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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-05-08 · 23 (8.5.1894) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
23 (8.5.1894)
Date
1894-05-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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2k. 23 Vekerrrktzllche WochenttxrM Sette 453 anzustellen gesonnen ist. Für ihn wären Kohut's Vorarbeiten sicherlich nicht ohne Stutzen. So viel von Kohut, als dem Herausgeber des Aruch. Vielmehr müßten wir von ihm als dem Autor des Aruch «jompletum sprechen. Mehr denn zwei Drittheile des Riesenwerkes rühren von seiner Feder her. Der alte Amch hat blos einen Bruchtheil des talm.-midr. Sprachschatzes verarbeitet. Es galt nun, die restlichen zwei Drittheile zu bearbeiten und dieses gigantische Werk hat Kohut glanzend vollbracht. Viele Artikel non allgemein culturhistorischem .Interesse sind monographisch behandelt worden. Großes Gewicht ist auch auf die Erklärung der Schulausdrücke, die für die' talmudische Methodologie von größtem Werth sind, gelegt worden. Während der alte Aruch sich mit wenigen Belegen begnügt hat, hat der neueste Bearbeiter bei seltener vorkommenden Wörtern alle Belege aus dem ungeheuren Material angeführt. Kohut's Bearbeitung ward dadurch gleichsam zur E n cy k l o p ä d i e! Sehr eingehende Studien hat Kohut auf die Eruirung und Feststellung der Etymologie verwendet. Die vollständige Beherrschung der semitischen und orientalischen, namentlich des für den bab. Talmud so wichtigen persischen, und der classischen Sprachen kam ihm dabei sehr zu statten. Etymologisiren ist ein gar schlüpferiger Boden. Nicht jeder Einfall darf Berücksichtigung finden. Kohut ließ seine Vorsicht so weit walten, daß er in erster Reihe nur solche Erklärungen aufstellte, welche der traditionellen zur Stütze dienten. Nur wo sich diese überlieferte Erklärung nicht als zulässig erwies, versuchte er selbstständig vorzugehen, wobei er sich bemühte, die alten Deutungen etymologisch zu begründen und die seinigen durch Beweise zu erhärten. Frnis coronat opus! So können wir ausrufen, wenn wir den Index, den 9. Band des Kohut'schen Aruchs betrachten. Der Index enthält in 19 Kapiteln alle Bibel-, Talmud-, Targum- und Midraschstellen, welche im .Aruch, Vorkommen, ferner den Nachweis der Quellen, woraus R. Nathan schöpfte, und Mehreres. Kohut war nicht blos als Forscher, sondern auch als Kanzelredner hervorragend. Er predigte mit gleicher Meisterschaft deutsch, englisch und ungarisch. Seine imposante Erscheinung, sein bestechendes Exterieur sicherten ihm schon im Vorhinein die Gunst seiner Zuhörer, die er durch seine ungemein feurige Vortragsweise zu grenzenloser Begeisterung Hinzureißen verstand. Er erfreute sich nicht nur der Liebe und Verehrung seiner Gemeinde und Glaubensgenossen, sondern auch der weitesten nichtjüdischen Kreise. So verkehrten mit Kohut freundschaftlich u. A. der Cardinal und Erzbischof Haynald, der Bischof von Fünfkirchen Ferdinand Dulansky, der Gouverneur des Staates New-Aork, der gewesene Ministerpräsident Koloman Tisza; sie zeichneten ihn wiederholt aus. Kohut erwirkte erst Erfolge in Ungarn, wo er geboren ward. Nachdem er das jüdisch-theologische Seminar zu Breslau absolvirt hatte, ging er als Rabbiner nach Stuhlweißenburg, später, nach Fünfkirchen und Großwardein. Kurze Zeit hindurch bekleidete er auch das Amt eines Schulinspectors für das Stuhlweißenburger Comitat; seine Ernennung erfolgte durch den damaligen Cultusminister Baron Josef Eötvös, der bekanntlich auch als Dichter und Philosoph einen ehrenvollen Platz auf dem magyarischen lPaxnaß einnahm. Bor etwa 10 Jahren folgte Kohut einem-Rufe nach New-2)ork. Auch dort entwickelte er bald eine fruchtbare und nützliche Thätigckeit. Wesentlich sein Verdienst ist die Begründung des Rabbiner-Seminars zu New-Aork und mancher anderer Institutionen, die seinen Namen in Amerika erhalten werden. Kohut hinterläßt eine zahlreiche Familie. Seine Mutter, eine hochbetagte, aber geistessrische Frau, dürfte den Hintritt ihres Lieblings kaum erfahren. Seine Frau, Tochter des verstorbenen Rabbiners zu Baltimore, Bettelheim, genießt in New-Nork in Folge ihrer großen Wohlthätigkeit und ihres vornehmen Sinnes eine außerordentliche Volksthümlichkeit. Ein Sohn von Kohut, George, gehört ebenfalls dem Rabbinerstande an. Seine zahlreichen wissenschaftlichen und literarischen Publicationen zeigen von unstreitig großer Begabung und Gelehrsamkeit. Ein Bruder des Verstorbenen ist der rühmlichst bekannte Schriftsteller Dr. Adolf Kohut in Berlin, der die deutsche Literatur mit überaus zahlreichen Werken von bleibender Bedeutung bereichert hat und der wegen seiner ersprießlichen literarischen Thätigkeit von deutschen Souveränen und auch vom Kaiser von Oesterreich durch die Verleihung hoher Orden ausgezeichnet wurde. Dr. Alexander Kohut, dem Heimgegangenen Forscher und Kanzelredner, war zwar ein nur allzukurzes Dasein Geschieden, allein er hat es mit dauerndem Gehalte erfüllt. Darum bleibt sein geistiges Bild aufbewahrt in jener Ruhmesballe, wo die weilen, die die Wissenschaft als ihre treuesten Söhne mit dem Lorbeer der Unsterblichkeit schmückt. Reichenberg. Dr. Emil Hofmann, Rabbiner. chorreriponäenLen. Wien. (Aerztekammer). Am 30. Mai fand die Constituirung der Wiener Aerztekammer statt, nachdem in der am 7. desselben Monats vollzogenen Wahl die Candidatenliste des Centralwahlcomites die Majorität erzielte. Das Wahlergebniß kann als erfreulich bezeichnet werden, insoferne ihm das in Wien zur Mode gewordene antisemitische Gepräge vollkommen abgeht. An Gegenagitation fehlte es selbstverständlich nicht. Ein „Wahlausschuß unabhängiger Berufsgenofsen" empfahl für die Wiener Aerztekammer eine nahezu judenreine Wahlliste, in welcher aber gewisse Elemente^ die sich schon öfter im antisemitischen Sinne hervorthaten, nicht fehlten. Die Zusammensetzung der neuen Wiener Aerztekammer bürgt für eine ersprießliche Thätigkeit derselben, welche die diversen Fragen vom rein sachlichen Standpunkte auffassen und Acte persönlicher Gehässigkeit ausschließen wird. In den aus 9 Mitgliedern bestehenden Vorstand wurden die Herren Dr. Heinrich Adler, Dr. Carl Kohn und Dr. Herman Teleky gewählt. Wir begrüßen insbesondere fteudig die Wahl des Dr. Carl Kohn, welcher seit einer langen Reihe von Jahren unermüdlich für das Zustandekommen der Aerztekammer thätig war. Daß ihm das Hauptverdienst in dieser Beziehung zuzuschreiben ist, wird von allen Seiten anerkannt, figurirte doch sein Name sogar in der antisemitischen Wahlliste. Es ist zu wünschen, daß die von ihm und Vielen angestrebte Besserung der ärztlichen Verhältnisse gelingen möge. Denn nach den Worten des Präsidenten in der Eröffnungsrede muß Schaffen und Wirken mit Geduld und Liebe zur Sache den Leitstern der Kammer bilden. Wien. Als Gegenstück zu den vom Abgeordneten Popper vorgebrachten Beschwerden über die Behandlung österreichischer Unterthanen jüdischer Cvnfeffion in Rumänien entnehmen wir Renter's Telegramm einen Bericht über eine ähnliche im Parlamente der Bereinigten Staaten vorgebrachte Klage. Dienstag den 29. Mai wurden im Hause der Repräsentanten in Philadelphia zwei Resolutionen eingebracht, in welchen unter Berufung auf die Thatsache, daß Rußland dem Rabbiner Krauß, einem angesehenen Functionär in Philadelphia, das Paffiren der Grenze verwehrte, die Regierung aufgefordert wurde, von Rußland die stricte Einhaltung des Staats Vertrages zu verlangen, widrigens alle Vertragsbeziehungen gelöst werden würden. Wien. Das Augartenfest.(Eingesendet.)BerehrlicheRedaction! Ihre verehrten Leser wird es gewiß interefsiren, welch glänzendes, materielles Resultat dieses durch zwei Tage abgehaltene schöne Fest brachte. Selbstverständlich nahm das „Deutsche Volksblatt" dieses wie jedes Borkommniß zum Borwand , die Wiener Judenschaft in Folge ihrer zahlreichen Betheiligung an dem Feste zu besudeln. Es verhöhnte die jüdischen Comitsdamen, verhöhnte das zahlreich erschienene jüdische Publicum. Da muß sich denn doch jedem denkenden Menschen die Frage aufdrängen, ob es denn nicht an der Zeit wäre, wenn die Juden, die für die Wohlthaten. mit denen sie die christliche Bevölkerung überschütten, nur frechen Spott, Hohn und

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