Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 27 (6.7.1894)
- Date
- 1894-07-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 520 Drstrrrrichifche Vochrnschrifi Nr. 27 liche Pflicht, z u e r st den Lehrer und dann den Vater loszukaufen (Baba nt. 33a). Lehrer und Schüler nannten sich gegenseitig „Vater" und „Sohn" (Midr. Rabba 3. M., Cp. 11; Sisre 5. M., 5, 11; 11, 19) und ein kindliches Verhält n i ß sollte ihre Beziehungen auszeichnen. Andererseits mußte auch der Lehrer die Ehre seiner Schüler als seine eigene Ehre ansehen (Aboth 2, 12) und zwischen reicheren und ärmeren Kindern keine Unterscheidung zulassen (Tanith, 24a). In Palästina ging die Rede, daß vorzüglich den Söhnen der Armuth die Wissenschaft ihre größten Fortschritte dankt (Nedarim 81); die Wissenschaft gleicht dent Wasser, welches von den Höhen und Bergen nach den Thälern strömt und in der Niederung sich sammelt (Tanith 7a). Ganz anders die Arier! Die Ehrfurcht vor dem Lehrer haben die Arier des Alterthums nicht gekannt. Der Lehrer Mar ein verachteter Mann und die Lehrthätigkeit ein erbärm- Rcher Sclavendienst. Bei Plutarch rangiren Lehrer, Pädagogen, Tlhürhüter und Schiffsarbeiter neben einander. Die gehaßten Könige läßt Lucian in der Unterwelt Bettler oder Schulmeister werden. Die Lehrer führten ein trauriges Loos, empfingen weder materielle noch moralische Anerkennung. Aermere Lehrer unterrichteten auf den Landstraßen und auf den Kreuzwegen; sie konnten ein Miethlocal nicht erschwingen. Oft wurden die Aermsten noch um das geringe Schulgeld betrogen, und Schulversäumnisse der Buben wurde ihnen vom Lohne abgezogen. Bei Theophrast behielt ein Geizhals den Knaben während des Monates Anthesterion (Februar) zu Hause, angeblich der Feste wegen, thatsächlich um das Schulgeld nicht zu zahlen. Der Vormund des Demosthenes war das gesammte Schulgeld für sein Mündel rückständig geblieben. In einem Stück des Plautus klagt Mentor Chclus: Wenn man den kaum siebenjährigen Buben mit der Hand berührt, greift der Knabe sofort nach der Tafel und zerschlägt den Schädel des Hofmeisters. Führt der arme Schlucker darüber beim Herrn Beschwerde, so spricht der Vater zum Jungen: ... .„So ist's recht, Sohn, nur immer sich gewehrt gegen Beleidigungen". Dem Pädagogen aber ruft er zu: „Höre, du nichtswürdiger Alter, daß du mir dem Knaben wegen dieser Sache nichts zu Leide thust, er hat brav gehandelt!" Wenn dann des Hofmeisters Schädel gleich einer Laterne mit geölter Leinwand geflickt worden, gehen die Parteien befriedigt auseinander. Nicht minder mißachtet waren die Lehrer bei den Römern. Ovid nennt die Lehrer die „Besitzlosen", und mancher Jugendbildner flüchtete sich aus den kümmerlichen Verhältnissen in den Soldatendienst. Obrilius, ein ehemaliger Soldat und Amtsdiener, der Lehrer geworden war, hauste in einem Dachstübchen und verfaßte als Greis von beinahe 100 Jahren ein Buch über die Kränkungen, welche die Rohheit und Eitelkeit zärtlicher Eltern den Lehrern zufügten. Juvenal beklagt, daß man den kargen Lehrsold so lässig zahle, und oft erst nach gerichtlicher Klage. Bei Martial bewerben sich um ein Mädchen zehn Dichter, sieben Anwälte, vier Tribunen und zwei Auctionatoren, welche altes Gerümpel feilboten. Der öffentliche Ausrufer war erkoren, die Braut heimzuführen. Ein Lehrer aber konnte im Vorhinein in eine solche Concurrenz nicht zu treten wagen. Die Schulen befanden sich gewöhnlich in den entlegensten Winkeln der Stadt, waren Privatunternehmungen von Menschen, welche bereits im Leben Schiffbruch gelitten hatten. Auch der griechische Pädagoge, der Sclavensohn als Lehrer und Erzieher, war von Griechenland in das Römerreich eingewandert. „Gleich den anderen Sclaven," erzählt Lucian, „that er Knechtdienste mit gekrümmten Rücken vom Morgen bis Abends, und wenn Zahltag war, stand er inmitten anderer Sclaven, um seinen Monatslohn in Empfang zu nehmen." Chilon, ein Sclave des älteren Cato, unterrichtete dessen Sohn und noch anoere Kinder, deren Zahlungen freilich nicht ihm, sondern seinem eigennützigen Herrn zu Gute kamen. Auch das Capitel von deutschen Schulmeistern erzählt bis in die neueste Zeit herauf von traurigen Demüthigungen und Entbehrungen und noch aus der neueren Zeit schon bringt G. Wolf eine unterthänige Vorstellung eines Landschulmeisters aus Niederösterreich, welcher dtrüber klagt, daß er hier verhungern müsse und daß er die rohe Behandlung seitens der Bauern nicht aushalte. „Und die anderen arischen Nationen" — so heißt es in dem Memorandum der „wehrhaften deutschen Jünglinge". Das Wort steht an seinem richtigen Platze — es ist in der That der nnverfälschte alt-arische Geist der Mißachtung des Lehrers und der Lehrthätigkeit, der aus diesem Schriftstücke spricht, und in der Brutalität der Demonstrationen gegen Hofrath Nothnagel manifestirt sich jenes reine Arierthum, welches die civilisatorische Tünche des semitischen Christenthums abgestreift hat. Der jüdische Geist hoher Ehrerbietung vor dem Meister der Wissenschaft und dem Bildner der Jugend aber ist es, der die freisinnige Studentenschaft huldigend zu diesen edlen Mann aufblicken läßt. Ein Triumph des Iudenthums. Während die Juden in allen Ländern geschmäht, gedrückt und verfolgt werden, feiert das Judenthrm plötzlich einen ungeahnten und unerwarteten Triumph. Eine der vornehmsten und gelehrtesten Gesellschaften, jene für öffentliche Gesundheitspflege in Deutschland, hat sich vor wenigen Jahren eiitmüthig für die jüdische Schächtmethode als die humanste und vom Standpunkte der hygienischen Wissenschaft zweckmäßigste Art des Schlachtens der Thiere ausgesprochen. Jahrtausende sind vorübergegangen, seit diese Schächtmethode den Juden gesetzlich geboten worden war, Haß und Bosheit haben ihre furchtbaren Orgien gegenüber diesem Volke gefeiert, die Blutlüge hat in jener Methode ihre Zeugnisse gesucht und heute verkündet der Präsident einer Gesellschaft, welche aus den ersten medicinischen Autoritäten Deutschlands besteht, Geheimrath S p i. n o l a, daß das Judenthum schon vor dreitausend Jahren nicht blos gegen Menschen, sondern auch gegen unvernünftige Thiere die höchste Menschlichkeit geübt hat. Nachfolgend der Bericht über die denkwürdige Versammlung: Die deutsche Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege hielt am Freitag Abend im Hörsaale des Hygienischen Instituts, Klosterstraße 36, ihre letzte Sitzung vyr den Sommerferien ab. Zu dieser Sitzung hatte der bekannte Physiologe, Hofrath Dembo aus Petersburg einen Vortrag über den physiologischen Werth des nach vreschiedenen Methoden geschlachteten Fleisches zugesagt. Hofrath Dembo, der sich zur Zeit in Paris befindet, hatte jedoch dem Vorsitzenden der Gesellschaft, Geheimen Ober-Regierungsrath Spinola, die Mittheilung zugehen lassen, daß es ihm leider nicht möglich, zur Zeit nach Berlin zu kommen. An seiner Stelle hielt Di. Krüger vom hiesigen physiologischen Institut, welcher mit den Forschungen Hofrath Dembo's genau vertraut ist, einen Vortrag über die hy g ienis ch e Bedeutung der verschiedenen Schlachtmethoden. Der Vortragende verwies zunächst auf den Vortrag, den Hofrath Dembo 1889 auf dem hygienischen Congreß über die verschiedenen Schlachtmethoden gehalten, in Folge dessen vom Congreß eine Commission eingesetzt wurde, welche die jü d ische Schächtmethode einer eingehenden Prüfung zu unterziehen hatte. Nach viermonatlicher Thätigkeit erstattete diese Commission ihren Bericht dahin, daß sie keine Ursache gesunden, die jüdische Schächtmethode für schlecht zu halten. Hofrath Dembo hielt die Ausgabe, die beste Schlachtmethode zu erforschen, aber für so wichtig, daß er ganz Europa durchreiste, die verschiedenen Schlachtmethoden studirle, Gutachten von praktischen und wissenschaftlichen Sachverständigen entgegennahm und selbst Schlachtversuche mit nachfolgender Obduction an Kaninchen, nach den verschiedenen Schlachtmethoden, vornahm. Die Versuche und Resultate Dembos haben auch zu Versuchen und Untersuchungen auf dem hiesigen städtischen Schlachthof und im hygienischen Institut geführt, und unternahm es der Vortragende, die gewonnenen Resultate wissenschaftlich zu begründen. Seinen Ausführungen entnehmen wir, daß diejenige Schlachtmethode die beste ist, bei welcher die Todesstarre am ehesten eintritt und am längsten andauert. (Wissenschaftlich ist die „Todesstarre" diejenige Zeit, innerhalb deren das Fleisch der geschlachteten Thiere fest und genießbar und nicht in Fäulniß übergehend bleibt.) Je blutreicher geschlachtetes Fleisch ist, um so eher ist