Größen finden, womit sie sich vortrefflich die glückliche Zeit noch glücklicher gestalten können. Das ist ein Gegrabe und Gespringe und Gejauchze! Da stehen auch Bänke für die Mütter, Bonnen und Dienstmädchen welche die Kinder beaufsichtigen. Auf einer dieser Bänke saß auch regelmäßig die Brünette und las und beaufsichtigte, oder beaufsichtigte und las, und neben sie setzte sich eines Mittags eine Blonde, eine schlanke, elegante Semmelblonde, eine distinguirte Erscheinung. Auch sie ist Mutter, und auch sie beaufsichtigt ihre spielenden Kinder. Das ist kein kurzweiliges Geschäft. Im Gegentheil. Nichts weiter zu thun, als dann und wann warnend oder bändigend den Namen eines Kindes zu rufen, das ist ja auf die Dauer nicht sonderlich unterhaltend. Also plaudern die Blonde und die Brünette miteinander. Was Damen so plaudern. Ueber nichts oder über noch weniger. Damengeplauder, namentlich das lebhafte, besteht ja im Grunde aus nichts Anderem. „Wie gefällt Ihnen der Ort?" fragte die Brünette. „Vortrefflich," versicherte die Blonde, während sie mit dem Sonnenschirm Runen in den Sand gräbt. „Gute Luft, gute Verpflegung, civile Preise, — keine steile Umgegend, — was will man mehr?" *) Aus der „Allg. Ztg. des Judenthums" in Berlin. „Nun, gute Gesellschaft", sagte die Brünette, als sei sie wirklich nach mehr gefragt worden. „Ich kenne die Gesellschaft noch nicht, ich bin erst angekommen und lebe sehr zurückgezogen. Was für eine Gesellschaft ist denn da?" .Eine nicht üble", berichtete die Blonde, „sie ist nicht gerade aufregend, aber sie gefällt mir ganz gut. Beamte, Professoren, Kaufleute, Pensionirte, kurz, was so in die Bäder geht, um Geld und Fett los zu werden. Gestern lernte ich einen alten Major mit seiner treuen Gicht und seiner veralteten Frau kennen, charmante Leute. Nur einige jüdische Familien —" „Was ist's mit denen?" fragte die Brünette mit einiger wegen ihrer Plötzlichkeit schwer zu verbergenden Nervosität. „Diese Familien sind mir odios", fährt die ganz lebhaft werdende Blonde fort, sich länger als nöthig auf der Silbe os aushaltend. „Sie müssen die Damen sehen! Juwelierläden- Schaufenster sage ich Ihnen, und täglich zweimal andere Decorationen, selbst für den Ball zu auffallend. Und die Männer nach dein Frühstück und nach Tisch mit ihrem ewigen Tarock, während die Kinder in ihren Matrosenanzügen zwischen den Tischen herumtrompeten. Wenn sie fallen, so schreien die Männer, weil sie wahrscheinlich glauben, es sind die Course. Fürchterlich! Sie mögen meinetwegen ganz brave Leute fein, aber ich kann sie nicht ausstehen. Genug, daß man ihnen in Berlin nicht ausweichen kann, aber da sollen sie bleiben und Einen nicht in die Bäder verfolgen!" Die Brünette überläuft's. Schon bei den ersten Worten hat sie unwillig gedacht: „Ach, eine Antisemitin!" Sie ist keine polemische Natur, sie überläßt opferfreudig Zauk und Streit über das Recht oder Unrecht in dem „Socialismus der dummen Leute" den Männern, aber auch diese hört sie nur mit Widerwillen darüber debattiren. Die Blonde, die nicht zu wissen scheint, daß die Brünette eine Jüdin ist, — aber sie müßte es ihr doch ansehen! — fängt an, ihr sehr unbequem zu werden. Soll sie ihr's sagen? Soll sie Farbe bekennen? Aber die Farbe bekennt ja selbst genug. Um ihre Verlegenheit zu verbergen, sagt sie etwas Anderes. „Wie heißen die Leute?" „Wie werden sie heißen! Meier werden sie heißen!" schauspielert die Blonde, indem sie mit den Händen und dem ganzen Oberkörper Bewegungen macht, über die sich die Brünette ärgert. Der Brünetten ist der ganze Vormittag verdorben. Am anderen Vormittag treffen sich die beiden Damen wieder. Die Blonde hat nichts gemerkt, und die Brünette will nichts merken lassen und ist deshalb so höflich wie möglich. Eine gebildete Frau wird immer höflich sein, wenn sie unhöflich sein möchte. Sie plaudert wieder das lebhafte Nichts mit der Blonden, die sie sehr gut unterhält, bis auf die Momente, wo sie über die Juden spricht. Da ist sie unduldsam, ungerecht, spottsüchtig. Jetzt klagt sie plötzlich .über Hunger, und es ist noch so lange hin bis zum Speisen. „Verehrte Frau", sagt sie zur Brünetten, „unsere Kinder haben genug gespielt, wir schicken sie nach Haus, und wir gehen ins Frühstückszelt nebenan und essen eine Kleinigkeit". Die Brünette lehnt nicht ab, weil sie fürchtet, für verletzt gehalten zu werden. Nun sitzen sie im Frühstückszelt. Die Blonde läßt sich ein Käsebrödchen, die Brünette ein Stück Braten geben. „Sie hätten sich auch Braten geben lassen sollen, wenn Sie so großen Hunger haben", sagt die Brünette. „Um keinen Preis", betheuert die Blonde sehr energisch und etwas verdrießlich aus den vor der Brünetten stehenden Braten sehend, „meine Eltern waren sehr orthodox, und ich bin sehr streng erzogen, ich esse nur koscher". Im stillen Städtchen. Ein russisches Sittenbild von R. Raumow. — #vvei übersetzt von Louise Fokschaner. (Nachdruck verboten.) II. Ich fchlenderte lange in den Straßen von Nikolajewska, wo mir jeder Winkel aus alten Erinnerungen bekannt war; schaute in die Gesichter der Einwohner, denen ich bald werde näher treten müssen, machte mit Einigen Bekanntschaft und kam müde nach Hause. Die ganze Zeit verfolgte mich Schloime's Gesicht. Wofür lebt er, wen lächelt er mit einem aufrichtigen i ' im i#wrr

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