Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 28 (13.7.1894)
- Date
- 1894-07-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 542 Drflrrrektziphr Wochenschrift Nr. 26 wahr ist, daß der Artikel blos als bemerkenswertst hervorhebt, daß Katholiken (Dilitz und Ketsch mann), Protestant (Jenny Zink) und.Jude (Joh ann T anne n z ap f), die das Malheur hatten, Pfarrer Deckert geschäftlich näher zu treten, übereinstimmend zu dem von Herrn Deckert mit einem drastischen Worte gekennzeichneten Urtheile gelangten. Es ist unwahr, daß ich behauptet habe, „Pfarrer Deckert stamme, wie alle Antisemiten, aus einer Verbrecherfamilie;" wahr ist vielmehr, daß ich der Meinung Ausdruck lieh, daß ein Mann derOeffentlichkeit, wenn erblos zwei Brüder besitzt, von denen der Eine wegen Entwendung unverdauter Gelder wiederholt Strafe erfahren, und der Andere mehrfach per Schub expedirt worden ist, von dem guten Takt geleitet sein soll, über die angeblich ererbten Laster der Juden kein hartes Urtheil zu sprechen. Es ist unwahr, daß i ch behauptet habe, „das Vaterunser ist eigentlich ein jüdisches Gebet". In Wahrheit habe ich lediglich berühmte christliche Theologen arischer Abstammung citirt, u. zw.: F. Nort's „Rabbinische Duellen und Parallelen zu neutestamentlichen Schriftstellen" (Leipzig 1839), II. Evangelium Matthäus S.42—45; Dr. Aug. W ün s ch e'S „Neue Beiträge zur Erläuterung der Evangelien aus Talmud und Midrasch" (Göttingen 1878) S. 83—90; Charles Taylor „Sayings of the Jewisli fathers“, Excurs V. Tlie Lords Prayer 8. 138—145 (Cambridge 1877), welche ihrerseits die hebräischen Urtexte des „Vaterunser" aus dem alten Testament, dem Talmud und der jüd. Liturgie Nachweisen und wörtlich vorführen, während der Satz: „Justitia regnorum fündamentum“ den Sprüchen Solomonis, Cap. 16, V. 12 entnommen ist, was jeder halbwegs Gebildete wissen soll. Es ist unwahr, das; ich behauptet hätte, „Pfarrer Deckert kann keinen hebräischen Satz lesen;" Wahr ist vielmehr, daß ich mich erboten habe, 15.000, sage sünszehntausend Kronen österr. Rente zu Gunsten der K i r ch e des h e i l. I o s e f zu spenden und im Voraus zu deponiren, für den Fall, als es dem Pfarrer Dr. Josef Deckert in Gegenwart des fürsterzbischöflichen Consistorialrathes,päpstlichen Hausprälaten, Hofrath Z s cho kk e und des katholischen Theologen Professor August Bickell und eines von diesen Beiden zu ernennenden Dritten arischen Orientalisten, gelingt, vier Zeilen in irgend einem Talmudtraktat, den nicht ich, sondern der Zufall wählen soll, correct und fehlerlos zu übersetzen. Weit entfernt, ibm hebräische Sprachkenntnisse abzustreiten, sprach ich die Zuversicht aus, es werde dem gelehrten Pfarrer von Weinhaus, der so viel vom Talmud zu predigen weiß, ein Leichtes sein, den ausgesetzten ansehnlichen Betrag seiner Kirche zuzuführen. Endlich beliebt es Herrn Pfarrer Deckert, meinen Namen zu entstellen und mich bald „S ch mulch e", bald „S ch m u l", bald „S ch m u l B l o ch" zu nennen. Ich heiße aber „Josef Samuel Bloch" und werde seit meiner frühesten Jugend von Eltern und Angehörigen blos mit den Vornamen „Josef" und nie mit dem Namen „Samuel" angerufen. Da ich väterlicherseits ein Nachkomme des Erzvaters Josef, weiland Vicekönig von Egypten, und mütterlicherseits nach einer verbürgten Familientradition ein Blutsverwandter des „h e i l i g e n I o s e f" bin, erachte ich es als eine Pflicht der Pietät, meinen rechtmäßigen Vornamen gegen Pfarrer Joses Deckert zu wahren und zu schützen. Ergebenst Dr. Josef S. Bloch, Reichsrathsabgeordneter, Herausgeber der „Oest. Wochenschrift". Erzinfamr Lügen. Das verjudete Alphabet der „Neichspost". Es ist wahrhaft erstaunlich, was die antisemitische Schand- und Sudelpresse sich und ihrem Leserkreise zu leisten im Stande ist. Stets steigen neue und immer giftigere Blasen aus dem verpesteten Sumpf auf. Der antisemitische Journalismus ist auf einer Stufe glücklich angelangt, von wo er — wie oberflächliche Beobachter urtheilen — nicht mehr tiefer sinken kann. Es geht aber noch immer abwärts in den unergründlichen Morast .... Die „Reichspost" bringt am 22. Juni: Siebe» kleine Geschichten aus Niederösterreich. 1. Der jüdische Beamte W. hetzte gegen den Ortsseelsorger. Auf die Frage eines Christen um den Grund, sagte er: „Er hat mir nichts gethan — aber ich kann ihn nicht leiden." 2. In Th. wurde das heil. Sacrament zu einem Kranken getragen. Ein Judenbube verhöhnte und verspottete den Priester und das heil. Sacrament durch Worte und Geberden. Er wurde auch in Folge dessen gerichtlich bestraft. 3. In Schr. — einem Dorfe! — veranstaltete ein reicher Jude zu Ehren seines Töchterleius einen KinderbaU. Dazu wählte er den Abend vor dem weißen Sonntag, au dem die Christenkinder zur ersten heil. Communion gehen sollten. 4. In W. herrscht der Gebrauch des sogenannten „Stümpfelns". Dieser besteht darin, daß pflichtvergessene Kinder oder nichtsnutzige Weiber hinter dem Rücken des Mannes Säcke (Stümpfe) Getreide zum Juden schleppen und dort verschleudern. Beim Gerichte in Weitra wurde vor einigen Jahren ein Fall verhandelt, bei dem der Jude die Kinder und Dienstboten geradezu zum Bestehlen der Eltern und Dienstgebcr verleitete. . 5. Beinahe der ganze politische Bezirk, in dem ich weile, ist von der Schnapspest verseucht. Der Erzeuger des gesammten Schnapses ist ein Jude in Neubistritz, der ihn hauptsächlich durch seine Stammesgeuossen verschleißen läßt. In jedem Orte, wo ich noch ansässig war, hatten Juden eine Schnapsschänke. 6. Ausfallend ist, daß überall, wo ich es zu bemerken Gelegenheit, hatte, die kleinen Judenmädchen die allerkürzesten Röcke tragen. 7. Großes Aufsehen erregte hierorts die Nachricht, daß eine reiche Jüdin sammt Tochter wegen Diebstahls an einem armen Schuster im Bezirksgericktsarreste eingesperrt wurde. Nock an allen Orten, in denen ich länger weilte, fand ich, daß die Judenfirmen meist nicht ans den Ehemann lauten, sondern auf die Frau. Diese „sieben kleinen Geschichten aus Niederösterreich" sind ebensoviele große Bubenstücke, erstunken und erlogen, vom ersten bis zum letzten Worte. Der antisemitischeSchmiererhatPhantasien zu Papier gebracht, wie sie nicht dümmer und ordinärer gedacht werden können. Dieser Grad von moral insanity ist seltenHeimtückische, niederträchrige Verleumdungen aus dem sicheren Hinterhalte, die das sittliche Gefühl jedes anständigen Menschen empören müssen. Tiefer Ekel ergreift uns, die wir doch Manches erfahren haben von antisemitischen Gegnern. Aber sie sind unergründlich, unerschöpflich, man vermeint sie zu kennen, da ze'gen sie sich urplötzlich von einer anderen Seite und man gesteht sich beschämt ein, daß sie doch noch viel miserablere Subjeete sind, als man je gedacht hat. Der jüdische Beamte W.? Wer ist W.? Heraus mit dem Namen, Ehrabschneider, wenn Du überhaupt einen weißt? — In Th. verhöhnt ein „Judenbube" das Sacrament? Wo ist Th. und wie heißt der Bube? — In Schr. ist was geschehen, was Dir nicht recht ist — so thu nicht verschämt und nenne den Ort oder schweige ganz still. Die „Reichspost", dieses saubere Blatt, denuncirt uns noch das ganze Alphabet. Die Buchstaben sind lauter Juden. Auf die Anfrage eines christlichen Lesers bezüglich dieser sieben „Raubersg'schichten" antwortete das Blatt unverfroren genug: „Wir beehren uns höflichst mitzutheilen, daß uns über den betreffenden Punkt leider keine näheren Daten zur V erfügung steh en." Daten stehen nicht zur Verfügung, aber Gemeinheit, freche Verleumdung und bodenlose Niedertracht, die stehen zur Verfügung. Auf eine zweite Anfrage über nähere positive Daten, die erdichteten Fakten betreffend, reagirte das Blatt gar nicht. Es roch vermuthlich Lunte und stand nicht Rede — die alte Verleumderpraxis. Erst verdächtigen und dann feige auskneifen. In Punkt 6 zeigt sich besonders der antisemitische Zeilenfex von einer lieblichen Seite. „Er hatte zu bemerken Gelegenheit . . ." wir haben zu bemerken Gelegenheit, daß nur ein Schandkerl unschuldige Kinder mit geilen Blicken besudelt. Wenn wir die sieben Aufsätzchen nochmals überfliegen, erscheint es uns doch als bedeutende Leistung, so viel Gemein-