Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 27 (6.7.1894)
- Date
- 1894-07-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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..-jepss Nr. 27 Vryerreichtschr WochenschrM Sette 525 heit" viel zu gute und bezeichnen die Juden als Hauptträger der Unsittlichkeit. Wo bleibt Prinz Liechtenstein? Wir lesen im „Deutschen Volksblatt" vom 3. Juli: „Die Erhebungen rücksichtlich der durch das Hagelwetter Verunglückten sind nunmehr abgeschlossen und ergaben das Resultat, daß eine effektive Schadenziffer von weit über 1 Million Gulden zu verzeichnen ist. Da die für diesen Zweck eingeleiteten öffentlichen Sammlungen bisher nur die Summe von rund 28.000 ft. ergeben haben, sieht sich Bürgermeister Dr. Grübt genöthigt, diese Sammlungen fortzusetzen und sich mit der Bitte um Beiträge zur Linderung der drückenden Nothlage der Betroffenen an jene Persönlichkeiten zu wenden, deren Opferwilligkeit sich auch bei früheren ähnlichen Gelegenheiten stets bewährt hat. — Warum stellt sich die Gemeinde nicht selbst mit einem größeren Betrag an die Spitze? Wo bleibt aber die große Hilfsaction des m i l l i o n e nreichenPrinzenLiechtenstein, nachdem die vom Hagel Betroffenen und Geschädigten doch seine Wähler und Gesinnungsgenossen sind? Zur Verhetzung stellt er seinen Mann, wo Hilfe noth thut — überläßt er die Aufgabe — den Juden. Vom Wiener Santenmarkt. Lemberg, 1. Juli. Während eines Gespräches zwischen dem Handelsminister Grafen Wurmbrand und den Mitgliedern des hiesigen Gemeinderathes und der Handelskammer theilte Kammerrath Jonasz dem Handelsminister mit, daß die Lemberger Handelskammer in den nächsten Tagen darüber schlüssig zu werden habe, ob sie heuer der Einladung der Wiener Productenbörse zur Theilnahme am 22. internationalen Getreide- und Saatenmarkte in Wien mit Rücksicht auf die bekannten Vorgänge im niederösterreichischen Landtage und im Wiener Gemeinderathe Folge leisten solle. Die Anschauungen der Kammermitglieder seien in dieser Angelegenheit getheilt, zumal in Folge der seitens der ungarischen Getreidehändler eingeleiteten Action an dem Zustandekommen des Wiener Saatenmarktes und an einer regen Betheiligung des Auslandes gezweifelt werde. Der Minister entgegnete, es sei begreiflich, daß Ungarn der Concurrenz wegen den Saatenmarkt gerne auf ungarischem Boden verlegt sehen möchte, er betrachte es als eine patriotische Pflicht, daß die österreichischen Getreidehändler auch Heuer den Wiener Saatenmarkt zahlreich besuchen, und es sei zu erwarten, daß sämmtliche Handelskammern geradeso wie in früheren Jahren am Saatenmarkte sich lebhaft betheiligen und daß das an dem Getreideverkehre interessirte Ausland sich von der gegen den Saatenmarkt gerichteten Agitation nicht werde beeinflussen lassen. Indessen, da die ungarischen Interessenten in ihrer Gesammtheit erklärt haben, dem Saatenmarkt ferne bleiben zu wollen und der Centralverband böhmischer Getreidehändler beschlossen hat, am Saatenmarkt sich nicht zu betheiligen, so ist die Abhaltung des Wiener Saatenmarktes sehr in Frage gestellt. Juden, lernet fechten! In der Erziehung der männlichen Jugend unserer Glaubensgenossen waltet noch eine Lücke vor, welche gemeiniglich als minder bedeutend erachtet werden mag, in besonderen Fällen aber, und dies gerade in der den Juden so wenig holden Gegenwart, sehr empfindlich werden kann. Es ist dies die sorgfältige Pflege der körperlichen Uebungen, wie Turnen, Gymnastik, Hantiren mit der Waffe u. s. w. Es hieße Eulen nach Athen tragen, wollte die Wichtigkeit der schulgemäßen Leibesübungen für die Conservirung des Körpers und namentlich die Stählung der Nerven durch fleißige Uebung mit der Waffe in Erinnerung gebracht werden. Merkwürdigerweise legen unsere Glaubensbrüder, die sonst keine Opfer für die Erziehung ihrer Söhne scheuen, im Allgemeinen keinen Werth auf diesen für den zukünftigen ganzen Mann so integrirenden Theil der Erziehung. Mens sana in corpore sano! Wohl imponirt heutzutage ein erleuchteter Kopf, ein biederes, muthiges Herz, aber auch der kräftige, gestählte Arm darf nicht fehlen, um dem unter den schwierigsten Verhältnissen eingenommenen, von offenen und geheimen Widersachern angefeindeten Standpunkt des jüdischen Mannes einen sichern Halt und Nachdruck zu verschaffen. Männlicher Muth und Offenheit, unterstützt von waffengeübter Hand wird vielen unserer jüngeren Glaubensgenossen, wenn sie in öffentlichen Stellungen sich befinden oder dieselben anstreben, vielmehr zur Wahrung des eigenen Rechtes und zur Abwehr tückischer Angriffe verhelfen, als noch so schöne geharnischte Zeitungsartikel oder Klagen bei Gericht. Wenn wir auch nicht mehr im Zeitalter eines Theodorich leben und das Faustrecht längst der vorgeschrittenen Gesittung gewichen ist, so imponirt doch, der großen Maffe wenigstens, eine gut geführte Klinge mehr, als eine noch so spitze Feder und weiß von sich so manches Geschmeiß giftiger und stechender Jnsecten fern zu halten. Ein jüngst in einer Stadt im Norden der Monarchie vorgekommener Fall diene zur Bekräftigung der oben ausgesprochenen Ansicht: Ein Reserveofficier, der keinen anderen Makel als den Geburtsfehler in seinem Leben aufzuweisen hatte, erhält die Bewilligung der Probedienstleistung behufs activer Anstellung im Heere. Ein säbelrasselnder Kamerad (Cadet) aus der Koterie Schneider und Gregorig vergißt sich, im Glauben beim „blauen Luchsen" zu sein, ihm gegenüber, wird staute pede gefordert, und, obwohl ein geübter Fechter, derart zugerichtet, daß ihm, im Falle einer eintretenden Genesung, fernerhin gewiß nicht mehr die Lust anwandeln dürfte, dem Rassenhaß lauten Ausdruck zu verleihen. Daß der betreffende jüdische Ofsicier nunmehr sich eines anderen Entgegenkommens von allen Seiten zu erfreuen hat, kann man sich wohl vorstellen. Unsere Feinde würden viel weniger Lärm machen und sogar ziemlich kleinlaut beigeben, würden sie wissen, daß so mancher Hieb auch von Judenhand gut sitzt und so mancher Schuß ins Schwarze trifft, denn gar so gewaltig ist ihr Muth nicht. Suchen wir daher unseren Körper, der durch das Jahrhunderte währende Ghettoleben allerdings geschwächt worden ist, zu kräftigen und unsere Existenz inmitten noch so vieler Stürme wird entschieden gesicherter und widerstandsfähiger werden. Dr. G. „Jüdischer Christenhatz" Ans Prag geht uns von gut insormirter Seite nachstehender Bericht zu: Bor vier Jahren hatte ein in Prag wohnhafter Kauf» mann israelitischen Glaubens in Königliche Weinberge ein katholisches Ehepaar zur Kunde, welches verschiedene Waaren zum Hausbedarfe gegen wöchentliche Abschlagszahlungen von einem Gulden einwirthschastete. Ein geringer Theil war erst getilgt, als der Mann, ein Bauzeichner, auf das Krankenlager geworfen wurde und 3—4 Monate hindurch nicht in der Lage war, selbst so geringfügigen Verpflichtungen nachzukommen. Der Verkäufer ivar rücksichtsvoll genug, geduldig zu warten ohne zu mahnen oder zu drängen. Er sah die traurige Lage und kam nur ab und zu, um die Leute zu besuchen und ihnen Trost zu spenden. An die Aufnahme der Baarzahlungen konnte so wenig ernstlich gedacht werden, wie momentan in — einem Staate Mitteleuropas. Eines Tages kam dem Kaufmann die Frau schluchzend und händeringend entgegen; der Mann war soeben gestorben. Der Gläubiger tröstete sie und schenkte ihr vor Allem gleich die Restforderung von fl. 42. Er tbat aber noch mehr, denn damit allein wäre ja der Frau nicht gedient gewesen, da das Geld für die Beerdigung im Hause fehlte und der Herr Pfarrer, wie begreiflich, es im Vorhinein verlangte. Sie wußte sich weder Rath noch Ausweg. Ihr schwarzes Kleid war schon um 5 fl. versetzt und der Jammer machte sich breit in dem Uuglücksheim. Der Jude — o die Juden sind sehr hartherzig — ließ sich gleich den Versatzschein geben, versprach ihn auszulösen und war zartfühlend genug, zu bemerken, sie werde es schon langsam znrückzahlen. Auch wurde der horrende Zinsfuß von ganzen 0 Perzent für dieses Darlehen vereinbart. Unser Kaufmann verließ nachdenklich gestimmt das Trauerhaus und beschloß, seine christlichen Kunden auszusuchen und sie aufzufordern, doch zum Begräbniß etwas beizusteuern. Seine diesbezüglichen Schritte waren von glänzendstem Erfolge gekrönt, denn es gelang ihm von 130 notablen Persönlichkeiten ganze 36 — Kreuzer zusammenzubringen. Er versuchte es am Sonntag in zumeist von Juden besuchten Kaffeehäusern und war so glücklich, innerhalb zweier Stunden ohne sonderlichen Aufwand an Beredsamkeit fl. 36'50 für die Witwe zu sammeln, überbrachte ihr Tags darauf das Geld, ohne von seinen schlimmen und guten Erfahrungen etwas zu sagen. Der Pfarrer wurde bezahlt, der Todte würdig beerdigt — und die Judenhetze kann weiter ihre Orgien feiern, denn die Juden sind ein grundschlechtes Volk. <>,m a