Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 21 (25.5.1894)
- Date
- 1894-05-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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'Itr. 21 Vestrrreirtztschr Woitzensitzrly Sette 411 werde er, betheuert der Reuige, Artikel, die mit dem Glauben und der öffentlichen Moral Zusammenhängen, vorher der Kirchenbehörde zur Approbation vorlegen. Die Wiener Antisemiten dürften den hochwürdig-en Herrn nicht mehr als Zugkraft in ihren Versammlungen verwerthen können. EB. Wien. (Das Ende einer antisemitischen Buchhandlung.) In Variirung eines französischen Sprichwortes könnte man die durch die Erfahrung bestätigte Behauptung aufstellen, daß . noch Jeder, der sich dem Antisemitismus ergeben, Schiffbruch erlitten hat und rettungslos verloren ist, nur mit dem Unterschiede, daß das Schicksal dem Einen früher, dem Andern später in Gestalt eines moralischen oder materiellen Bankerottes erreicht. In den letzten Tagen schloß wieder ein Wiener Geschäft für immer seine Pforten. Es ist dies die antisemitische Specialitäten - Buchhandlung Karl Le s k, früher L e s k und Schwidernoch, im Palais Equitable, über deren Concurs seinerzeit hier berichtet wurde. Die unausgesetzten Reclamen haben dieses Geschäft vor dem Untergange nicht geschützt, denn die Partei ist nicht so groß, daß eine Buchhandlung von Käufern aus ihren Kreisen allein leben könnte, und andere Käufer kamen in das Geschäft nicht; auch die Antisemiten besahen sich nur die in, den Schaufenstern ausgestellten antisemitischen Obscönitäten und gruseligen Tractätlein, — von Käufern war nicht die Rede. Der antisemitische Gläubigerausschuß, will von der Fortführung des Geschäftes nichts wissen. Sic trausit gloria nmncli! Wie die Blätter melden, fand im Handelsgerichte die Liquidirungstagfahrt in dem Concurs der antisemitischen Buchhandlung Karl Lesk (vormals L esk und S ch w id ern o ch) statt. Der Masseverwalter Dr. Stöger gab ein Bild von dem Stande der Concursmasse, welcher ein sehr trauriger genannt werden muß. Eine aufsehenerregende Scene ereignete sich hierbei, als einer der „kleinen" Gläubiger, der Tischlermeister, welcher die Einrichtung der Buchhandlung im Palais Equitable für 850 fl. besorgt hatte, mit der ganzen Kraft seiner Stimme diese Summe voll und ganz begehrte, da er sonst ruinirt sei; er sei durch den Tischlerstrike ohnehin schon an den Bettelstab gebracht worden und habe keine Lust, „bei den Deutschnationalen" 850 fl.' zu verlieren. Die Mittheilung, daß er nach dem Stande der Dinge im besten Falle den zehnten Theil seiner Forderung werde erhalten können, versetzte den im Arbeitsgewande erschienenen Meister in eine so hochgradige Erregung, daß der Concurscommiffär und die Versammlung große Mühe hatten, ihn zu beschwichtigen. Die Stimmung des Bedauernswerthen schlug dann plötzlich um, und er bracb in Thränen aus . . . ein Schauspiel, das bei einer nüchternen Liquidirungstagfahrt sonst kein gewöhnliches ist. Was nun den weiteren Verlauf der Liquidirungstagfahrt betrifft, so erfuhr man, daß die Buchhandlung mit den Eigenthümern des Palais Equitable eigentlich einen zehnjährigen Miethvertrag geschlossen hatte, welcher dem voreiligen Buchhandlungsbesitzer sehr unangenehm hätte werden können, wenn nicht die Eigenthümer des Palais freiwillig den Contract gelöst hätten; hiezu sahen sich dieselben hauptsächlich aus dem Grunde veranlaßt, weil die Buchhandlung den Zins schon in der ersten Zeit nicht pünktlich zu zahlen vermochte. Der Passivstand beträgt ungefähr 50.000 fl., der Activstand ist fragwürdig, da er zumeist aus uneingebrachten und vielleicht auch uneinbringlichen Forderungen besteht. Unter den Gläubigern, welche bei der heutigen Tagfahrt noch Forderungen anmeldeten, befinden sich zumeist Buchhandlungen, ferner mehrere antisemitische und deutschnationale Reichsraths- Abgeordnete und die Mutter des Cridatars, welche übrigens die größte Förderung an die Concursmasse stellt. Das Bücherlager kann die Massaverwaltung sehr schwer anbringen, da es fast durchwegs aus Erzeugnissen der Hetzliteratur, angefertigt in Wien, Salzburg, Berlin und Dresden, besteht; es scheint, daß die Kauflust unter den „Gesinnungsgenossen" vollständig ausgestorben ist; nicht einmal die Schönerer-Broschüren und Zeitschriften und' die „jüdischen Bilderbogen" finden mehr Absatz; in solchen Artikeln ist sehr viel auf dem Lager, und vielleicht kommt es noch zum „Ausverkauf". Mit Rücksicht auf diesen bis jetzt nicht an den Mann gebrachten Bücherschatz sieht sich die Massaverwaltung genöthigt, in aller Eile ein neues, wenn auch bescheidenes Gewölbe zu miethen und dasselbe so lange offen zu halten, bis die Bücher angebracht sind, wozu wir ihr bestens Glück wünschen. Mit der Beglaubigung und Anerkennung der angemeldeten Forderungen schloß die Tagfahrt. Kopreirritz, (Croatien) 22. Mai. (Ein antisemitischer Hotelier.) Cxistirt da in unserer Stadt ein Hotel unter dem Namen „Hotel zum Kaiser von Oesterreich", dessen Case bis vor kurzer Zeit der Sammelplatz der hiesigen und aus der Umgebung hieher kommenden zumeist jüdischen Kaufleute war und dessen Hotel und Speisesaal noch jetzt von Reisenden zumeist jüdischer Confessivn sehr stark frequentirt wird. Der Hotelier mag wohl im Geheimen in „Antisemitismus" gemacht haben, doch war derselbe klug genug, seine Abneigung gegen uns Juden zu verbergen, und war ganz zufrieden, wenn sein Cafe und die Hotelzimmer von jüdischen Kausleuten und Reisenden immer gut besucht waren. Nun änderte sich das Bild plötzlich. Kommt da vor circa 2 Monaten der Sohn des Hoteliers, Namens Franz Pichler, ein, wie sich die Fama erzählt, aus Berlin polizeilich ausgewiesenes Individuum, und übernahm als Oberkellner die Leitung des Hotels und Cafes. Dieser famose Oberkellner macht von seiner Abneigung gegen Alles was Jude heißt oder einem Juden nur ähnlich sieht, durchaus kein Hehl; kurze Zeit, nachdem derselbe die Leitung des Hotels übernommen, inscenirte er einen Krawall vor seinen Gästen, wobei wir Juden nicht ganz glimpflich wegkamen. Das Facit war, daß sich die hiesigen jüdischen Kausleute seit dieser Zeit von dem Besuche dieses Cafes gänzlich fernhalten und nach Möglichkeit duhin wirken, daß auch Kaufleute der Umgebung dieses Cafe meiden. Dieses Beispiel der hiesigen Kaufmannschaft sollten die häufig hieher kommenden Herren Reisenden jüdischer Confessivn auch nachahmen und ein Hotel meiden, wo unsere Glaubensgenossen vor Insulten keineswegs geschützt und wo der Leiter desselben offen erklärt, keinen Juden ansehen zu können. Es gibt ja hier noch ein Hotel, wo sich der Eigenthümer, einer unserer Glaubensgenossen, gewiß Mühe nehmen wird, die Herren Reisenden in Allem und Jeden zufrieden zu stellen. Bemerkenswerth ist noch, daß der Hotelier keinesfalls der Eigenthümer des obbenannten-Hotels ist, der Besitzer desselben ist ein in Groß-Kanizsa wohnender Glaubensgenosse, dem diese Zeilen gleichzeitig zur Darnachachtung dienen mögen. S. Berlin. (Die Religionsbekenntnisse und die höheren Studien in Preußen.» Die drei hauptsächlich vertretenen Religionsbekenntnisse stellen einen verschiedenen Antheil zu denjcnigen Standen, welchen im preußischen Staate die intellectuelle Leitung, sei cs staatlicher oder privater Remter und Betriebe, obliegt. Inwieweit hierauf das Religionsbekenntniß als solches eine innere EirWirkung ansiibt, entzieht sich derjenigen llntersuchnng, welche sich auf statistische Grundlagen stützen will. Diese fördert nun die Thaisache zu Tage, daß die Dertheilung der einzelnen Nationen und Stämme auf die verschiedenen Bekenntnisse sich auch bei der B e r u f s w a h l und beim weiteren Fortkommen äußert, insofern die katholische Bevölkerung zum großen Theile den Osten der Monarchie und das platte Land bewohnt, die jüdische vornehmlich unter dem Lebens- und Bildungsbedingungen der großen Städte auswächst, während die große Masse der evangelischen Bevölkerung zugleich an dem gebildeten mittleren Bürger- und Beomteuthnme dcn höchsten Aniheil hat und ihren Schwerpunkt weder ans der einen noch der anderen Seite findet. Diese Beobachtung, daß nämlich die verschiedene Verkeilung der einzelnen Religionsbekenntnisse auf bestimmte Stammes- und Berufsgruppen die feststehende Bedingung und Ursache für die zuerst erwähnte Thalsache bildet, erfährt ihre Bestätigung durch die Stetigkeit der Erscheinung in verschiedenen Lebensaltern, und zwar in dem Sinne, daß das Streben nach bestimmten Bernfsarten sich schon in der V o r b i l d n n g s z e i t bemerkbar macht und bei der Erziehung die verschiedene Richtung der Berufswahl allgemein erkennbar wird. Hauptsächlich kommt hier einerseits die Vernachlässigung höherer w i s s e n s ch a s 1 l i ch e r B i l d u n g durch die katholische Bevölkerung, andererseits das starke Andrängen der jüdischen zu ihr in Betracht. Die männliche Bevölkerung besteht zu 64 0 Hunderttheilen aus Evangelischen, zu 344 aus Katholiken und zu 1-2 vom Hundert aus Juden. In diesem Verhältnisse müßten sich die Anwärter höherer Bildung bei gleichartigen Vorbedingungen ebenfalls befinden. Daß dies nicht der Fall ist, zeigt die folgende Zusammenstellung über die Schüler der höheren Schulen. Danach betrug im Durchschnitte der Halbjahre Sommersemester 1887 bis Wintersemester 1891/9-2 unter alleiniger Berücksichtigung der Hauptanstalten, also mit Ausschluß der Vorschulen, au der Gesammtfrrqurn; der auf den Oie 2?XjpU££gfcllU ueu Evangel. Txatftül. Juden Rnsialtkn der Antheil der Evangrl. Kathol. Juden höheren Bürgerschulen 6.1)01 1.527 751 75.0 16.ü 8.2 Realschulen. 4295 1.155 913 67.2 18.1 1-1.3 Vbrr-Realschulen . . . 3.497 629 299 78.4 14.1 6.7 Realprogymnallen. . . 7.076 1.18° 494 76.2 16.0 Realgymnasien .... 19.935 3.146 2.358 73.1 12.3 9.2 Progynmasien. 2,282 1.948 337 49.9 42 6 7.4 Gymnasien. 17.918 7.015 67.8 23.0 9.0 zusammen 96.786 27.805 12.167 70.5 20.3 8.9