Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 22 (1.6.1894)
- Date
- 1894-06-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 22 Veflrrretttztsrhe Wochrnschrifl Sette 437 sich kein arischer Industrieller oder Kaufmann herbeilassen wollte, an der Deputation theilzunehmen. Nach einem Decennium sein Herz entdecken und einen Verstorbenen für seine Partei zu reclamiren, ist ein antisemitisches Gaunerstückchen ä la Berganew. Wien. (Antisemitische Jugend.) Bor dem Strafrichter des Bezirksgerichtes Leopoldstadt erscheint der fünfzehnjährige Karl Mark unter der dreifachen Anklage, wegen Uebertretung gegen die öffentliche Sicherheit, der Wachebeleidigung" und der leichten körperlichen Beschädigung. Vom Richter Doctor Mraczek über das Alter befragt, vermag weder der Knabe, der acht Jahre die Schule besuchte, noch der Vater das Datum anzugeben, au welchem der Angeklagte geboren, so daß der Richter in Zweifel geräth, ob der Knabe überhaupt unter die Rechtskraft der Gesetze falle. Erst als der hoffnungsvolle Junge naiv bemerkte, schon einmal mit zwölf Stunden Arrests abgestraft zu sein, kann zur Strafverhandlung geschritten werden. — Laut der polizeilichen Note gefährdete der Angeklagte die vorübergehenden Passanten am Praterstern mit aus einer Gummischleuder geworfenen Steinen derart, daß die Dienstmädchen fluchtartig den Platz passirten, um die sie begleitenden Kinder vor einem Unglück zu bewahren. Als ein Wachmann den übermüthigen Jungen arretiren wollte, entfloh dieser, dem Sicherheitsorgan eine lange Nase drehend. Ungefähr eine halbe Stunde darnach verlegte der Junge den Schauplatz seiner Thätigkeit vor den Nordbahuhof, wo er mit einem Trupp gleicherzogener Knaben die ankommenden Reisenden, sofern er sie für Juden hielt, mit antisemitischen Zurufen belästigte. Mit dem Rufe: „Da kommt schon wieder ein polnischer Jud'", stürzten sich die Knaben auf einen alten, schwer beladenen Mann, der sich vergeblich nach einer Hilfe umsah. Mark stieß dem alten Mann, der sich nicht wehren konnte, mit aller Gewalt eine brennende Lunte zwischen die Augen. Ein Kaffeehausbesucher, der Assecuranzbeamte Eigner, der die ganze Scene vom Fenster des Kaffeehauses aus beobachtet hatte, lief hinaus und requirirte einen Wachmann, der dem Treiben der Jungen bald ein Ende machte. Der rohe Knabe ist der ihm zur Last gelegten Thatsachen vollkommen geständig, nur will er die lange Nase nicht dem Sicherheitswachmann, sondern einem anderen Knaben gezeigt haben. Der Urtheilsspruch mußte wegen Vorladung des Sicherheitswachmannes, der gegenwärtig zur Waffenübung eingerückt ist, vertagt werden. Dem Vater des Knaben, der der Verhandlung auwohnte, wurde vom Richter Dr. Mraczek, der eindringliche Rath zu Theil, den Knaben, der nichts gelernt hat und gegenwärtig Statist im Circus Busch ist, einer Besserungsanstalt zu übergeben. Budapest. (Die Generalversammlung des Bester israelitischen F raue »Vereines.) Dieser wohlthätige Verein, dessen segensreiche Wirksamkeit zu schildern wir schon so oft Gelegenheit hatten, hielt unter Vorsitz seiner Präsidentin, der edlen Frau Johanna Bischitz, am 16. Mai seine Generalversammlung unter reger Betheiligung seiner Mitglieder ab. Wohlthun, sich der Armen und Verlassenen, der Witwen und Waisen, der Kummerbelasteten, der Verstoßenen des Glückes anzunehmen, ist das schönste Vorrecht der Frauen, und die edlen Damen, die an der Spitze dieses Vereines stehen, üben dasselbe in schönster und großmüthigster Weise. Deutlicher, als alle Lobpreisungen es vermögen, beweisen dies die trockenen Daten des Jahresberichtes und deshalb lassen wir denselben ohne weitere Bemerkung folgen. Im abgelaufenen Berwaltungsjahre wurden an Unterstützungen rc. zusammen fl. 26.009 vertyeilt. Im Mädchenwaisenhause dieses Vereines wurden 58 gänzlich verwaiste Kinder, im Waisenasyle 50 halbverwaiste Kinder erzogen. In der Volksküche des Vereines speisten in der Zeit vom 1. April vorigen Jahres bis 1. April dieses Jahres 40.047 Personen ohne Unterschied der Confession, hievon gänzlich gratis 21.737 Personen, zumeist arme Studirende. Die Verwaltungskosten der Volksküche betrugen fl. 15.31307. Die Gesammtaus. gaben für sämmtliche Zweige seiner Humanitären Wirksamkeit inclusive der allgemeinen Verwaltungskosten des Vereines betrugen fl. 70.299°99, welchen nur Einnahmen im Betrage von fl. 68'093'06 gegenüberstehen. In pietätvoller Weise gedenkt der Bericht des Ablebens Ludwig Kossuth's, sowie der übrigen großen Verluste des Vereines, namentlich Mayer v. Krauß' und Bernhard v. Deutsch. Hierauf wurden jene zahlreichen Stiftungen, Legate und Spenden aufgezählt, die im abgelaufenen Jahre eingefloffen und in erster Reihe die hochherzige Subvention des Herrn Baron M. v. Hirsch in Paris für das Halbwaisenasyl hervorgehoben, durch welche es wieder ermöglicht wurde, daß die genannte Anstalt auch im letzten Jahre ihrem schönen Berufe entsprechen konnte. Der Bericht wurde zur Kenntniß genommen und sowohl der unermüdlichen Präsidentin, als auch der rastlos thätigen Frau Vicepräsidentin und Kassierin Marie Herzl, schließlich den Vorsteherinnen, Ausschußmitgliedern und dem Vereinssecretär für ihr ersprießliches und hingebungsvolles Wirken, sowie der hauptstädtischen Commune und der Presse derDank ausgesprochen. Zu Nechnungsrevisoren wurden die Herren Ludwig Bischitz, Sigmund Kornfeld, Wilhelm Leipziger, Bernhard Stern und Emerich v. Ullmann gewählt. Zum Schluffe erfolgte die Neuwahl der Vereinsleitung. Die Wahl einer Präsidentin entfiel, da Frau Johanna Bischitz in der vor drei Jahren abgehaltenen Jubiläums-Generalversammlung zur lebenslänglichen Präsidentin gewählt wurde. Zur Vicepräsidentin wurde abermals und einstimmig Frau Marie Herzl, ferner zu Ausschußmitgliedern die Damen Minna Adler. Rosa Basch, Eugenie Bamberger, Anna v. Brüll, Pauline Czillag, Aranka Deutsch, Marianna Deutsch, Vilma Deutsch, Babette Fleischl, Charlotte Freund, Jlka Friedmann, Jda Fürst, Josefine Ganz, Therese Geiger, Kornette Heidlberg, Rosa Heidlberg, Karoline Herz, Jda Hirsch, Antonie Keppich, Irma Kern, Katharina Kohn, Cäcilie Kohn, Betti Kornfeld, Gabriele Körösi, Renee v. Krauß, Marie v. Lederer, Jenny Leipziger, Leonie Löw, Louise v. Neumann, Jenny Neumann, Amelie Neumann, Anica Neuschloß, Minna Palotai, Amalia Pfeifer, Rosalia Popper, Nina Reich, Pauline Reinitz, Ernestine Schreiber, Charlotte Schwarz, Eugenie Schweiger, Mary Straßer, Laura Stricker, Rosa Schmidt, Betti v. Ullmann, Ernestine v. Wahl und Nanette Wolfner wieder- und Marie Deutsch und Adele Frank neugewählt. Proig, 28. Mai 1894. (Gründung eines Mädchen- Waisenheims für das Königreich Böhmen.) Der Ausspruch eines hervorragenden Denkers: „Stimmen sollen gewogen und nicht gezählt werden", kann mit vollem Rechte auch auf Jahre angewendet werden, insbesondere aber auf die wenigen Jahre, welche erst der „Kreuzerverein zur Unterstützung israel. Waisenmädchen aus dem Königreiche Böhmen" besteht. Soeben veröffentlicht der Verein seinen 16. Jahresbericht und was hat der Verein in diesen wenigen Jahren geleistet? Ein Blick auf den Geschäftsausweis gibt uns die Antwort. Der Verein verfügt über ein Vermögen von fl. 128.703'58, vertheilt alljährlich 160 Stipendien im Gesammtbetrage von fl. 7325 und ist durch die Munificenz eines hervorragenden Directionsmitgliedes in die Lage gekommen, das von der Gründung an angestrebte Ziel — die Errichtung eines Waisenheims — der Verwirklichung entgegen zu führen. Der Verein hat bereits zu diesem Zwecke ein Haus angekauft, welches adaptirt und schon im nächsten Jahre als „Waisenheim" vorläufig für 20 Mädchen eröffnet werden wird. Das sind Thatsachen, die mehr sagen, als die schönsten Worte es auszudrücken vermögen. Solche Erfolge in einer so kurzen Frist bedürfen keines weiteren Commentars! Die Herren, die an der Spitze dieses Vereines sind und in der selbstlosesten Weise mit voller Hingebung und mit nicht unbedeutenden Opfern an Mühe und Geld ihres Amtes walten, sind folgende: Obmann: Herr Sigm. Mauthner, Obmann-Stellvertreter: Seligm. Elbogen, Cassier: Sigm. Haurowitz, ferner die Herren: Sigm. Beer, K. R. Philipp Beck, A. Bloch, Heinrich Denhof, S. Dewidels. D. Bunzel- Federn, Hermann Grab, Moritz Hahn, Rob. Fuchs, Ad. Heller, Sigm. B. Neustadtl, B. Wälsch u. n. A. Prag. 25. Mai. Auf Grund des Ausnahmsgesetzes wurde das Erscheinen der antisemitischen Zeitschrift: „Nase Zajmy" und „Ceske Zajmy" (Unsere, beziehungsweise czechische Interessen) eingestellt. (Straferhöhung.) Vor einiger Zeit wurde bekanntlich der Redacteur des antisemitischen Blattes „Nase Zajmy", Jaromir Husek, wegen des Vergehens der Störung der öffentlichen Ruhe nach § 202 Strafgesetz, begangen durch mehrere Artikel in dem genannten Blatte, vom Prager Ausnahmsgerichte zu einem Monat Arrest verurtheilt. Gegen dieses Urtheil ergriff die Staatsanwaltschaft die Berufung an den Obersten Gerichtshof in Wien, welcher einem Anträge des General-Procurators gemäß die Strafe Husek's auf zwei Monate strengen, mit Fasten verschärften Arrest erhöhte. Triesch. Einst ragte die Triescher israelittsche Cultusgemeinde durch bedeutende Talmudisten und Hebräisten hervor. Da wurde dieselbe sogar Klein-Jerusalem genannt. Der miaaimäsmii^mäauassäam LMM» 0 - ir.-y f ' ■i