Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 25 (22.6.1894)
- Date
- 1894-06-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021007-3021033--03608-3027753- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 486 Vesterreichtptze Wochenschrift Nr. 2» seiner Verwundung wohl 30 bis 40 Schritte aus dem heftigsten Feuer schleppte: er hieß Manchester von der 4. Compagnie desl. Posenschen Infanterie-Regiments Nr. 18 und ist mosaischen Glaubens." 2. S. 74, Zeile 9 von unten: „In der Nacht vom 27. zum 28. März, während die 6. Compagnie des Posenschen Infanterie-Regiments Nr. 18 im heftigsten Feuer stand, welches angegeben wurde, und während eifrig au der Herstellung einer Deckung gearbeitet wurde, hörte man das Stöhnen eines Verwundeten. Der Hilfs-Krankenwärter Louis Jacoby aus Quartschen bei Königsberg i. d. Neumark, ein Jude, meldete sich sogleich beim Compagnie-Chef in der Absicht, dem Verwundeten Hilfe zu bringen. Er ging in ein furchtbares Feuer» hinein und man glaubte kaum, daß er sein Ziel erreichen würde, und als er vlötzlich umkehrte, wurde er allgemein für verwundet gehalten. Der Jacoby war sich aber seiner Pflicht bewußt, er kehrte nur um, dem Verwundeten einen Trunk Wasser zu holen; leider war nur Branntwein zu haben; er ging wiederum vor und kam nach Ablauf von Yi Stunde mit der Meldung zurück, daß der schwer Verwundete ein Officier gewesen, der soeben mit dem Ausruf „meine arme Mutter" in seinen Armen verschieden sei. Jacoby erhielt von Sr. Majestät dem Könige eine öffentliche Belobung und wurde vom Regiments-Commandeur zum U n t e r o s f i c i e r ernannt. (Derselbe erhielt beim Düppeler Sturm noch das Militär- Ehrenzeichen für Tapferkeit.)" 3. S. 87, Zeile 5 von unten und S. 88 oben: „Nachdem am Tage des Düppeler Sturmes die 3. und 4. Compagnie desselben Regiments den Angriff des 9. dänischen Regiments zurückgeschlagen, welches zur Wiedereroberung der Schanzen vorgebrochen war, hatte sich eine feindliche Abtheilung in einem Hause festgesetzt und unterhielt von hier aus ein lebhaftes Feuer gegen unsere Tirailleure. Der Unterofficier Hoffmann und die Musketiere Bonnach, Lasowsky und R e f i gingen im Laufschritt gegen das Haus vor. schossen ihre Gewehre gegen den Feind ab, und der Musketier Reff rief den Dänen zu: „Gewehre, Faschinknmesser und Patronen weg, Hände in die Höhe und untreten!" Der überraschte Feind folgte ohne weiteren Widerstand diesem entschlossenen Commando und gab sich gefangen. Es waren 49 Gefangene, mit denen sich R e f i bei seinem ganz in der Nähe stehenden Bataillonscommandeur, Oberstlieutenant von Winterheim, meldete. Von diesem erhielt er die Erlaubniß, die Gefangenen auch allein nach der Büfselkoppel weiter zu bringen. Unterwegs wurden von den 49 Mann 11 durch dänische Granaten theils getödtet, theils verwundet; den Rest lieferte er richtig ab. (Refi war Jude.)" Bei demselben Regiment hat ferner der Jude Samuel (Berlin, Schillingstraße) für sein Verhalten in der Schlacht bei Gitschin das Militär-Ehrenzeichen erhalten. (Militär- Ehrenzeichen sind gleichwerthig mit dem Eisernen Kreuz.) In einem Regiment also gab es fünf Auszeichnungen an vier Juden. Wie viele Juden mögen sich in den andern Regimentern ausgezeichnet haben! Eine Kinderrevolution. Horodenka, 18. Juni. Man schreibt der „Oesterreichischen Wochenschrift" : In der kleinen, allerdings stark bevölkerten Ortschaft unseres Bezirkes Chocimierz, welche in einem der finstersten, weitab von Cultur und Eisenbahn, mitternächtlichen Dunkel vergraben liegt, gährte es unter den Schul- Pardon Chajderkindern seit geraumer Zeit ganz mächtig und endlich kam diese Gährung vor einigen Wochen zum Ausbruch. Es gab eine regelrechte Revolution. Und der Stifter derselben ist kein geringerer als der weltbekannte Philantrop Herr Baron Hirsch Wie kam das? Ganz einfach. In unserer Gegend hat die Stiftung des Baron Hirsch in den letzten Jahren einige Volksschulen gegründet. So in Kolomea, hier in Horodenka und in Gwozdziec, lauter Ortschaften, in denen man anfänglich eher des Teufels Großmutter, als eine regelrechte Volksschule dulden mochte, wo aber die Stiftungsschulen jetzt überall als eine unvergleichliche Wohlthat anerkannt werden. Diese Schulen ließen nun unsere Kleinen in Chocimierz nicht mehr schlafen. Das Chajder wurde ihnen immer enger und enger, bis sie endlich die Fessel desselben zu sprengen sich anschickten. Berathungen folgten auf Berathungen in dieser kleinen Welt und manche stürmische Bemerkung wurde gegen die fanatische Bevölkerung laut. Da kam endlich Erlösung. Es hatte sich ein Bursche gefunden, welcher, weiß der Himmel wo, die Kunst des Schreibens aufgegabelt hatte, und nun konnte man mit seiner Hilfe ganz parlamentarisch Vorgehen und eine Eingabe an das Curatorium in Wien verfassen. Als man so weit war, begann man einen kleinen Sturmlauf gegen den Vorstand der in ihrer Tiefe aufgewühlten Cultusgemeinde und dieser mußte wohl oder übel mit Unterschrift und Gemeindesiegel die Petiton um Gründung einer Schule befürworten! Diese merkwürdige Petition, von der uns eine Abschrift zu machen gelungen, wollen wir hier ad perpetuam memoriam annageln. Sie lautet: Hochlöbliches Curatorium! „Wir unterfertigte israelitische Kinder aus der Stadt Chocimierz erlauben uns die unterthänigste Bitte zum Wohlthätigen Herrn Baron Hirsch durch das Hochlöbliche Curatorium unterzubreiten u. zw. Wir israelitische Kinder in der kleinen Ortschaft, welche den Titel Stadt führt, haben bis heutigen Tage noch keine Fortschrittschule*), und das nur aus diesem Grunde, weil nnsere Eltern zu stark Fanatiker sind. Wir möchten wohl im humanen Sinne forwärts schreiten, dazu fehlt uns aber der Anführer. Deshalb fassen wir den Muth, darauf hin gestützt, das der Edelsinn des hohen P hilan d tr op fen auch uns Verlassene so unterstützen wird, als bis nun in der ganzen Welt es geschehen. Auf diese Motive gestützt, hoffen wir verlassene israelitische Kinder, ein löbliches Curatorium wird unsere unterthänigste Bitte beherzigen, und wird dieses Gesuch den hohen Wohlthäter zur gnädigen Genemigung vorlegen. In der angenehmen Hoffnung, eines günstigen Resoulthates im vorhinein die Versicherung mit.kindlichem Danke im Herzen tragend, für das Wohl ewige Glück des hohen Wohlthäters zu den Allmächtigen betend, zeichnen wir uns unterthänigst mit ewigem Danke und dauernder Pflichtschuldigkeit. Chocimierz, am 5. Juni 1894. Folgen die Unterschriften von 52 Analphabeteln. Nachbemerkung der Redaction: Wir haben nach Empfang dieses Berichtes Erkundigungen im Bureau der Baron Hirsch-Stiftung eingeholt und da wurde uns bestätigt, daß vor einiger Zeit obiges Gesuch der 52 Kinder, befürwortet vom Vorstande der Cultusgemeinde Chocimierz beim Curatorium eingelaufen ist. Dieses habe unverzüglich die Sachlage prüfen lassen und das Resultat war, daß das Curatorium bereits der genannten Cultusgemeinde seine Geneigtheit, eine Stiftungsschule in Chocimierz errichten zu wollen, bekannt gegeben hat. Arischer Blutaberglaube. Ein grauenvolles Bild unsinnigen Aberglaubens entrollte sich dieser Tage in einer Verhandlung vor der Strafkammer zu Weiden (Bayern). In der Gegend von Heumaden (Oberpfalz) herrscht der Aberglaube, daß Derjenige, der in der Charwoche um Mitternacht aus dem Grabe eines Kindes ein Auge sich holt und dasselbe bei sich trägt, unsichtbar wird. Der 23jährige Dienstknecht Josef Sier von Heumaden, ein schon oft bestrafter Dieb, wollte sich nun einen solchen Talisman verschaffen. Zu diesem Zwecke begab er sich am 22. März 1894 auf den Gottesacker in Moosbach, wartete bis Mitternacht, überstieg die Friedhofmauer und schlich sich dann in den Theil des Gottesackers, wo die Kindergräber sich befinden. Er versuchte zuerst das Grab des Kindes Roßmann zu öffnen, als ihm dies nicht gelang, begab er sich zu dem Grabe des Kindes Galitzendörfer und, als er auch hier keinen Erfolg hatte, zu dem Grabe des Kindes Therese Schließt. Dieses Grab konnte er leicht öffnen, da die Leiche erst vor wenigen Tagen begraben worden war. Als er das Grab geöffnet hatte, nahm er den Sarg heraus, ging auf eine naheliegende Wiese, sprengte den Sargdeckel auf, entkleidete die Leiche, stach derselben das linke Auge ganz aus und löste das rechte zur Hälfte. Nachdem er dem Leichnam noch einen Stich in den Unterleib versetzt hatte, warf er denselben in den Bach und versteckte den Sarg in einem Durchlaß. Als die Sache ruchbar wurde, bemächtigte sich eine ungeheure Aufregung der Bevölkerung; verschiedene Personen wurden bezichtigt. die Leichenschändung verübt zu haben; merkwürdigerweise fiel auf Sier kein Verdacht, bis er selbst durch Unachtsamkeit die Entdeckung herbeiführte. Sier war nämlich als Knecht bei dem Oekonomen Zimmermann in Oedbrannetsrieth. Als am 28. März 1894 die Frau Zimmermann das Bett des Angeklagten machen wollte, fiel die Sonntagshose desselben von einem Nagel herab. Die Zimmermann hob die Hose auf, langte in die Tasche, und zog zu ihrem Schrecken ein Sterbekleidchen, *) Das heißt Volksschule.