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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-07-13 · 28 (13.7.1894) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
28 (13.7.1894)
Date
1894-07-13
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 550 Oestrrrrirhisrtzr MochensttzriN Nr. 28 Reinlichkeits- und Reinigungsprincipe Mosis, das sich gleichsam wie ein rother Faden durch alle seine Anordnungen zieht. Die Desinfectionsgesetze, wie sie die talmudische Hygiene in seinem Geiste und Sinne weiter ausbauend festgestellt hat, enthalten unumstößliche Dogmen, welche fast vollinhaltlich von der neuen Wissenschaft angenommen werden mußten. Die Reinigung der Hände wird heute in allen Krankenhäusern der civilisirten Welt mit peinlichster Sorgfalt beobachtet — wäre ihnen nur ein paar Jahrzehnte früher die gleiche Sorgfalt zu Theil worden, so hätten unzählige Menschenleben gerettet werden können vom sicheren Tode . . . Es würde viel zu weit führen, wenn wir dem Verfasser durch alle Abschnitte seines interessanten Buches folgen wollten. Wir könnten ja doch nur hie und da einen herausgeriffenen Satz pflücken, ohne von dem Zusammenhang die richtige Vorstellung geben zu können. Da müssen wir schon auf das Buch selbst verweisen, welches wir als eine beachtenswerthe Arbeit bezeichnen. Der Socialhygiene, den Speise- und Reinlichkeitsvorschriften unv nicht zuletzt den Anordnungen für den Verkehr der Geschlechter ist es zu danken, daß das Judenthum als Raffe, allen Anstürmen der Zeiten trotzend, sich Jahrtausende hindurch erhalten hat bis auf den heutigen Tag. Wo sind die Griechen, die Römer, die Gothen und die vielen anderen Stämme? Weggefegt vom Sturme der Zeit. Die Religion ist es, die die Raffe erhalten hat. Es wäre daher nichts mehr als eine Pflicht der einfachsten Dankbarkeit, wenn die Raffe nun auch ihrerseits die Religion sich dafür erhalten wollte. P—8. Das jüdische Reich der Chazaren. Von Dr. Heinrich Gotllieb in Lemberg. (Fonsetzung aus Nr. 21.) Diese Kämpfe endeten, unter dem Perserkönig Nuschirwan, dem Gerechten mit der Zurückdrängung der Ehazaren aus den. hinterkaukasischen Ländern, und hierauf erbaute der Perserkönig zum Schutz gegen die Ehazaren die Grenzfestung Derbend. Bald jedoch bewirkte der Uebermuth der Perser, daß die Ehazaren sich mit dem oströmischen Kaiser Heraklius zu einem gemeinsamen Feldzug gegen die Perser verbündeten. Nämlich im Jahre 615 n. Ehr. unter der Regierung des Perserkönigs Kosoves hatten die Perser unter Führung des berühmten Feldherrn Kumizan Palästina überfallen und Jerusalem geplündert, und aus der Auferstehungskirche, welche Kaiser Eonstantin auf dem Ealvarienberge errichtet hatte, das heilige Kreuz entführt. Ein Schrei des Entsetzens ging durch die ganze Christenheit. Kaiser Heraklius schwur, daß er das Kreuz aus Persien zurückbringen oder unter den Mauern Ktesiphons sterben wolle. Eine große Armee sammt Flotte wurde ausgerüstet. Am Euphrat stand endlich Heraklius' Heer eine viel größere persische Armee gegenüber. Die Perser zogen sich scheinbar zurück, allein Heraklius erfuhr, daß dies ein Scheinmanöver sei, indem ein Theil des persischen Heeres geheim seitwärts dirigirt wurde, um den Oströmern in den Rücken zu fallen. Jetzt faßte Heraklius den Plan, sich mit den Ehazaren zu verbünden, welche damals gerade ebenfalls aggressiv gegen Persien vorgingen. Die Perser wurden von den Ehazaren unter Anführung desChan-Stellvertreters Zyhebil geschlagen und die Festung Derbend erobert. Kaiser Heraklius versprach dem Chazarenführer Zyhebil seine Tochter Eudocia zur Frau. Allein Zyhebil starb bald darauf und die Prinzessin, die auf dem Wege nach Jtyl war, kehrte nach Byzanz zurück. Der Krieg gegen Persien endete erfolgreich für die Ehazaren mit Wiedereroberung der hinterkaukasischen Länder und für Byzanz mit der Zurückbringung des heiligen Kreuzes. Bald trat der für die Ehazaren gefährlichste Gegner auf den Schauplatz, nämlich die Araber, welche als Eroberer und Verbreiter des Islam Asien erzittern machten, und in den hinterkaukasischen Ländern auf die Ehazaren stießen. Es begann eine Reihe blutiger Kämpfe zwischen den Ehazaren und Arabern, welche mit abwechselndem Glücke geführt wurden. Die Heere beider Völker drangen tief in die gegnerischen Länder ein. Die Ehazaren drangen vor bis Mossul, verloren aber anderseits für kurze Zeit die Städte Semerde und Balandze. Die Kämpfe dauerten bis zum Ende des achten Jahrhunderts. Die Ehazaren verloren für immer die hinterkaukasischen Länder. Diese Verluste im Süden veranlaßten den Chan, sein Hauptaugenmerk nach Westen und Nordosten zu richten. Schon zu Anfang des achten Jahrhunderts bemächtigten sie sich der Ufer des Asowschen und des Schwarzen Meeres. Damals im achten Jahrhundert waren die politischen Beziehungen des Chazarenreiches zu Bzyanz sehr bedeutend und verzweigt. Der vom byzantinischen Thron gestürzte Justinian Rynofines floh nach der Krim und erhielt von Chan die Bewilligung, sich in Phanagoria (in russ. Znutzkara) niederzulassen, wo er die Schwester des Chan Theodor heiratete. Bald darauf heiratete Eonstantin Kopronimos, der Sohn des byzantinischen Kaisers Leo, Tchsaisvianien, die Tochter des Chazaren-Chans, die bei der Taufe den Namen Irene erhielt. Im Jahre 888 kamen die Ehazaren dem byzantinischen Kaiser Leon (Jrene's Sohn) zu Hilfe in dessen Kriege gegen die Bulgaren. Anderseits aber sympathisirte das Chazarenvolk mit der Bevölkerung der fauridischen Städte, die mit der byzantinischen Regierung unzufrieden war und nach Chazarien auswanderte. * Byzanz erkannte die Macht und Bedeutung des Chazarenreiches und suchte mit ihm in Freundschaft zu bleiben. Die Staatsschriften, welche Byzanz an den Chan schickte, trugen die Aufschrift: „An den berühmten Chan der Ehazaren" und waren mit einem goldenen Siegel versehen, eine Ehre, welche das stolze Byzanz nur wenigen Souveränen zu Theil werden ließ. Zu Ende des achten Jahrhunderts feierte das Ehazarenreich auch noch einen anderen großen Triumph, nämlich damals erfolgte die Unterwerfung der Russo - Slaven, nachdem die Ehazaren schon früher her von den slavischen Polanen, Giojanen, Radymiczen, Wistyczen Tribut bezogen hatten. Das achte Jahrhundert war die Epoche der größten Machtentfaltung des Chazarenreiches. Mit dem neunten Jahrhundert beginnt allmälig der Verfall. Es brachen innere Unruhen aus, deren Ursachen nicht erforscht sind. Es ist blos constatirt, daß einige aufrührerische Stämme das Reich verließen, nämlich die Kobern und stammverwandte, kleine Völkerschaften, die nach Ungarn zogen. Zu gleicher Zeit kämpfte das Chanat im Norden mit den nomadischen Peczenegen, die zwischen Wolga und Ural wohnten. Der Chan konnte nicht mehr ihnen die Spitze bieten und verband sich zu diesem Zwecke mit dem Nomadenvolk der stammverwandten Torken, die hinter dem Uralflusse wohnten. Die Verbündeten drängten mit vereinten Kräften die Peczenegen hinter die Wolga zurück, aber dies verbesserte nicht die Lage der Ehazaren. Vielmehr wurden die Torken aus Verbündeten allmälig Feinde und das Chanat mußte gegen sie hartnäckige Kriege führen. Damals fand es der Chan für nöthig, zwischen Don und Wolga die Festung Sarkel (Bilaja-Weza) zu erbauen, die endlich Schutz gegen die Einfälle der Torken gewährte. Auch die alten Feinde, die Peczenegen, setzten aus ihren Steppen die Angriffe gegen das Chazarenreich fort. Seit dem zehnten Jahrhundert beginnt zum Nachtheil des Chazarenreiches die Machtentwicklung der Russen. Schon im Jahre 880 waren russische Freibeuter, angelockt durch den im Ausland weit und breit bekannten Reichthum der chazarischen Städte, über daskaspische Meer herübergekommen und plünderten einige am Ufer gelegene Landstriche Chazariens. Dies wiederholte sich im Jahre 909. Hierauf im Jahre 913 kamen die Russen in größerer Anzahl bis zur Festung Sarkel hinunter und verlangten vom Chan die Erlaubniß, durch die Wolga ins kaspische Meer einlaufen zu dürfen, das Chanat war damals schon so geschwächt, daß es die Erlaubniß nicht verweigern konnte. Aber die Russen wurden auf dem Rückwege theils von mohammedanischen Ehazaren, theils nachdem sie das chazarische Gebiet schon verlassen hatten, von den angrenzenden Bulgaren angegriffen und fast gänzlich vernichtet. Dieser Umstand, obschon angesichts der sonst freundlichen Beziehungen zwischen Russen und Ehazaren eine Ausnahme bildend, hatte üble Folgen für die Ehazaren. Nämlich später, im Jahre 968, segelte der russische Fürst Swiatoslaw durch die Oka in die Wolga, schlug die Bulgaren und plünderte die chazarischen Städte Semender und Jtyl. Ein Theil der Einwohner dieser Städte entkam auf die Inseln des kaspischen Meeres. Die russischen Chronisten erklären diesen Feldzug zum Zweck der Rache unternommen. Nach dieser schweren Niederlage konnten sich die Ehazaren nichts mehr erholen. Zwar blieben ihnen noch ausgedehnte Landstriche an den Ufern des Schwarzen und Asowschen Meeres als unterthänige Länder übrig, aber auch diese gingen bald verloren. Der russische Fürst, Wladimir der Heilige, gründete in Phanagoria in der Krim, wo früher mit Erlaubniß des Chans byzantinische Auswanderer sich niedergelassen hatten, ein selbstständiges Fürsten-

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