Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 21 (25.5.1894)
- Date
- 1894-05-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 31 Vestrrrrichtfitzr Wochrnschrtfl Sette 41L Thätigkeit für die Armen vom Tode ereilt. Im Sitzungssaale der Landesjudenschaftsrepräsentanz war das Comitö für „Isr. Feriencolonien", dessen thätiges Mitglied die Heimgegangene war, seit zwei Stunden in eifriger Berathung versammelt. Um 7 Uhr hatte Herr Oderrabbiner-Stellvertreter Dr. Tauber an den Herrn Rabbiner Dr. Kisch den Vorsitz abgegeben und dieser der Frau Lasch das Wort zur Begründung eines Antrages ertheilt. In mehr als viertelstündiger wohlgeordneter Rede begründete sie ihre Ansicht, als sie Plötzlich bei den Worten „die armen Kinder" abbrach, einige Worte der Entschuldigung stammelte und in die Arme der neben ihr sitzenden Frau Tauber sank. Ein Herzschlag hatte ihr das Leben geraubt, das sie nicht wieder erlangte. Die anwesenden Herren und Damen leisteten rasche Hilfe, man eilte um Aerzte, bald erschienen auch die Herren Doctoren Klemperer, Knh und Bondy. Allein es gelang den angestrengten Bemühungen dieser Herren nicht mehr, das entfliehende Leben der edlen Dame zurückzurufen. Die Familie wurde herbeigeholt und in den- Armen ihrer Kinder hauchte Frau Betty Lasch an dem Orte ihrer wohlthätigen Arbeit um halb 2 Uhr Nachts die edle Seele aus. Unter imposanter Theilnahme von Trauergästen aus allen Schichten der Bevölkerung fand Sonntag um 3 Uhr Nachmittags das Leichenbegängniß statt. Im Trauergemache in der Stupartsgasse Nr. 7 verrichteten die Herren Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, Oberrabbiner-Stellvertreter Dr. Tauber und die Rabbiner Dr. Kaminka, Dr. Kisch, Dr. Stark (Weinberge), Dr. Hirsch (Karolinenthal) und Dr. Rubinstein (Kuttenberg) die rituellen Functionen, während die Sänger aus dem neuen Tempel einen Trauerchoral sangen. Nachdem Herr Rabbiner Dr. Kaminka einen tief empfundenen Nachruf gehalten hatte, in welchem er insbesondere auf die unzähligen menschenfreundlichen Werke der Verblichenen hinwies, wurde der Sarg in den vierspännigen Leichenwagen gehoben und der Trauerzug setzte sich in Bewegung. Denselben eröffneten die Mädchen und Knaben der Talmud-Thora-Schule und die Kinder der Feriencolonien. Um den Leichenwagen bildeten Arbeiter der Fabriksfirma „Michael B. Teller" in Kuttenberg zweifaches ambulantes Spalier. In der schier unübersehbaren Reihe der Trauergäste befanden sich der Obmann der Cultusgemeinde-Repräsentanz Dr. Arnold Rosenbacher mit nahezu sämmtlichen Mitgliedern derselben, der Obmann der böhmischen Landesjudenschaft Dr. Moritz Lichtenstern, der Director des Nächstenliebevereines Dr. Bendiener mit. dem gesammten Vorstande, die Vorstände des Vereines für isr. Feriencolonien, des Krenzervereins, des Centralvereins für jüdische Angelegenheiten, des Tempelvereins, des Studentenvereines „Maccabea" und nahezu alle isr. Vereine Prags undder Vorstädte, Abordnungen zahlreicher humanitärer Vereine, eine Deputation der Kuttenberger Cultusgemeinde, Großindustrielle, Stadtverordnete, Kaufleute, Advocaten,Aerzteu. v. A. DerConduct bewegte sich über den Altstädter Ring, durch die Eisen- und Bergmannsgasse, über den Graben und Wenzelsplatz zum neuen israelitischen Friedhofe. Am offenen Grabe sprachen die Herren Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, Oberrabbiner-Stellvertreler Dr. Tauber und Rabbiner Dr. Kisch ergreifende Trauerreden. Betti Lasch war die Begründerin der israelitischen Feriencolonie in Prag, für die sie gekämpft und gestritten zu einer Zeit noch, als wir von Separation der Confessionen noch nichts wissen wollten, als wir in dem Andersgläubigen immer nur den Bruder sahen. Mit fast hellseherischen Angen hat sie die unsichtbare Schranke geahnt, wie eine sorgsame Mutter hat sie demgemäß ihr Haus bestellt. Mit den Kleinsten, Hilflosesten, „den Kindern", begann sie und gründete vor fünf Jahren eine israelitische Feriencolonie, die seit ihrem Bestände in progressiver Weise gedieh und vielen Kindern Gesundheit brachte. ' Durch ihre weise Fürsorge und durch ihr emsiges Schaffen und Wirken hatte in Prag die israelitische Feriencolonie schon schöne Erfolge aufzuweisen und stand bereits durch zwei Jahre in voller Blüthe, als man in Wien erst an die Gründung einer solchen Institution schritt. Ungewiß über den Erfolg und zagend, ein solches Unternehmen zu wagen, kam mir eines Tages ein Brief von ungekannter Hand zu, der all' meinen Muth anspornte, meine Energie erweckte, um auch in unserer an Armen so reichen Stadt eine solche Institution zu gründen. Betti Lasch war es, die einer ihr gänzlich Unbekannten ihren bewährten Rath zur Verfügung stellte und es auch an That bei der Ausrüstung unserer Schützlinge nicht fehlen ließ. So hat sie sich kein kleines Verdienst um das Zustandekommen unserer Wiener Feriencolonie zuzuschreiben, und war stolz darauf, daß ihr Weckruf Erfolge hatte. Ihr milderSinn für das Elend unsererGlaubensbrüderzeigte sich zujederZeit, gepaart mit reicher, praktischer Erfahrung. DerBriefwechsel, den wir, ohne uns persönlich zu kennen, durch 3 Jahre führten war ein äußerst anregender und nie werde ich aufhören, der edlen Dame, die ihr Leben den Armen weihte, dankbar zu sein, für die weisen Lehren und vor Allem für die Ermuthigung und Anspornung, die sie mir, der Jüngeren, in Stunden der Berzagung zutheil werden ließ. Wer da weiß, welche Arbeit es ist, durch Sammlungen ein großes Werk zu unternehmen, welch' Herzklopfen man vor jeder fremden Thüre fühlt, bis man das Herz des Andern gefunden, nur der kann so recht die Tugend der Verstorbenen begreifen. Sie hat ihr Ideal erreicht, ihr Name wird nicht vergessen werden! Sie fiel aus dem Felde der Ehre! Segen ihrem Andenken! E. B. Hall in Oberösterreich. Wie verlautet, wurde der Plan, im Curorte Hall, welcher stark von jüdischen Curgästen nicht nur aus Oesterreich-Ungarn, sondern auch aus Rußland, Rumänien u. s. w. besucht wird, ein israelitisches Bethaus zu errichten, fallen gelassen, weil sich der bekanntlich den Juden gegenüber wenig geneigte Landesausschuß dem gegenüber unsympathisch verhält. Auch die Errichtung einer Koscher- Restauration in Hall unterbleibt, dagegen wird Frau Klein aus Linz ein Koscher-Mädchen- und Knabenpensionat für erwachsene Kinder etabliren, was allen Glaubensgenossen, die ihre Kinder nach Hall zur Cur zu schicken beabsichtigen, zweifelsohne sehr erwünscht sein wird. Wessely a. d. M., 10. Mai. (Bürgermeisterwähl.) Gestern wurde Josef O r n st e in, der vierzig Jahre Mitglied des Gemeinderathes der Stadt Wessely war und seit acht Jahren als Bürgermeister dieser Stadt bereits fungirt, nachdem er in der vorigen Woche bei der Ausschußwahl aus dem dritten Wahlkörper einstimmig in den Ausschuß gewählt worden war, einstimmig zum Bürgermeister wiedergewählt. Es ist dies eine verdiente Anerkennung seiner uneigennützigen Bestrebungen zur Förderung des allgemeinen Wohles und seines Humanitären Wirkens. Ornstein ist auch Mitglied des k. k. Bezirks-Schulrathes, wo er durch sein offenes, mannhaftes Auftreten und seine bewiesene Förderung des Schulwesens allgemeiner Beliebtheit und Anerkennung sich erfreut. Mähren hat weit über 3000 Gemeinden und blos 3 jüdische Bürgermeister und zwar: Kuffner in Lundeuburg, Reich in Krasna, Ornstein in Wessely a. d. M. Budapest. Der Director der Vereinigten Dampfmühlen der Ungarischen Creditbank, Herr Leopold Bruck, ist nach nach kurzem Leiden gestorben. Der Tod des allgemein geachteten Geschäftsmannes erregt in allen Kreisen lebhaftes Mitgefühl. Pilsen. (Verlobung.) Fräulein Hedwig Levit, Tochter des Herrn kaiserl. Rathes Adolf Levit. hat sich mit dem k. k. Regimentsarzt Dr. Jul. Kapper in Cattaro verlobt. Pilsen. (25 jähriges Cantoren-Jubiläum und Feier der silbernen Hochzeit.) Am 9. Juni feiert der verdienstvolle Obercantor der Pilsner Cultusgemeinde sein 25jähriges Berufsjubiläum und gleichzeitig das Fest der silbernen Hochzeit. Der Jubilar, welcher seit 21 Jahren ununterbrochen am hiesigen Platze als Obercantor fungirt, hat sich während dieser Zeit, namentlich seit der Einweihung des neuen monumentalen Tempels, unvergängliche Verdienste um die Hebung des Gottesdienstes erworben und ersteut sich, ebenso wie seine Gemalin Frau Rosalia Freisinger, geb. Kirschmann, allgemeiner Beliebtheit und Werthschätzung, weshalb sich der Cultusvorstand bewogen fand, am 8. Juni zum Sabbatheingange anläßlich dieser Doppelfeier einen besonderen Festgottesdienst zu veranstalten. Hamburg. 11. Mai. Der ausgezeichnete und rühmlichst bekannte Tenor der Hamburger Oper Herr Leop. Landau ist gestern auf der Bühne während einer Rienzi-Prc.be durch einen Gehirnschlag jäh vom Tode ereilt worden; Die gesammte Kunstwelt verliert in ihm einen der großartigsten Vertreter des lyrischen Tenorfaches, in welchem er es durch seine sensationellen Leistungen in Hamburg, Berlin. Leipzig, namentlich in London zu einer Weltberühmtheit brachte. Sein Leichenbegängniß war denn auch eine imposante Kundgebung aller Kunstkreise unserer Stadt. Im Trauerhause hielt der langjährige Freund des Verblichenen Herr Dr. Leimdörfer, unser ausgezeichneter Prediger, einen unnachahmlich meisterhaften Nachruf, während welchem kein Auge thränenleer blieb; am Grabe sprach Ober-Regisseur Bittong im Namen des gesammten Künstlerpersonales des Hamburger Stadttheaters. S. S.