Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 23 (8.5.1894)
- Date
- 1894-05-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 450 VesterrrirWche Wochenschrift Nr. 23 Vom Jahrmarkt des Lebens. Dr. Zurkan, der antisemitische Archimandrit und Reichsrathsabgeordneter als Geldverleiher. Ueber die Geldgeschäfte des Herrn Consistorialrathes Dr. Zurkan bringen die „Bukowinaer Nachrichten" vom 3. Juni 1894 aus dem Grundbuche des Landesgerichtes in Czernowitz nachstehende Mittheilung: „So hören wir also etwas von der Blumenlese der hochverzinslichen Geldgeschäfte des Geistlichen Dr. Zurkan. Sehen wir uns erst im Grundbuche des Landesgerichtes um. In der Einlage Zl. 2171 ist Herr Dr. Johann Zurkau auf der Hypothek der Eheleute S. in Rosch mit dem Darlehensbetrage von 1600 fl. sammt lOPercentigen Zinsen und lOPercentigen Verzugszinsen intabulirt. In den Einlagen 1351 und 1721 Eigenthum des H ... in Rasch ist Herr Dr. Johann Zurkan mit dem Darlehensbetrage von 1000 fl., lOPercentigen Zinsen, lOPercentigen Verzugszinsen intabulirt. — Einlage Zl. 961 ist Herr Dr. Johann Zurkan auf das den Eheleuten G . .?in Rosch'gehörige Grundeigenthum mit dem Darlehensbctrage von 1500 fl., lOPercentigen Zinsen, lOPercentigen Verzugszinsen intabulirt- In der Einlage Zl. 2650 G.-Zl. 23.630 ex 1889 ist Herr Dr. Johann Zurkan auf der den Eheleuten F. gehörigen Realität in Czernowitz mit dem Darlehensbetrage von 1000 fl. mit 9percentigen Zinsen, lOPercentigen Verzugszinsen intabulirt. In der Einlage 1688 G.-Zl. 28.803 ex 1891 ist Herr Dr. Johann Zurkan auf dem dem F. in Czernowitz gehörigen Hause mit dem Darlehensbetrage von 500 fl., lOpercentigen Zinsen, lOPercentigen Verzugszinsen intabulirt. In der. Einlage Zl. 551, G.-Zl. 6854 ex 1890 ist Dr. Johann Zurkan auf der den Eheleuten T . . . in Rosch gehörigen Realität mit dem Darlehensbetrage von 600 fl., lOpercentigen Zinsen, lOpercentigen Verzugszinsen intabulirt. — In der Einlage Zl. 950, G.-Z. 5338 ex 1891 ist Herr Dr. Johann Zurkan auf dem dem Georgi alui Nicolai K ... in Rosch gehörigen Grunde mit dem Betrage von 500 fl. sammt lOpercentigen Zinsen, lOpercentigen Verzugszinsen intabulirt. An dieser zur Jflustration des in Rede stehenden Herrn hinreichenden Anzahl von Belegen wollen wir uns, soweit das Landesgericht Czernowitz in Betracht kommt, vorläufig genügen und erwähnen anhangsweise noch den Fall Kozma I . . . in Karapcziu, der lOpercentigen Zinsen, 12percenstgen Verzugszinsen dem Herrn Dr. Johann Zurkan für ein hypothecirtes Darlehen zusichern mußte. Wir sind überzeugt, daß unsere Leser ebenso wie wir und gewiß auch Herr Consistorialrath Dr. Johann Zurkan an dieser kleinen Blumenlese aus dem landesgerichtlichen Grundbuche genug haben, wiewohl, wie gesagt, wir um weitere Daten keineswegs verlegen wären. Wenden wir aber jetzt nur für einen kurzen Augenblick unsere Aufmerksamkeit dem städt.-del. Bezirksgerichte in Czernowitz in Bezug auf Herrn Dr. Johann Zurkan zu und sehen wir, was uns die Acten aus dem Jahre 1882, Zl. 21.360 bis 21.371 und von 21.457 bis 21.473 erzählen. Sie sagen, daß der gegenwärtige Herr Consistorialrath, damals noch Dr. Johann Zurkano wicz — erst im Jahre 1885 erscheint in den Gerichtsacten der Name Zurkanowicz in Zurkan metamorphisirt — ehemaliger Pfarrer von Mamajestie damals unter diesen 37 Gerichtszahlen, Klage- und Executionsgesuche gegen Alt-Mamajestier Insassen wegen Beträge von 3, 4 bis 10 fl. überreicht hat. Der Gerichtsdiener Petryszyn wurde zur Vornahme der Pfändung nach Mamajestie delegirt und legte, da er keine pfandbaren Objecte Vorsand, die Exccutionsanfträge zurück. Gleichzeitig verzichtete er laut Protokoll zur Zl. 17.620 ex 1882 auf das Gang- und Zehrgeld, d. h. auf die Kosten. Er that es aus dem Grunde, weil ihm die Noth und Armuth der Erecuten zu Herzen ging und er es höchst wahrscheinlich als einen Sündenlohn betrachtet hätte, sich von solch' armen Leuten noch Gelder zuerkennen zu lassen. Der arme Gerichtsdiener Petryszyn hat auf die ihm zusteheuden Gebühren humanerweise verzichtet; könnte uns Herr Dr. Johann Zurkan, weil wir cs nicht wissen, es aber voraussetzen, daß er auch so großmüthig und human gewesen sein wird, könnte er uns sagen, ob auch er auf die Gerichts- und Erecutionskosten verzichtet hat, die ihm aus seinen auf autographirten Formularien überreichten Klagen und Gesuchen erwachsen sind? Wir warten die Antwort ab. Pan Verganew und seine Henker. Die „Ostdeutsche Rundschau" vom 2. Juni 1894 bringt unter der Üeberschrift „Verganimoral" einen Artikel über den polnisch-italienischen Urgermanen, dem wir nachstehende Stellen entnehmen: „In seinem Charakter war der Keim desselben Uebels, das bekämpft werden sollte, iws antisemitische, oder eigentlich, da die Deutschnationalen ihn bald hinauswarfen, in's christlich-sociale Lager verpflanzt. Anfangs war's nur ein kleines, zartes, niedliches Corruptiönchen, das sich beim Pauschauliennehmen so täppisch und tolpatschig anstellte, -vie ein junger, noch blinder Köter bei Fressen; aber das liebe Dingelchen wuchs und gedieh, weil's von echter Raffe war, guckte es den Judenblättern getreulich ab und wurde täglich feister und schwammiger — und jetzt sitzt im „Deutschen Volksblatt" eine große dicke, ausgewachsene Corruptiou und kaut mit Wollust und Behagen, wie Meister Petz in Schönbrunn Hühnerknöchclcheu, schmatzend Pauschalien und vorsichtig in Jnseratenscheine eingewickelte Schweiggelder und Bestechungen. Natürlich Alles nur „für das Volk"! Wir haben auf den jüngsten, scheußlichen Fall von journalistischer Verkommenheit, dessen sich Vergani in seinem Blatte schuldig gemacht hat, im letzten Montagsblatte hingewiesen und dieses Vorgehen des „Deutschen Volksblatt" gebührendermaßen als cynisch, korrupt, als gemein und charakterlos gebrandmarkt. Vergani rührte sich nicht; er verdaut noch!" — — — — — — „Bei einem so dicken Fell nützt las Kitzeln nichts. Wir wollten ihm aber nicht die Ausrede lassen, daß unsere Beschuldigungen zu wenig deutlich, zu sehr verclausulirt seien, als daß er uns daraufhin klagen könnte. Wenn wir dem „polnischen Superlativ cynischer Corruption"vor den Geschwornen gegenüberstünden, würden wir's an weiterer feinerer psychologischer Ausmalung des oben nur in groben Strichen entworfenen Charakterbildes Bergani's nicht fehlen lassen. Herrn Dr. Lueger würden wir dann auch bemühen müssen, da wir sein Sachverständigenurtheil darüber einholen würden, inwieweit das Vorgehen Vergani's mit den anticorruptiomstischen Grundsätzen der christlich-socialen Partei vereinbar ist. Das Manuskript dieses Artikels, in des Verfassers eigener Handschrift, steht als eoryns delicti zur geneigten Verfügung. Oder sollte der biedere Vergani auch diesmal es vorzieheu, sich in seinen Brieskcsten zu verkriechen. K. H. Wolf." Selbstverständlich, daß der Geriebene und Geschmierte eine solche Einladung dankend ablehut, beschimpft aber das „Vaterland", weil es diese seine Photographie wörtlich reproducirte. In der Abendausgabe vom 6. d. M. des „Vaterland" erhält er nun folgende Abfertigung: „Die Furcht vor der gerichtlichen Reinwaschung ist ein bemerkenswerthes Symptom der moralischen Wasserscheu. Das „Deutsche Volksblatt" erklärt heute, daß, so lange seine Gesinnungsgenossen mit seinem (ihm vorgeworfenen) Geschäfts-Äntisemitismus einverstanden sind, alle Verleumdungen nichts nützen werden und daß die „Ostdeutsche Vaterlandsmoral" es vollständig kalt' lasse. Nun handelt es sich ober in dieser Affaire gar nicht um die Moral des „Vaterland" oder der „Ostdeutschen Rundschau", gegen welche nirgends eine Anklage erhoben wurde, sondern um die „Vergani-Mora l", .gegen welche unter Anführung bestimmter Thatsachen die schwersten Jnzichten vorgebracht wurden. Hier muß gerichtlich erhärtet werden, daß diese Anklagen Verleumdungen sind " „Wenn sich übrigens das „Deutsche Volksblatt" darauf freut, sich in der saueren Gurkenzeit mit uns herumzubalgen, so wird es eine Enttäuschung erleben. Wir überantworten den Delinquenten zur weiteren Amtshandlung dem Herrn Wolf von der „Ostdeutschen Rundschau", der dessen Halsweite genau kennt und ihn hoffentlich nicht über Gebühr wird leiden laffen". Jesus Christus iw österreichischen Parlamente. Gelegentlich der Debatte über den Bericht des Gewerbeausschusses, betreffend die Verhältnisse in den nördlichen Montan-Revieren, kam Abgeordneter Siegmund auf die Aeußerung des Abgeordneten Pernerstorfer zurück, wonach Jesus Christus heute in Ostrau und Falkenau auf Seite der Arbeiter stünde. „Jesus Christus würde, wenn er in diese Kohlenreviere käme, höchst wahrscheinlich nicht mit David Starck, dem Grafen Larisch, Gutmann und Rothschild gehen, sondern mit den Bergarbeitern. Er würde Wünsche anhören und alles Mögliche thun, um diesen Unterdrückten eine Stütze zu werden." Da fiel der Zwischenruf seitens des Abgeordneten Schlesinger: „Und wenn er auf die Börse ginge?" Spricht aus diesem Zwischenruf seitens eines der Elite des Antisemitenthums angehörenden Abgeordneten nicht der blindwüthigste Haß, der selbst vor dem Heiligsten eines Christen nicht Halt machen kann? Das Coalitionsministerium. Der Herr Abgeordnete Lueger hat behauptet, die Antisemiten hätten niemals die Unterstützung des früheren Ministeriums Taaffe gefunden, ebensowenig wie diejenige des gegenwärtigen Cabinets Windischgrätz. Der Abgeordnete Lueger hat durchaus Recht. Weder das jetzige noch das frühere Ministerium hat die Antisemiten unterstützt — es hat bios ihre Gegner im Kampfe gehindert. Das Ministerium hat Herrn Deckert nicht bezahlt, seine Reden von der Kanzel zu halten, aber es hinderte Herrn Schrammel, über Herrn Deckert zu sagen, was er und Andere über diesen gewiegten Geschäftsmann denken. Bauern und Junker. Herr A h l w a r d t arbeitet mit vollem Dampf auf eine .Revolution gegen den Adel los. Seit dem 7. April d. I. gibt er eine Wochenschrift heraus, der „Bundschuh" betitelt, welche seine Parole „Wider Juden und Junker" in jeder Nummer predigt. Ahlwardt schreibt in Nr. 1 seiner Zeitschrift über die Bauern: „Die Herren trugen damals Stiefel, während Bauern und Leibeigene Schuhe trugen, die mit einem dünnen Riemen, dein Bund, zu-