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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-07-13 · 28 (13.7.1894) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
28 (13.7.1894)
Date
1894-07-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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■JS^^.5S»!*Masea£.>4i-1 Nr. 28 Veyrrreichifchr WochrnschrM Seite 543 heit in so kleinen Raum hineinzupferchen. Das Blatt muß freilich mit dem Raume sparen — sehr begreiflich. Wer über die üppige Phantasie verfügt, sämmtliche Buchstaben als schlechte Juden darzustellen, muß sich lakonischer Kürze befleißen. Es würde uns interessiren, einmal in den Moralcodex der „Reichspost" einen flüchtigen Blick zu werfen. Hat sie denn gar kein Gefühl für das, was eine Schurkerei ist, und waL nicht? Der Ehrenmann ist doch vom Lumpen zu unterscheiden, wie schwarz von weiß. Die Antisemiten sind aber alle moralisch farbenblind im höchsten Grade und halten sich am Ende selbst für lauter Ehrenmänner und die „Reichspost" für ein anständiges Blatt! I Vom Jahrmarkt des Lebens. Bergani-Geider. Bergani kehrt den Spieß um und wendet sich in seiner Nummer vom 11. d. gegen Gei der, seinen stümperhaften Schüler, welcher die heilige Sache dumm und ungeschickt angefaßt und compromitirt hat. Wie kann man so täppisch zu Werke gehen? Bor Allem war der Gerichtssaal zu scheuen! Das war der Cardinalfehler an der Sache! Bergani heißt Geider entrüstet — staune o Welt! — „einen? gewerbsmäßigen Verleumder und Ehrabschneide r." Treibt denn das „Deutsche Volksblatt" seit seiner ersten 8 Nummer ein anderes Gewerbe, als das der Verleumdung und Ehrbesudelung? Geider war nur ein Erpesser wie andere antisemitische Zeitungsschreiber. Das „Bolksblatt" ist ja doch auch zur Südbahn und zum „Phönix" gegangen — aber in den Gerichtssaal geht es nur, wenn der Gegner immun ist — war Pollitzer immun?? (Darin liegt der große Fehler Geider's, den ihm der Meister nicht verzeiht, und auch der Unterschied zwischen Geider und Bergani. Ein antisemitisches Fiasco. Das „Deutsche Volksblatt" erzählt von dem wunderhübschen Feste, welches die Antisemiten zu Gunsten der verhagelten Gärtner von Erdberg beim Dreher veranstaltet haben und wie kläglich sie dabei verunglückt sind — die Antisemiten I nämlich. Das Organ des Vergani beginnt den betreffenden Bericht mit tartüssischen Augenverdrehungen, man habe auch die bösen Liberalen aufgefordert, mitzuthun, denn die Wohlthätigkeit solle ja keine Parteiunterschiede kennen u. s. w. Böse wird es weiter, bitterböse das Blatt, weil der Bürgermeister Grübl den Aufruf nicht unterzeichnet hat, er, der doch Gemeinderath des Bezirkes ist. Auch der Bezirksausschuß Altmann hat nicht unterschrieben. Daß die liberalen Herren mit Vergnügen darauf verzichteten, mit den Herren Dr. Lueger und seinen vieledlen Genossen, mit denen sie sich jahrelang katzbalgen müssen, an einem Tische sich den Tafelsreuden hinzugeben, ist jedem Einsichtsvollen begreiflich — dem „Deutschen Volksblatt" daher durchaus nicht. Die Antisem'ten hatten sonst über jüdische Wohlthätigkeit andere Ansichten. Wir wollen ihrem zuweilen recht schwachen Gedächtnis; ein wenig zu Hilfe eilen. Wenn ein Rothschild 2000 fl. für das Kirchlein am Semmering spendet, wird sein Name und seine Spende aus der Liste flink hinausescamotirt. Wenn derselbe Rothschild eine großartige hochherzige I Millionenstiftung für bedürftige Officiere in's Leben ruft, wird ihm vorgerechnet, wieviel — er im Vermögen hat. Die sauberen Herren hatten sich eben angewöhnt, zu denken, was der Jude, seinem inneren Herzenstriebe folgend, aus den Altar der Nächstenliebe, ohne an den Unterschied des Glaubens zu denken, niederlegt, das werde nur mit der geheimen Nebenabsicht gewidmet, sich vom Antisemitismus loszukaufen. Die Herren construirten sich eine Art Wohlthätigkeit aus — Furcht. Diesmal haben wir uns jedoch erlaubt, uns auch einmal von einer Wohlthätigkeitsaction zu absentiren. Wir wollten unsere Herren Feinde, die antisemitischen Gärtner, nicht durch jüdische Spenden in Verlegenheit setzen, die sie ja bei ihrem bekannten Zartgefühl hätten unbedingt zurückweisen müssen. Das „Volksblatt" meint, das kommt Alles davon, weil man die Juden überhaupt zuziehen wollte. Wäre die Sache von Haus aus judenrein behandelt worden, meint der Vergani, dann wäre sie anders ausgefallen. Nur deshalb zogen sich so viel sonst herzensgute und überaus mildthätige Antisemiten von der Sache zurück.Nur keine Juden einladen. Aber das jüdische Geld lockte so lieblich — da saßen sie denn glücklich zwischen zwei Stühlen. Wenn das Blatt der „Oesterr. Wochenschrift" an dem Ausgange der Sache ein kleines Verdienst beimißt, danken wir ebenso beschämt als gerührt für diese schmeichelhafte Werthschätzung unserer publicistischen Thätigkeit. Hat der Vergani doch einmal was Wahres gedruckt! Nur nicht verzweifeln. Gegen den Saatenmarkt. Aus Lemberg wird telegraphirt: Das Comite der Buda- Pester Getreidehändler hat mittels Circulars die hiesigen Getreidehändler aufgesordert, am Wiener Saatenmarkte nicht theilzunehmen. Die meisten hiesigen Kausleute schließen sich der Budapester Action an. Das leitende Organ der ungarischen Kaufmannschaft, der „Pester Lloyd", schreibt: „Täglich lausen Zustimmungserklärungen zu dem Beschlüsse der hiesigen Getreidehändler ein; heute haben der Ausschuß des Papaer Lloyd, die Kaufmannshalle in Großwardein, die Productenhalle in Kleinwardein und die Getreidehändler in Weißkirchen, Neuhäusel und Mateszalka beschlossen, den Wiener Saatenmarkt nicht zu besuchen. In Wien ist man bemüht, die bei uns zu Lande im Zuge befindliche Agitation gegen die Betheiligung ani Saatenmarkte als Ausfluß der Rivalität hinzustellen, welcher das antisemitische Treiben den willkommenen Anlaß geboten habe, um einer österreichischen Institution ein Bein zu stellen. Die Herren vergessen bei dieser Behauptung, daß Budapest ebenfalls einen Saatenmarkt hatte, denselben jedoch fallen ließ, weil die Märkte bei uns und überall ihren Werth vollständig eingebüßt haben; sie vergessen nicht minder, daß Ungarn Jahre hindurch Tausende von Besuchern zum Wiener Saatenmarkt entsendet hat. Wenn die ungarische Kaufmannschaft heuer nicht mehr erscheinen will, so sind hiefür einzig und allein diejenigen Motive maßgebend, welche den Ausschuß der Wiener Börse für landwirthschaftliche Products geleitet hatten, als er sich für die Einstellung des internationalen Saatenmarktes aussprach. Für die Wiener Börsenleitung sind seither andere Rücksichten bestimmend geworden, die jedoch für die ungarische Kaufmannschaft, die durchwegs liberalen Anschauungen huldigt, nicht maßgebend sein können. Die ungarische Kaufmannschaft will eben jener Stadt fern bleiben, in welcher man nicht im Stande ist, dem jämmerlichen und ekligen Treiben der Antisemiten ein Ende zu bereiten und in welcher einheimische und fremde Kausleute schamlosen Insulten ausgesetzt sind." Antisemitische Menschenfresser. Das in München erscheinende „Deutsche Volksblatt" (die Wahrheit) vom 8. Juli 1894, enthält folgende Notiz: Jnd bleibt Jnd! Bekanntlich war EiNlN Pascha Jude von Geburt und bat sich später, wohl zum Zwecke besseren Fortkommens taufen lassen. Sein zusammenge—schachertes Bennögen soll mehrere 100.000 M. betragen. Leute, die Uni näher kannten, haben neben seinen sonstigen mehr oder weniger guten Eigenschaften (er hat z. B. seine Frau und Kinder im Drient sitzen lassen, wahrscheinlich, um einem bei dem auserwählten Volke besonders stark ausgeprägten Triebe besser sröhnen zu können) eine große Habgier bemerk. Iud bleibt Jnd! Große Elfenbeinvorräthe, von denen er Kenntniß erhalten, ließen die Judennatur nicht ruhen und beivogen ihn. den ihm von Deutschland angewiesenen Wirkungskreis zu verlassen und nach den Stanleyfällen zu ziehen, um sich in den Besitz dieser Neichthnmer zu setzen. Iud bleibt Iud! Nun hat ihn dieses „Geschäftchen" seine koschere Haut gekostet. Wie den Kannibalen wohl der Knoblauchbraten gemundet haben mag?" Es ist dies der Culminationspuukt der Schamlosigkeit, und Bestialität, welchen der Antisemitismus bis heute erklommen hat. Er ist glücklich beim — Kannibalismus angelangt. Was nun? „diene Wiener Rettungsgesellschaft". Unter diesem Titel schreibt der ausgezeichnete Humorist Julius Stettenheim eine sathrische Persiflage, welche sehr ergötzlich gewisse Bestrebungen ad absurdum führt und den Nagel auf den Kopf trifft, daher wir uns auch nicht das Bergungen versagen wollen, sie ans der Berliner humoristischen Zeitung „Wippchen" hierher zu setzen: „Es soll eine Neue Rettnngsgesellschaft gegründet werden, für welche das folgende Programm in Aussicht genommen ist: Zur

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