Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-06-29 · 26 (29.6.1894) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
26 (29.6.1894)
Date
1894-06-29
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021007-3021034--03637-3027783
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 514 Vesterreichrfche Wochenschrift Nr. 36 Kolomea, den 22. Juni 1894. Der um die hiesige Schule hochverdiente Obmann des Local-Comites der Baron Hirsch- Stiftung, Herr Dr. Milgrom, veröffentlicht in der »Gazeta Kolanyjska« vom 20. Juni l. I. Nr. 49 folgende Berichtigung: Geehrte Redaction! Zu meinem nicht geringen Erstaunen habe ich in dem Leitartikel der letzten Nummer der geehrten „Kolomeaer Zeitung" den dem Curatorium der Baron Hirsch- Stiftung gemachten Vorwurf gelesen, daß dasselbe Germanisationszwecke im Lande verfolge und dies aus Grund eines angeblich an die Lehrer ertheilten Auftrages, daß dieselben die auf der Conferenz in Stanislau zu besprechenden Themen in deutscher Sprache bearbeiten sollen. Als Obmann des hiesigen Comites der Stiftung kenne ich genau die Verhältnisse der Stiftungsschulen und fühle mich verpflichtet, die angeführte Information, welche der Wahrheit nicht entspricht, zu berichtigen. Das Curatorium übt keinen Einfluß auf die Erziehung der Jugend, welche durchaus unter Aufsicht des Local-Comites steht; die Vortragssprache in allen Stiftungsschulen ist ohne Ausnahme die polnische. Das Curatorium correspondirt überhaupt nicht mit den Lehrern direct, sondern vermittelst der Localcomites, welche sämmtliche Schulangelegenheiten in polnischer Sprache erledigen und dies auch von den Lehrern verlangen. Indem das Curatorium die Stiftungsschullehrer zur allgemeinen Conferenz nach Stanislau berief, hat es keineswegs dieselben beauftragt, die Themen in deutscher Sprache zu bearbeiten, im Gegentheil: der erste Punkt der Tagesordnung ist auch der Behandlung der polnischen Sprache in den Stiftungsschulen gewidmet. Wir hegen die zuversichtliche Hoffnung, daß die Stiftungsschulen, indem sie die Jugend zu nützlichen Bürgern heranbilden, dem Lande gute Dienste leisten, und was speciell unsere Stadt anbelangt, ist der Fortschritt in dieser Richtung seit dem Bestände der Stiftungsschule ein bedeutender. Die löblichen Schulbehörden haben es wiederholt eingesehen und die oberste Landesschulbebörde hat beim k. k. Cultus- und Unterrichtsministerium das Oeffentlichkeitsrecht für unsere Schule erwirkt, welches dasselbe vermittelst Rescriptes vom 30. Juni 1893, Z. 10.657 ertheilte. Anläßlich der letzten Visitation hat sich der k. k. Schulinspector Herr Urbanski von der schweren, emsigen und fruchtbringenden Arbeit des hiesigen Lehrkörpers überzeugt und der k. k. Bezirksschulrath sah sich veranlaßt, folgendes Schreiben an die Direction zu richten. Z. 972. An die Leitung der Baron Hirsch-Stiftungsschule in Kolomea. Infolge des Berichtes des k. k. Schulinspectors über die Visitation der dortigen Schule erachtet es der k. k. Bezirksschulrath als angenehme Pflicht, in erster Reihe dem Schulleiter, dann dem ganzen Lehrkörper seine Anerkennung für die pflichteifrige Thätigkeit, die Sorgfalt um die Entwicklung und Gesittung der Jugend, wie auch für die Erzielung sehr guter Erfolge in fast allen Unterrichtsgegenständen auszudrücken. Vom k. k. Bezirksschulräte Kolomea, den 26. April 1894. Der Vorsitzende: Statthaltereirath und Bezirkshauptmann Bankowski m. p. Ich habe Sie, Herr Redacteur schon wiederholt ersucht, sich selbst von der gewissenhaften Thätigkeit der Lehrer und der Ordnung, die in jeder Beziehung in der Schule der Baron Hirsch- Stiftung herrscht, zu üb erzeugen und wiederholedieseBitte abermals, indem ich noch ersuche, die löbliche Redaction wolle die in der vorigen Nummer enthaltene ungerechtfertigte Beschuldigung berichtigen und in Zukunft Informationen, betreffend die Stiftungsschulen, bei ihren im Lande befindlichen Organen einholen. Für das Local-Comite der Baron Hirsch-Stiftung: Dr. Milgrom. VerMcktes. Wien. (Trauung.) Sonntag den 1. Juli l. I., präcise 2 Uhr Nachmittags, findet im Hause I., Bauernmarkt 7 die Trauung von Frl. Emma Simon, Tochter des Vicepräsidenten der ijrael. Cultusgemeinde und Gemeinderathes Herrn Gustav Simon, mit Herrn Carl Weiner statt. Wien. (Trauung.) Dienstag am 10. Juli l. I., Vr4 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel I., Seitenstettengasse, die Trauung des Sectionsrathes im k. k. Handelsministerium Herrn Camill K u r a n d a mit Fräulein Else E n gl a e n d e r, Tochter des Herrn Carl Englaender statt. Wien. (Von der Polizei.) Der Minister des Innern hat im Stande der Wiener Polizeidirection die Polizeicommissäre Dr. Siegfried Wilhelm Robitschek und Dr. Adolf Rosenbaum, zu Polizeiobercomniissären ernannt. Wien, den 24. Juni. Heute wurde Frau Rosa Heim, Gattin des Herrn Ignatz Heim, Kaufmann in Wien, zu Grabe getragen. Die Verblichene, welche sich durch einen religiösen Sinn und Herzensgüte auszeichnete, entstammte einer sehr angesehenen espagnolischen Familie; sie war eine Enkelin des seligen Herrn Rabbi Josef Lewi, Oberrabbiner der portugiesischen Gemeinde in Temesvar, der durch große talmudische Gelehrsamkeit, Frömmigkeit und Wohlthätigkeit sich hervorthat. Se. Ebrwürden Herr Rabbiner Dr. S. Gelbhaus hielt in der Leichenhalle die Trauer-Rede. Herr Ober-Cantor Kläger vollzog unter Assistenz des Herrn Cantor Pekarnik die gesangliche Function. Wien. Sonntag am 24. Juni ist hier einer unserer geachtetsten Mitglieder der isr. Cultusgemeinde Herr Jacob Kreißl nach langem und schweren Leiden im 65. Lebensjahre sanft verschieden. Der Heimgegangene war ein Mann von strenger Frömmigkeit, seltenem Gottvertrauen und dabei von einer milden, humanen Gesinnung. Er zählte zu den Gründern und eifrigsten Förderern der Talmud-Thora und erfreute sich einer großen Beliebtheit. Einer seiner Schwiegersöhne. Herr Dr. S. K o h n nimmt als Arzt eine bedeutende Stellung ein und war der letzte Trost und der Stolz des Verblichenen. Das Leichenbegängniß fand am 26. d. M. unter zahlreicher Betheiligung statt. Herr Rabbiner Dr. Schmiedl widmete dem Verstorbenen einen warm empfundenen Nachruf. Wien, 26. Juni. Unter zahlreicher Betheiligung von Freunden und Bekannten fand heute Vormittags auf dem Centralfriedhofe das Leichenbegängnis; der im Alter von 31 Jahren verstorbenen Frau Rachel Siederer statt. Nach den von Cantor Blatt mit Wärme zum Vortrage gebrachten rituellen Gesängen hielt Rabbiner Dr. Schniiedl die Trauerrede, in welcher er die so vorzüglichen Eigenschaften der Verblichenen in überaus gelungener Weise schilderte, ferner den jüdischen Sinn der Verstorbenen, der sich, obwohl sie erst zur Zeit ihrer Verehelichung diesen Glauben angenommen, in Allem und Jeden documentirte, da diese Frau ja die beinahe gänzliche Einrichtung des Bethauses „Liwias Chen", sowie zahlreiche Thora-Utensilien gespendet. Die Rede machte allenthalben tiefsten Eindruck. Der Vorstand des Bethauses „Liwias Chen", II., Obere Donaustraße 69, nächst der Stefaniebrücke, welcher der leider so frühzeitig ihrer greisen Mutter, dem in hervorragender Stellung befindlichen Manne, mit welchen sie durch mehrere Jahre in glücklichster Ehe lebte, sowie ihren ihr treu ergebenen Kindern Entrissenen durch den Obmann-Stellvertreter Emil Jelinek, den Herren Sal. Blodek, Ch. Ehrlich und S. Triger und mehreren Mitgliedern das letzte Geleite gegeben, hat die Verfügung getroffen, daß daselbst während des Trauerjahres Kadisch gesagt, sowie die vorschriftsmäßigen Gebete verrichtet werden. E. I. Wien, 24. Juni. Unter dem Vorsitze des Gemeinde" Präsidiums und im Beisein vieler Gäste fand heute in der hiesigen türkisch-israelitischen Volks- und Religionsschule die Jahresprüfung und Schlußfeier statt. Herr Director Emanuel Groag legte diesmal durch das hauptsächliche Prüfen der Kleinen seiner Schule seine besondere bewunderungswerthe Gewandtheit auf pädagogischem Gebiete auf's Neue dar. Es war geradezu stannenerregend, was die Kleinen alles zu Wege brachten. Aus der Religionslehre, der deutschen Sprache, dem Rechnen und der Heimatskunde, ja aus der Geschichte wußten diese Kleinen so Vieles mit wahrem Verständniß zu erklären und zu erzählen, daß sie die Zuhörer förmlich zur Begeisterung hinrißen. Zum Schluffe hielt Herr Director Groag eine ergreifende, höchst geistvolle Ansprache an die nunmehr austretenden Zöglinge, die unendlichen Beifall erregte. Mit dem Absingen der Volkshymne schloß diese schöne erhebende Feier und das Publicum wurde nicht müde, dem Director zuzujubeln und ihm zu danken für die Sorgfalt und Mühe, die er seit Jahren diesem Institute so hingebungsvoll und so selbstlos widmet. E. B. Wien. (Exportirter Antisemitismus.) Anfangs voriger Woche wurden an der Einfriedung des Weidlingau-Hadersdorfer Bahnhofes einige hundert Placate des antisemitischen Hetzorganes „Deutsches Bolksblatt" angeheftet. Hievon machte ich dem Stationsvorstand Anzeige mit der Bitte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.