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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-05-25 · 21 (25.5.1894) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
21 (25.5.1894)
Date
1894-05-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 412 Veflerrrtchiptze Mmtzrnschrtfl Str. 21 Folglich bleibt in den Gesmnmtzeilen die katholische Bevölkerung um mehr als ein Drittel beim Besuche der höheren Lehranstalten gegenüber ihrem procentualen Verhältnisse zur Gesammtbevölkerung des Staates zurück und gibt ihren Antheil an die Evangelischen und Inden ab, welch' letztere fast achtmal mehr Schüler auf diese Anstalten schicken, als nach ihrem Verhältnisse zu den anderen beiden Confessionen zu erwarten wäre. Tritt diese Erscheinung aber schon auffällig genug auf den höheren Schulen hervor, so gewinnt sie noch an Bedeutung, wenn man sie in Verbindung bringt mit der Vertheilung der Srudirendcn auf die -einzelnen Confessionen bezw. Studienfächer und Berufe. Nimmt man an, daß zunächst fast alle die, welche in den höheren Staats¬ oder Communaldicnü treten, das Reifezeugnis; besitzen, und stellt fest, in welchem Verhältnis dessen Erwerbung durch die Angehörigen der verschiedenen Religionsbekenntnisse erreicht wird, so kommen unter den Gymnasialabiturienten im Durchschnitte der schon oben erwähnten 5 Jahre auf die evangelischen 67'5, auf die katholischen 242 und aus die jüdischen 8 1 vom Hundert, also fast dieselben Antheilzahlen, welche der Gymnasialbesuch überhaupt aufweist. Schon die Gesammtzahl der Studirenden aber zeigt eine von der der Gymnasialabiturienten durchaus verschiedene Zusammensetzung. Legen wir die Ergebnisse der preußischen Universitätsstatistik des Studienjahres 1887/88 zu Grunde, so ergibt sich, daß unter 100 studirenden Preußen 70°8 Evangelische, 19 6 Katholiken und 9 3 Juden sich befanden. Hier tritt also der evangelisch: und jüdische Antheil zu Ungunsten dessen der Katholiken noch stärker hervor. Im höchsten Grade auffallend sind endlich die Verschiedenheiten, welche die einzelnen Facultäten bezüglich ihrer Zusammensetzung nach dem Religionsbekenntnisse ausweisen; denn es befanden sich unter je 100. Studirenden der Eoangel. Kathol. Juden juristischen Facultät...... 74-1 17'9 7'7 medicinischen „ ...... 58 6 221 18-6 philosophischen „ . . . . 75'3 16 0 8'1 nicht theologischen drei Facultäten 69 0 18'7 11 8 Berlin. (Die Antisemiten unter sich.) In einem Nachruf, welchen der Böckel'sche „Reichsherold" (11. Mai) dem kürzlich verstorbenen Rudolf Hertzog widmet, heißt es: „Rudolf Hertzog ist gestorben, der bekannte conservative Geldgeber, der seinerzeit, als die Berliner Bewegung hochging und die Gelegenheit günstig schien, dieselbe für reactionäre Zwecke einzufangen, mit großen Summen beisprang, aus welchen man behufs conservativen Stimmenfangs unentgeltliche Festlichkeiten mit Maflenconsum von Freibier veranstaltete. Trotz des gewaltigen Durstes, den die Gratis-Bierverschenkung bei der Berliner Bevölkerung erzeugte, stellte sich die conservative Gesinnung nicht ein, vielmehr wurde Berlin immer mehr socialdemokratisch. Später war Hertzog Geldgeber der „Reuen Deutschen Volkszeitung" des Herrn Liebermann von Sonnenberg, die ihm sehr viel Geld kostete, die aber Herr von Sonnenberg Knall und Fall/eingehen ließ, um nach Paraguay auszuwandern. Er kam jedoch nur bis nach Leipzig, wo er seine Abschiedsrede hielt, Blumenbouquets in Empfang nahm, um dann — wieder bei uns zu bleiben. Hertzog hat nach diesen schlimmen Erfahrungen die Sache satt und zog sich von Allem, was Antisemitismus heißt, zurück. Er war sein Geld los und erbittert." Aus Baiern, 12. Mai. In einer kleinen baierischen Stadt glaubte ein Kaufmann seiner antisemitischen Gesinnung dadurch Luft machen zu müssen, daß er im Schaufenster seines Ladens das Wort „Jud" in Tuch auf andersfarbigem Grunde auslegte. Die Polizei schritt wegen groben Unfugs ein, und der Biedermann wurde in allen Instanzen verurtheilt. Aus der Urtheilsbegründung können die Antisemiten aller Länder-viel lernen, wenn sie das wollten oder könnten. Das Urtheil hebt besonders hervor, daß, selbst wenn die That des Angeklagten sich nur gegen die Juden der betreffenden Stadt gerichtet hätte, ohne daß der nichtjüdische Bevölkerungstheil damit getroffen war, die Merkmale eines groben Unfugs vorliegen würden, weil es sich nicht um einen individuell begrenzten Personenkreis handeln würde, sondern wegen der unmeßbaren Zahl und wegen des Mangels näherer Beziehung zu einander als der der Glaubensgenoffenschaft ein unbegrenzter Personenkreis gettoffen wäre. Noch intereffanter, fährt das Urtheil fort, es sei ganz ohne Belang, ob die Vorübergehenden die Darstellung des Wortes „Jud" als Scherz betrachtet und belacht hätten, weil grober Unfug auch da stattfinden kann, wo er in Folge eines durch Gewohnheit verbildeten Urtheils, z. B. der antisemitischen Gesinnung einzelner Bevölkerungsschichten als solcher nicht empfunden wird. Das sind recht bittere Pillen für die Judenhetzerl Sofia, im April. In Folgendem theile ich den Wortlaut des Gesuches mit, welches seitens des Consistoriums der sephardischen Gemeinde dem Ministerpräsidenten, Herrn Stambulow, in Angelegenheit von 6 eingewanderten jüdischen Familien überreicht wurde. Dasselbe lautet in deutscher, fast wörtlicher Uebersetzung: An den Ministerpräsidenten Herrn Stefan Stambulow in Sofia. Herr Ministerpräsident! Ich beehre mich, die vorliegende bescheidene Bitte zu überreichen, vollkommen überzengt, daß Sie, Herr Ministerpräsident, bei Ihrer bekannten Toleranz und Gerechtigkeit und der bewiesenen Menschen- und Fceiheitsfreundlichkeit meine Bitte berücksichtigen werden. Sechs hebräischen Familien, türkischen Unterthanen, die aus Macedonien hieher kamen, wurde seitens der hauptstädtischen Polizei, wahrscheinlich auf Grund einer böswilligen Denunciation, der strenge Befehl ertheilt, Bulgarien im Verlauf von 7 Tagen zu verlassen. Die Häupter der betreffenden Familien sind arbeitsliebende Handwerker, welche von der Händearbeit und im Schweiße des Angesichts ihre Familien kümmerlich ernähren. Diese emigrirten deshalb aus Skopie, weil ihr Handwerk in der industriearmen Türkei sie nicht ernähren konnte. Sie kamen nach Bulgarien, in ein Land, in welchem die Freiheit das hervorragendste Princip der Regierung ist, es ermuthigten sie ferner hieher zu kommen die Grundgesetze der Verfassung, welche dem Sclaven selbst die Freiheit verbürgt, so er den bulgarischen Boden betritt. Die Denunciation, daß die Be-, dauernswerthen russische Emigranten wären., ist nicht wahr — denn obschon dieselben russischer Herkunft sind, sind sie nicht erst jetzt aus Rußland ausgewandert, sondern schon vor mehreren Jahren, haben während dieser Zeit in der Türkei gelebt und die türkische Unterthanenschaft angenommen. Herr Ministerpräsident, Sie, der Sie von der ganzen gebildeten Welt als liberaler Mann anerkannt werden, bitte ich für die 6 armen Familien um eine Gnade. Sie können es wohl nicht zugeben, daß aus dem fortschrittlichen und freiheitlichen Bulgarien unschuldig Verfolgte hinausgetrieben und dem Hunger und dem Elende preisgegeben werden. Unter dem Ministerium des Herrn Stefan Stambulow. verfolgt man wohl nicht unglückliche und unschuldige Hebräer, blos deshalb, weil ihnen die Vorsehung keinen eigenen Flecken Erde zugetheilt hat. Die Bulgaren, die ebenso viel als wir Hebräer durch eine lange Reihe von Jahren dulden mußten, werden um Sie so eher lobpreisen, wie Sie für die Schwachen eintreten. Ganz Europa wird diese That der Toleranz loben, wie alle Thaten Ihrer weisen Regierung. Und wir treue und ergebene Unterthanen Bulgariens werden Gott anflehen, daß er seinen reichen Segen ausschütte auf dieses geliebte Land, dessen liberalen Ministerpräsidenten, wie alle Unternehmungen der Regierung, für deren Gedeihen wir jeden Augenblick unser Blut auf dem Altäre der Nation zu opfern bereit sind. Mit aller Hochachtung Ihr ganz ergebener Abraham Davidschon Lewi, Vertreter des Grandrabbin, H. M. Affaof, Seretär. Dieses Gesuch hat, wie das „Jüd. Vbl." berichtet, vollen Erfolg gehabt. Herr Abraham Davidschon Lewi aber hat seine Pflicht als Jude gethan, hat der inneren Stimme Rechnung getragen u.nd die Aversion gegen die „Tedescos" unterdrückt. Braila. Daß der Satz: „Wer will, der kann", eine nur sehr relative Geltung habe, habe ich auf meiner Durchreise durch Moinestie, einem kleinen Städtchen in der Moldau, abermals Gelegenheit gehabt zu constatiren. Die Folgen des neuen Schulgesetzes in Rumänien machen sich selbst in diesem entlegenen Orte schmerzlich fühlbar, denn viele Kinder, deren Eltern nicht im Stande sind, die obligate Schultaxe zu entrichten, blieben natürlich von der öffentlichen Schule ausgeschlossen. Aber auch Kinder, deren Eltern nicht ganz mittellos sind, mußten dies Los mit ihren ärmeren Brüdern theilen, da es den Eltern unmöglich war, den jüdischen M'lamed einerseits für den hebräischen und zugleich andererseits den Staat für den rumänischen Unterricht zu bezahlen, ob sie es gleich wollten. Allein die jüdischen Einwohner obgenannten Städtchens haben die zähe Lebenskraft des Judenthums auch bei dieser Gelegenheit bewiesen. Einige edeldenkende und für ihr Volk warmfühlende Herren, wie Herr S. Wechsler, Marcus Wechsler, Edelstein und Herr P o l l a c haben den Stier sozusagen

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