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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-06-01 · 22 (1.6.1894) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
22 (1.6.1894)
Date
1894-06-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Sette 438 Deflerreichischr WochenschrM Nr. 22 riellen Richtung der Zeit gemäß macht sich gegenwärtig der noch immer rege und begabte Geist der Triescher Israeliten mehr auf industriellem Gebiete geltend. Nicht weniger als drei solcher Firmen von Weltruf beherbergt dieser Ort. Da sind Moritz Meißner's Söhne mit ihrer Erzeugung von Zündwaaren und Leuchtfarben, die mit ihren Ausstellungsobjecten im Wiener Prater bereits die Beachtung und Anerkennung Sr. Majestät des Kaisers errangen. Weit über die Meere hin, nach Indien und China, werden deren Erzeugnisse hingeführt. Da find Adolf Münch's Söhne, Tuchfabrikanten und Erzeuger berühmter türkischer Fez, die überdies auch mannigfach von Bedeutung für die österreichischen Staatsinteressen sind. Sie haben auch in Paracsin eine großartige Tuchfabrik, die einzige in Serbien, errichtet, die mit seinem Besuche auszuzeichnen, König Alexander sich bereits angelegen sein ließ. Hierbei erhielt auch einer der verdienstvollen Brüder den Takowa-Orden. Auch Herrn Berthold Münch aus Triesch ward erst unlängst anläßlich seiner Ausstellung in Wien die Ehre zutheil, Sr. Majestät dem Kaiser vorgestellt zu werden. Da endlich ist auch die großartige Möbelfabrik von Moritz Knapp und Stern. Von welch künstlerischer Art die Erzeugnisse dieser Fabrik sind, läßt sich schon darnach beurtheilen, daß Herr Knapp es war, welchen der mährische Hochadel mit der Anfertigung eines Kastens betraute, der eines historischen Interesses nicht entrathen dürfte. Zum 40jährigen Regierungsjubiläum' huldigte der mäbrische Hochadel Sr. Majestät unserem Kaiser mit diesem Kasten, welcher in seinen Fächern die Abbildung aller adeligen Schlösser in Mähren enthielt. Es gelang aber auch Herrn Knapp, ein Prachtstück herzustellen, für welches ihm und feinen Arbeitern Se. Majestät der Kaiser huldvolle Worte der Anerkennung aussprechen ließ. Ist es nun wirklich wahr, daß die Israeliten, insofern sie regen Geistes zu sein pflegen, ihrer Umgebung zum Nachtheile dienen? Man sehe nur, zu welch blühendem Zustande seitdem die Möbelerzeugung in Triesch überhaupt sich emporgehoben hat. Denn', werdie Wege erschließt, den Blick über die engen Grenzen hinauslenken lehrt, der ist, ob ihn auch engherzige Neider für ihre eigene Inferiorität verantwortlich machen möchten, doch für seine Zeitgenossen und für spätere Generationen ein Pfadfinder. An allen diesen bedeutungsvollen Männern ist überdies ein warmes Herz für's Judenthum, eine rührende Hingebung für die Interessen der Cultusgemeinde zu rühmen. Kein Opfer, keine Mühe ist ihnen zu groß, wo es diese gilt. Czernowitz. (Das Leichenbegängniß des Abgeordneten Heinrich Wagner.) Die Leiche des Abgeordneten Heinrich Wagner, ist mit dem Abendzuge Dienstag am Bahnhofe angelangt und von einer zahlreichen Menschenmenge empfangen worden. Den Sarg schmückten zahllose Blumenkränze. Nach Verrichtung der rituellen Gebete im Trauerhause durch den Obercantor Rosenheck wurde der Sarg von den Ausschußmitgliedern des Commis- und Buchhalter-Unterstützungsvereins in den Tempel getragen. Der Tempel, schwarz decorirt, war kaum im Stande, die große Anzahl der Trauergäste, welche das Innere und die Galerien füllten, zu fassen. Unter den Trauergästen bemerkten wir die Regierungsräthe Stroner und Pompe, Bürgermeister von Kochanowski, Vicebürgermeister Dr. Reiß mit sämmtlichen Gemeinderäthen, Landeshauptmann-Stellvertreter Dr.> Rott, Landesausschuß Br. Mustatza, Landesrath Zachar, die Landtagsabgeordneten Smal-Stocki, Pihuliak, Kohn, den Cultusgemeindepräsidenten Naftali Tittinger mit dem Cultusrath, Rabbiner Weiß, Ober- Landesgerichtsrath Winicki, Regierungsrath Wislocki, die Landesgerichtsräthe Jasiniecki, Kalitowski, Czarnecki, die Rathssecretäre Dr. Barber und Dr. Salter, Oberst Manoylowicz mit mehreren Officieren, den Präsidenten der Handels- und Gewerbekammer Langenhan mit dem Kammersecretär Dr. Wiglitzky, den Ausschuß der Frucht- und Productenbörse, die Universitätsprofessoren Rector Kleinwächter. Repta, Handl, Zieglauer und Przibram, Schulrath Jsopescul, Gymnafialdirector Dr. Tumlirz mit mehreren Professoren, sämmtliche Magistratsbeamten, Advocaten, Notare, die Beamten der Sparcasse, Deputattonen sämmtlicher Vereine, denen der Verstorbene angehörte, viele Freunde und Bekannte des Verblichenen, sowie eine ungeheure Menschenmenge. Oberrabbiner Dr. Rosenfeld widmete demselben einen erhebenden Nachruf. Zum Schlüsse verrichtete Redner das Gebet für das Seelenheil des Verstorbenen. Nach Abfingung eines Trauerpsalmes sang der Männergefangverein das erhebende Lied „Es ist bestimmt in Gottes Rath," welches auf die Anwesenden einen mächtigen Eindruck übte. Unter Trauergesängen wurde die Leiche von den Ausschußmitgliedern des Commis- und Buchhalter-Unterstützungsvereines aus dem Tempel getragen, worauf sich der Leichenzug in Bewegung setzte. Voran.fuhr der mit Kränzen überaus reich beladene Blumenwagen, dann folgten die Stadtfahne und die Fahne des Turnvereines, sodann der Sarg, der bis zum Friedhofe von Mitgliedern des Commis- und Buchhalter-Unterstützungsvereines getragen wurde. Hinter demselben schritten Oberrabbiner Dr. Rosenfeld, Obercantor Rosenheck mit dem Chorpersonale, die Witwe, geführt von ihrem Neffen, Herrn Rechen, und die übrigen Leidtragenden. Sodann folgte der sechsspännige Leichenwagen, auf dem auch viele Kränze waren. In den Gaffen, die der Zug Passirte, brannten die Lampen und eine ungeheure Menschenmenge bildete Spalier. Vor dem Eingang in den Friedhof hielt Rabbiner Weiß dem Todten einen warmen Nachruf, in welchem er Heinrich Wagner als treuen Anhänger seines Glaubens und wahren Freund seines Volkes, als edlen Wohlthäter und überzeugungstreuen Politiker feierte. Als das Thor des Friedhofs geöffnet wurde, ergoß sich der ungeheure Menschenstrom ins Innere. Der Präsident der israelitischen Cultusgemeinde Naftali Tittinger brachte im Namen derselben dem dahingeschiedenen Vorstandsmitgliede den letzten Gruß, worauf Prof. Dr. Handl, namens des Vereines für politischen und', wirtschaftlichen Fortschritt die Verdienste des Dahingeschiedenen um die liberale Partei, seine treue Anhänglichkeit an die Principien derselben hervorhob und mit dem Rufe schloß „Ehre seinem Angedenken". Hierauf ergriff Dr. Straucher als Vicepräsident des Vereines „Machst Luewjon" das Wort, rühmte in warmer zu Herzen gehender Rede die edlen Eigenschaften Wagner's, der oft die niedrigsten Hütten besuchte, um die Armuth in ihrem Heim aufzusuchen und zu helfen, wo es zu helfen galt, der sich der verschämten Armen annahm und ihr Elend zu lindern sich bemühte. Namens der eigenen Familie sprach Vicebürgermeister Dr. Reiß, der mit zitternder Stimme, thränenden Auges dem todten Freunde den letzten Gruß der Seinen brachte. Oberrabbiner Dr. Rosenfeld sprach noch am offenen Grabe ein kurzes Gebet für die Seele des Verstorbenen, worauf die Freunde und Verwandten ihm den letzten Liebesdienst erwiesen und eine Erdscholle in seine letzte Ruhestätte hinabwarfen. Dumpf kollerte die Erde auf den Sarg hinab, und mitten durch das eintönige Geräusch erklang ein schwermüthiges Todtenlied, das von dem Tempelchor executirt wurde. Hiemit nahm diese imposante Trauerfeier ihr Ende. München. 18. Mai. Der verstorbene hiesige Vorstand der Cultusgemeinde Hermann Müller hat gemeinsam mit seiner jetzigen Witwe Folgendes verfügt: „Der israelitischen Cultusgemeinde München vermachen wir den Betrag von 35.000 Mark. Wir machen der Vermächtnißnehmerin die Aufgabe, damit eine Stiftung mit der Bezeichnung : „Hermann und Jettchen Müller'sche allgemeine Wohlthätigkeitsstiftung" zu begründen. Während ein Zehntel der Erträgnisse dieser Stiftung auf ewige Zeiten dem Capitalsstocke zugefügt werden soll, sollen die übrigen Erträgnisse nach Abzug der Kosten der Vsrwaltung zur freien Verfügung der Vermächtnißnehmerin stehen, um damit je nach dem vorliegenden Bedürfnisse Erziehungszwecke, gemeinnützige Zwecke innerhalb des Judenthums ohne Rücksicht auf Ort und Land zu fördern, der Noth und Armuth zu steuern und die bürgerliche Stellung der Juden zu verbessern." Frau Jettchen Müller hat nun, wiewohl die Stiftung erst nach ihrem Ableben zu errichten gewesen wäre, schon jetzt den ganzen zu der Stiftung bestimmten Betrag der hiesigen Cultusgemeinde zur Verfügung gestellt und damit für ihre ganze Lebenszeit auf die erheblichen Renten des Stiftungskapitals verzichtet. VermWter;. Wien—Fünfhaus. Herr Dr. Israel Taglicht wird Freitag, den 1. Juni d. I. beim Abendgottesdienste im Gemeindetempel, Fünfhaus, Turnergasse Nr. 22 eine Exhorte abhalten.

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