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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-06-22 · 25 (22.6.1894) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
25 (22.6.1894)
Date
1894-06-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seile 490 Vrflrrretchiphr WortzenschrM Nr. 25 Erst der jüngsten Zeil war es Vorbehalten, auch hier Wandel zu schaffen. Man sollte doch meinen, Gottes herrliche Natur wäre groß und hätte Raum genug, daß alle Menschen, die im Ebenbilde Gottes geschaffen sind, daß Alle, die menschlich fühlen, zumindest im Anblicke der Erhabenheiten und Schönheiten, die uns Feld und Flur, Berg und Wald bieten, die Streitaxt begraben könnten. Nein, dazu darf es nicht kommen, der Antisemitismus bezieht seine Existenzberechtigung von Streit, Hader, Hetze und Kampf, die von der Residenz bis aufs Land verpflanzt werden müssen. Die antisemitischen Führer haben es wohl schon erreicht, daß in einigen Sommerfrischen eine Spaltung zu Tage getreten ist. Allein die Folgen waren so drastisch, daß dagegen seitens der Besonnenen sofort Remedur geschaffen wurde, freilich im eigenen wohlverstandenen Interesse, das unter dem antisemitischen Radau tief einschneidend litt; die an der Spitze gestandenen Hetzer wurden bei Seite geschafft und unschädlich gemacht. Die Ouerköpse, die an ihren Häusern oder Villen Ankündigungen mit „Wohnung nur für Christen zu vermiethen" prangen lassen, haben diese Wohnungen thatsächlich auch leer stehen. Der Antisemitismus wirkt wie Scheidewasser, er zerstört Alles und wirkt wie eine Centrifuge. Diese Bemerkung drängt sich den nüchternen Landbewohnern besser auf, als den vom Biernnd Weindusel verkommenen Radauantisemiten. Wir haben bisher auf die unfläthigen giftjauchigen Auslassungen der „Monatshefte" und „Staatsbürger-Zeitung" nicht reagirt und werden uns, um nicht mit diesen Unrath in Berührung zu kommen, auch weiters dessen enthalten: Rur aus Eines erscheint uns zur Charakteristik nothwendig, zurückzukommen. Die „Staatsbürger-Zeitung" empfiehlt zur Austreibung der Juden aus den Sommerfrischen das Halten, resp. Abonniren antisemitischer Zeitungen als unfehlbares „W an z e n m i t t e l". Ja, das ist des Pudels Kern, das „Abonniren antisemitischer Zeitungen", der niedrigste Egoismus muß als Aushängeschild dienen und wird dazu mißbraucht, Haß und Zwietracht zu säen und die Bürger eines Staates gegenseitig zu zu hetzen und sie in ihren Interessen aufs Empfindlichste zu schädigen. Eduard Beer. Berichtigung. Löbl. Redaclioi: der „Oesterr. Wochenschrift"! Bezugnehmend auf die in Ihrer letzten Nummer unter dem Titet: „Was man in Wien erleben kann" gebrachte Notiz bitte ich um Ausnahme nachstehender Berichtigung: Bor Allem bemerke ich, daß ich mich in politische und confessionelle Parteiungen niemals eingelassen und die beabsichtigte Abhaltung antisemitischer Versammlungen in meinem Locale nicht geduldet habe, verwahre mich insbesondere entschieden dagegen, als Antisemit zu gelten. Was den Vorfall am Sonntag den 10. d. betrifft, so weiß ich nur, daß im Garien, neben dem Musikpavillon zwischen zwei Tischgesellschaften ein Streit entstanden war. Ich hörte nachträglich, daß nier Studenten, nermuthlich Antisemiten, eine T i s ch g e se lisch a f t z u sticheln und mit i h r z u streiten begannen. Gegen 8 llhr Abends, als es regnete, drängten alle Eartenbesucher, darunter auch die im Streite begriffenen Parteien gegen den Saal, und ist es möglich, daß von den Studenten die Ausdrücke „I u d e n g e s i n d e l" und „Nieder mit den Juden" gebraucht wurden. Als das Gedränge arg wurde, wurde ich erst durch meinen Kellner Josef Hannikel auf den Auslauf aufmerksam gemacht. Ich eilte hinzu, in der Absicht Ordnung zu machen und hcwplscichlicy nur durch Abschließen der Saalrhür das Eindringen Neugieriger verhindern. Herr Liebel, der mir vis dahin unbekannt war, blieb trotz meines höflichen Ersuchens, die Thürc sreizuhalten, ostentativ stehen, worauf ich die Worte fallen ließ: „Was suchen Sie eigentlich hier? Entweder wollen Sie in den Saal, eintreten oder im Garten bleiben. Die Thür muß wegen der Passage frei sein." Hierauf erwiderte derselbe im barschen Tone: „Nachdem ich hier als Gast im Garten war, kann ich mich aujhalten, wo ich will." Ich replicirte: „Das ist nicht richtig, ich ersuche, meiner Aufforderung Folge zu leisten, nachdem sich durch das Stehenbleiben bei der Thür der Auslauf nur vergrößert." Ich wandte damit dem Herrn den Rücken, machte die Saalthnr von außen zu und wollte mich entfernen. In diesem Momente hörte ich wieder Lärm, drebte mich um und sah, daß der Zählkellner Karl Grub er dem jungen Alaun seinen Stock entwinden wollte. Ans meine Aufforderung, den Herrn in Ruhe zu lassen, erwiderte der Kellner, daß derselbe bei meinem Umwenden den Stock gegen mich erhoben hatte, was den Kellner veranlaßte, ihm diesen zu entwinden. Zeugen des Vorfalles bestätigen, daß Herr Liebel den Stock hinter meinem Rücken erhoben habe. Ich habe Herrn Lieb el nicht berührt, auch nicht beim Stock gepackt und nicht die Worte gebraucht: „Entweder hinein, oder hinaus, verlassen Sie sofort mein Local, hinaus Judenbub, hier werden keine Juden geduldet." Ich habe nur die oben angeführten Aenßerungen zu Herrn Liebel gemacht. Mein Local wird von zahlreichen Vereinen aus der Leopoldstadt benützt, und hat sich niemals ein Vorfall ereignet, welcher zu derBehauptung berechtigen könnte, daß ich nicht allen, meinen Gästen gegenüber mich in zuvorkommendster Weise benehme. Herr Liebel soll, wie mir erzählt wurde, von mehreren Gästen, jedoch nicht von meinen Bediensteten ans dem Garien in die Hcmptallee gedrängt worden sein, wo sich der Streit sortsetzte. Mir selbst ist dieser ganze Bvrsall sehr unangenehm, nicht blos weil derselbe in meinem Geschäfte eine Störung 'hervorgerufen hat, sondern auch weil die seitens des, Herrn Liebel gegebene Darstellung desselben geeignet sein könnte, mir eine Haltung znznmuthen, die mir vollständig ferne liegt. Ich habe durch meinen"Rechtsanwalt, Herrn Dr. Hugo Trenschiner die gerichtliche Klage eingebracht nnd sehe der Entscheidung ruhig entgegen. Hochachtungsvoll Rudolf Schneider. <$0rrapitttem. Wien. In Warnsdorf erscheint ein clericales Blällcheit unter dem Titel „Oesterreichische Volkszeitung", welches von dem Pater Ambros Opitz herausgegeben wird. Pater Opitz ist nicht nur ein fanatischer Antisemit, er weiß auch mit seinem Antisemitismus ganz nette Geschäfte zu machen. Seine Warnsdorser Hetzthätigkeit hinderte ihn nicht, sich in Wien eine Buchdruckerei zu errichten, als hier die antisemitische „Reichspost" gegründet wurde. Man sieht, der Mann ist vielseitig, sowohl in Bezug auf die verschiedenen Gewerbe, die er betreibt, als auch in Bezug auf den Ort, wo er sie ausübt. Da liegt nun vor uns die Nummer der „Oesterr. Volkszeitung" vom 8. Juni 1894, in welcher Herr Pater Opitz seinen Lesern ein sehr buntes Feuilleton vorsetzt. In einer Notiz plaidirt er für die Einführung separater Judencoupäs aus der Westbahn mit der Begründung, daß sich irgend wo und irgend wann einmal eine Judensamilie gegen die Mitreisenden rücksichtslos benommen habe. Die Namen werden selbstverständlich nach bewährtem Recepte verschwiegen. Die Geschichte ist aber eine jener vielen Lügen, deren man in der antisemitischen Presse zu Hunderten begegnet. Weniger harmlos ist eine zweite Notiz, in welcher Herr Opitz einem Müncher Blatte nacherzählt, daß in Ulm der Schächter Bernheim unter dem Verdachte des Knabenmordes verhaftet wurde. „Tanten, Tisza-Eßlar re. in zweiter Auflage", rustHerr Pater- Opitz aus, obwohl er selbst constatiren muß, daß die Juristen den Beweis der Schuld für nicht erbracht halten. Bernheim hat im Hause des Ermordeten öfters Gänse geschlachtet und man hat nun — wie wunderbar und verdächtig! — bei dem Schächter blutige Wäsche und eine blutbefleckte Packnadel gefunden. Die Leiche des Ermordeten weist rmzählige Suche aus, die aber nicht von der Packnadel herrühren; das eigentliche Mordinstrument ist noch nicht gefunden worden. Und trotzdem ist Bernheim verhaftet worden und Pater Opitz spricht von einer neuen Auflage von Tanten und Tisza- Eßlar! Der Vergleich ist ganz am Platze. Der Ulmer Fall gleicht dem Tantener und Tisza-Eßlarer wie ein Ei den: andern. Hier wie dort wird aus ganz haltlosen Jndicien eine Anklage construirt, für welche jeder Beweis fehlt, hier wie dort feiern Bosheit und Unverstand eine traurige Orgie. Der Schächter Bernheim ist so unschuldig, wie die Schächter Buschhof und Schars und er wird wohl bald wieder seinem ehrlichen Gewerbe nachgehen können. Dem Pater Opitz aber sollte doch endlich sein Handwerk gelegt werden.

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