Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 21 (25.5.1894)
- Date
- 1894-05-25
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Säte 416 Rom. Auf dem internationalen Aerzte-Congreß haben auch mehrere jüdische Capacitäten Ehrenstellen besonders als Vorsitzende in den Sectionen bekleidet, so Prof. Lombroso aus Turin, Prof. Stockvis aus Amsterdam, Dr. Funaro aus Tunis, ferner die DDr. Ottolenghi und Salmoni, Salomonsohn und A. Jacobi u. A. m. Kopenhagen, im Mai. Am zweiten Pessachtage hielt Herr Dr. Kalischer, Rabbiner der hiesigen Gemeinde, seine erste Predigt in dänischer Sprache, welche von den zahlreich erschienenen Hörern mit großem Beifalle ausgenommen wurde. Blümchen. Erzählung Vvn A. Stein, Rabbiner, Sobieslau. VI. Blümchen wurde nun der Hausfrau vorgestellt, diese empfing das Mädchen mit offenen Armen und freudigen Herzens. Sie ließ sogleich andere Kleider bringen und das Mädchen ankleiden. Das Haus Rosenheimer's war eines der vornehmsten der ganzen Stadt R .... g, denn Herr Rosenheimer war nicht nur einer der reichsten Handelsleute, sondern auch ein ausgezeichnet edler und braver Mann. Sein Haus und seine Hand war stets offen, wo es galt, Gutes und Edles zu stützen und zu fördern, an sein Herz pochte Niemand vergebens. In seinem Hause gingen Vornehme und Geringe aus und ein und mancher hochgestellte Beamter, Officier und Gelehrte hatte es sich an der Tafel des Herrn Rosenheimer und seiner koscheren Küche gut schmecken lassen. Trotz dieser seiner Stellung nach Außen hin, war er stets ein glaubensstarker Israelit geblieben und sein Haus streng religiös geführt und hatte er seine Kinder im Glauben seiner Väter erziehen laffen. Bei allem diesem stand ihm seine Gattin, ein wahres esches chajil zu Seite, so daß Gottes Segen sie nicht umsonst traf. Während der Mann sein Geschäft streng reell und solid führte, sehen wir die Hausfrau wacker dem Haushalte vorstehen, ihre leitende Hand bemerkte man in Küche und Keller. Es war also ein wahrhaft schönes jüdisches Haus, in welches Blümchen ausgenommen wurde und wie das eigene Kind gelten sollte. Als Blümchen in die Zimmer des oberen Stockwerkes geführt wurde, konnte fie sich nickt genug wundern, die gemalten Wände, die vergoldeten Bilderrahmen und fein politirten Möbel, die großen Krystallspiegel, die rauschenden Seidenvorhänge und dieser Schmuck in den Glaskästen, so viel Pracht schien das Kind des armen Hausirers zu betäuben; denn wenngleich sie auch zur Bescheidenheit und Genügsamkeit erzogen wurde, stand ste doch da, gaffte umher und ihre Augen füllten sich mit Thronen. „Warum weinst Du, Kind?" sprach Frau Rosenheimer, „Du mußt Dich nicht fürchten, es wird Dir bei uns gut gehen." Blümchen gab keine Antwort. „Willst Du lieber mit den Eltern ziehen?" fragte die Frau weiter. Blümchen verneinte kopfschüttelnd und weinte im Stillen. „Nun so erkläre mir Deine plötzliche Traurigkeit." Blümchen faßte Muth und sagte treuherzig: „Ach gute Frau, gerade solche Zimmer hatten-wir gehabt und eine Frau, so schön geputzt wie Ihr, die ich Mama nannte, führte mich darin herum. „Was plauderst Du Da? Solche Zimmer ihr, die armen Hausirer, hast Du nicht geträumt?" , „Mag sein, gnädige Frau, aber ich habe den Traum beständig im Kopfe: Ein großes Haus mit prächtigen Zimmern, darin wohnte ich mit einer schönen Frau, da bin ich von einem alten Weibe in eine finstere Kammer gebracht worden, ich schlief ein und weiter habe ich die schönen Zimmer nicht gesehen." „Wenn Du brav und folgsam bist, kannst Du lange in diesen Zimmern bleiben." Blümchen versprach Gehorsam, küßte der Frau Rosenheimer mit Innigkeit die Hand und begab sich dann wieder in das Gesindezimmer, um da ihre Arbeit zu übernehmen. Blümchen hatte sich bald im Hause eingeweiht und durch ihre Folgsamkeit die Liebe aller Hausgenossen erworben. Frau Rosenheimer ließ sie in Allem, was zur Ausbildung eines Mädchens nothwendig ist, unterrichten, sie selbst beschäftigte sich gern mit dem verständigen, aufmerksamen Mädchen. Gustav, der ältere Sohn, übernahm den Unterricht in den elementaren Fächern und so ward bald aus der armen Hausirerstochter ein gesittetes wohlerzogenes Mädchen. Herr Rosenheimer und seine Nr. 21 Gattin freuten sich dessen und alle Leute lobten die edle That des reichen und gutherzigen Mannes. Vll. Zwei Jahre verflossen schnell. Blümchen, jetzt Flora genannt, war während der Zeit zur vollendeten Jungfrau aufgeblüht. Schön, geistreich, voller Liebenswürdigkeit, ward sie von Jedermann bewundert, von dem jungen Rosenheimer mit Leidenschaft geliebt. Es ist nie rathsam, einem halb erblühten Mädchen einen jungen Mentor zu geben, denn bald wechseln Beide die Rollen, der Lehrer wird Schüler seiner Schülerin. Die Unterrichtsstunden werden zwar häufiger und länger, der Unterricht selbst nimmt eine andere Wendung. Man handelt nicht mehr trockene Wissenschaften ab, die blos das Gedächtniß beschäftigen, sondern Gegenstände, wobei Herz und Gemüth Rollen spielen, und so war es auch bei diesen jungen Leuten der Fall. Das holdselige Mädchen verschlang mit Begierde die Worte des liebenswürdigen Lehrers. Bis jetzt hatte sie die Welt gar nicht gekannt, der herzliche treue Jüngling zeigte ihr erst das Wahre und Schöne, ganz neue Empfindungen schwellten jetzt ihre empfängliche Brust, Glaube, Liebe, Freundschaft, diese drei Himmelstöchter, lernte sie in ihrer wahren Gestalt kennen und sie sprach eines Tages von Dankbarkeit hingerissen: „Herr Rosenheimer, Sie haben mich zu einem ganz anderen Wesen umgeschaffen, ich sehe Alles in anderen Gestalten, Gott, die Welt und die Menschen. „Das ist die Folge Deines Fleißes, liebe Flora, erwiderte der Jüngling, Kenntnisse veredeln den Menschen und entfernen die Schlacken seiner angeborenen Erdennatur. Wie wohlthuend wirken diese auf uns ein! Danke Gott, daß er Dich bei Zeiten gerettet, solche Grundsätze lehret unsere heilige Religion. Wer einen Menschen, er mag glauben, was er will, kränkt, beleidigt den Schöpfer." Er umschlang das holde Mädchen. „Lassen Sie mich, Herr Rosenheimer, bedenken Sie doch, wer Sie sind und was ich bin", sprach Blümchen, sich seiner feurigen Umarmung entwindend. „Ich bin der Sohn eines reichen Mannes.- Du das allerliebste Kind von der Welt." — „Und das Kind eines armen Hausirers", setzte das Mädchen dazu. ,-Nicht doch,, geliebte Flora, sei nicht so hart, Deine Seelenreinheit, Deine Tugend adeln Dich, höher stehst Du in meinen Augen, als alle die verbildeten Töchter aus den reichsten Häusern und nochmals schwöre ich, Du und keine Andere soll meine Gattin werden." Mit diesen Worten verließ der Jüngling das Zimmer. Lange blieb das Mädchen sinnend, das Haupt auf den runden Arm gestützt, auf ihrem Sitze. Mit einem Male stand sie auf, redete zu sich selbst! Nein, ich will nicht eure Ruhe, euren Hausfrieden stören, ersticken soll die Neigung in mir, ich will kämpfen, was ich vermag, gegen diese Leidenschaft, und sollt ich zu schwach sein, diesen Kampf zu bestehen, so will ich dieses Haus verlassen. m Der junge Rosenheimer war ein höchst intelligenter Mensch, gepaart mit strenger Religiosität, ein zu feuriger Mann, als daß er sich hätte durch das hartnäckige Sträuben Floras abschcecken lassen. Sein Inneres sagte ihm, daß Flora ihm nichtabhold sei, daß sie nur aus Bescheidenheit seine Bewerbungen abweise. Flora's Lage war von Tag zu Tag peinlicher. Sie liebte den Mann, der ihren Geist gebildet, und mußte ihre Gefühle unterdrücken. Sie fühlte, daß ihre festen Vorsätze in der Nähe des liebenswürdigen Mannes endlich doch zu nichte werden müßten und beschloß, das Haus zu verlassen. Deshalb trat sie eines Tages in das Zimmer der Frau Rosenheimer und bat um ihre Entlastung. „Mädchen was ficht Dich an?" fragte verwundert die Frau, „fehlt Dir etwas bei uns, wirst Du nicht etwa wie das eigene Kind behandelt? Oder ist Dir das ruhige häusliche Leben schon zuwider und sehnst Du Dich nach Deinem ehemaligen Umherziehen?" ,,O,' verkennen Sie mich nicht, edle Frau", entgegnete Flora mit Thräne.n in den Augen. „Ruhe und Frieden fand ich in Ihrem Hause, ich war selig unter Ihrem Dache; aber ich darf nicht länger bleiben, ich kann nicht, wahr- Chaftig ich muß fort!" „Kind, in Deinen Herzen geht etwas vor! Rede offen zu mir, wie zu einer Mutter, sage, was treibt Dich von uns!"—„Nun so sei es! Verzeihung, edle Frau,... es ist ja nicht meine Schuld .... Ihr Sohn Gustav .... „Weiter, weiter, fürchte nichts, wenn Du schuldlos bist, hast Du nichts zu scheuen. Was ist es denn mit Gustav?" „Er liebt mich!" „Und Du kannst ihn nicht leiden?" „Gnädige Orstrrreichischr Wochenschrift