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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-06-22 · 25 (22.6.1894) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
25 (22.6.1894)
Date
1894-06-22
Page
– (sequence 16)
Language
German
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»WWW Seite 494 Oesterreichifche Wochenschrift Nr. 25 unter Theilnahme nicht blos der jüdischen Gemeindemitglieder, sondern auch zahlreicher Angehöriger der christlichen Consessionen statt und gestaltete sich zu einem glänzenden Zeugniß der Verehrung, welche die Verstorbene in den besten Kreisen unserer Stadt sich durch ihre seltenen Tugenden zu erwerben verstanden hat. Der einzige Sohn, Herr August Dux, der seit Jahren, wie einst sein Vater, an der Spitze unserer Gemeinde steht, darf der allseitigen Theilnahme an seinem unersetzlichen Verluste sicher sein. Er ist ein Mann von reicher Bildung, mit den besten Grundsätzen, in der ganzen Stadt geachtet und geehrt und von der wärmsten Hingebung an das Judenthum und die Angelegenheiten der Gemeinde erfüllt. Er hat auch vor Jahren einige Zeit im Seebade Sylt mit Ihrem berühmten Landsmanne, Dr. Josef Kopp, Umgang gepflogen. Möge er in seinem von Wohlthätigkeit und Aufopferung getragenen Wirken, durch welches er seinen Eltern das beste Denkmal setzt, Trost finden. S. Hamburg, 18. Juni. Das war eine große Trauer für Hamburgs Judenheit. Der langjährige Präsident der Deutsch-Israelitischen Gemeinde, Herr Philipp Louis Bauer, Seniorchef der berühmten Jndigofirma Gebr. Bauer und Comp., ist nach kurzem Leiden am 2. Tage Schabuoth kurz vor der Todtenfeier entschlafen. Mit ihm schied ein Mann von hoher Bildung und Herzensfrömmigkeit, ein tief poetisches Gemüth mit seltener Beredsamkeit, ein vornehmer Charakter voll Herz für alle Interessen des Judenthums. Lange Jahre im Vorstande des Israelitischen Tempelverbandes, führte er mit eigener Hand die Protokolle der Gemeinde, wirkte als Vorsitzender der Talmud-Thora-Realsch ule und als Präses der Israelitischen Töchterschule für die geistige Hebung der Schuljugend. Zahlreiche humanitäre Anstalten leitete er mit Umsicht und Geschick und erwarb sich den Namen eines edlen Führers und kaum erreichten Wohlthäters der Hamburgischen Judenschaft. An seinem Geburtstage, am 13. Juni, fand seine Bestattung statt, bei der die Honoratioren der Großkaufmannschaft Hamburgs, Vertreter von Kunst. Wissenschaft und alle religiösen Behörden der verschiedenen Richtungen zu sehen waren. Im Trauerhause hielt der langjährige Freund des Verblichenen, Herr Prediger Dr. Leimdörfer, mit thränen' erstickter Stimme die Leichenrede, die das Leben und Wirken Bauer's in Familie, Gemeinde, Tempel, Schule und Wohlthätigkeitsinstituten eingehend würdigte. Ein vielhundertstimmiges „Amen" folgte dem Segen, den der Seelsorger und Freund bewegten Herzens dem großen Manne nachrief. Am Grabe widmete noch Herr Dr. Seligmann namens der Verwaltung des Tempels einen warmen Nachruf. Möge Gott die schwergeprüfte große Schaar der Leidtragenden trösten! Am nächsten Sabbath soll im Tempel eine Seelenfeier für den hochverdienten Vorsteher stattfinden, bei welcher Dr. Leimdörfer die Gedächtnißrede halten wird. London. Die Königin von England hat Herrn Samuel Montagu in London zum Baronet ernannt. Der Abgeordnete Samuel Montagu ist ein streng religiöser Jude. Rom. Se. Majestät der König hat dem Senator Tullo Massurani. einem ebenso bedeutenden Dichter wie hervorragenden Politiker, xroxrio wota zum Groß-Officier des Maurizius- und Lazarno-Ordens ernannt. Constantinopel. Der Sultan hat zwei jüdische Aerzte mit hervorragenden Auszeichnungen bedacht. Der Hof-Oculist, Se. Excellenz Elias Pascha, erhielt den Groß-Orden des Medschidje-Ordens und Se. Excellenz Dr. Abraham de Castro Bey den Osmanie-Orden zweiter Classe. Beide hatten sich beim Auftreten der Cholera besonders verdient gemacht. Elias Pascha in seiner Eigenschaft als Mitglied der ad hoc eingesetzten Obersten Sanitäts-Commission und Dr. de Castro Bey als Chefarzt eines Krankenasyls in Scutari. Elias Pascha ist der erste Jude, welchem eine so hohe Auszeichnung zu Theil wurde; er ist zudem der erste jüdische Divisions-General in der Türkei. Washington. Im Repräsentantenhause wurde am 29. Mai ein Beschluß gefaßt, der besagt: Rußland, welches dem Rabbiner Krauskopf, einem Geistlichen Philadelphias, den Aufenthalt in Rußland nicht gestattet habe, möge seinen Verpflichtungen Nachkommen, sonst müßten alle vertragsmäßigen Verpflichtungen aufhören. Der Beschluß fordert zugleich den Präsidenten der Bereinigten Staaten auf, von Rußland zu verlangen, daß amerikanische Bürger dieselben Rechte haben, in Rußland zu reisen und sich dort aufzuhalten, wie es Russen in den Bereinigten Staaten haben. „Kol nidre.“ Erzählung von M. Büßgang in Falkenau. (Schluß.) Besonders bemühte sich Jekel, der hübsche Sohn, des Roschhakohols der Gemeinde, ihre Gunst zu erwerben. Fradel würde es als eine große Ehre angesehen haben, in diese feine Mischpoche ausgenommen zu werden, allein alles Werben prallte an dem Widerwillen der Nichte ab. Fradel war anfangs über den Widerstand Feigeles ärgerlich, denn nach der Landessitte, waren Mädchen in ihrem Alter schon längst verheiratet, doch dachte sie, daß es dem schönen, gefeierten Mädchen auch später an Freiern nicht fehlen würde, und drang nicht mehr in sie. Einmal kam Fradel, die in einem nahen Orte eine kranke Freundin besuchte, nach Hause, da hörte sie Feigelen ein bekanntes Gebet singen; es war dies das Lol märe von einer Violine wunderbar begleitet. Darin lag an und für sich nichts Wunderbares, denn Feigele saug oft und verstand sich selbst zu begleiten. Doch die Begleitung kam nicht aus dein Wohnzimmer, sondern dem benachbarten Hause, aus einer Hinterstube, deren Fenster offen waren und gegenüber dem Fenster von Feigeles Zimmer lag, dessen Fenster gleichfalls geöffnet waren. Sprachlos vor Erstaunen, hörte Fradel die erhabene Melodie des bekannten Gebetes, und Feigele sang es mit einer Innigkeit und Empfindung, die selbst ihre ganz unmusikalische Tante rührte. Die Begleitung aber war dem Gesänge so trefflich angepaßt, verschmolz sich mit diesem zu einem so harmonischen Ganzen, daß der Gedanke nahe lag, daß diese Uebung nicht zum erstenmale vorgenommen wurde. Noch vor Beendigung des Gesanges, schlich sich Fradel leise in's Zimmer ihrer Nichte und gerade in diesem Augenblicke verschwand in dem gegenüberliegenden Fenster die Gestalt eines jungen Mannes. Feigele aber stand mit tieferröthendem Gesichte und niedergeschlagenen Augen vor ihrer Tante. Was darauf folgte, kann man sich denken, erzählte mein Freund weiter; Fradel war außer sich vor Zorn und überhäufte Feigelen mit den denkbarsten Vorwürfen. Diese gestand, daß der junge Mann, Meschorer (Chorsänger) bei dem Gemeindechasen sei und ihre Aufmerksamkeit zuerst durch sein Violinspielen auf sich gezogen, und daß sie seitdem zusammen musicirten. Sie bat auch die Tante, ihr darüber nicht zu zürnen. Doch diese fuhr sie barsch mit den Worten an: „Hätte es wissen sollen, daß der Apfel nicht weit vom Stamme fällt. - Ich habe mir eingebildet, daß das Kind des herumziehenden Meschorers noch ein ordentliches Mädchen werden könne. Nun aber, Du Undankbare, muß das Gespiel und Gesang aufhören; beim ersten Ton, den ich höre . . . ." Schon wären ihr die Worte: mußt Du aus dem Hause entschlüpft, aber sie beherrschte sich noch zeitlich, denn sie kannte den Stolz ihrer Nichte. — Diese aber stand ganz erstarrt und bebend am ganzen Körper vor Erregung, denn der Name „herumziehender Meschorer" hatte sie tief verletzt und der ererbte Trotz war dadurch wieder wachgerufen worden. „Ich bin die Tochter des Meschorers und will auch nicht höher hinaus", sprach Feigele mit bebenden Lippen, die Musik hat mich mit ihm, sie zeigte nach den Fenster, zusammengeführt und treu bleib' ich ihm ewig. Du kannst mich verstoßen, aber meinen Entschluß ändert dies nicht!" Jetzt erst merkte Fradel, wie werth und theuer ihr das Mädchen sei und daß sie ohne dasselbe nicht leben könne. Sie sah ein, daß sie zu weit gegangen, und versuchte in Güte ihr begreiflich zu machen, daß ein armer Meschorer für sie nicht passe und daß sie bei Allem doch nur ihr Glück vor Augen habe. Feigele schwieg, sie wollte die Sache nicht auf die Spitze treiben und auf einen günstigen Zeitpunkt warten, ihre Tante zu ihren Gunsten zu stimmen. Fradel dagegen dachte der Sache „diplomatisch" ein Ende zu machen. Für den Augenblick trat wohl ein Waffenstillstand ein, doch das innige Verhältniß zwischen Tante und Nichte war gestört. „Um ihr die Liebe aus dem Kopfe' zu schlagen", trat Fradel mit ihrer Nichte eine längere Reise an. Als sie heimkehrten, wohnte Leib Bartl, so hieß der Meschorer, nicht mehr im benachbarten Hause und Feigele erfuhr, daß die Gemeinde dem sonst überall geachteten und beliebten jungen Manne den Posten gekündigt habe. Dagegen trat der Sohn des Roschhakohols mit seiner Werbung nun viel kühner auf, denn man munkelte

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