Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 27 (6.7.1894)
- Date
- 1894-07-06
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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' Nr. 27 Vestrrrrlchiptzr Mochrnschrifl Seite 533 Berlin, 19. Juni. Einen festlichen Abend hatte der „Akademische Verein für jüdische Geschichte und Literatur" an der Universität Berlin am letzten Dienstag den 12. d. M., an dem die Einführung der beiden neuernannten Ehrenmitglieder, des Herrn Professors Dr. M. Philippson und des Herrn Docentcn Dr. I. Müller, stattfand. Die Einführung, welcher ein wissenschaftlicher Vortrag des «tud. phil. Warschauer über „die messianische Idee bei den Propheten" vorausging, geschah durch den Vorsitzenden des Vereines, «and. med. Kaiser. In der Erwiderung auf die Rede des Vorsitzenden hob Herr Professor Philippson hervor, daß es ihn freue, einem Verein von Studirenden als Ehrenmitglied anzugehören, der als erster Verein erkannt habe, daß durch die Pflege der jüdischen Geschichte und Literatur dem Judenthum am meisten gedient werden könnte. Dem Wunsche auf ein kräftiges Blühen, Wachsen und Gedeihen des Vereines schloß sich auch Herr Dr. I. Müller an, indem er besonders die freie Geschichtsforschung, wie sie im Verein besteht, als eine schöne Errungenschaft Gezeichnete. Er wolle bestrebt sein, im wissenschaftlichen Sinne ein rechter Nachfolger der früheren Ehrenmitglieder des Vereines, der Herren Professor Dr. Grätz, Dr. D. Cassel und Dr.I. Ritter, zu werden. Eine größere Corona von Studenten wohnte der Sitzung bei und bekundete so am besten das Interesse, das in akademischen Kreisen für die Bestrebungen des Vereines zu finden ist. London. (Feriencolonien.) Mrs. Hermann Adler und mehrere jüdische Förderer des Ferien-Colonien-Fondes waren bei der imMansion-House imJnteresse dieses Fondes abgehaltenen Versammlung anwesend. Im vorigen Jahre sprach in dieser Versammlung Sir Samuel Montagu, Baronet M. P., zu Gunsten der jüdischen Kinder, welche gleichfalls den unschätzbaren Vortheil eines vierzehntägigen Landaufenthaltes, genießen. In Gemäßheit der bestehenden Gepflogenheit der Gesellschaft wurde auch heuer ein jüdischer Vertreter — Mr. Claude G. Montefiore — eingeladen, bei dem Meeting eine Ansprache zu halten. Mr. Montefiore war jedoch verhindert, sein Versprechen einzulösen. Der Bericht des Comites des jüdischen Zweiges des Ferien- Colonien-Fondes pro 1893 wurde soeben ausgegebeu. Es wurden 910 Kinder je auf 14 Tage auf's Land geschickt — die größte bisher seit Gründung dieses Zweig-Vereines dagewesene Zahl. Wenn man aber bedenkt, daß gegen 15.000 arme Kinder im East-End leben, so wird man wünschen, daß das Comite sein Werk noch mehr wird erweitern müssen. Trotz der großen Zahl von Kindern kam keine Jnfections-Krankheit vor, was für die sorgsame Pflege der Kinder zeugt. Leider schließt die Rechnung des Comites mit einem Deficit, so daß das Comite mindestens 30ÖPf. St. wird aufbringen müssen, um die gleiche Zahl von Kindern, wie im Vorjahre, auf's Land schicken zu können. Es unterliegt keinem Zweifel, daß auf einen Appell des Comites die erforderliche Summe in kürzester Zeit zur Verfügung stehen wird. New-Iork, 18. Juni. Von 500 jungen Leuten, die in dieser Woche ihr Rechtsanwaltsexamen abgelegt haben, hat ein deutscher Jude, Herr Sally Struck, den ersten Preis und einen Preis von 150 Dollars für die beste schriftliche Arbeit erhalten. Der junge Mann, der erst zwanzig Jahre alt ist, dürste einer der jüngsten Rechtsanwälte überhaupt sein. Bereits vor vier Jahren, als er bei einem Bankette eine Rede hielt, wurde ihm von den hiesigen Zeitungen, die sämmtlich von dieser Ansprache Notiz nahmen, das Prognostikon eines der größten Redner und hervorragenden Juristen gestellt. VmnWües. Wien. Am 1. d. M. fand hier die Bermälung des Fräulein Emma Simon, Tochter des Vicepräsidenten der israelitischen Cultusgemeinde, Gemeinderath Gustav Simon, mit Herrn Carl Weiner statt. Dem Trauungsacte, welcher in der Wohnung der Brauteltern durch den Oberrabbiner Dr. Moriz Güdemann unter Assistenz der Cantoren Singer und Schiller vollzogen wurde, wohnte ein zahlreiches distinguirtes Publicum bei. Man bemerkte unter den Anwesenden die Herren Ritter v. Goldschmidt, Professor Pollitzer, Architekt Fleischer, die Bezirksausschüsse Frankl und Pollak, den Präsidenten der türkisch-israel. Gemeinde Licco Adutt u. A. m. Dem Brautpaare sind mehr als 200 Glückwunschtelegramme zugekommcn. Wien. (Oberbau rath Joseph Kareis.) Wie die „Wiener Zeitung" meldet, hat der Kaiser den bei der technischen Abtheilung der Post- und Telegraphen-Centralleitung in Verwendung stehenden Baurath Joseph Kareis zum Oberbaurathe bei der Post- und Telegraphendirection in Prag ernannt. Oberbaurath Joseph Kareis gilt als eine Autorität im elektrotechnischen Fache, und besonders bei der in den letzten Jahren erfolgten schwierigen und mühevollen Anlage der großen interurbanen Telephonlinien in Oesterreich hat er sich hervorragende Verdienste erworben. Seine Beförderung zum Oberbaurathe und die Berufung aus einen höheren Posten nach Prag bezeichnen die Anerkennung dieses ersolgreicken Wirkens, aber sein Scheiden von Wien wird eine große Lücke im Gebiete der Elektrotechnik, die gerade jetzt einen so mächligen Aufschwung nimmt, zurücklassen. Auch im Gemeinderath, wo Kareis als Vertreter des zweiten Bezirkes saß, und wo nun ein Mandat vacant ist, wird man die unversiegbare Arbeitskraft des neuen Oberbaurathes vermissen, der sich in allen technischen und fachlichen Fragen rühmlich hervorthat und selbst bei den Gegnern seines gemeinnützigen Strebens halber anerkannt wurde. Hoffentlich haben wir es bei der Berufung Kareis' nach Prag nur mit einem Uebergangsstadium zu thun, dem seinerzeit die definitive Bestallung zur amtlichen Thätigkeit in Wien folgen wird. Da in diesem Sommer schon die Telephonlinie Wien-Berlin gebaut wird, so ist anzunehmen, daß Herr Oberbaurath Kareis bei der Fertigstellung dieser wichtigen internationalen Linie noch Mitwirken und erst dann seinen Posten in Prag antreten wird, wo er die kürzlich erledigte Stelle eines Oberbaurathes einzunehmen hat und in Folge seiner früheren dortigen Amtswirksamkeit zahlreiche landsmannschaftliche Freunde findet. Wien. Sonntag, am 8. Juli l. I. findet im türkischisraelitischen Tempel zu Wien, II., Circusgasse 22, die Trauung des Herrn Philipp Eisenstein aus Sniatyn mit Frl. Helene Medina, Tochter des Herrn Leon A. Medina, statt. Wien. Das Organisationscomit6 des im September dieses Jahres ftattfindenden Internationalen Congresses für Hygiene und Demographie in Budapest hat den Chemiker und Laboratoriumsinhaber Dr. Adolf Zolles zum Ehrenpräsidenten der VII. Section gewählt. Wien. (Die Ausstellung in der Rotunde.) Der Rundgang, welchen der Kaiser am 26. v. M. in der Rotunde machte, währte 1'/, Stunden. Der Kaiser unterzog die Modelle der bekannten Unisormirungsanstalt Wilhelm Beck & Söhne in Wien (Eguitable-Palais) für die Neu-Unisormiruna der Armee (Zukunftuniform), die an zwei geschmackvoll arrangirten Objecten exponirt sind, einer sehr eingehenden Besichtigung. Wem anwesenden Chef der Firma wurde die Ehre zu Theil, durch eine längere Ansprache ausgezeichnet zu werden. Der Monarch erkundigte sich, ob die Firma nur für Officiere liefere, worauf Herr Beck erwiderte, daß sie auch für viele Heeresanstalten, Regimentsuniformirungen, unter Anderem für die beiden Militär- Akademien contractliche Lieferungen habe. Der Kaiser sprach seine ganz besondere Zufriedenheit aus und lobte auch das geschmackvolle Arrangement der Expositionen dieser Firma. Wien. (P er ch t o l d s d o r f.) Mit allen Stimmen gegen eine wurde in Perchtoldsdors Oberst Reicher zum Bürgermeister gewählt und leistete sofort dem anwesenden Bezirkscommissär Schückig aus Baden die Angelobung. Dank der säumigen Agitation seitens der Liberalen siegten die hiesigen Antisemiten in allen drei Wahlkörpern. Wien. (Geburtsscheine für Schülerns ch r e i b u n g e n.) Nachdem die Anforderungen um Ausfertigung von Geburtsscheinen für schulpflichtige Kinder behufs Einschreibung in die Schulen vor Beginn des Schuljahres von Jahr zu Jahr, und insbesonders seit der Einverleibung der Vororte derart zahlreich sind, daß das Matrikelamt der israelitischen Cultusgemeinde in Wien denselben nicht sofort Nachkommen kann, werden die P. T. Eltern rc. zur Vermeidung von unliebsamen Verzögerungen in ihrem eigenen Interesse erinnert, schon jetzt solche Documente zu bestellen und auch in Empfang zu nehmen. Vom 15. August ab würden wenigstens drei Tage Zeit zur Ausfertigung der erwähnten Docnmente gelassen werden müssen. Vom Matrikelamte der israelitischen Cultusgemeinde in Wien. Wien. (F e r i e n h e i m.) An Spenden sind eingegangen : Redaction der „Kleinen Plaudereien" fl. 150, Baron Hermann Königswarter fl. 100, Adolf Freund 2 fl., Alfred Baß 1 fl. Ferner an Naturalspenden: Straßer, Jaiteles und Co. drei IflfiBÜÜMkifl