Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 25 (22.6.1894)
- Date
- 1894-06-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 25 Vryrrreirhilrtzr Wochen lltzrisr 'Seite 487 Hemdchen nebst Kissen hervor, Sie beschuldigte nun den Sier sofort des Leichenraubes. Sier ergriff die Flucht, wurde jedoch durch die Gendarmerie gefaßt. Er gab die That zu, behauptet jedoch, nicht aus Aberglauben den Raub verübt zu haben, sondern blos, um sich den Besitz des Sterbekleides zu sichern. Wegen drei Vergehen gegen die Religion und eines Vergehens des Diebstahls erhielt Sier 1 Jahr 2 Monate Gefäuguiß; auch wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf 3 Jahre aberkannt. Tie Juden in Finnland. Während im übrigen Rußland die Lage der Juden nach wie vor eine höchst traurige und erbarmungswürdige ist, macht sich in Finnland eine Bewegung zu ihren Gunsten erfolgreich geltend. Der finnische Landtag hat sich am letzten Tage seiner kürzlich geschlossenen Session mit der Frage der Besserung der Lage der im Großfürstenthum wohnenden Juden besaßt. Der Ausschuß, welchem diese Frage zugewiesen war, hat in seinem Berichte die gegenwärtige Lage der Juden in Finnland als eine solche bezeichnet, die mit den Forderungen der Gerechtigkeit und Humanität im entschiedenen Widerspruch stehe. Der Ausschuß empfahl den Ständen des Landrathes, das Erforderliche zu thun, um zu erwirken, daß dem im Jahre 1897 wieder zusammentretenden Landtage ein Gesetzvorschlag unterbreitet werde, wodurch es den in Finnland geborenen Juden, sowie auch Denjenigen, welche sich längere Zeit im Großsürstenthnm ansgehalten haben, gestattet werden soll, daselbst überall unbehindert zu verweilen und ihren Geschäften uachzugehen. Des Ferneren bezeichnete es der Ausschuß als wünschenswerth, daß den Juden erlaubt werde, religiöse Gemeinden zu bilden. Schließlich sprach der Ausschuß den Wunsch aus, daß bis zur endgiltigen Erledigung dieser Frage das anderen Ausländern zustehende Recht, in Finnland dem Erwerbe nachzugehen und um Ausnahme in den finnischen Unterthanenverband einzukommen, auch den Juden ertheilt werde. Die Vorschläge des Ausschusses sind, nachdem sie von den Ständen des 'Adels, der Geistlichkeit und der Bürger angenommen wurden — nur der Bauernstand verhielt sich ablehnend -- als Beschlüsse des Landtages anzusehen. Der Schachkönig Laster. Jul. Winter theilt dem „Jüd. Familienblatt" einige Data über das bisherige Leben des „Schachkönigs der Welt" mit: Emanuel Laster wurde im Jahre 1868 als zweiter Sohn des Predigers und Lehrers M. Lasker zu Berlinchen geboren. Schon früh entwickelte der kleine Emanuel eine seltene Auffassungsgabe, besuchte das Gymnasium zu Berlin und Landsberg und macht schon mit 17 Jahren ein glänzendes Abiturientenexamen. Daraus studirte er in Berlin Mathematik und zeichnete sich dort durch seine scharfe Denkungsweise aus. In dieser Zeit beschäftigte er sich viel mit dem Schachspiel. (Den ersten Unterricht darin erhielt er von seinem Bruder, Dr. med. Berthold Lasker, der jetzt ein berühmter Arzt in Elberfeld ist und auch als Schachkünstler berühmt war.) Er erlangte darin in kurzer Zeit eine solche Fertigkeit, daß er bald als der gefeiertste der deutschen Schachspieler dastand. Der Ruf von feiner Geschicklichkeit und Ausdauer im Schachspiel drang auch bis zur neuen Welt, so daß er vor einigen Jahren zum Vorsitzenden des größten Schachclubs der Welt, des „Manhattan Cheß- Club", nach New-Aork berufen wurde. Durch sein liebevolles, aufrichtiges und einnehmendes Wesen gewann er sich bald die Achtung, Liebe und Bewunderung der Amerikaner. Nachdem er auf den großen Schachturnieren zu New-Dork und London als Sieger hervorgegangen war, ließ er im September vorigen Jahres eine öffentliche Aufforderung an den bisher unbesiegten Schachkönig, den Amerikaner William Steinitz, ergehen, in der er ihn aussorderte, einen Wettkampf um die Meisterschaft der Welt mit ihm auszufechten. Herr Steinitz nahm ihn an; jedoch mit Energie und Ausdauer gelang es'unserem Lasker, feinen Gegner in zehn Partien zu schlagen und so Schachkönig zu werden. Aus den Gedichten von Emil Claar. Ist das ein Hadern, ist das ein Haffen Zwischen den Rassen, zwischen den Claffen! Ist denn, menschlich, so gar nichts geblieben. Um einander ein wenig zu lieben? Was Dir wohl, was Dir wehe thut, Was mächtig in Deinem Innern ruht, Das kümmert weder Mann noch Frau. Doch ob Du ein Christ bist oder ein Jud — Das wissen sie Alle ganz genau. Zur Schächtfrage in Preuften. Tie öffentlichen Blätter bestätigen, daß der Regierungspräsident des Rgbz. Danzig nunmehr das Schächtverbot osficiell aufgehoben hat. Dem Vorstände der Spnogogengemeinde Carthaus ist in nachstehendem Schreiben davon Mittheilung gegeben worden: „Danzig, 7. Juni 1894. Auf die bei dem Herrn Minister eingelegte und mir zur Erledigung abgegebene Beschwerde vom 17. März d. I. über die am 9. Mai v. I. erlassene Polizei-Verordnung, benessend das Tvdten der Schlachtthiere, erwidere ich dem Vorstände ergebenst, daß ich die Beschwerde für erledigt erachte, da ich die belressen de Polizei-Verordnung durch Polizei-Verordnung vom heutigen Tage ansgehoben habe. Der Regierungspräsident/' Damit ist nicht nur vou deu unmittelbar betreffenden Gemeinden, sondern von allen Juden der preußischen Monarchie schwere Sorge geuommeu. Tr. Adolf Stern in Bukarest. Während man gegen die Juden in Rumänien Chicane auf Chicane und Verfolgungen in Schule und Leben Häusl, sucht man auch den Schmerzensschrei zu unterdrücken, ans Furcht, er könnte die Verfolger compromitliren. Früher hieß es, die Juden intervenirten mit Klagen und Verleumdungen bei den europäischen Mächten. Jetzt, wo die rumänische Jndenheit durch Memoranden und die Presse den Ungerechtigkeiten Einhalt zu thun gedenkt, wird ihnen letzteres zum Vorwurf gemacht. Am Drastischesten für diese „Entrüstung" der rumänischen „Patrioten" ist der Fall Adolf Stern. Raturalisirter Rumäne und Rechtsanwalt zu Bukarest, hat derselbe, von den schreienden und empörenden Ungerechtigkeiten, denen seine Glaubensgenossen in Rumänien ausgesetzt sind, auf's Tiefste ergriffen, beschlossen, ein Circular an die rumänische Jndenheit zu versenden mit der dringenden Bitte, die Geldmittel zur Gründung einer rumänischen, die jüdischen Interessen vertretenden Tageszeitung aufzubringen, welche vornehmlich alle die Ungerechtigkeiten ansdecken und gegen dieselben Protest erheben solle. Dieses Circular hat nun sowohl einen großen Theil der rumänischen Presse, als auch die Collegeu des Herrn Dr. Stern in Harnisch gebracht. Im Saale des Appcllhoses wurde eine große Versammlung abgehalteu, um gegen den „unverschämten Agitator" energische Maßregeln zu treffen. Es wurde beschlossen, in einem Memorandum an deu Disciplinarrath die Streichung des „Juden Stern" aus der Liste der Rechtsanwälte zu verlangen und ein Gesuch an den Staatsanwalt zu richten, in welchem gefordert wird, daß Stern wegen Agitation vor Gericht gestellt wird. Nach der Sitzung begaben sich einige Rechtsanwälte vor das Wohnhaus des Herrn Dr. Stern und rissen ihm das Schild von der Thüre. Dieses lächerliche Entrüstungsverfahren der „Patrioten" an der Dimbowitza hat selbst den sonst antisemitischkn „Timpul" aus dem Häuschen gebracht. Er schreibt: „Ist es möglich, daß man deshalb einen Menschen aus der Advocarenliüe zu streichen verlangt, weil er behauptet, daß die Juden verfolgt werden? Darf er das nicht? Ist das ein Grund zu so leidenschaftlichen Ausschreitungen? Ist es möglich, daß Professoren des constitmionellen und Civilrechtks einer solchen Resolution beipslichten und die Berurtheilung des Dr. Stern verlangen, „wei! er gegen die Ruhe und den Frieden Rumänie'us agftire?" Laßt uns doch erst sein Blatt sehen und urtheilen, was darin des Verbrecherischen sieht und ob dies „Verbrecherische" beanständet werden *ann. Der „Tiinpul" ist mit seiner Frage naiv genug. In Rumänien ist eben Alles möglich, selbst das sonst anscheinend Unmögliche. Teulobvld, der Iudrnriechrr. Schreibebries des deutsch-nationalen Studenten. xviii. Wien, im Juni 1894. Mein allerwerthester Pumpo! Juden, sage ich Dir, nichts als Juden, überall nur Juden, überall ihr die arisch-germanische Volksseele vergiftender Einfluß. Muß ich nicht jetzt schon den vierten Tag hinter einer zerschmetterten Sviegelscheibe in meiner alten BBBdBfiiai