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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-07-13 · 28 (13.7.1894) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
28 (13.7.1894)
Date
1894-07-13
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 28 Vesterrrtchtsche WochrnsttzrM Seite 553 Gewährsmann berief, auf denselben Herrn, der — wege n Meineids 18 Monate im Zuchthaus gesessen ist. Ein netter Gewährsmann für die gewöhnlichen Kreise anständiger Leute, für die Antisemiten natürlich nach wie bor ein Ehren« mann und Kronzeuge. Erlangen, 6. Juli. Daß der Waizen den Antisemiten hier nicht blüht, erwies denn kürzlich zur Evidenz der durchschlagende Erfolg einer freisinnigen Versammlung im nahen Nürnberg. Der treffliche Dr. Pauschinger ehrte dieselbe durch begeisternde Worte. Den Kern der dortigen uralten Patrizierfamilien darf man getrost zum Freisinn rechnen. „Antisemitismus", „Arier" und „Urdeutsche" sind Worte, deren provocatorischer Sinn in Erlangens Mauern außer Cours stehen. Sind sie ja ohnehin Geisteskinder jener furcht- und tadellosen Preußen, deren Ansehen hier nicht sonderlich hoch steht. Sigl's Münchner Duodezblättchen „Das baierische Vaterland" blickt nur verstohlen an manchem weltvergessenen Wirthstisch hervor. Jenes bekannte stereotype Studium des „Vereins deutscher Studenten", die historische Ergründung der Classen- und Rassengenealogie, hier findet es kaum Verbreitung. Dieser edle Wissenszweig stößt hier auf verständnißlose Gemüther. Die akademischen Verbindungen stehen vorwiegend interesselos dem Treiben ihrer nordischen Schwestern gegenüber. Der hiesige akademische Lehrkörper verfügt über namhafte jüdische Mitglieder. Es sind dies: Der berühmte Hygieniker Prof. Rosenthal, derselbe, der letztens beim medicinischen Congreß in Rom als Delegirter seiner Facultät betheiligt und thätig war. und ferner der allverehrte Prof. Nöther (Mathematiker). Am deutlichsten.aber kommt die Gesinnung der hiesigen bürgerlichen und akademischen Verwaltung zum Ausdruck in einem Denkmal, das sie, wir möchten sagen, dem Liberalismus Erlangens vor Jahren bereits gesetzt hat. Es ist eine Erzstatue eines vornehmen, jüdischen Arztes und Universitätslehrers, der hier lange Jahre ruhmreich zur Ehre seines Glaubens und Berufes wirkte. „Professor Jacob Herz, geboren am 2. Februar 1816, gestorben am 21. September 1871" sieht man an dem Sockel dieses granitenen Protestes gegen Vorurtheil und Verblendung prangen. Es nimmt an einem der beiden sehr schönen Marktplätze denselben Ort ein, wie an dem anderen das Denkmal des Markgrafen Friedrich II. von Brandenburg-Bayreuth, des Gründers der hiesigen Hochschule. So wird der Name und das Andenken eines jüdischen Klinikers aus deutschem Boden von deutscher Bürgerschaft und deutscher Wissenschaft geehrt und hochgehalten. S. Mandl, cand. phil. Soest, 25. Juni. (Gemeindetag der Synagoge:- Gemeinden Westfalens.) Am gestrigen Tage fand in den Räumen des Schützenhoses dahier die vierte Generalversammlung des Verbandes der Syuagogen-Gemeinden Westfalens statt. Die Verhandlungen wurden von dem ersten Vorsitzenden Herrn Bankier M. Katzenstein, Bielefeld, eröffnet. Vertreten waren 22 Verbands - gemeinden mit annähernd 70Delegirten. Ueber die dreijährige Verbandsthätigkeit lag ein Rechenschaftsbericht vor. Von den Verhandlungen heben wir hervor: Die Erörterungen über Antrag des Ausschusses auf Gründung eines Pensionssonds für Lehrer und Cultusbeamte und deren Hinterbliebene. Die Versammlung faßte einstimmig folgenden Beschluß: „Der Gemeindetag begrüßt den Antrag des Ausschusses aus Gründung eines Pensionssonds für Lehrer und Cultusbeamte, beziehungsweise deren Hinterbliebene mit Freuden und beauftragt den Ausschuß mit der Ausarbeitung einer entsprechenden Vorlage und eventuell der Berufung eines außerordent lichen Gemeindetages zur Beschlußfassung über die Vorlage. Einstimmige Annahme fand ferner der Antrag der Synagogen-Gemeinde Dortmund, wonach der Ausschuß beauftragt wird, nach denselben Reformgrundsätzen, welche bei der Ausarbeitung des Gebetbuches für Wochentage. Sabbath und die drei Feste maßgebend waren, den Entwurf eines Gebetbuches für die Hochfeste (Neujahr und Bersöhnungstag) ausarbeiten zu lassen und denselben dem nächstjährigen Gemeindetag zur Genehmigung vorzulegen. Eine lebhafte Debatte rief der Antrag der Gemeinde Neuenkirchen hervor, welcher sich mit dem jüdischen Religionsunterricht an den höheren Schulen Westfalens befaßte. Die über die Angelegenheit angestellte Umfrage ergab das für Westfalen immerhin erfreuliche Resultat, daß hier der jüdische Religionsunterricht an höheren Schulen besser organifirt sei als in den übrigen preußischen Provinzen. Für diejenigen Orte, in denen der jüdische Religionsunterricht an den höheren Schulen noch nicht eingeführt ist, lehnte die Versammlung die Staatshilfe einstimmig ab; da gegen beauftragte sie den Ausschuß, auf die jüdischen Gemeinden dieser Orte nachdrücklichst in dem Sinne zu wirken, daß dieselben aus eigener Kraft. unter event. pecuniärer Unterstützung durch den Verband den betheiligten Schülern einen geordneten Religionsunterricht ertheilen zu lassen. Der von dem Ausschuß vorgelegte Lehrplan für den jüdischen Religionsunterricht in der Secunda und Prima der Gymnasien und Realgymnasien wird von der Versammlung zur Durchberathung an die Unterrichtscommission verwiesen. Nachdem nun noch zum Vorort des nächstjährigen Verbandstages Bochum bestimmt worden war, schloß der Vorsitzende um 3Vs Uhr die Verhandlungen. An die Versammlung reihte sich ein Festmahl, an dem sich 70 Personen betheiligten. Den Kaisertoast brachte in zündenden Worten Herr Lucas-Soest aus. Unter lebhaftem Beifall der Versammlung betonte der Redner, daß die am Gemeindetage anwesenden Vertreter und ihre Auftraggeber sich nicht allein als Juden, sondern als deutsche Juden fühlen. Mögen die Widersacher noch so sehr lärmen. „Wir sind treue Deutsche", rief der Redner begeistert aus, und gute Juden zugleich, und das wollen wir bleiben unser ganzes Leben lang!" Mit stürmischer Begeisterung stimmte die Versammlung in das Hoch ein, welches Herr Lucas am Schluffe seiner zündenden Ansprache auf unseren Kaiser ausbrachte. Breslau, 10. Juli. An dem im Laufe dieses Monats stattfindenden VIII. Deutschen Turnerfeste sollten sich auch Wiener Turner betheiligen. Dieselben äußerten bei ihrer An Meldung die Bitte, ihnen Wohnungen bei Juden nicht a n z u w e i s e n. Herr Bürgermeister Bender, der Vorsitz.nde des Wohnungsausschnsses, soll, wie man uns meldet, ihnen mitgetheilt haben, daß die Stadt Breslau auf ihren Besuch verzichte. London, 2. Juli. Der „Jüdischen-Preffe" wird gemeldet: Eine der denkwürdigsten Versammlungen der Gemeindemitglieder der „Umted Synagogues“ fand gestern Nachmittag in der Halle des „Jews Free School“ statt. Das dem Verwaltungsrath schon seit längerer Zeit vorliegende Project, im Herzen des Ostend für die zahlreichen polnisch-russischen Glaubensgenossen eine Riesensynagoge zu erbauen, war, obwohl sich die Leiter der „United Synagogues“ für die Ausführung desselben ausgesprochen hatten und auch der Präsident, Lord Rothschild, sich sehr warm für dasselbe interessirt hatte, bei einem Theil unserer mit den Verhältnissen des Ostend genau vertrauten Philantropen auf Widerstand gestoßen. Besonders war es Sir Samuel Montagu, der Präsident der „Federation of Synagogues“, welcher in Folge der Erbauung eines solche große Menschenmaffen fassenden Gotteshauses eine Schädigung der Interessen der zahlreichen kleineren Synagogen befürchtete und dieser Befürchtung in der Localpresse und in öffentlichen Versammlungen Ausdruck verlieh. So kam es denn, daß sich schon seit vielen Wochen in den Spalten der hiesigen jüdischen Blätter ein lebhafter Federkrieg zwischen den Anhängern und den Gegnern des Projectes abspielte und daß das große Publicum der endgiltigen Entscheidung der für die ganze Entwicklung des jüdischen Gemeinwesens der Hauptstadt hochwichtigen Frage mit großer Spannung entgegensah. Man hatte zu dem unparteiischen Mittel einer Volksabstimmung gegriffen, um sämmtlichen Mitgliedern der „United Synagogues", welche gestern zur Generalversammlung gekommen waren, Gelegenheit zu geben, für oder gegen das „East-End-Sheme“ zu stimmen. Trotz des äußerst energischen Protestes des Sir Samuel Montagu trug Lord Rothschild den Sieg davon; es wurde beschlossen, die vorgelegten Pläne zu genehmigen und die Kosten zu bewilligen. Die letzteren belaufen sich auf rund 700.000 M. und sollen theilweife durch den Erlös der Baustelle, auf welcher die frühere „Uaindro Synagogue“ stand, zum Theil durch Heranziehung eines Legats und schließlich auf privatem Wege durch Veröffentlichung eines die Wichtigkeit des Gegenstandes betonenden Ausrufs zusammengebracht werden. Lord Rothschild hat bereits eine freiwillige Spende von 60.000 M. zn den Kosten des Barns bewilligt. Außer einer Synagoge sollen ein den Bedürfnissen der Stadtgegend entsprechendes und mit hinreichender Bibliothek und Lehrmaterial versehenes Bet-Hamidrasch, sowie Wohnräume

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