Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 23 (8.5.1894)
- Date
- 1894-05-08
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 456 Vesterrrichisrtze Wochenschrift Nr. 23 (Taubstummen-Jnstitut.) Am 27. d. fand im allgemeinen österreichischen israelitischen Taubstummeninstitute, das unter der zielbewußten Leitung des Direclors Herrn Dr. M. Brunner steht, die Jahresprüfnng statt. Ein distinguirtes Publicum, darunter der Herr k. k. Bezirks-Jnspector Franz Homolatsch; der Jnspector für den israelitischen Religionsunterricht, Herr M. Kanitz; die Vorsteher und Vorsteherinnen des Institutes, Herr I. Hieldburghäusser, Herr Max Theodor Schiff. Herr Em. Kollisch, Frau Annica Benvenisti, Frau Josephine Schiff geborene Baronesse Königswarter; ferner Herr Baron Heinrich Königswarter sammt Gemalin, Herr Max- Schiff und viele andere Herren und Damen, folgte mit lebhafter Aufmerksamkeit den Leistungen der taubstummen Kinder. Sämmtliche sechs Elasten wurden der Prüfung unterzogen, welche sich auf die Gegenstände erstreckte, die in der Volksschule gelehrt werden. Besonderes Jntereffe erregten die Sprechproben der Kinder der unteren Elasten wie die Leistungen der Zöglinge der oberen Claffen in der Religion, im Lesen, in der Grammatik, im Rechnen, in der Geographie, Geschichte und Naturgeschichte. Gerechte Anerkennung wurde den Handarbeiten der Mädchen gezollt, und man gewann die Ueberzeugung, daß hier eine feste und sichere Basis geschaffen wurde, auf welcher die meisten taubstummen Mädchen nach ihrem Austritte aus der Anstalt ihre Erwerbsthätigkeit aufbauen. Wien. (Verein zur Unterstützung israel. Handwerker und Kleingewerbetreibender.) Am 28. Mai 1894 fand die V. ordentliche Generalversammlung dieses Vereines unter dem Vorsitze des Herrn k. k. Baurathes Wilhelm Stiaßny statt, in welcher die ausscheidenden Vorstandsmitglieder, die Herren Gustav Frankl, Chef der Firma A. Herm. Frankl & Söhne, Salomon Frankl, Chef derselben Firma, Maurice Gruber, Privatier, Alfred Pollak Ritter von Rudin, Fabriksbesitzer und k. k. Commercialrath, und der bisherige Vereins-Präsident Herr Wilhelm Stiaßny, k. k. Baurath, Stadtrath und Vorstandsmitglied der israel. Cultusgemeinde, einstimmig und mit Acclamation wiedergewählt, ferner die Herren Max Fleischer. Architekt und Vorstandsmitglied der israel. Cultusgemeinde, Ignaz Zolles, Fabriksbesitzer und Genossenschaftsvorsteher, und Johann Lichtenstadt, Redacteur, ebenfalls einstimmig und mit Acclamation neu in den Vorstand gewählt wurden. Aus dem soeben zur Versendung gelangten Jahresberichte pro 1893 heben wir folgende Stellen hervor: Am Ende des Verwaltungsjahres 1893 zählte der Verein 16 Stifter mit einem Gesammtstiftungsbeitrage von fl. 2100 und 291 Mitglieder mit einem Gesammt-Jahresbeitrage von fl. 1083. Im Bereinsjahre 1893 wurden 119 Gesuche um Darlehen überreicht und beträgt die Summe der bewilligten Darlehen Gulden 3045. Seit Bestand des Vereins wurden im Ganzen 157 Darlehen mit dem Gesammtbetrage von fl. 16.052 bewilligt, von welchen insgesammt fl. 8372 rückgezahlt wurden. Der Verein wendet sich an alle menschenfreundlichen Glaubensgenossen mit der Bitte, ihm durch Spenden und Jahresbeiträge die Ausbreitung seiner gemeinnützigen Thätigkeit zu ermöglichen. Wie«. Im Bethause „Liwias Chen", ll., Obere Donaustraße Nr. 89, nächst der Stefaniebrücke, findet an den bevorstehenden Schewuothtagen zweimaliger Morgengottesdienst statt, und zwar um 6 Uhr und um 8 Uhr, am zweiten Tage beidemale mit Abhaltung .von Maskir, worauf wir alle Diejenigen besonders aufmerksam machen, welche dieser Pietät wohl genügen wollen, aber ihre Andacht wegen der in den Hauptsynagogen angesammelten, überaus zahlreichen Besucher nicht leicht verrichten können. Auch übernimmt der Vorstand dieses Bethauses die Abhaltung von Jahrzeiten außer dem Vereine stehender Personen, wenn diese einen jeweilig zu bestimmenden Betrag erlegen. Wien. (Unter den Rädern des Eisenbahnzuges.) Zwischen den Stationen Oberhetzendorf und Maxing der Verbindungsbahn ereignete sich gestern Abends ein entsetzlicher Unglücksfall, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel. Der Conducteur Leopold Ziegler stürzte, als er nach dem Signal ausschaute, vom Trittbrette und kam so unglücklich unter den dahinrollenden Zug zu liegen, daß die Räder über ihn gingen. Arme und Füße waren dem Unglücklichen abgetrennt und noch lebend wurde er weggetragen. Die Gattin des Condncteurs wurde telegraphisch von dem Unglücksfalle verständigt und siebegab sich sofort zu ihrem Manne. Dieser erkannte sie jedoch nicht mehr und starb bald darauf. Ziegler war früher Dienstmann und verunglückte nebst seinem Bruder vor Jahren bei der Mödlinger Eisenbahn-Katastrophe als Passagier. Die Südbahn nahm ihn nach seiner Heilung in ihre Dienste und er fuhr seit dieser Zeit als Conducteur. Er hinterläßt eine Witwe und ein drei Jahre altes Kind. Wien. Der literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria" hieltam 3. d. M. seinen letzten literarischen Nachmittag in diesem Semester ab. Vorträge, Discussion und Declamation boten an diesem Nachmittage vielfach Gelegenheit, die Fortschritte des Vereines zn erkennen, und waren die zahlreich erschienenen Gäste auch über die im Vereine herrschende Cvllegialität, die in dem Bewußtsein wurzelt, daß wir alle Juden Eins sind und Einem Volke angehören, angenehm berührt. Der Verein, der in das VI- Semester seines Bestandes tritt, eröffnet dasselbe im Herbste und wird auch dann wieder sein Ziel wie bisher mit Ernst verfolgen. Bielitz, 5. Juli. Im dritten Gemeinderathswahlkörper ratificirte gestern die Wählerschaft mit an Einstimmigkeit reichender Majorität-das Wahlcompromiß der Protestanten, Katholiken und Israeliten. Die Antisemiten haben trotz terroristischer Agitation einen totalen Mißerfolg zu verzeichnen. Virovitieza (Slav.) Die am 20. Mai staitgehabte Generalversammlung der hiesigen israel. Cultusgemeinde hat Herrn Dr. H. E. Kaufmann aus Dukla in Galizien einstimmig zum Kreisrabbiner gewählt. Der junge Rabbiner, der den Ruf eines tüchtigen Kanzelredners genießt, predigte bereits während seiner Studienzeit in Margarethen mit bedeutendem Erfolge. Seine feierliche Jnstallirung in Virovitieza findet Donnerstag den 7. d. M. statt. Sniatyn, 3. Juni 1894. Mittwoch, am 30. Mai, also knapp vor Ausgang des schönen Frühlings-Monates, veranstaltete die Stiftungs-Schule des Baron Hirsch ein Maifest für ihre Zöglinge. Durch den herrlichen Verlauf des Ausfluges, wofür die Mitglieder des Localcomites sich viele Mühe gegeben haben, wird dieses Fest allen Theilnehmern in angenehmer Erinnerung bleiben. Belovar. (S i l b e r n e H o ch z e l t.) Der hiesige Kaufmann und Gemeinderath Herr Emanuel Ebenspanger feierte mit seiner Gattin Charlotte, geb. Plachte, am 24 Mai das sciöne Fest der silbernen Hochzeit. Die Werthschätznng, deren sich das würdige Paarallgemein erfreut, dvcnmentirte sich cm diesem Ehrentage durch die große Zahl der Gratulanten, die sich eingesunden hatten, um ihre innigsten Glückwünsche darzubringen. Der seit 13 Jahren hier bestehende wohlthätige Frauenverein, dessen Gründerin und Präsidentin Frau Charlotte Ebenspanger ist, entsendete eine Deputation unter Führung der Frau Henriette Liebermann, welche mit tiefempfundenen beglückwünschenden Worten der Frau Präsidentin eine künstlerisch ausgeführte, von einem silbernen Lorbeertranze umrahmte Adresse überreichte. Hierauf erfolgte die Ansprache des Ehrenpräses des Frauenvereins, des Herrn I. Fleischmann, welcher die Jubilarin bat, dem Frauenvereine auch fürderhin ihre Förderung angedeihen zu lassen. Dann gratnlirte die hiesige Cultusgemeinde, die in corpore erschienen war, Herrn Em. Ebenspanger. Herr Rabbiner S. D. Tauber hielt im Namen der ganzen Gemeinde eine rührende Ansprache an den Jubilar, der seit dem 19jährigen Bestände der Gemeinde als deren zweiter Vorsteher sungirt. Gros; war die Zahl der Glückwunschdepeschen, Blumen und Geschenke, die dem würdigen Jubelpaare zukamen, welches das Glück genoß, dieses schöne Fest im Vereine mit ihren zwei Kindern, 3 Enkeln und zahlreichen Geschwistern und andern Verwandten feiern zu können. Bei der Festtafel, die in sehr auimirter Weise verlief, wurden großartige Acte der Wohlthätigkeit begangen. Die beiden Brüder der Silberbrant, die, Herren Adolf und Samuel Plachte aus Warasdin spendeten der hiesigen israelitischen Cultusgemeindedie Summe von 2400 sl. und knüpften daran die pietätvolle Bitte, daß bei den üblichen Seelenandachten für die Verstorbenen auch die Namen ihrer verewigten Ettern Jacob und Therese Plachte im Tempel besonders erwähnt werden. ' Zur Erhöhung der Festesfreude trugen die gelungenen Toaste der animirten Tischgesellschaft viel bei. >vie auch insbesondere die mit Meisterschaft vorgetragenen Gesangspiecen der Opernsängerin Fräulein Rosa Perger-Pollack, deren schöne Stimme und vollendeter Vortrag wahre Beifallsstürme entfesselten. Den Clavierpart besorgte die liebreizende Tochter des Hauses, die an den hiesigen Stadtphysicus Herrn Dr. N. Fischer verheiratet ist, in gelungener Weise. London. Ihre Majestät die Königin hat dem Parlamentsmitgliede für Whitechapel, Mr. Samuel Montagu, den Titel eines Baronet verliehen. Paris. Die Akademie hat einen Preis von 1000 Frcs. von der Montyon-Stiftung dem M. LeonCahun, Sub-Bibliothekar an der Bibliothek Magazin für sein Werk: „Hassan le Janissaire (1516)" verliehen. * Bern. Das Schächtverbot ist vom Mai ab in den deutschen Cantonen in Wirksamkeit getreten. Die Juden werden hiedurch jedoch nicht in der Beobachtung ihrer rituellen Gebote behin-