Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-06-22 · 25 (22.6.1894) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
25 (22.6.1894)
Date
1894-06-22
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021007-3021033--03614-3027759
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 492 Vefterrrichtschr Wochenschrift Nr. 25 vsraelitschen Cultusgemeinde, auf Grund des neuen Gesetzes, was hoffentlich in Bälde, geschehen wird, das Nöthige wegen einem mosaischen Religionsunterricht an der Volksschule in Gurahumora veranlaßt werden wird. Berlin. Sieben Privatdvcenten der hiesigen Universität sind soeben zu Professoren ernannt worden. Unter ihnen befinden sich Pharmakologe Dr. Louis Lew in, der seit 1881 eine reiche Lehrthätigkeit für Arzneimittellehre entfaltet und der Mathematiker Dr. Ludwig Schlesinger, ein O e st erreich e r von Geburt, der erst im 30. Lebensjahre steht. Dem Director der „Bank für Handel und Industrie", Rechtsanwalt Dr. jur. Rießer, ist der Rothe Adler-Orden vierter Classe verliehen worden. Dem durch seine langjährige, erfolgreiche Thätigkeit als Director des Vereines junger Kaufleute bekannten Herrn Oscar Goldschmiedt ist der Kronen-Orden IV. Classe verliehen worden. Herr Prof. Dr. Julius Lessing, Director der Sammlungen des Königl. Kunstgewerbe-Museums hat den Titel Geheimer Regierungsrath erhalten. Die Antisemiten unter sich. Dr. Schnutz veröffentlicht in Ahlwardt's Organ eine Erklärung, welche schließt: „Ich werde nach meiner Rückkehr der Welt zeigen, wcr Leuß ist und wie es geradezu unfaßbar scheinen muß. daß dieser Mensch angesichts des gegen ihn vorliegenden erdrückenden Belastungsmaterialcs noch auf freiem Fuße sich befindet." — An gegenseitiger Werthschätzung haben diese Retter der „teutschen" Ehre und Treue ihresgleichen mehr. Erwähnung verdient noch, daß nach der amtlichen Abstimmungstabelle des Reichstags der Abgeordnete Leuß bei sämmtlichen namentlichen Abstimmungen während der verflossenen Session gefehlt hat. Fs. Köln, 20. Juni. Ob es mein persönliches Pech ist oder ob dix. Erscheinung in der Natur der Sache begründet ist, ich mag es nicht untersuchen. Allein ich kann mir nicht Helsen, wo ich nach einem Antisemitenführer greife, da entdeckte ich stets einen dunklen Ehrenmann dahinter. Auch die Leuchte des Antisemitismus im benachbarten Mülheim am Rhein, Herr Apotheker Fabry, zeigt die Eigenschaften eines echten Antisemiten, daß er nämlich alle Untugenden besitzt, die er als specifisch jüdisch verdammt. An einem der letzten Sonntage fuhr er mit dem Dampfschiff von Köln nach Mülheim. In seiner Nähe saß eine junge Dame mit ihrem Bräutigam. In der Dunkelheit wagte nun der arische Sittenhcld, die Dame zu umarmen und thätlich zu beleidigen. Es entstand darüber eine solche Aufregung auf dem Schiffe, daß viele Herren drohten, an dem frechen Patron Lynchjustiz zu üben. Das Schiff mußte daher an Bord anlegen und den ungemüthlichen Fahrgast entfernen. Herr Fabry hat nun sein Examen als würdiger Antisemit glänzend bestanden, und es soll uns gar nicht wundern, wenn er nächstens über die Unsittlichkeit der Juden öffentliche Vorträge gegen 50 Pfg. Entree hält. Der „Staatsbürger-Zeitung", der Hauptfabrik für antisemitische Wahrheiten und arische Moral in Deutschland, möchten wir diesen Fall zum genauen Studium empfehlen. Sie war nämlich in der letzten Zeit über das Treiben gewisser Antisemiten moralisch entrüstet, vielleicht registrirt sie nun auch diesen Fall. Freilich glaubt Dr. Bachler, daß der „jüdische Geheimbund" diese verkommenen Subjecte besoldet, damit sie den edlen Antisemitismus corrumpiren. Das ist aber wahrlich nicht mehr nöthig, denn der ganze Antisemitismus ist die personificirte Corruption, die Carricatur einer politischen Partei, der gefährlichste, häßlichste, politische Schwindel. Eine Erklärung für das Berbrecherthum unter den Antisemiten? Die istbald gegeben. Eine Partei, die ihre Ideale auf den.wilden Leidenschaften der ungebildeten rohen Volksmassen aufbaut, die ihre Agitation durch Reizung der thierischen Instinkte betreibt, muß es sich schon gefallen lassen, daß die Verbrecher in ihren Leihen naturgemäß die ersten Plätze einnehmen. VernnMes. Wien. (Verlobung.) Fräulein Louise Schnabl hat sich mit Herrn Alfred Eisenberger verlobt. Wien. (Alexander Krakauer.) Aus Graz erhalten wir die Nachricht, daß der begabte und allgemein beliebte Liedercomponist Alexander Krakauer aus Wien dort plötzlich gestorben ist. Krakauer war erst 28 Jahre alt. Er wollte von Graz nach Gleichenberg zur Cur fahren; auf dem Grazer Staatsbahnhofe wurde er von .einem Blutsturze befallen und starb nach wenigen Minuten. Die Leiche wurde nach dem städtischen Spitale gebracht. Ein größerer Geldbetrag und die Effecten, welche sich bei dem Verstorbenen befanden, wurden von der Behörde in Verwahrung genommen. Alex. Krakauer tvar in dem letzten Lustrum einer der populärsten Liedercomponisten, dessen Lieder sich durch einschmeichelnde, wienerische Anmuth und leichte Gangbarkeit auszeichneten und rasch zu geflügelten Weisen wurden. Er war im Jahre 1866 in Komorn geboren worden, besuchte die technische Hochschule in Wien und sollte sich als Sohn eines wohlhabenden Fächerfabrikanten ursprünglich dem Geschäfte seines Vaters widmen. Er hatte jedoch dazu keine Neigung, ihn zog es vielmehr zur musikalischen Kunst, auf deren Gebiet er so schöne Lorbeer» ernten sollte. Krakauer erhielt von Kleinccke die Ausbildung auf der Violine, welches Instrument er vorzüglich spielte. Schon im Jünglingsalter begann er selbstständig zu componiren, und nach kurzer Zeit gelang es ihm, durch zahlreiche Compositionen allgemein bekannt und beliebt zu werden. Die Lieder „O du schöne Adelheid" und insbesondere „Mein Liebchen wohnt am Donaustrand", zu denen er, wie zu so vielen seiner Lieder, den Text selbst geschrieben hat, machten alsbald die Runde durch das musikalische Wien. Auch in seinen anderen Liedern wußte er durch innige gcmüthvolle Töne und die Zartheit seiner Compositionen sich die Herzen der Wiener im Sturme zu erobern. Er verfaßte auch ein Singspiel.: „Der Herr Franz", welches vor vier Jahren im Carl-Theater aufgeführt wurde, vou dem jedoch nur das Couplet „Du guater Himmelvater" sich einer allgemeinen und nachhaltigen Popularität erfreute. Mit P. Rivalier (Baron Pius v. Meysenbug) veröffentlichte er die musikalisch-parodistische Einlage „Eine moderne Ehe", die, vom Komiker Wittels im Carl-Theater gesungen, einer schwachen Posse zu wiederholten Ausführungen verhalf. Von seinen letzten Liedern, die gleichfalls als Einlagen auf der Bühne vorgetragen wurden, errangen „Das ist die wahre Liebe nicht" und „Gold und Silber" eine außerordentliche Popularität. Der junge Componist war von jeher brustleidend und mußte sich vor zwei Jahren nach Egypten zur Erholung begeben. In Abbazia, wo er, von Egypten zurückgekehrt, einige Wochen verweilte, wurde er bereits von heftigem Blutsturz befallen, doch erholte er sich wieder und wendete sich mit frischen Kräften der Composition populärer Lieder zu. Die unausgesetzte Arbeit schien seine Kraft angegriffen zu haben, denn er verließ vor wenigen Tagen Wien, um in Gleichenberg neuerliche Erholung zu suchen. Ein tragisches Geschick machte seiner schönen Laufbahn ein jähes Ende. Wien. (Vom Mainzer Schützenfest.) Unter den ersten, welche auf der Standscheibe sich Becher herausschossen, befand sich der Bankier Theodor Kantor ans Wien. Wien. (Ferienheim). An Spenden sind bei der Israelitischen Feriencolonie eingegangen: Director A. W. fl. 500 Kronenrente (als Stifter). Ignaz Fröhlich fl. 10, Paula Freund fl. 2, K. Duschnitz fl. 2. Benedict Hirschhorn fl. 15, Max Quittner fl. 10, Ignaz Abeles fl. 1, B. Landau fl. 10.— Ferner an Naturalspenden: Leop. Strauß: 1 Stück blaue Leinwand und Kleiderstoffe; Jenny Schur: 3 Stück Leinwand. 1 Stück blaue Leinwand; Sofie Grünfeld: 3 Paar Schuhe, 1 Bilderbuch, 12 Requisitentaschen; Bernhard Friedmann: 1 Stück Zephir; Leo Brandt: 1 Stück Canevas und 6 Polsterüberzüge; S. Heit: 100 Meter Gimpen und weiße Bärtl; Leop. Rosenzweig & Söhne: 2Dtz. Tricots; Jacob Ehrenwald: 1 Stück blauen Kleiderstoff; Wellisch. Frankl & So.: 3 Dutz. Zahnbürsten, 4 Dutz. Kämme; Herrn. Pollak's Söhne: 1 Stück Kleiderstoff; Sinai K Matzner: 7 Stück Tricots. 10 Stück Tricothosen, 6 Paar Strümpfe, 11 Stück Knabenkappen; Gottlieb Taussig: 20 Cartons Seife; Max Schiff: 12 Stück Sonnenschirme; Herm. Hofmann: 6 Stück Bettdecken; S. Heller & Sohn: 10 Stück Bettdecken. Wien, 13. Juni. Das „Berliner Tageblatt" von gestern theilt mit: Am 27. Juni begeht der Herr Rabbiner Professor Philipp von Heidenheim in Sondershausen seinen 80. Geburtstag in voller geistiger und körperlicher Frische. Gleichzeitig feiert der würdige Greis das sechzigjährige Jubiläum seines Wirkens in der hiesigen jüdischen Gemeinde. 45 Jahre war er Lehrer der fürstlichen Realschule und unterrichtete in Prima- und Secunda Mathematik, Geschichte, Literatur und deutsche Aufsätze. Ein Augenleiden zwang ihn vor einigen Jahren, dem Berufe als Lehrer zu ent-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.