Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 26 (29.6.1894)
- Date
- 1894-06-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3020846-3021007-3021034--03628-3027774- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 26 Vrprrreirtzlphr Worhrnschrtfl Sette 505 und hochinteressanten Producte der Firma. Herr Lauterbach machte in fesselnder Weise den Cicerone, erklärte die Gewinnung des Paraffins und Ceresins aus Erdwachs und Rohöl kurz und plastisch, die Fabrication von Benzin, Maschinölen, Lederfetten. Die Darstellung erweckte das Interesse des Erzherzogs, ohne selben zu ermüden. Bei der Vorführung der zahlreichen Kerzensorten Phöbus, Alabaster, Tunkkerzen, äußerte der hohe Besuch sichtlich wohlgelaunt und angeregt zu dem alten Herrn Lauterbach, er erinnere sich noch ganz genau an die alten Talglichter, „Schusterkerzen" genannt, auf die großen Fortschritte hinweisend, die seitdem auf diesem Gebiete gemacht wurden. Herr Lauterbach dankte in warm empfundenen Worten für die Ehre, welche dem Etablissement widerfahren, und fügte hinzu, daß dieser Tag, nächst demjenigen, an welchem Se. Majestät höchstselbst im Jahre 1880 die Fabriken besuchte, zu den schönsten in der Chronik des Hauses zählen werde. F. * _ * Gelegentlich des corporativen Besuches der Reichsrathsabgeordneten erregte die Ausstellung von Gerätheu und alterthümlichen Stoffen aus israelitischen Synagogen deren Interesse. Es ist das erstemal, daß eine solche Ausstellung veranstaltet wurde. Sie läßt erkennen, welche reichen Kunstschätze sich von alter Zeit in der Synagoge erhallen haben und welcher hohe Werth ehemals auf die Ausschmückung der Synagogen gelegt wurde. Man sieht Silber- und Goldgeräthe für die Thorarollen, Schilde für diese Rollen; auch sehr kostbare Borhänge — die 300—400 Jahre alt sind — für Bundesladen. Insbesondere sind die Kronen bemerkenswerth durch Ciselirung, getriebene Arbeit und mit dem Stichel ausgeführte Zeichnung, Email- und figuralen Schmuck. In einem Schilde — der kleinen Synagoge „ll'ore Zucliow“ angehörend — finden sich auch Menfchenfiguren, rituelle Verrichtungen besorgend. Die Stoffe der Vorhänge sind Genueser^ und Venetianer-Sammt und Seide, die Reliefstickerei und Geräthe Landesarbeit. Mit besonderemJnteressebetrachteten ExcellenzChlumecky, Graf Hohenwart und Exeellenz Vetter ein äußerst werthvolles Service, ein Rest einer alten, verloren gegangenen P o r z s l l a n-J n d u st r ie in Korzec, das einen Werth von 25.000 jT. haben soll. Sehr interessant sind auch die Leuchter und Luster in Messing und Bronce aus alten Synagogen. Die Abgeordneten ließen sich -von dem Director Lodzinsky, dem Cultusvorsteher und Reichsrathsabgeordneten Dr. Byk, Dr. Simon Schaff, Dr. Heinrich Gottlieb und Julius Hochfeld alle Details erklären und waren sehr befriedigt von dem Gesammteindrucke dieser Ausstellung. An dem Diner, welches Se. Excellenz Statthalter Graf Kasimir Badeni zu Ehren der Reichsrathsabgeordneten gab, nahm auch theil der Rabbiner und Prediger Dr. Caro, Vicevräsident des isr. Cultusrathes Reichsrathsabgeordneter Dr. Emil Byk, Cultusvorsteher Dr. Simon Schaff und Dr. Wilhelm Holzer. Bei der Prämiirung in öffentlicher Versammlung unter Vorsitz Sr. Durchlaucht des Fürsten Sapieha wurden den Biehausstellern oberösterreichischer und steirischer Mastochsen L121O Kilo — solches Gewicht kommt selten vor — Herren Goldfeld und Regenstreif aus Tysmenitze das Ehren-Diplom für vorzügliche Mästung und den Gutsbesitzern Dr. Heinrich Gottlieb und Moritz Wohlfeld für deren Simenhaler Nutz- und Viehzucht in Guvruck der Belobungsbrief, zwei silberne und zwei Broncemedaillen ertheilt. Biele Abgeordnete schenkten ihre Aufmerksamkeit der Exposition der seit 1836 existirenden Spiritus-Raffinerie des H. Perlberger's Sohn in Klasne bei Wieliczka, die jährlich 500 Waggon 99-Percentigen Spiritus und 1 Million Liter Rum und Liquern erzeugt. J. H. Der Salzproretz Kijanski. Lemberg, 16. Juni Ihren Lesern ist die große Action des galizischen L desausschusses wohl bekannt, welche dahin ging, daß der 2 schleiß des Sudsalzes in Galizien, welcher bis Mitte vori Jahres direct vom Staate verwaltet war. in die Berwalti des Landesausschusses gelangte. Es muß der Regierung m gesagt werden, daß sie sich lange gegen die Uebergabe Salzverschleißes an den galizischen Landesausfchuß hat, aber endlich dem Beschlüsse des Landtages, welcher geltend machte, daß hiedurch eine Verbilligung des Salzes im Einzelnverschleiß erfolgen wird, nachgab. Hunderte und Hunderte jüdischer Kleinhändler, welche sich durch den Salzverkauf kümmerlich ernährten, protestirten gegen diese „Action", sandten Bittschriften an das Finanzministerium, um das Begehren nicht zu bewilligen. Allein, da diese Geschädigten Juden waren, so sprach Niemand ein Wort zu ihren Gunsten; denn es galt „die Verbilligung des Salzes für die armen Consumenten". Die Verbilligung des Salzes ist zwar nicht eingetreten, vielmehr wurden von Zeit zu Zeit — freilich zumeist unterdrückte — Klagen geltend gemacht, daß in einzelnen Gegenden ein Salzmangel herrscht, welcher sofort eine erhebliche Bertheurung desselben bewirkte, es wurden Wünsche laut, zum alten Verschleißsystem zurückzukehren, aber dafür sind Hunderte jüdische Familien in Galizien brotlos geworden, um den theuren Preis des Defraudationsprocesses Kijanski. Die Verhandlung hat interessante Dinge zu Tage gefördert. Was früher Eingeweihten nur bekannt war, ist jetzt zur allgemeinen Kenntniß gelangt. Kijanski war es, dessen Kopf die Idee der Centralisirung des Salzverschleißes in Galizien enlsprang; er, der stets rechnete und sich zuletzt verrechnete, dachte in erster Reihe an seinen eigenen Bortheil. Als er den Plan der Centralisirung des Salzverschleißes faßte, war er ein ruinirter Mann. Die achtbare Stellung eines Finanzcommissärs batte er eingebüßt, er war gezwungen, den Staatsdienst, wo er sich nicht bewährte, zu verlassen, und für ihn war es eine Lebensfrage, sich eine neue Eistenz zu schaffen. Er bot sein Project der Galizischen Actien-Handelsgesellschaft an, welche sich desselben rasch und gerne bemächtigte, da ihr aus dem Monopol des Salzhandels in Galizien eine halbe Million jährlichen Einkommens winkte. Schon damals, als es hieß, die Handelsgesellschaft werde das Monopol erhalten und Kijanski ihr Hauptfaiseur sein, nahm dieser von den Salzhändlern, welchen im Falle, wenn ihnen der Verschleiß entzogen würde, der Ruin drohte, beträchtliche Summen, wofür er ihnen eine Verschleißlicenz in Aussicht stellte. Das war damals — vor etwa zwei Jahren — öffentliches Geheimniß. Als dann das Project der Handelsgesellschaft an dem Widerstande der Regierung scheiterte und der Landesausschuß es um den Preis von 2000 fl. erwarb und sich dessen mit besserem Erfolge bediente, zauderte er trotz dieser Gerüchte nicht, mit dem Projecte auch Kijanski zu übernehmen und ihn zum Referenten und Verwalter des im Juli 1893 neu creirten Salzbureaus zu ernennen. Zahlreiche Warnungen gelangten an den Landesausschuß, in welchen die Person Kijanski's gebührend charakterisirt wurde. Aber statt die Augen sich öffnen zu lassen, zog der Landesausschuß es vor, sich von seinem Glauben beruhigen lassen zu dürfen, daß die Warnungen pure Verleumdungen seien, welche von den früheren, in ihrer Existenz bedrohten Salzhändlern ausgehen. Der als Zeuge vernommene Landesausschußbeisitzer Thaddäus Romanowicz hat dies unumwunden eingestanden. Den Rest that die Protection, welche sich für Kijanski ins Mittel legte — und wer könnte hierzulande der Macht der Protection widerstehen? So wurde Kijanski fast unumschränkter Herr des galizischen Salzverschleißes, den er ja zum Monopol erhoben, den er geschaffen hat zum eigenen Frommen und Nutzen, er der Beglücker der Bauern, denen er aus Kosten der jüdischen Händler angeblich das Salz verbilligen wollte. Eine Katastrophe war unausbleiblich. Kijanski verkaufte uncontrolirt das Salz, nahm Geld in Empfang, wozu er nicht berechtigt war, führte es nicht ab, sondern gebrauchte es für sich — er hat übrigens Alles in der Lotterie verspielt — bis endlich im Februar dieses Jahres blos durch einen Zufall feine fraudulosen Manipulationen entdeckt wurden. Inzwischen sind rund 17.000 Gulden verloren, und den Schaden haben der Landesausschuß und eine Anzahl von Salzhändlern zu beklagen. Kijanski wurde zu zehn Monaten schweren Kerkers verurteilt. Das ist das vorläufige Ende der großen volksbeglückenden Action, welche keinen anderen Zweck hatte, als die armen jüdischen Händler um ihren Erwerb zu bringen. Eine antisemitische Comödie. Die geschätzten Leser dieses Blattes werden es uns nachfühlen können, daß es kein großes Vergnügen ist, sich mit Ahlwardt beschäftigen und gegen seine „Ideen" kämpfen zu müssen.