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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-06-29 · 26 (29.6.1894) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
26 (29.6.1894)
Date
1894-06-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seire 510 Oestrrrrdtzifche Wochrnptzrist Nr. 26 nächst nur koscher geschlachtetes Fleisch essen und außerdem dürften sie erst recht kein Fleisch essen, welches über Sabbath gelegen, sie müßten vielmehr dieses Fleisch zum eigenen Genüsse unbrauchbar machen, es verunreinigen. Wenn Sie nun die Güte haben wollten, im mosaischen Gesetzbuche sowie im Talmud nachzusehen, ob darin eine derartige Bestimmung für die Juden enthalten ist, oder auch mir Ihre hochgeschätzte Meinung in dieser Sache mittheilen zu wollen, so würde Ihnen hierfür sehr dankbar sein; auch wäre es gm, in dieser Sache ein objectives Urtheil den Leuten mittheilen zu können. In der Hoffnung der Gewährung meiner Bitte sage Ew. Hochwürden im Voraus meinen besten Dank und zeichne in aller Hochachtung * Ew. Hochwürden ergebenster gez. Karl Kersten. Burgwaldniel, II. Juni 1892. Seine Hochwürden Herrn Pfarrer Dr. Laakmann Wohlgeboren Tönisberg. Im Anschlüsse an mein Ergebenes vom 4 er. erlaube mir nochmals, Ew. Hochwürden um geff. Meinungsäußerung in der beregten Sache ebenso höslichst als ergebenst zu bitten, besonders da Ew. Hochwürden gefälliges Urtheil hierüber sehr erwünscht wäre und ich die Verpflichtung übernommen, ein solches, wenn möglich, zu erbitten. Im Voraus Ew. Hochwürden bestens dankend, verbleibe gefälliger Antwort gewärtig in aller Hochachtung Ew. Hochwürden ergebenster gez. Karl Kersten. Auf diese Briefe erfolgte eine Antwort, die in Abschriften alsdann im Städtchen verbreitet wurde. Eine dieser Ab-. schriften lautet wörtlich: „Um aus die am 5. dss. gestellten Fragen eine bestimmte Antwort geben zu können, hatte ich sie einer hervorragenden Autorität auf dem Judengebiete unterbreitet, war aber noch ohne Antwort, als Dein zweites Schreiben eintraf, welches nun meine Ansicht wissen will. Da machte ich mich sofort an die Arbeit, ein ziemlich günstiger Brief war fertig und schon im Couvert, da kommt das erwartete und erwünschte Schriftstück an. Mein erster Brief bleibt daher hier, und ich schreibe Dir einen neuen. Ich lese: Verunreinigung der Speisen, ist das Geringste, was die Juden uns anthun. Sie weisen uns gerne Nahrung zu, Fleisch, das mit Excremente besudelt und dann mit einem Eimer Wasser, um nicht erkannt zu werden, gesäubert wurde. In Mähren ertappte man voriges Jahr einen Juden verübend und zwang ihn den Abortstoff mit der Zunge von dem geschlachteten abzulecken. Ich habe auch sonst von Verunreinigung wohl gehört, hätte ich geglaubt, daß die Waldnieler Juden sie am Fleisch verübten, so hätte ich sicher nie von ihnen bezogen, freilich habe ich mich, fo lange ich selbst dort Haushaltung hatte, fast nur an Christen gehalten, aber nicht deshalb, weil ich glaubte, die dortigen Juden hätten das geschlachtete vorher besudelt. Ich beschuldige dieselben weder, noch spreche ich sie frei. Die Juden besonders auf dem Lande und am Rhein machen gegenwärtig unliebsame Erfahrungen. Möchten sie dieselben benützen, daß .an maßgebender Stelle, das gemeingefährliche Treiben vieler Juden, namentlich auf dem Gebiete der Presse und ihnen Einhalt geboten würde. Ob die Juden üben, was im Talmud steht, das kann man am Ende nicht immer beweisen, aber die Judenpresse und ihr Treiben sind erkennbar und fordern zur Abtvehr heraus. Was thut der maßgebende Jude? In allen Wipfeln ist Ruh', es bleibt die rohe freche gottlose Hetze gegen alles Christliche besonders Katholische. Wier wollen uns doch nicht von den hergelaufenen Semiten mißhandeln lassen, ohne den Mund aufzuthun. Wenn wier uns wehren, so ist das nur vernünftig und nothwendig. Der Jude dringt sich anmaßend in Alles hinein, und er findet da wier sein Gebahren sehen, bei uns nicht viel Vertrauen. Er wird cs sich gefallen lassen müssen, wenn wier die gesetzlichen Mittel zu unserem Schutze anwenden. Natürlich will ich nicht behaupten, es gäbe gar keine gute Juden. Doch wier wollen hier nicht die ganze Judensrage behandeln, die von Dir vorgelegte Sache dürfte hiermit erledigt sein, so weit wier sie erledigen können/' Aus diesem Briefe hat natürlich die dortige Bevölkerung herausgelesen, die Juden besudeln das für Christen bestimmte Fleisch. Die Leute glauben daher theoretisch bereits jetzt daran; aber auch die praktische Verwerthung dieses Glaubens trat schon in dieser Zeit ein. Gleichfalls m jenem Frühjahr wurde in einer Wirthschaft zu Anrath, das in der Nähe von Burgwaldniel liegt, von einem Manne erzählt: „Er habe gesehen, wie Bertha Servos, eine Jüdin, die Tochter der Ww. Servos, die Fleischvorräthe ihres Ladens in der Nacht von Freitag auf Samstag mit dem Nachttopf begossen habe. Die Mutter hat geleuchtet." Darauf strengt die Servos, die in ihrem Geschäft schwer geschädigt wurde, einen Proceß an, aber schließlich glaubt Niemand an die Sache; man kauft wieder nach wie vor bei der Servos, so daß diese auf Andringen einer Kundin von der weiteren gerichtlichen Verfolgung Abstand nahm. Einen anderen Ausgang hatte ein anderer Proceß. Im nämlichen Frühjahr hatte der Anstreicher Franz Schlenkert zu Krefeld, der Mitglied des dortigen antisemitischen Vereines ist — und Krefeld liegt auch in nächster: Nähe — einer Frau Winkelmann, als sie bei der Witwe Meyer, der Inhaberin einer Metzgerei in Krefeld, Fleisch holen wollte, erklärt, das solle sie nicht thun; das Fleisch, welches über Sabbath hängen bliebe, würde in jenem Geschäfte in der üblichen Weise verunreinigt. Schlenkert wird verklagt; in der öffentlichen Sitzung des Amtsgerichtes kam folgender Vergleich zu Stande: „Der Beklagte erklärt, daß ihm keine Thatsachen bekannt sind, welche die Annahme der Wahrheit der ihm zur Last gelegten beleidigenden Aeußerung ' rechtfertigen könnten, er nimmt deshalb die Aeußerung zurück, verpflichtet sich, an die Armenverwaltung der Stadt Krefeld zu Händen des Rechtsanwaltes Dr. Simon, 20 Mark Buße zu zahlen und die Kosten des Verfahrens zu tragen." Actenzeichen des Amtsgerichtes Krefeld B 40/92: Meyer, c. a. Schlenkert. Dieser Schlenkert figurirte überdies als Drucker der antisemitischen Zeitung „Deutsch" in Krefeld. Nachdem das Urtheil in Cleve gesprochen war und ich auf den Proceß aufmerksam geworden, veranlaßte mich das Interesse für diesen in so vieler Beziehung typischen Fall, das soeben mitgetheilte weitere Material mit Hilfe rheinischer Freunde zusammenzubringen. Dieses Material gibt nun erst den entsprechenden Hintergrund für die Zeugenaussagen im Proceß Bonn. Diese lauteten nach der Zeitung „Deutsch": „Die meisten Zeugen bestätigen auf Befragen des Bertheidigers,. daß sie die von dem letzteren immer wieder erwähnten Briefe vom 4. Juni 1892 und 11. Juni 1892 gekannt hätten. Ein Zeuge behauptet, daß durch diese Briefe und die Reden des Dr. König und Dr. Danneil allerdings eine arge Verhetzung im Kreise stattgefunden habe. An vielen Ecken und Häusern hätte man Inschriften entdeckt: „Die Juden besudeln Fleisch rc." Viele Kinder hätten sogar die Juden auf der Straße belästigt..." Und auch der Bürgermeister bestätigt: „Gewiß, von den Briefen habe id> gehört, doch von den anderen Dingen habe ich nichts verspürt." So sah es also in Burgwaldniel und der dortigen Gegend aus. Nicht zuerst hat man einen Beweis dafür, daß die Juden scheußliche Rohheiten verüben, sondern zuerst glaubt man daran auf Grund der antisemitischen Ausstreuungen. Einzelne Individuen behaupten sogar, sie wüßten dergleichen genau oder hätten es gesehen; diese müssen dann freilich zurückweichen mit ihren Angaben; und erst nachdem jener Glaube sich festgesetzt hat, stellt sich auch „der Beweis" ein. Aber auch dieser „Beweis" kommt nur auf einem Umwege zu Stande. Nicht die beiden späteren Zeugen sind zunächst die Angreifer. Auch diese Zeugen erzählen nur im Städtchen die Mordgeschichte herum; und nun erheben die Bonn's, sehr i schlecht berathen, nicht etwa gegen die Urheber der Gerüchte Klage, vielmehr gegen die Weiterverbreiter. Die Weiterverbreiter treten den Wahrheitsbeweis an und schlagen ihre Gewährsleute als Zeugen vor; Winterscheidt und van Treek, die somit festgenagelt sind, schwören, und die Bonns werden abgewiesen. Hierauf schlägt die antisemitische Presse Lärm und weist immer darauf hin, daß die Staatsanwaltschaft noch nicht eingeschritten sei. Die schreitet schließlich ein und im neuen Proceß, der sich jetzt gegen die Bonns abspielt, beschwören die Zeugen erneut, was sie schon einmal beschworen hatten. Ist jeder Gedanke daran ausgeschlossen, daß es sich in diesem Falle um eine individuelle, plötzlich in die Erscheinung tretende Rohheit handelt, so mußte der Gerichtshof, um ein i Fundament für die That zu schaffen, sein Hauptaugenmerk

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