Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 28 (13.7.1894)
- Date
- 1894-07-13
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021007-3021036--03676-3027824- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 28 Vesterreichifche WochrnschrM Seite 551 thum, das er seinem Sohne Jnstislaw überließ. Im Jahre 1016 n. Chr. brachte Jnstislav im Verein mit dem byzantinischen Kaiser Basil. der eine Flotte auf das Asowsche Meer entsendet hatte, dem Chazaren-Chan Georg Tzulu eine schwere Niederlage bei und nahm ihn gefangen. (Schluß folgt.) Wissenschaftliche Anregung. Josephus bringt in seiner Archäologie (XIV, 10, 8) nachfolgenden Erlaß des Prätors und Consul Caius Julius an die Parier: „Die Juden in Delos und einige der jüdischen Beisassen (Paroikoi) haben sich in Gegenwart eurer Gesandten an mich gewendet und mir angezeigt, daß ihr ihnen durch Decrete verbietet, ihre väterlichen Einrichtungen und heiligen Gebräuche zu beobachten. Ich muß darüber mein Mißfallen ausdrücken, daß ihr solche Bestimmungen gegen unsere Freunde und Bundesgenossen erlasset und ihnen verbietet, nach ihren Bräuchen zu leben und Geld zu gemeinsamen Mahlen (Dyndeipna) und Opfern zusammenzuthun. Unser Prätor und Consul Carris Julius Cäsar hat sogar bei der Verordnung, durch welche alle derartigen Versammlungen in der Stadt Rom verboten wurden, diese (die jüdischen) allein ausgenommen und in Bezug auf dieselben nicht verboten, Geld zu sammeln und gemeinschaftliche Mahle zu veranstalten. Ebenso erlaube auch ich, der ich gleichfalls alle sonstigen Versammlungen untersage, den Juden allein, sich nach ihren väterlichen Sitten zu versammeln und damit fortzufahreu." Es wäre nun zunächst die Frage zu untersuchen, wer diese jüdischen Parolen der Juden in Delos sind! Ferner, was es für eine Bewandtniß mit den gemeinschaftlichen Mahlen dieser Juden in Delos hat, zu welchen Geld zusammengelrngen wurde! Die leicht hingcworfene Bemerkung Frankens (Monatsschrift 1853, S. 460), welche lautet: „Die O p f e r m a h l e in den heidnischen Tempeln sind bekannt und es wird in dieser Anschauung gesprochen", kann den ernsten Forscher mit Nichten befriedigen. Noch verwirrender ist die auf diese Bemerkung hinweisende Notiz des Herrn Dr. Berliner in seiner neuestem Schrift: Geschichte der Juden in Rom I, S. 18, wo es heißt: Die O p f e r m a h l e in den Tempeln (?) sind bekannt und es wird hier in dieser Anschauung gesprochen." Syndeipna sind gemeinsame Mahle! Und was bedeuten diese bei den Juden auf Delos?! Endlich wäre die sehr wichtige Frage zu erörtern, was die römischen Machthaber bestimmen mochte, die jüdischen Syssitien so sehr zu favorisiren, während sie alle derartigen heidnischen Zusammenkünfte hartnäckig untersagten. Der von Josephus geltend gemachte Grund, das sieht jeder Vernünftige ein, war nicht maßgebend. Die Bundesgenossenschaft der Juden konnte auf Cäsar und seine Beamten nicht bestimmender wirken, als die Bundesgenossenschaft heidnischer Nationen. Dem jüdischen Geschichtsschreiber bat hier eben dieses Motiv, für welches er eine Reihe von Beispielen anführt, gepaßt. Die Lösung dieser Fragen wäre von eminenter Bedeutung für die jüdische Geschichte und werden die Herren Gelehrten ihre Ansichten hierüber zu äußern haben. ÄorresyMckenLkn. Wien. Die Baron Hirsch-Stiftung für Galizien und die Bukowina. DerJahresbericht des Curatoriums dieser Stiftung, der sich auf das dritte Verwaltungsjahr (1893) bezieht, gibt Aufschluß über das ungemein segensreiche Wirken dieser Stiftung und über die opferwillige, den Intentionen des Stifters gerecht werdende Thätigkeit des Curatoriums. Die Erfolge dieser Stiftung werden allerdings erst dann vollständig sichtbar werden, wenn die Generation, die in den Stiftungsschulen erzogen wird, herangewachsen sein wird. Allein sie erfüllen auch jetzt schon ihren großen pädagogischen Zweck nicht nur in der Richtung, daß sie einer großen Zahl von Kindern, die sonst ohne Unterricht aufgewachsen wären, theoretische und praktische Erziehung bieten, sondern ebenso sehr dadurch, daß sie große Kreise älterer Leute, die der Schule fernestanden, bewegen, sich für den Unterricht zu interessiren, daß sie erziehlich wirken auf eine bedeutende Zahl von Personen, die ohne diese Stiftung Analphabeten geblieben wären, daß sie pädagogisch rückwirken auch auf solche Eltern von Kindern, die selbst niemals einen geregelten Schulunterricht genossen haben. Der Menschenfreund, der von diesen Gesichtspunkten aus die Bedeutung der Baron Hirsch-Stiflung erfaßt, kann nur befriedigt das Resultat des dreijährigen Wirkens zur Kenntniß nehmen und er wird dessen Werth umso höher schätzen, wenn er die enormen Schwierigkeiten kennt, welche das Curatorium zu überwinden hat. Obwohl der Bericht nur Thatsachen anführt, ist doch auch aus diesen zu erkennen, welche Hindernisse zu überwinden waren und noch zu überwinden sind. Im Jahre 1893/94 wurden vier neue Volksschulen — einclassig — gegründet, und zwar in Danbrowa, Sniatyn, Solotwina. Delatyn, welche von 333 Schülern besucht werden; im vorhergehenden Jahre waren zehn Schulen begründet worden, denen nun eine zweite Elaste zugefügt wurde und die jetzt 1073 Schüler zählen; überdies wurden noch sieben vierclassige Schulen erhalten, in denen 2039 Schüler unterrichtet werden. Außerdem wurden an vier Schulen, die 2200 Kinder zählen, fl. 8000 an Subventionen gegeben und zwölf Abendschulen eingerichtet für Schüler, die das schulpflichtige Alter überschritten haben. An fünf Schulen, und zwar in Kolomea. Stanislau, Buczacz, Boryslaw und Tarnow wird Handfertigkeits-Unterricht mit gutem Erfolge ertheilt. Das Curatorium hat auch ein neues Schulgebäude selbst aufgeführt. Im Ganzen genießen 7000 Personen Unterricht auf Kosten der Stiftung. An den Stiftungsschulen wirken 92 Lehrer, von denen 84 die Prüfungen absolvirt haben. Um Lehrkräfte zu gewinnen, Hot die Stiftung 38 Stipendien für Lehramtscandidsten und 15 für solche galizische Candidaten, welche in Wien sich zu Religionslehrern heranbilden. Für das nächste Jahr ist die Gründung einer Anzahl einclassiger Volksschulen vorbereitet, die den besonderen Zweck haben, in jenen Orten, in denen die Zahl jüdischer Knaben verschwindend klein ist, die Jugend für die Volksschule zu präpariren. Thatsächlich wurden bereits in fünf Orten solche Vorbereitungsschulen eingerichtet. Damit alle diese Schulen überwacht, Uebelstände sofort wahrgenommen und abgestellt werden und Alles, was die Anstalten fördern kann, sofort verfügt werde, wurde ein eigener Schulinspector bestellt; überdies werden selbstverständlich alle Schulen von den Staats- und Landesschulbehörden beaufsichtigt. Zur Hebung des Handwerks unter den Juden in Galizien wurde die Erweiterung der Schlosierwerkstatt in Rzeszow und der Korbflechterei in Mielec beschlossen. Bei praktischen Handwerkern sind 257 Lehrlinge untergebracht und überdies 20 Zöglinge des Brodyer Waisenhauses. die sich einem Handwerk widmen, snbventionirt; ferner 59 Lehrlinge in Wien in Lehre gegeben. Außer diesen erhalten 14 Knaben in den galizischen Landesfachschulen gewerblichen Unterricht und 28 Gewerbeschüler Stipendien. Die Webeschule in Gliniany erhielt eine Subvention; eine die Hausindustrie fördernde Unternehmung wurde unterstützt; vier Knaben einem Landwirthe zur Ausbildung gegeben. 7550 Kinder genießen die Wohlthaten dieser Stiftung, einer der großartigsten und wirkungsvollsten auf dem Continent. Die Einnahmen der Stiftung, aus den Zinsen der sieben Millionen Gulden bestehend, die Baron Hirsch gewidmet hat, haben fl. 345.426 geliefert und von diesen sind fl. 327.098 verwendet worden. Wien. (Der Jud muß geschlagen werden.) Als der Branntweinverschleißer Simon Federbusch kürzlich gegen 10 Uhr Nachts seinen Laden in der Rögergast'e ^schließen wollte, erschienen zwei junge Burschen und begehrten Schnaps. Federbusch, der eben den Rollbalken herabgelasfen hatte, wies auf die Sperrstunde hin, allein das Paar schob die Rollthüre in die Höhe und Federbusch mußte ihnen Schnaps verabreichen. Als es zum Zahlen kam, behauptete der jüngere der beiden Burschen, Ferdinand Slawik mit Namen, er habe Federbusch eine Zehn-Gulden-Note gegeben. Sein eigener Begleiter bezeichnet dies als unwahr, allein Slawik rief: „Der Jud muß mir den Zehner geben, der Jud muß geschlagen werden!" Dabei versetzte er Federbusch mehrere Faustschläge unterhalb