Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 27 (6.7.1894)
- Date
- 1894-07-06
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 27 Oestrrrrichiptzr Wochrnptzrtfl Sette 537 Die Ursache, warum der jüdische Religionsunterricht gerade in den Mittelschulen so geringe oder besser gesagt so zweifelhafte Erfolge aufzuweisen hat, ist nicht in letzter Linie in vem Umstande zu suchen, daß es bisher leider noch immer an brauchbaren Lehrbüchern mangelt, die geeignet wären, dem Schül°r auch Lust und Liebe zum Gegenstände einzuflößen. Es muß deshalb mit lebhafter Genugthuung begrüßt werden, daß ein auf dem Gebiete des Religionsunterrichtes so erfahrener Kämpe sich der Mühe unterzogen hat, ein neues Lehrbuch zu schaffen, das von allen bisherigen Vorgängern schon in der Aneinanderreihung des Stoffes ganz abweichend so recht geeignet ist, nicht nur den Religionsunterricht an den Obergymnasien auf ein höheres Niveau zu heben, sondern das auch in weiteren Kreisen als treffliches Handbuch für jüdische Geschichte und Literatur benützt werden dürfte. Der vorzügliche, bis ins kleinste Detail gefeilte Styl und die schwungvolle fließende Sprache, die trotzdem alle Phrasen vermeidet, lassen gerne über unbedeutende Mängel hinwegsehen, die bei einer folgenden Auflage leicht beseitigt werden können. So z. B. transscribirt der Verfasser oft, wo wir hebräische Lettern erwarten würden; der Druck dieser letzteren ist sehr mangelhaft und Punktalion wäre da entschieden am Platze, gerade mit Rücksicht auf die Schüler, für die das Buch berechnet ist. Die durch die sonst treffliche Stosseintheilung bedingte Trennung des biblischen Schriftthums (S. 51 und 110) läßt den Schüler keinen klaren Ueberblick über dasselbe gewinnen; doch könnte dem durch eine das gesummte Schristthum zusammenfassende Tabelle abgeholfen werden. Der Hippodrom (S. 77), Nessi (S. 99) rc. scheinen wohl nur Druckfehler zu sein; wir möchten hingegen lieber Keila (S. 16) und mit Grütz Modin (oder Modim) statt Modiin lesen. S. 9 stört der Satz: „Die Moabiten ließen Israel durch Bileam verfluchen" es soll wohl heißen: wollten es verfluchen lassen. S. 7i scheint sich der Autor mit Haman's Ausspruch zu identificiren; eine präcisere Fassung ist an dieser Stelle statt wörtlicher Uebersetzu g aus dem Buche Esther unumgänglich nothwendig. Bei dem Textstudium der heiligen Schrift (S. 119) hätte der Verfasser am Schlüsse auch die spätere Eintheilung in Capitel und Verse erwähnen sollen. Was?S. 37) das Fragezeichen gerade bei Assaph bedeuten soll, ist nicht recht klar. Das Büchlein stellt dem Autor das Zeugniß aus, daß er nicht blos schablonenmäßig, nur mit Aufwand einer gewissen compilatorischen Gabe, gearbeitet hat, sondern daß es aus eigenen Geschichtsstudien und vorzüglich aus dem Unterrichte selbst herausgewachsen ist. Einzelne Abschnitte des Buches, so z. B. die ausführliche Abhandlung über das Prophetenthum und die lichtvolle und übersichtliche Darstellung der Hasmonäerperiode verdienen alles Lob und lassen den Wunsch rege werden, bald auch die Fortsetzung dieses I. Theiles nicht nur auf dem Büchermärkte, sondern auch in der Schule begrüßen zu können. ^miev8. Briefkasten. L. A., Sereth. Der dortige Rabbiner wird Ihnen gerne über die Etymologie des angefragten Wortes alle wünschenswerthe Auskunft erlheilen. I. P., Lemberst. Für unser Blatt nicht geeignet. A. H., Wien. Sie sehen, daß wir die richtige Antwort gefunden haben. Dank für die Anregung. S. G., Hufratyn. Eine Schachspalte können wir in Folge Raummangels nicht eröffnen. Andere Probleme beschäftigen uns. A. M. Amar, Anssee. Ihre Einsendung ist uns nicht zugekommen. Redaction des „Vaterland". Sie rügen die Zusammensetzung der Untersuchungs-Commission aus „Semiten, deren Gönnern und Vertheidigern". Gehören Graf Lamezan und Professor Albert auch zu dieser Kategorie? Wer Nothnagel und Menger als „seinen Gegner" bezeichnet, der bekennt sich selber als Antisemit und gehört nicht in eine von Judengeldern erhaltene Rettungsgesellschaft. Da bedarf es nicht erst des „Vernadern" und des „Verschwärzens". Wenn die Antisemiten das Geld für die Rettungsgesellschaft hergeben würden, könnten sie Lueger, Deckerl und Schlesinger als Schiedsrichter wählen. Die antisemitischen Herrschaften brauchen das Geld aber für Wahlagitationen und nicht für Wohlthätigkeitszwecke. K. Das ist allerdings zart ausgedrückt. „Jugendlicher Unmuth läßt vergessen, was sie dem Vaterlande . . . schuldig sind." Nun, wir erinnern uns, daß auch das „B at erla nd" manchmal vergißt, „was es dem Vaterlande schuldig ist". „Deutsche Treue." Unter den Sängern der „Wacht am Rhein" befanden sich Viele, die des Kaisers, des österreichischen Kaisers, Rock tragen und bei der Ueberreichung des berüchtigten Memorandums intervenirten Studenten, welche bei der Universität Stipendien genießen, welche von Juden zu Gunsten Studirender „ohne Unterschied der Confession" gestiftet worden. Cultusvorstand S. Wir haben neuerdings in der Redactionsconferenz die Angelegenheit berathen und die einstimmige Meinung ging dahin, das „Eingesendet" nicht zu publiciren, ohne damit dem Verhalten des betreffenden Rabbiners irgend eine Billigung zu Theil werden zu lassen. M. S. Wenden Sie sich an den Localrabbiner oder an den Landesrabbiner von Mähren. Wir vermeiden es grundsätzlich, derlei Fragen zu beantworten. Herrn Moriz G. in Mödling. Nun, uns überraschte das besagte Ohrfeigenanbot des antisemitisch gesinnten Hausknechtes — Pardon! Gemeinderathes Steiner in keiner Weise. Das Charakteristicum des Antisemitenrhums ist ja Brutalität und Geinüthsrohheit, wie die Vorgänge auf der Aula beweisen. — Schwamm d'rüber! Czaslau. Dies glauben wir Ihnen einfach nicht; denn „Antisemit und human, Wie reimt sich dies zusamm?" Herrn E. K. in Kaposvar. Daß, wie schon das leitende Organ des Berliner Auswärtigen Amtes letzthin statistisch anfwies, der Antisemitismus in letzter Linie nur der Socialdemokratie in die Hände arbeitet und für diese die Kastanien ans dem Feuer holt, findet schon in dem seine Erklärung, als ja seine Principien mir der Unzufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen Ausdruck gibt und seinen Anhängern in kurzsichtiger Weise das in Händen der Juden befindliche Capital für Alles verantwortlich machen will. Früher oder später bricht sich aber dann doch beiden eingefleischtesten Judenhassern die ErkenntnißBahn, daß, selbst wenn man auch alle Juden im Meere, dort, wo dieses am tiefsten ist, ersäufen würde, die Zustände doch genau dieselben blieben, nur daß anstatt des „Körndljuden" der „Körndlchrist" und statt der jüdischen Finanzbarone der christlich-sociale Junker die Börse regieren würden. Die Folge dieser Erkemuniß wäre nun, daß Alle, die sich heute Antisemiten schellen, Socialdemokraten würden. Darum hatte auch Caprivi ganz Recht, zu sagen: Der Antisemitismus ist nur die Vorfrucht der S o c i a l d e m o k r a t i e. Herrn S. v. K. in P. O. Ueberfülle an Stoff und Mangel an Raum lassen uns nur hier die Quintessenz Ihres Artikels in kurzen Worten wiedergeben: „Das ist's ja eben, was uns in den Augen der Christen so verargt wird, daß der allgemeine Kampf des Bürgerthums gegen die mittelalterlichen Gebnrtsprivilegien der Bäte r, das Bedürfnis? der erblühenden Industrie nach neuen Capitalien und Talenten die M u t t e r der Judenemancipation ist. Jetzt heißt es: „Der Mohr hat seine Schuldigkeit gethan, der Mohr kann gehen." — Nun „wenn der Purpur fällt, muß auch der Herzog nach!" Arischer Couleurstudent Frz. in Sch. Hier haben Sie unsere Antwort: „Wer vorlaut spricht, sich weise däucht, und mehr nicht kann und mehr nicht weiß Wie ein ungezogener Bub', dem noch die Nase feucht, der Hecht mit Recht ein Naseweis" Und verdient, daß man „auf dem Zündloch seiner Kanon' ohne Secundanten paukt". „Unglaublich." Sie Schäker! Hier haben Sie noch einen weiteren Beleg für die angebliche Beamtenfreundlichkeit dieses Organes des „deutschen Volkes". Dasselbe schreibt in seiner Nummer 263 vom 27. September 1889: „Nun kommen wir zu dem heiklichsten Punkte dieser Vergleichung, nämlich die Arbeitsleistung: „Der Rechnungs-, Cassa- und Manipulationsbeamte erscheint um 9 Uhr im Amte; vor Allem muß derselbe seine Collegen begrüßen, von jedem Einzelnen erfahren, wie derselbe den vergangenen Abend zugebracht hat, dann sind Tagesereignisse zu besprechen; mittlerweile wird es 10 Uhr, zu welcher Zeit der Herr Vorstand erscheint; nach dessen Eintritt in das separate Zimmer wird die Zeitung vorgenommen, eingehendst gelesen, so daß es gegen 11 Uhr wird, um welche Zeit ein Gabelfrühstück genommen wird. Da es mittlerweile halb 12 Uhr geworden ist, wird endlich ein Act, der schon einige Zeit der Erledigung harrt, zur Hand genommen und mißmuthig eine Zeit lang gearbeitet, bis einem oder dem anderen Collegen es einfällt, einen vergessenen Spaß zu erzählen, welcher wieder geraume Zeit alle Aufmerksamkeit von der Arbeit abwendet. So wird es endlich ^2, jetzt schnell die Hände gewaschen, Hose und Hut ausgebürftet und die Herren gehen, raisonnirend über den schweren Dienst." — So der Moniteur des Fürsten Liechtenstein, der das Tribunal von Hernals und Ottakring nicht zum Wenigsten der Hilfe der Beamtenschaft verdankt! Fr. Ch. Kr. in W. Nein, das ist doch nicht schön von Ihnen Nicht nur, daß Sie mich, ad personam, mit einem höchst ungnädigen Stillschweigen bestrafen, pfuschen Sie mir auch noch ins Handwerk und polemisiren hier gegen den Weisen von Sachsenhausen, indem Sie schreiben: „Wenn Schopenhauer den Inden vorwirft, daß sie in jedem Staate Fremde ohne Patriotismus und nur Egoisten sind, die von allen Staatsämtern ausgeschlossen werden mußten, so ist dagegen einzuwenden, daß sie gerade darunr, weil man das Letztere gethan, zur ausschließlichen Pflege uud Solidarität ihrer Stammesinteressen getrieben wurden." — Trotz und alledem bitte ich ehrerbietigen Handkuß entgegenzunehmen. Herrn L. K. in Hermannstadt. Sie meinen offenbar die in Brandenburg im 15. Jahrhundert entstandene Reise-Litanei, die noch bis in die ersten Jahrzehnte nnseres Jahrhunderts gebetet wurde: „Vor Köckeritz und Lüderitz; Vor Uechtritz, Kracht und Jtzenplitz, Und jeglicher Gefahr und Noth, Behüt' uns der liebe Gott! Llutatw mutandis ließe sich dieses Liedchen auch aus unsere Krautjunker anwenden.