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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-06-22 · 25 (22.6.1894) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
25 (22.6.1894)
Date
1894-06-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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JJU..Ä.*!oAi. .U Jf Nr. 25 Vrstrrrrichifchr Ivochenschrist Seite 485 gegenüber von manchen Seiten in Wien beobachtet wurde. Der Vorsitzende glaubt, daß jeder ungarische Kaufmann, der nur einen Funken von Ehrgefühl besitzt, sich hüten werde, unter den gegenwärtigen socialen Verhältnissen nach Wien zu gehen. Diese Worte fanden allgemeine Zustimmung und sie wurden mit lauten Eljen-Rufen begleitet. Der Schriftführer Josef Steiner schilderte sodann in längerer Rede die socialen Zustände, welche der Antisemitismus in Wien geschaffen habe. Es genüge, in dieser Beziehung auf jenes Memorandum zu verweisen, welches die Wiener Productenbörse an den österreichischen Handelsminister gerichtet hat. Redner gedachte sodann der unqualificirbaren Angriffe, welchen der Saatenmarkt von den Antisemiten im niederösterreichischen Landtage ausgesetzt war, wo die Besucher des Saatenmarktes als Räuber hingestelt wurden, und der Aufforderung, welche ein Wiener Abgeordneter in einer Wählerversammlung an die Fiakerkutscher bezüglich der Besucher des Saatenmarktes gerichtet hatte. Diese Mittheilungen wurden mit dem Rufe: „Scandal!" begleitet. Der Schriftführer empfahl sodann folgenden Beschlußantrag zur Annahme: „Die heutige Versammlung der Mitglieder der Budapester Getreidebörse nimmt Stellung gegen den im Laufe des Jahres 1894 in Wien abzuhaltenden internationalen Getreide- und Saatenmarkt. Die Versammlung schließt sich in allen Stücken jenem Memorandum an, welches die Kammer der Wiener Productenbörse am 1. Juni dem österreichischen Handels- Minister wegen Sistirung des Saatenmarktes unterbreitet hat. In Anbetracht der gegenwärtig in Wien herrschenden socialen Verhältnisse hat das in dieser Richtung competenteste Forum, die den Saatenmarkt arrangirende Kammer der Wiener Productenbörse, erklärt, daß sie unter diesen Umständen keine Garantie für die Sicherheit des Lebens und Eigenthums ihrer Gäste übernehmen könne und noch weniger in der Lage sei, dieselben gegen die etwaigen Insulten der durch gewissenlose Agitationen fanatisirten Menge zu schützen." Die Resolution bespricht sodann das Verhalten des Grafen Wurmbrand (Rufe: Abzug Wurmbrapd!) gegen diese Aeußerungen der Antisemiten und äußert das Bedauern, daß die Kammer der Wiener Productenbörse dennoch neuerdings beschlossen habe, den Saatenmarkt abzuhalten. Rach all dem spricht die Conferenz einstimmig den Beschluß aus: „1. Jedes Mitglied derselben hält es für seine Ehrenpflicht, auf dem im Laufe des Jahres 1894 zu veranstaltenden Wiener Getreide- und Saatenmarkte nicht zu erscheinen. 2. Die Conferenz erwartet von den ungarischen Mitgliedern des Arrangirungs-Comites des Saatenmarktes, daß sie auf die Ehrenstellen in demselben verzichten. (Allgemeine Rufe: Es ist schon geschehen!) Wenn dies aber nicht geschehen sollte, so können sie dort nichts, als ihre Person vertreten. 3. Die Conferenz entsendet ein aus hundert Mitgliedern bestehendes Comite. welches im ganzen Lande eine Bewegung gegen den Besuch des Wiener Saatenmarktes einleitet und über dessen Erfolg einer seinerzeit einzuberufenden Vollversammlung Bericht erstatten wird." Der Antrag wurde nach neuerlicher Betonung, daß derselbe keineswegs von Chauvinismus dictirt sei, einstimmig angenommen und mit stürmischen Eljen-Rufen acclamirt. Das Hunderter-Comitö wurde sofort gewählt. Demselben gehören alle angesehenen Getreidefirmen Budapests und der Provinz an, In der Versammlung ging das Gerücht, daß sich auch die Kaufleute aller anderen Geschäftsbräuchen dieser Bewegung anschließen, unter den gegenwärtig in Wien herrschenden Verhältnissen dort nicht zum Einkäufe erscheinen zu wollen. Wie aus Miskolcz telegraphirt wird, haben die dortigen Getreidehändler wegen der wachsenden antisemitischen Bewegung in Wien beschlossen, den Wiener Saatenmarkt nicht zu besuchen, und schlagen vor, den Saatenmarkt Heuer in Budapest abzuhalten. ,,Judenthum und Soeialdemokratie". Eine schamlose antisemitische Lüge. Das „D. B." vom 17. Juni tischt seinen gehirnweichen Lesern als Sonntagsvergnügen einen Bericht auf, aus der Berliner „Staatsbürger-Zeitung" über eine „geheime antisemitische Versammlung über die Judenfrage". Das officielle Organ der socialdemokratischen Partei, der „Vorwärts" in Berlin, hat aber schon Freitag die Erfinder des Märchens durch folgende Erklärung blamirt: „Auch Flunkern kann nicht Jeder, der will. Dieses gute Sprüchlein ist von einem hiesigen Antisemitenblatt, für das Mir durch Nennung seines Namens keine Reclame machen wollen, unklug vergessen wurden. Um seinen Gläubigen, die über die hageldicht hernnterrasselnden Mißerfolge und Scandale begreiflicherweise tief niedergeschlagen sind, die katzenjämmerliche Stimmung etwas zu vertreiben, hat fragliches Blatt ein „Witzblatt" - Scherzlein versucht und den Vorstand, die Abgeordneten und die Vertrauensleute der socialdemokratischen Partei für vergangenen Mittwoch zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenberufen, in der Maßregeln gegen das lawinenartige Anschwellen der antisemitischen Hochflut berathen wurden. Leider hat das Blatt sich im Datum geirrt. Die außerordentliche Sitzung hat am Mittwoch gar nicht stattgefunden. Sie ist auf nächsten Sonntag — oder einen anderen Tag — verschoben worden, und zwar weil die Abgeordneten Singer, Fischer, Wurm und Liebknecht, die der außerordentlichen Sitzung beiwohnen sollten, am Mittwoch noch im Pinneberger Wahlkreise waren und sich den antisemitischen Kladderadatsch ansahen". Jüdische Militärärzte in Deutschland. Die „Staatsbürger-Zeitung" vom 7. d. M. macht sich eine Bemerkung über den Werth jüdischer Aerzte im Kriege zu eigen, die in einer Schrift von A. Rittig „das russische Kriegswesen in der Wirklichkeit unv in Träumen" zu lesen ist, und überträgt in einem Nachsatz diese Werthschätzung auch auf die jüdischen Aerzte in der deutschen Armee. Es heißt in jener Schrift: . . . „Der jüdische Arzt hat für den Soldaten kein Herz, sondern sieht ihn nur als das Object für praktische Versuche an, um später mit seiner Geschicklichkeit umsomehr Geld zu verdienen. Wehe dem Soldaten, der einem jüdischen Chirurgen auf dem Verbandplätze in die Hände fällt. Am besten wäre es noch, man ließe die Juden nur zur Beterinärthätigkeit zu — aber diesen Beruf lieben sie nicht, er bringt nicht genug ein und ist überdies mit Gefahren verbunden." Dem entgegen constatirt das Organ des Berliner Abwehr- Vereines : Wir haben uns die Mühe gemacht, in dem Berzeichniß des Börner'schen Medicinalkalenders für 1894 die Namen der jüdischen Berliner praktischen Civilärzte zu sammeln, welchen im letzten französischen Feldzuge für ihre aufopfernde Thätigkeit das Eiserne Kreuz verliehen wurde und zwar in ihrer damaligen Eigenschaft als deutsche Militärärzte. Die Zahl beträgt heute noch nicht weniger als sechsunddreißig. Zum Vergleich bemerken wir, daß die Anzahl der damals mit dem Kreuz decorirten Berliner christlichen praktischen Civilärzte heute noch dreiundvierzig ist. Jedenfalls geht hieraus hervor, daß die jüdischen Aerzte sich im Kriege außerordentlich bewährt und ausgezeichnet haben, und daß jene Behauptung, auf die deutsche Armee angewandt, eine Verleumdung genannt werden muß. Jüdische Soldaten in Preußen. Der „Jsr. Wochenschrift" sendet ein jüdischer Soldat, der den dänischen Feldzug mitgemacht, nachstehende interessante Auszüge aus dem Werk: „Preußische Kriegsthaten 1864." Herausgegeben von'Theodor von Pelchrzim (Stettin 1864). Die darin mirgetheilten Episoden sind aus amtlichen Berichten zusammengestellt und unbedingt glaubwürdig. Jedes Reginientscommando hat diese Berichte selbst der Behörde eingereicht und sind solche nicht wegzuleugnen, und da man damals (1864) in dem Juden einen ebenbürtigen Soldaten sah, so nahm man keinen Anstand, das religiöse Bekenntnis des sich Auszeichnenden mit anzugeben. Um so wunderbarer aber ist es, daß sich damals bei einem Regimente (dem 18.) an einem einzigen Tage drei Juden derartig auszeichneten, daß man ihre Namen als besonders tapfer hervorhob. Die auf Seite 72, 74 und 88 des genannten Buches ihrer Tapferkeit wegen rühmlich hervorgehobenen Soldaten waren Juden; alle drei haben sich beim Sturm auf die Düppeler Schanzen ausgezeichnet. In dem „Auszug aus dem Tagebuch des Premier- Lieutenants v. d. Knesebeck, Adjutanten der Brigade von Raven, vom Tage des Sturmes der Düppeler Schanzen" heißt es: 1. S. 72, Zeile 7 von oben (nach der Schilderung des nn Kugelregen verwundeten Generals von Raven): „Schließlich möge noch der Name desjenigen braven Musketiers erwähnt werden, welcher den General gleich nach KUUIUBS» wassamm

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