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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-05-08 · 23 (8.5.1894) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
23 (8.5.1894)
Date
1894-05-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 23 Vesterreichiphr BVochenschrM Seite 447 Wo man in solch anerkennender Weise das ehrliche nationale Streben der ungarischen Inden zu würdigen weiß, braucht uns vor dem Eindringen der antisemitischen Pestilenz nicht bange zu werden, selbst wenn nach Wekerle eine politische Reaction eintreten sollte. Die neue Regierung kann die Gesetzlichkeit der Receptionsvorlage verlangsamen, vernichten kann sic sie nicht. Wie ich bereits in einem meiner früheren Briefe mit« theilte, errichtete der israel. Handwerker- und Ackerbauverein zur 50. Jahreswende seines humanitären Wirkens für seine Schützlinge ein Lehrlingsheim, das am 20. v. M. gelegentlich der abgehaltenen Jubiläumsfeier unter lebhafter Betheiligung der hauptstädtischen Bevölkerung eingeweiht wurde. Zur Doppelfeier erschienen namentlich: Handelsminister Bela Lukac s, die Staatssecretäre Eduard Reißig und Albert Berzeviczy, Ministerialrath Alex. Liptay, (die Letzteren zwei in Vertretung des Unterrichtsministers), Ober- Bürgermeister Carl Rath, Vice-Bürgermeister Josef Markus, Sigmund v. Falk, v. Rath, Präses des Landes-Jndustrievereines, die Gemeindevorsteher Carl Kohner, Martin Schweiger und viele Andere. Nach der begeisterten Eröffnungsansprache des Vereinspräsidenten Reichstagsabgeordneten Dr. Alexander Neumann, ergriff Minister Luk acs das Wort und drückte der Leitung des Vereines seinen Dank für ihr edles Wirken und ihre eifrige Thätigkeit aus. Er dankte auch all' Denen, die an dem Bestände dieses nützlichen Institutes mitwirkten. Dann setzte er fort: „Geehrte Generalversammlung! Die vielleicht bescheidene, aber an und für sich bedeutende Thätigkeit dieses Vereines läßt auf ein sehr interessantes und lehrreiches Moment schließen. Sie zeigt, daß die Arbeitsamkeit und Thätigkeit in diesem Lande nicht blos einen Boden findet, sondern auch volle Kraft entfalten kann. Das halbhundertjährige Wirken und Bestehen dieses Vereines legt davon Zeugniß ab, daß in unserem Vaterlande Jeder ohne Unterschied des Ranges und des Glaubens seine Glückseligkeit suchen, daß die b ü r g e r l i ch e Arb ei t un d Th ä t i gkeit unter dem schirmenden Schild der Freiheit ihre Krast entwickeln kann und daß man von ihm nur Eines fordert: daß er nämlich ein wahrer Patriot sei. Die bisherige Wirksamkeit des Vereinessei das Unterpfand auch für die Zukunft. Auch ich für meinen Theil schließe mich bereitwilligst dem Wunsche an, dem der Herr Präsident Ausdruck gegeben: Die Pflege des Gefühls der Zusammengehörigkeit und die Pflege des patriotischen Gefühls seien auch fernerhin die leitenden Ideen des Vereines." Ministerialrath Stefan Liptay verdolmetschte im Aufträge des am Erscheinen verhinderten Ackerbauministers seine hohe und warme Sympathie für den israelitischen Handwerker¬ und Jndustrieverein und sagte zum Schluß, „daß er hinsichtlich der Zukunft das vollste Vertrauen hegt, daß der Verein seine im Interesse derVolkswirthschaft ausgesteckten großen Ziele verwirklichen wird." Unterrichtsminister Graf A l b i n C s a k y entschuldigt sein Fernbleiben in einem Schreiben, in welchem er dem Vereine seinen aufrichtigen Gruß und seine volle Anerkennung überschickt. Ober-Bürgermeister Karl Rath begrüßte in ebenfalls herzlichen und dabei schwungvollen Worten das Wirken des Vereines und sprach unter Anderem: „Es ist mir angenehme Pflicht der Vereinsleitung den Dank der hauptstädtischen Behörde auszusprechen, der heutige Tag ist nichtnur für den Verein e i n Fre u d e n t a g," s on d e rn auch .für das M u n ic i p iu m der Haupt- und Residenzstadt, welche einen so gut organisirteu cult ure l len und humanit äre n Verein besitzt. Erhebend waren die Ansprachen auch der folgenden Redner, sowie der ganze Verlauf der seltenen Feier, dessen ausführliche Schilderung uns der enge Rahmen unserer Berichte leider nicht gestattet. _ B. M. Vrlhergen und Klastngs Monats hefte. Ein Wort der Abwehr. Niemand polemisirt eigentlich gerne. Höchstens ein journalistischer Klopffechter, der sich gerne bemerklich macht und zeigen will, was für eine feine Klinge er, gleichviel gegen wen immer, zu führen gelernt hat. Und thut er das in seinem Kämmerlein, das heißt an einem Orte, wo ihm Wenige zuschauen können, so läßt man ihn seine Lufthiebe führen, so lang es ihm freut oder so lange, bis ihm der Arm erlahmt. Denn äufthiebe, dies weiß Jeder, der einmal eine Klinge regiert, ermüden sehr bald. Bethätigt er seinen Kampfmuth aber auf offenem Markte also, dann ist es gut, wenn ihm wer die Waffe aus der Hand schlägt oder aber seinen Degen mit ihm kreuzt zu ehrlichem Gefechte. Denn es kann leicht Einer verwundet werden aus den Umstehenden. Sich zum Duell mit Herrn Paul von Szczepanski engag iren kann Niemand. Denn Herr von Szczepanski hat in seinem Blatte — es gehört nicht ihm, denn noch ist kein Klopffechter reich geworden! — also in dem Blatte, das er leitet, einen Artikel in der sogenannten Judenfrage vom Stapel gelassen. Er knüpft an das Erscheinen eines Buches an, das wir nicht kennen. Es heißt: „Freiheit, Liebe, Menschlichkeit" und bringt, wie das schon einmal Mode, Aussprüche mehr oder minder bekannter Zeitgenossen zur Judenfrage. Natürlich im Sinne der Abwehr — denn sonst hätte sich Herr von Szczepanski nicht zu ereifern gebraucht. Verlegt hat's ein Verleger, von dem wir gleichfalls zuerst ans diesem Anlasse gehört haben, der, nach Herrn von Szczepanski, auch Schandliteratur vertreibt. Wir müssen's ihm glauben, denn auf diesem Gebiete erkennen wir willig seine überlegene Sachkenntnis an. Wir würden uns überhaupt nicht mit dem Redacteur von Velhagen und Klasing's Monatsheften beschäftigen, wäre das Blatt, in dem sein Artikel erschienen, nicht so ungeheuer verbreitet, nicht so, nach seiner Natur, ungeheuer einflußreich. Es ist das specifisch evangelische Familienblatt, in ganz Norddeutschland wird's gelesen, wird mit echt norddeutscher Gründlichkeit von allen Familienmitgliedern, und zwar von der ersten bis zur letzten Seite studirt. Und wenn nun so ein Artikel voll grimmigen Judenhasses darin erscheint, wie ihn Herr von Szczepanski für nothwendig befunden, dann ist das Brunnen- Vergiftung im eigensten Sinne des Wortes. Denn wer immer kömmt und eine Labung zu finden vermeint, der empfängt das Gift und hat vielleicht für sein Leben daran zu tragen. Sonst geht uns Herr von Szczepanski nichts an, wir kennen nicht ihn, nicht seine Romane, die ganz gut sein sollen. Wir müssen nicht von Allem haben, und es wird so viel Gutes geschrieben, daß man nicht gut folgen kann. Es sei denn, man erwähle sich weise eine Specialität, wie Herr von Szczepanski gethan zu haben scheint. Siehe oben. Im Uebrigen ist sein Artikel ein Meisterstück. Es wird nämlich furchtbar viel geschimpft darin, und das ist billig, bequem und wirksam. Er fällt über Jeden her, an dem er sich zu reiben traut. So über Hermann Lingg, gewiß einen Urgermanen, so über Sacher-Masoch, den wir ihm ruhig preisgeben. Da hat sich wirklich ein ungemeines Talent gänzlich verludert, theilweise durch Anlage, theilweise aber auch durch die beispiellose Misere deutscher Verlagsverhältnisse, die Jeden zwingen, zu schleudern, wsnn er nicht Vermögen, Stellung oder beispielloses Glück hat. Daran aber sind die Juden gewiß unschuldig , denn es gibt wenig jüdische Verlagsfirmen, und die beherrschen den Markt nicht. Die das thun, die einen Ring bilden, an den bald jeder Autor bedingungs- und wehrlos ausgeliefert sein wird, das sind Urchristen, wie die Herren Gebrüder Kröner — Cotta's Nachfolger, Hallberger und Schönlein, die alle beide in eine Actien-Gesellschaft zusammengeschweißt sind, die von Tag zu Tag gebietender auftritt. Ihr gehört die unbedingte Mehrheit der deutschen Zeitschriften : ihr frohnen die meisten deutschen Autoren. Ob zum Vortheile nicht nur etwa einzelner „Lieblinge", sondern der Gesammtheit? Dies ist so ausgemacht noch nicht. Herr von Szczepanski möchte aus denen, die ihr Votum in der Judenfrage abgeben dürfen, drei Kategorien ausgeschieden wissen: Juden, getauft wie ungetanst, Gatten von Jüdinnen, Schriftsteller, die für jüdische Verleger arbeiten. Er hat Recht; denn es ziemt Niemanden, ungebeten in eigenster Sache das Wort zu nehmen, und Niemand soll Zeugniß legen, dessen Wort nicht ganz unbeeinflußt ist. Dies ist ein uralter Rechtsgrundfah, den sogar der Talmud. den Schreiber dieser Zeilen niemals auch nur mit einem Auge gesehen hat, anerkannt haben dürfte. Er soll aber noch eine vierte Classe dazuthun und wir sind vollkommen einig. Noch minder darf Jemand im Streite seine Stimme erheben, dessen Interessen von einem offen oder insgeheim antisemitischen Verlag abhängen. Wir wollten mal sehen, auf wessen Seite da der Nachtheil wäre, wie rasch sich die Fluth der Flugschriften, deren Anzahl heute den Bücherschrein des Liebhabers zu sprengen droht, im Sand verlaufen möchte! Wir wollen nur ehrlich ---

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