Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 26 (29.6.1894)
- Date
- 1894-06-29
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 3 6 VrkrrrrichUchr wochenschrM Sette 515 mit Rücksicht auf die Unstatthaftigkeit und den Umstand, daß die Demonstration auf die jüdischen Sommerfrischler verletzend wirken muß und geeignet erscheint, die Eintracht in der Bevölkerung zu trüben, diese Placate zu entfernen. Bisher ist dies nicht geschehen und habe ich diesfalls bei der General- Direction der k. k. Staatsbahnen Beschwerde erhoben. Wien, 22. Juni. Der humanitäre Geselligkeitsverein „Rudolfsbund" veranstaltet am 30. Juni d. M. in Rudolf Schneidens II. Cafehaus im k. k. Prater unter Leitung seines Obmannes Josef Pollak, F. Pollak & Neuron, eine Wohlthätigkeits-Akademie unter Mitwirkung hervorragender Kunstkräfte, verbunden mit Tanzkränzchen und Juxbazar. Da ein Herren- und Damen-Comite große Vorbereitungen treffen, so verspricht dieses Sommerfest sich ebenso angenehm als gemüthlich zu gestalten. Baden bei Wien. (Antisemitische Wahlen.) Wie aus Baden gemeldet wird, wurden bei den gestrigen Gemeindewahlen des dritten Wahlkörpers fämmtliche Antisemiten mit großer Majorität gewählt. Wenn die Schlappe im zweiten Wahlkörper nicht gutgemacht wird, erhält der Curort Baden eine antisemitische Gemeindevertretung. — Aus Mödling wird telegraphirt: „Wie vorauszusehen war, gingen aus der Wahlurne gestern spät Abends fämmtliche antisemitische Candidaten des dritten Wahlkörpers hervor. Die Agitation der Liberalen war eine sehr laxe." Czernotvitz. Zum Rector der hiesigen Universität wurde Herr Professor Dr. Alois Handel gewählt. Lemberg. In Lemberg ist der bekannte Wohlthäter, Censor der galizischen Landesbank und Nationalbank, Handelskammerrath und langjähriger Kaufmann für Holz-Industrie, Jacob Meyer Klarfeld, gestorben. Budapest. (Dem Berichted er hiesigen Chewra- K a d i s ch a) pro 1893 ist die erfreuliche Thatsache zu entnehmen, daß dieser segenbringende Verein eine lobenswerthe Thätigkeit entfaltet. Im Berichtsjahre wurden unter dessen Assistenz 2138 Todte rituell bestattet. Nach 427 erwachsenen Verstorbenen und 226 Kindern wurden die Bestattungsgebühren aus Vereinsmitteln vollständig geleistet, bei 174 Erwachsenen und 116 Kindern die Gebühren zur Hälfte, respective ein Drittel eingehoben und bei 500 Erwachsenen und 695 Kindern überhaupt keine Gebühren eingehobsn, so daß aus diesem Titel der Chewra- Kadischa 20.816 fl. Spesen erwuchsen. Galgöez, Ende Juni. Nach mehreren Jahren statteten die Gebrüder Adolf und Antony Wallach aus New-Dork ihrer Vaterstadt und hiesigen Verwandten wieder einen Besuch ab und waren der Gegenstand von mehrfachen Ovationen, denn der Wohlthätigkeitssinn des Brüderpaares muß die Hochschätzung eines jeden Menschenfreundes ihnen zuwenden. In den 40er Jahren kamen die Herren Wallach als vermögenslose aber tüchtige Goldarbeiter nach Paris und anderen großen europäischen Städten und dann durch eine Verkettung von Umständen nach New-Jork, wo dieselben eine Goldkettenfabrik errichteten und durch unermüdlichen Fleiß es zu einer angesehenen Stellung im gesellschaftlichen und finanziellen Leben ihrer zweiten Heimat brachten, ohne an ihr Geburtsland und ihre Vaterstadt zu vergessen. Horrend sind die Summen, welche jährlich von diesen Philantropen an arme Verwandte, Nothleidende, Wohlthätigkeits- und Culturvereine nach Ungarn, Palästina und überhaupt an bedürftige, wenn auch entfernte Verwandte abgesendet werden. Aber auch viele Nichtjuden hier und anderwärts werden oft bedacht. Bor zwei Jahren erhielt die hiesige Gemeinde von den Herren Wallach 5000 fl. zum Tempelbau. Als es letzten Sabbath bekannt geworden, daß die amerikanischen Gäste den Tempel besuchen werden, da lockte dies viele dahin, welche sonst nicht zu sehen sind. Die Herren bedachten beim Aufrufen zur Thora alle hiesigen Vereine, die Cultusbeamten, Volksschule mit ansehnlichen Spenven. Natürlich an die Armen der Gemeinde ohne Unterschied der Confession wurde in erster Reihe gedacht. Aufsehen erregte der kostbare Gebetmantel des Herrn Antony Wallach, welchen derselbe von der portugiesischen Gemeinde in Jerusalem erhielt, als Anerkennung für die segensreiche Thätigkeit, welche Herr Antony Wallach im Interesse dieser Gemeinde entfaltet. 2l. Wosant bei Tachau, 19. Juni 1894. Von einem großen Unglücke wurde das Dorf Wosant durch einen großen Brand, dem 12 Bauernhöfe nebst Wirtschaftsgebäuden und Ausgedinghäuseln zum Opfer fielen, am 19. d. M. abermals betroffen. Unter den Abbrändlern ist besonders der Handelsmann Leopold See, vulgo Schalkenstein, hart betroffen, indem derselbe schon vor 20 Jahren, wo ein Brand das über 40 Nummern zählende Dorf gänzlich einäscherte und H"rrn See um seine Habe brachte, großen Schaden erlitt. Bei einem zweiten Brande im Jahre 1888 erlitt derselbe durch die nothwendige Räumung seiner bedrohten Wohnung abermals Schaden. Ein dritter Brand im September 1893 betraf ihn wieder, und da er sich von diesen Unglücksfällen noch nicht erholt hatte, brachte der Brand vom 19. d. M. ihn dabin, diesen Weg zu betreten, um edle Menschenfreunde um eine Unterstützung zu bitten. Bemerkt muß werden, daß der Mann über 30 Jahre in Wosant stets nur in der Miethe wohnt und sich allgemein eines guten Rufes bei Christ und Jude erfreut. Selbstverständlich mußte er nach jedem der vier Brände ein anderes Quartier nehmen und bewohnte seit dem Brande vom September v. I. die Stube gemeinschaftlich mit dem Besitzer des Hofes. Ferner leidet Herr See seit einer Reihe von Jahren an einem unheilbaren Leiden, das ihn ununterbrochen an das Haus fesselt und nur der zärtlichsten Pflege seiner Frau und Tochter verdankt er sein kümmerliches Dasein. Das Rabbinat in Tachau ist bereit, gütige Spenden entgegenzunehmen. Neutra. (Von der israelitischen Volksküche.) Hier ist eben der sechste Jahresbericht erschienen, gemäß welchem während der Wirksamkeit dieses humanitären Vereines an 105 Tagen 9605 Arme, und zwar 4842 Schulkinder und 3911 Erwerbsunfähige gratis, ferner 852 Personen für je 10 Kreuzer gespeist wurden. Die Einnahmen betrugen im Berichtsjahre fl. 1321°85, die Ausgaben fl. 921'50. Leitomischl, 19. Juni. Se. Ehrwürden Dr. Abraham Kohn, Rabbiner in Königgrätz, beging am Montag den 19. Juni, Sivan 3, sein 70. Wiegenfest. Zwar wollte er diese Feier auf den engsten Familienkreis beschränkt lassen, trotzdem wurde er von Nah und Fern beglückwünscht und beschenkt. Zumeist waren es seine einstigen Schüler, welche als Hof- und Gerichtsadvocaten, als Landesadvocaten und Aerzte, als Professoren und Lehrer, wichtige Stellen bekleiden, welche sich an ihren einstigen Jugendlehrer erinnerten und mit Depeschen und Geschenken Lebenszeichen von sich gaben. Von den Mittelschulen in Königgrätz, Pardubitz und Chrudim waren theils Deputationen, theils Beglückwünschungsschreiben angelangt, um ihre Dankbarkeit ihrem Lehrer zu erweisen. Auch viele nichtjüdische Gymnasialdirectoren und Professoren stellten sich mit ehren Gratulationen ein. Da die Feier blos im engsten Familienkreise stattfand, war die Königgrätzer Cultusgemeinde erst in den späten Nachmittagsstunden, nachdem sie es erfuhr, in einer Deputation erschienen. Von der Beliebtheit des Jubilanten zeigen die Ehrenämter, die ihm hier in Königgrätz von der nichtjüdischen Bevölkerung zu Theil geworden sind. So ist er seit einigen Jahren Beirath des k. k. Bezirksschulrathes, Ausschußmitglied des Beamtenvereines u. s. w. Prag. Der jüdisch - nationale Studenlenverein „Maccabän" hielt Samstag den 16. d. M. seine 2. ordentliche Generalversammlung ab. Nachdem der scheidende Obmcnn Herr teeb. eand. Kraus die zahlreich erschienenen Gäste begrüßt und dem um den Verein wohlverdienten Herrn Chem. Assist. Lewin das Ehrenpräsidium übertragen hatte, gab er einen klaren Bericht über die im letzten Semester entfaltete Thätigkeit des Vereines. Der Berichterstatter wies auf den bedeutenden Zuwachs der Mitglieder, die Vermehrung der Bibliothek und oes Dereinsvermögens hin und erwähnte, daß de'' Verein besonders nach innen erstarkte, und zwar durch regelmäßig abgehaltene Vorträge und die daran sich schließenden Discussionen. Hievon seien hervorgehoben : „lieber die jüdische Nationalität" (Herr Obew. .Assist. Lew in), „Referat über die Broschüre des Herrn Dr. N. Birnbaum" (Med. Sachs), „Die Entwicklung der jüdisch-nationalen Idee" Mecl. Münz», „Juden und Israeliten, eine Parallele" (Med. Gutmann), „Ist die jüdisch-nationale Bewegung reactionär" (teeb. cand. Kraus), „Das jüdische Recht ist dem römischen snxerior" (Jur. Bondy) u. A. m. Vorliegender Bericht, sowie der des Cassiers, Bibliothekars und Schriftführers wurde genehmigt. Erfreulich ist die Thatsache, daß die erhabenen Tendenzen des Vereines, trotzdem man sie zu discreditiren versuchte, dennoch allmälig sich Bahn brechen und sowohl in den Herzen der jüdischen Studentenschaft wie der Prager jüdischen Gesellschaft überhaupt Wurzel zu fassen beginnen. Nach Erledigung der freien Anträge schritt man zur Wahl, die folgendes Resultat ergab: Obmann: M. U. C. Julius Weiß; Obmann-Srellvertreter: tech. caud. Julius Kraus; 1. Schriftführer: Jur. F. Bondy; 2. Schriftführer: Med.