Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 24 (15.6.1894)
- Date
- 1894-06-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 34 Vrstrrredtzlphr Ivochrnschrifl Seite 475 Nur einzelne halten über die schulpflichtige Zeit aus. Und eben deswegen sind wir innuer bereit, Anmeldungen von jüdischen Kindern zu berücksichtigen, was jedoch gegenwärtig seltener zu geschehen Pflegt als früher, da sie seit mehreren Jahren ein nach dem Muster unserer Anstalt eingerichtetes eigenes Waisenhaus haben. Vermifttes. Wien. (Ein Grabdenkmal für Adolf Fischhof.) Wir erhalten folgende Zuschrift: „Am 28. März 1893 wurde Adolf Fischhof auf dem israelitischen Friedhofe zu Wien zur Erde bestattet. Sein Grab ist durch die Reste, welche es birgt, ein Ehrengrab. Blumen und Erinnerungen schmücken dasselbe und wie gleichgestimmte Saiten mittönen zu entfernter Musik, so tönt auch heute durch die Ferne der Zeiten und durch das Dickicht der Erlebnisse eine harmonisch bewegte Saite bei der Nennung seines Namens in jenen Herzen, welche das Erwachen des neuen Oesterreich erlebt haben. Die Blumen werden welken; die Erinnerungen gehören der Geschichte. Wir aber möchten, daß auf Fischhof's Grabe sich ein sichtbares und dauerndes Zeichen erhebe, als ein Andenken an diese seltene Vereinigung von edelster Liebe zur Freiheit, zum Baterlande und zur ganzen Menschheit, und zugleich als ein sprechender , Zeuge, welcher unablässig die Jugend daran mahnt, daß seine Empfindungen, in frühen Jahren geweckt, allein im Stande sind, das ganze spätere Dasein zu erwärmen. E. Sueß, M. Matscheko, Dr. Alfred Stern." Wien. Herr Rabbiner Dr. I. Ta glicht hat sich mit Fräulein Rosa Rapaport aus Wien verlobt. E. B. Wien. (P r e is m a rs ch c o n curr enz.) In der Vorwoche wurde am Eislaufplatze hier von mehreren Militärcapellen eine Preismarschconcurrenz abgehalten, bei welcher das Publicum als Richter fungirte. Auf den Marsch „Trippelallianz", componirt vom Realitätenbesitzer Herrn Isidor L ö t i in Wien, fielen, trotzdem er außer Preisbewerbung ausdrücklich bezeichnet war, 649 Stimmen. Herr L ö t i wurde zu diesem Resultate von vielen Fachmännern wärmstens beglückwünscht. Wien. (Die Rothschil d-S tiftung bei Reichen a u.) Mit Genehmigung Sr. Majestät des Kaisers ist nunmehr diese Stiftung in's Leben getreten. Die bezüglichen Rechtsdocumente enthalten folgende wesentliche Bestimmungen: Zur Bewerbung berechtigt erscheinen im Dienste gänzlich invalidisirte, unzulänglich bemittelte k. und k. Oberofficiere ohne Unterschied der Coufession, welche mit Rücksicht auf ihre seinerzeitige freie Unterkunft ledigen Standes oder, wenn verwitwet, kinderlos sind. Bei sonst gleichen Verhältnissen entscheidet der höhere Grad der Hilfsbedürftigkeit. Der Stiftling — die Zahl solcher ist zunächst auf 33 bemessen — tritt in den Genuß von 600 Kronen jährlich und erhält überdies, sobald das Stiftungshaus in Hinterleithen nächst Reichenau der Stiftung überwiesen ist, auf seinen Wunsch freie Unterkunft in demselben, sowie Beleuchtung und Beheizung. Der Verlust der Stiftung tritt ein, wenn die Bedingungen ihrer Erlangung nicht mehr vorhanden sind. Das Verleihungsrecht übt der Reichs-Kriegsminister aus. Für die Besitzung in Hinterleithen wird seinerzeit aus drei Stiftlingen, die besonders honorirt werden, eine Administrations-Commission gebildet, welche dem Reichs Kriegsministerium untersteht; ein eigenes Curatorium, gebildet aus zwei Officieren, dem Central-Director und Rechtsanwalt des Hauses Baron N. Rothschild, überwacht die gesammte Gebahrung. Aus dem Capital von 500.000 Kronen, welches bereits der Stiftung zugeführt wurde, sind die Zinsen schon vom 1. September d. I. an für die Stiftlinge verwendbar. Zur Bestreitung der Adaptirungs- und Einrichtungskosten von Hinterleithen widmet Freiherr v. Rothschild seinerzeit den Betrag von 100.000 Kronen als Fundirungs-Capital zur Instandhaltung der Besitzung, dann für Beleuchtung und Beheizung den Betrag von 700.000 Kronen; alle Uebertragungsgebühren entrichtet der Gründer der Stiftung oder deffen Erbe. Die Stiftung ist unwiderruflich. Wien. Die Besucher des Bethauses des Vereines „Achdus Jisrael" in der Rembrandtstraße hatten am vergangenen Sabbath den seltenen geistigen Genuß einer Derascha, abgehalten von dem seit Kurzem hier domicilirenden em. Rabbiner von Neuhäusel Rabbi Isaak Kramer, einem ehrwürdigen Greis, der als einer der größten Talmudgelehrten und besten Magidim Ungarns gilt. Er enthusiasmirte die Zuhörerschaft durch geistreiche Anwendung von Bibel- und Midraschstellen, wie durch seinen ungekünstelten Bortrag. Der Dank für diesen Genuß gebührt dem eifrigen Bethausvorsteher Herrn Julius Freuder, auf dessen Anregung die Einladung an den genannten Rabbi erfolgte. Krakau. Am 29. v. M. hat die hiesige israel. Cultusgemeinde-Repräsentanz dem Bicepräsidenten der hiesigen Cultusgemeinde, Herrn Hirsch Landau, eine schön ausgestattete Adresse in Anerkennung seiner besonderen Verdienste, überreicht. Die Mitglieder des Vorstandes erschienen w corpore in der Wohnung des H. Hirsch Landau und der Präsident der Cultusgemeinde Dr. Horowitz überreichte ihm die Adresse, indem er die Verdienste desselben um unsere Gemeinde hervorhob und bemerkte, daß H. Landau bereits seit 24 Jahren ununterbrochen Vorsteher in unserer Gemeinde ist und während dieser langen Zeit stets für das Gemeinwohl eintrat. Stanislau. Mittwoch den 20. Juli l. I. um halb 1 Uhr Nachmittags findet aus Gut Wolczyniec bei Stanislau die Trauung des Frl. Annette H alpern, Tochter des Gutsbesitzers H. O. Halpern mit Herrn Samuel Landau statt. Brody am 13. Juni 1894. (R a b b in erw a h l.) (Telegr. der „Oest. Wochenschrift".) Mit großer Majorität wurde heute Herr Isaak Chajes zum Rabbiner der Stadt Brody gewählt. Die Wahl wurde mit allgemeiner Befriedigung ausgenommen. Brody. (V erm ä h lun g s fe ier.) Dienstag den 19. Juni 1894 Nachmittags findet in Brody (Galizien) das Vermählungsfest des Herrn Dr. L. Dobschitz, Rabbiner in Skotschau in Schlesien mit Frl. Anna Ostrowska im Hause ihrer Großmutter Frau Pessel Margulies in der Synagogengasse statt. Erlangen, 11. Juni 1894. Unlängst hatte ich Gelegenheit, der „Oesterr. Wochenschrift" mittheilen zu können, wie „belehrend" die von den Antisemiten in Nürnberg einberufene Versammlung war und heute liegt schon wieder vor mir eine Einladung zur „Volksversammlung", welche die „antisemitische deutsche Reformpartei" in den nächsten Tggen in Fürth veranstalten wird. Es wird hiebei bemerkt, daß „Juden und Judenknechte keinen Zutritt haben, um Stänkereien hintanzuhalten" Neugierig bin ich, wie es in Fürth ausfallen wird, da an der Tpitze der „Partei" Herr A. Weber steht, eine bekannte Persönlichkeit, was Charakter und Bildung anbelangt. Ornstein. Breslau, 3. Juni. Hier starb am Freitag im 89. Lebensjahre der bedeutende Philologe Dr. Wilhelm Freund.Er war der Verfasser der an allen Gymnasien Deutschlands verbreiteten Uebersetzungen lateinischer und griechischer Classiker. In Kempen (Posen) am 22. Jänner 1806 geboren, war er lange Zeit als Gymnasiallehrer in Frankfurt und als Direktor der höheren Gemeindeschule in Gleiwitz tt ätig. Er galt für einen hervorragenden Kenner der alten Sprachen und besonders für einen tüchtigen Lexikographen. Sein lateinisches und griechisches Lexikon wird sehr geschätzt. Er schrieb auch „Präparationen" zu mehreren Theilen der hebräischen Bibel. Ehre seinem Angedenken! Kattowitz, 31. Mai. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten erfolgte die Einführung des neugewählten Stadtraths Salomon Wiener durch Bürgermeister Schneider der dabei auf das große Vertrauen hinwies, dessen sich der Gewählte, solange er Bürger hierorts ist, erfreute. Der neue Stadtrath bekleide in der ihm nahestehenden Religionsgesellschast das erste Ehrenamt und sei lange Stadtverordneter gewesen. Stadtrath Wiener leistete nun den vorgeschriebenen Eid auf die Verfassung und für die Erfüllung seiner Pflichten. Dresden, 5. Juni. Namens des Vorstandes der israel. Gemeinde war durch Herrn Rechtsanwalt Lehmann gegen den Redacteur der „Deutschen Wacht", Anton Schmidt, wegen eines Artikels: „Weihnachten, ein deutsches Mahnwort zum christlichen Fest" eine Denunciation wegen groben Unfugs bei der Staatsanwaltschaft eingegangen. Das Flugblatt enthielt eine Geißelung des jüdischen Reclamewesens in kräftigdeutschen Ausdrücken und eine Warnung vor dem Kaufen von Weihnachtsgeschenken bei Juden. Das Schöffengericht fand in der ersten Instanz nicht für erwiesen, daß das Publicum durch den Inhalt des Flugblattes belästigt worden sei, oder daß „wüste Schimpfereien" darin enthalten seien, es sprach den Angeklagten frei und auch das hiesige Landgericht verwarf am Sonnabend die von der Staatsanwaltschaft dagegen eingelegte Berufung. > Constantinopel, 8. Juni. Rothschild hat die Bahn Jaffa- ' Jerusalem angekaust.