Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 21 (25.5.1894)
- Date
- 1894-05-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 21 Vrsterretchtptzr Ivortzenfttzrifl Seite 413 bei den Hörnern gepackt, indem sie Mittel und Wege zu finden wußten, in einer verhältnismäßig kurzen Zeit unter ihren dortigen Glaubensgenossen, die nichts weniger als wohlhabend sind, eine nicht unbeträchtliche Summe Geldes zu sammeln. Sie schritten nun unmittelbar zum Baue einer jüdischen Schule in Moinestie. Gestern habe ich den Neubau gesehen und wurde von demselben aufs Angenehmste überrascht. Das Gebäude ist überaus zweckmäßig angelegt und der Styl sehr geschmackvoll. Das Gebäude kostet bis nun 22.000 Francs, aber um es ganz zu vollenden, sind noch etwa 10- bis 12.000 Francs unumgänglich nothwendig und diese Summe aufzubringen ist u nso weniger Aussicht vorhanden, als alle Kräfte angespannt, ja überspannt und alle nur denkbaren Hilfsquellen bereits in Anspruch genommen worden sind. Voll ängstlicher Besorgniß stehen jetzt die genannten Herren ihrem mit so großer Hoffnung begonnenen Werke gegenüber. Man hat ihnen gerathen, sich nach Hilfe im Auslande bei unseren hochherzigen Brüdern umzusehen und sie haben dies bereits gethan. Es wäre zu wünschen, daß die löbliche „Alliance Jsraelite" den hilfesuchenden und der Hilfe würdigen Glaubensgenossen in Moinestie unter die Arme greifen möchte. M. B. Kiew, 14. Mai. Ueber die Lage der Juden in Rußland erfährt das Ausland erst, wenn blutige Judenverfolgungen ihre grausame Sprache führen oder wenn ein neuer Ukas die wenigen Rechte und Freiheiten der Juden noch mehr einschränkt. Aber über die täglichen Drangsalirungen und Mißhandlungen, denen die Juden seitens der kleinen und großen Satrapen ausgesetzt sind und womit ganze Bände gefüllt werden könnten, verlautet gewöhnlich gar nichts. Und doch kommen so empörende Fälle vor, die man sich gegenseitig leise zuflüstert; denn wer würde es hier wagen, seinen Gefühlen laut Ausdruck zu geben! Ein solcher Fall seltener Rohheit hat sich wiederholt in der unweit von hier gelegenen Stadt Winnica zugetragen. Winnica beherbergt eine größere Garnison, welche der Oberst des Generalstabes Czetyrkin commandirt. Eine solche Fülle von Willkür,.Hochmuth und Grausamkeit, wie sie in diesem Manne steckt, gehört wahrlich auch hier zu den Seltenheiten. Am schlimmsten aber kommt die Judenschaft des Ortes davon. Von den vielen Thatsachen wollen wir hier nur einige anführen. Vor einiger Zeit kam Czetyrkin im Wagen angefahren und fand das Einfahrtsthor geschloffen. Gerade ging ein jüdischer Bürger vorbei. Es war dies der reiche Kaufmann M. R. Czetyrkin schrie ihn an, er solle ihm das Thor öffnen; aber R. ging, ohne zu antworten, seines Weges weiter; Czetyrkin sprang nun vom Wagen ab, ergriff den Kaufmann, warf ihn zu Boden, schlug und trat ihn mit Füßen so lange, bis Vieser bewußtlos wurde. Der Arme wurde nach Hause gebracht und liegt noch heute krank darnieder. Einige Zeit darauf wiederholte sich die nämliche Scene. Diesmal war es einer der angesehensten Bürger der Stadt, L. G., welcher mit den Worten: „Jude, öffne das Thor!" angeschrieen wurde. G. gehorchte dem Willen des rabiaten Obersten, aber er wurde dann vor Scham krank. Seit jener Zeit flieht Jedermann vor Oberst Czetyrkin. Wenn er durch die Straßen Winnicas geht oder fährt, werden die Thore abgesperrt, und Jeder flüchtet, wohin er kann. Czetyrkin oder „Ivan Grozny" (Ivan der Grausame), wie ihn seine Collegen, die Officiere nennen, ist der wahrhaftige Schrecken der Stadt. Und wehe dem, welcher es wagen würde, bei Gericht oder bei den Vorgesetzten des Mannes Satisfaction zu suchen; er wird entweder im ordentlichen Gerichtswege wegen „Ehrenbeleidigung" verurtheilt oder im administrativen Wege als „Aufwiegler" nach den entfernten Gouvernements verschickt. Und die russische Presse? Hätte sie auch so viel guten Willen, als sie nicht besitzt, so ist sie ja geknebelt. Wundern Sie sich daher nicht, daß wir im Auslande unsere Zuflucht suchen und die Vermittlung Ihres Blattes anrufen. Vielleicht gelangt man auf diese Weise an maßgebender Stelle zur Kenntniß der Heldenthaten des „Ivan Grozny" von Winnica. Dann — so hoffen wir — wird ihm Gerechtigkeit widerfahren. x Marokko. Der Gouverneur des jüdischen Quartiers von Marokko. Kaid Widah, welcher wegen der grausamen Behandlung der Juden gefürchtet war, wurde vom Sultan seines 'Dienstes enthoben. Anlaß hiezu bot die Ermordung eines Juden, welche die Indignation der ganzen Gemeinde wachrief: dieselbe wandte sich an den Kaid, welcher wohl strenge Untersuchung zusagte, aber nichts veranlaßte. Die Aeltesten der Gemeinde benützten daher die Anwesenheit des Sultans, um ihre Beschwerden direct bei demselben vorzubringen. Bei der Audienz, welche der Sultan nach dem Ramadanfeste den Abgesandten der Trobus ertheilte, drang eine Maffenpetition der jüdischen Gemeinde bis zum Sultan vor und legte demselben unter lauten Klagen ihre Lage dar. Der Sultan war ergriffen von diesen öffentlichen Ruf um Hilfe und befahl einem hohen Würdenträger, die Angelegenheit zu untersuchen und gab den Petenten später eine besondere Audienz. Die Folge war die Enthebung des Gouverneurs; auch die Soladten des Sultans, welche die jüdischen Petenten mit Gewalt verhindern wollten, zum Sultan zu gelangen, wurden bestraft. Stockholm. Der hiesige Thierschutzverein hat nach bekanntem Beispiel bei dem Oberhaus eine Petition überreicht, in welcher gebeten wird, es möge die Betäubung der Thiere vor der Schlachtung obligatorisch eingesührt werden. Das würde naturgemäß die Ausübung des Schlichtens unmöglich machen. Das Promemoria wurde dem Petitions-Ausschuß zugewiesen, welcher das Gesuch nahezu einstimmig abgewiesen hat. VenmMes. Wien, am 22. Mai 1891. Herr Dc. Jonas M. Bondi, Rabbiner der israelitischen Religionsgesellschaft in Mainz, Sohn des Herrn Marcus Bondi in Wien, hat sich mit Fräulein Rosa Wallerstein in Frankfurt a. M. verlobt. (Doppelte Familienfeier.) Herr Hermann König, VII., Zieglergaffe Nr. 10, feierte am 20. d. M. den 20. Hochzeitstag mit seiner Gattin Therese, geb. Schüller, und gleichzeitig fand am selben Tage die Verlobung seiner einzigen Tochter Adele mit Herrn Max Schlesinger statt. Aus diesem Anlasse wurde im Hause des Herrn König ein schönes Familienfest veranstaltet. Das allgemein belobte Menu wurde von dem bekannten Restaurateur Khuner beigestellt. (Goldene Hochzeit.) Am 24. d. M. feiert Herr Anton Steiner mir seiner Gattin Eleonore Steiner geborne Fischer das Fest der goldenen Hochzeit in vollster geistiger und körperlicher Frische und Gesundheit in Gegenwart von 10 Kindern (7 Söhne, 3 Töchter) 6 Schwiegerkinder und 12 Enkel. Wir beglückwünschen das Jubelpaar, welches immerdar Zeuge eines echt jüdischen Familienlebens abgibt, aufs Herzlichste und erwähnen mit Genugthuung den frommen Sinn dieser Familie, der sich darin kund gibt, daß der greise Jubilar durch 42 Jahre Vorsteher der Cultusgemeinde seiner Heimat Pinkafeld war und derzeit drei seiner Söhne die gleichen Stellen an ihrem respectiven Aufenthaltsorte bekleiden. Alle Kinder dieses allgemein verehrten Paares zeichnen sich durch Festhalten an den alten jüdischen Traditionen aus und bilden so eine Zierde des wahren Judenthums, welchem sie in der von den Eltern stetig ausgeübten Weise — nämlich durch Wohlthun, Glaubenstreue und Rechtschaffenheit in allen Lebenslagen Ausdruck geben. E. B. Wien. (Aerztekammer-Wahlen.) Als Mitglieder der Wiener Aerztekammer erscheinen unter Anderen gewählt die Doctoren: Josef Kornfeld, Ignaz Weiß, Ka^l K o h n, Adolf Klein, Hans Adler, Max Herz, Josef P o l l a k, Heinrich Adler, Em. Kramer, Berthold Glattau er; als Ersatzmänner die Doctoren Eduard Fischer, Emanuel Blum, Moritz Bauer, Wilhelm Latzko, Jacob T r o st, P. L a n g e r, Paul Mittler, Simon L a u t e r st e i n, Ludwig Kreitner, Joses Bloch, Heinrich Morgenstern, Isidor Schnabl, Hermann Hertzka, Adolf Kronfeld, Heinrich I e l l i n e k, Karl Fritsch und I. A. G d l d m a n n. Die verhältnißmäßig große Zahl der in der ersten Aerztekammer Oesterreichs gewählten jüdischen Aerzte gibt wohl den besten Beweis, daß sich die Letzteren in Fachkreisen allgemeiner Achtung und Werthschätzung erfreuen. E. B. Wien. Herr Robert F i s ch h o s, Professor am Wiener Conservatorium, erhielt vom Coltege of Music in New- Jork unter überaus glänzenden Bedingungen das Angebot, eine Stellung als Professor des Clavierspieles anzunehmen. — Das Singspiel „Endlich allein", von dem bekannten Compositeur Alfred S t r a ß e r, das am Raimund-Theater einen durchschlagenden Erfolg erzielte, wurde zur Aufführung an den Bühnen in Prag und Brünn, ferner den größeren Städten Deutschlands acquirirt.