Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 22 (1.6.1894)
- Date
- 1894-06-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 22 Vestrrrelchiptzr Wortzensttzrifl Seite 431 die Geschäfte des Antisemitismus zu betreiben und aus die innere Zusammengehörigkeit der Antisemiten und Cvuservcniveu selbst in einem Augenblick hinzuweisen, wo die Antisemiten den Confer v a t i v e n ihre Mandate st r e i t i g machen. Ebenso wie das Borhandensein eines Ahlwardt das Niveau des Reichstags herunterdrückt, ebenso wird die g a n; e P o l i t i k h e r untergezogen, >v e n u d i e A g i t a t i 0 it in den Wahlkreisen von so anrüchigen Elementen betriebet: wird, w i e es z u m T h e i l die antisemitischen Führer n i: d Redner s. i n d. Der Wahlkampf, der früher ein Kamps der Ueberzeugungen war. wird zu einer würdelosen Katzbalgerei, und man kann es begreifen, wenn anständige teilte sich scheuen, in ihn einzutretcn. Und doch sollten sie es t h u i:, ja es wäre ihre P f l i ch t, e s z n 1 h u n , benn nur burtf) i)ie allerregste Agitation kann der B v l k s v e r d e r b u n g e n t g e g enge a v 6 e i t e t w e v b e u , d r e j e tz t v o n d e n Ä n t i s e n: i t e n betrieben wird. Das ist aber nicht nur die Pflicht aller anständigen Leute, sondern auch die der Regierung. Senn heute ein Staatsbeamter f i ch als s o c iald e n: o k r a t > s ch e r A b g e o r d n e t e r a u s st e l l e n ließe, so w ä r e e r z w s i f e l s o h n e die l ä n g st e Z e i t B ea m t e r g e w e s e n. Es w ä r e e n d l i ch Z e i t, a u ch d i e Antisemiten mit gleiche m M a ß e zu messe n, b eint für u i: sere p o l i 1 i s ch e E n t w i ck l u n g sind sie m i n d e st e n s ebenso unheilvoll, wie die S o c i a l d e m o k r a t e n , die i m m e r h i:: n o ch das Eine v o r a u s haben, daß sie d o ch noch n i ch t s o w i d e r l i ch sind wie die Freunde des Herrn Stöcker. ' Biele Leute betrachten den Antisemitismus als einen ihnen persönlich angenehmen Sport, und daß an dieser Sinnesrichtung schlechte Elemente unter den Juden ihren guten Theil der Schuld haben, kann nicht in Abrede gestellt werden. Wenn diese Art Antisemiten sich aber einmal umsehen wollten, in welche Gesellschaft sie geratben sind und in welcher Weise sie durch ihr Verhalten wichtige Interessen des Staates gefährden, so müßten sie — so sollte man wenigstens meinen — nichts Eiligeres zu thuu haben, als sich von , einer Bewegung loszumachen, die mit ihren Sportzwecken nachgerade nicht mehr viel zu thun hat." Wir können diesen schneidigen Auseinandersetzungen des rheinischen Blattes nur in allen Punkten zustimmen. Wir haben von Anfang an in der antisemitischen Bewegung eine ungeheure Gefahr für die allgemeine Sitte und für die politische Moral gesehen. Jetzt, nachdem das Unwetter an die fünfzehn Jahre über die vaterländischen Gauen dahinbraust, beginnt es allmalig in einzelnen Köpfen aufzndämmern. wie es hoch an der Zeit sei, daß sich das Volk in seinen besseren Elementen gegen die antisemitische Bewegung zur Wehr setze, um nicht noch ärgeren Schaden an seiner Seele zu nehmen, als leider schon geschehen. Rumänischer Antisemitismus. Rede des Abgeordneten Heinrich Popper, gehalten in der Sitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses am 26 Mai 1894. (Stenographisches Protokoll.) Hohes Haus! Nach der unfruchtbaren Periode eines mehr als fünfjährigen Zollkrieges zwischen Oesterreich-Ungarn und dem Königreiche Rumänien und nach Ablauf eines fast dreijährigen Provisoriums passiver Waffenruhe, kann der endlich unternommene erste Schritt zur Anbahnung geregelter Bertragsverhältnisse zwischen diesen beiden Nachbarstaaten, deren wirthschaftliche Interessen in vielfacher Beziehung aufeinander angewiesen sind, vom Standpunkte unserer gesammtstaatlichen Handelspolitik nur gebilligt, derselbe muß aber vom speciellen Standpunkte jenes Kronlandes, zu dessen Vertretern in diesem hohen Hause mich zu zählen ich die Ehre habe, aufs Freudigste begrüßt werden. Schon ein flüchtiger Blick auf das vom sehr geehrten Herrn Referenten in seinem vortrefflichen Berichte vorgeführte reiche statistische Materiale wird uns belehren, welch schwere Wunden der langandauernde Zollkampf aus beiden Seilen geschlagen hat uno wie dringend die Wiederherstellung freundnachbarlicher Handelsbeziehungen gewünscht werden muß. Ich glaube aber nicht fehlzugehen, wenn ich es ausspreche, daß der in dieser Statistik nachgewiesene rapide, nach Dutzenden von Millionen zählende Rückgang in der beiderseitigen Waarenbewegung beiweitem noch kein vollständig erschöpfendes Bild der für Handel und Industrie hieraus entstandenen Nachtheile darstellt, und daß vielmehr jene Schäden, welche statistisch nicht nachgewiesen sind, weil sie eben ziffermäßig überhaupt nicht nachgewiesen werden können, mindestens eben so hoch, wenn nicht höher zu veranschlagen sind, als diejenigen, welche in den erschreckenden Exportziffern des Berichtes zum Ausdruck gelangt sind. Ich verweise hier aus die ganz enorme, gleichfalls auf Millionen zu berechnende Mehrbelastung, welche die in den langen vertragslosen acht Jahren zum Export, beziehungsweise Import gebrachten Waarenmengen in Gestalt der erhöhten Ka^ipfzölle zu tragen hatten, ferner auf die beschäftigungslos gewordenen Tausende fleißiger Hände des Handels, der Industrie und des Gewerbes, und nicht in letzter Linie auch der kleinen Hausindustrie, welche durch eben diesen Zollkampt zu unfreiwilliger Unthätigkeit verurtheilt waren. Es liegt in der Natur der Sache, daß die traurigen Folgen eines derartigen Kriegszustandes in ganz besonderem Maße in den beiderseitigen Grenzdistrieten zutage treten mußten. Ein solches hartbetroffenes Grenzland bildet leider auch die Bukowina, deren Gewerbe, Handel und Verkehr durch jahrhundertlang eingelebte, tausendfältige Wechselbeziehungen mit jenen Rumäniens verknüpft und verwachsen waren, und in welchem Kronlande ungezählte Existenzen auf das Schwerste geschädigt, ja in vielen Fällen dem gänzlichen Ruine zugeführt worden sind. Die gegenwärtige Regierungsvorlage bedeutet nun mindestens den Anlauf zu einer Besserung und Sie werden daher, meine sehr verehrten Herren, es begreiflich finden, daß wir Vertreter aus der Bukowina — und ich glaube in diesem Falle auch im Namen meiner Collegen sprechen zu können — dieser Vorlage sehr sympathisch gegenüberstehen, wissend, uns diesbezüglich mit der gesammteu Bevölkerung unseres engeren Heimatlandes im vollsten Einklänge zu befinden. Müßte ich nicht fürchten, auf agrarischem Wege kunstgerecht gelyncht zu werden, so möchte ich noch hinzusügen, daß ich auch in dem Falle für die Vorlage gestimmt hätte, wenn der hohe Ausschuß den Resolutionsantrag gegen den eventuellen Abschluß einer Viehseuchen-Convention auch nicht gestellt hätte. Denn durch diese Resolution sollen unserer Regierung sür eine unabsehbare Zeit die Hände gebunden werden, während ich mir ganz wohl den Fall denken kann, daß es nach Jahr und Tag vielleicht gerade im Interesse unserer Monarchie gelegen sein könnte, selbstverständlich unter ängstlichster Wahrung der allerstrengsten veterinär-polizeilichen Controle und ohne die geringste Schädigung der heimischen Landwirthschaft, eine solche Convention zum Abschlüsse zu bringen und dabei vielleicht noch mancherlei werthvolle Gegenconceffionen von Seite Rumäniens einzuheimsen. Es wehr aber in diesem hohen Hause eine so kräftige „Landlust", daß ich mir bewußt bin, durch solche ketzerische Anschauung eine Art agrarische Blasphemie zu begehen, weshalb ich darauf verzichte, diese Frage zum Gegenstände einer weiteren Erörterung zu machen. Zur Klarstellung will ich noch hinzufügen, daß ich heute durchaus nicht sür den sofortigen Abschluß einer Biehseuchen- Convention eintrete, sondern daß ich es für absolut unnöthig und unrathsam halte, der Regierung auch für die Zukunst die Hände zu binden. (Sehr richtig!) Ich nehme also die Ausschußanträge wie sie sind, und erkläre schon jetzt, daß ich sür dieselben meine bescheidene Stimme abgeben werde. Ich müßte mich aber einer strafbaren Unterlassungssünde schuldig machen, wenn ich bei diesem Anlässe nicht jene ganz unglaublichen Chicanen zur Sprache bringen wollte, welche österreichische Staatsbürger seit einer Reihe von Jahren von Seite rumänischer Behörven zu erdulden haben. Um dem Einwand zu begegnen, daß sich dagegen nichts machen ließ, insolange wir uns mit Rumänien in offener wirthschastlicher Feindseligkeit gegenüberstanden, werde ich mich darauf beschränken, aus der großen Zahl der mir vorliegenden Beschwerden nur solche hervorzuheben, welche nach dem 11. Juli 1891, das ist nach Aufhören des eigentlichen Zollkrieges datiren, wo wir also eine gewisse Berechtigung haben, nicht mehr exceptronell von Seite Rumäniens behandelt zu werden. Ich werde mich weiters daraus beschränken, nur das vorzubringen, was aus den mir vorliegenden officiellen Acten nachweisbar ist. Ich bin zur Besprechung dieser Angelegenbeit erst in den jüngsten Tagen von der Bukowinaer Handels- und Gewerbekaunner mittels einer Zuschrift ausgesordert worden, in welcher es unter Anderem heißt (liest): „Wiederholt hat die Kammer sich dafür eingesetzt, daß der * unwürdigen, mitunter geradezu emstörenden Behandlung ||Bi: